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Montag, 6. Februar 2017

"You are Witty & Pretty" Late 18th century Needlecase

Bislang hielten meine Nadeln ihre wohlverdiente Rast vom Nähen in einem kleinen Kissen in einer Holzschatulle. Bei täglichem Gebrauch im Haus am Nähtisch ein durchaus sinnvoller Platz, aber für unterwegs nicht immer geeignet. Umso rascher gewann bei einem virtuellen Spaziergang im Netz ein kleines Utensil mein Herz: ein Nadelköcher aus dem späten 18.Jahrhundert aus Emaille.
Diese neckischen Nadelbehältnisse sind oftmals kaum größer als ein heutiger Lippenstift und passen somit in das kleinste Retikül. Außerdem sind sie Kunstwerke en miniature.
Until recently I used to keep my needles and pins in a cushion in a wooden chest for their well earned rest. For the daily use inside the house at the sewing table this always proofed to be a reasonable place, but never for out and about. All the more a tiny implement quickly won my heart upon a virtual stroll through the width of the internet: a late 18th century needle case made of enamel.
These whimsical needle cases have been hardly bigger than today's lipstick, hence they'd fit even in the smallest of reticules. Furthermore they are little pieces of art.
Enamel Etui (Quelle/source: Royal Collection Trust)
18th century enamel sealing wax (?) case (Quelle/source: rubylane via pinterest)
Ein wahrer Hingucker, oder? Zumeist sind diese herrlichen Alltagsbeglücker nur etwa um die 10 Zentimeter groß gewesen und dennoch steckte soviel Detailverliebtheit und Schönheit darin...und einige waren einfach herzig, so wie das Stück, das es mir angetan hatte.
Real eye candy, isn't it? Usually these amazing pieces measured only around 10 centimetre and still they were so rich in detail and beauty...and some are simply cute, as the one, which I have chosen.
ca.1770 antique Bilston/Staffordshire enamel needlecase (Quelle/source: ebay via pinterest)
Kein Wunder, dass der Preis in der Auktion derart hoch geklettert ist, denn dieses Geschenk kam damals sicherlich von Herzen und hat selbiges beim Empfänger hoffentlich zum Schmelzen gebracht.
Leider habe ich keinen Einblick in die Technik des Emaillierens und so zerbrach ich mir ein paar Tage den Kopf, wie man das Schmuckstück für den heimischen Nähtisch (und für unterwegs!) nacharbeiten könnte. Glücklicherweise entdeckte der Herr des Hauses alsbald einen hölzernen Köcher, der sich für die Arbeit anbot.
No wonder that the price in the auction went that high, because this gift was probably straight from the heart of the giver and hopefully also melted the heart of the recipient.
Unfortunately I had no clue on the technique of enamel, thus I've spent a few days to find a way to recreate the little gem for my sewing table (and for out and about!)
Luckily my dear husband found a suitable wooden case, that would work well for the project.

Zunächst stand Schleifen und Grundieren auf dem Plan, ehe die erste blaue Farbschicht aufgetragen werden konnte...und zwischendurch immer ausgedehnte Trocknungszeiten.
First sanding and priming was due, before the first blue coat was made...and in between extended drying time.
Das Original misst 3 7/8 Zoll (also 9,8 Zentimeter), während mein Holzköcher 3 3/8" (8,5 Zentimeter) groß ist. Die Bemalung war wirklich eine Herausforderung und es ging mit kleinsten Pinseln und Zahnstochern ans Werk. Und dann kamen mehr als zehn Schichten Klarlack.
The original measures 3 7/8 inches, while my copy case is 3 3/8 inches long. The painting was a challenge and I went to work with the tiniest of brushes and toothpicks. And then it was finished with more than ten coats of varnish.
...und nach der zehnten oder elften Schicht Klarlack kam dann ein Seufzer der Erleichterung und Freude. Auch wenn es keine echte Emaillearbeit geworden ist, dieses kleine Projekt hat den Spruch auf dem Nadelköcher "May you be happy" bereits erfüllt.
...and after the tenth or eleventh coat of varnish I made a sigh of relief and happiness. Even though it's not an enamel piece, this little project already fulfilled the saying that is written on the needle case "May you be happy".

Ein zusätzlicher Messingring wurde eingesetzt. Im Gegensatz zu dem Original verfügt der Nadelköcher nicht über einen Messingschaft, sondern hat ein kleines Gewinde.
An additional brass rings was attached. While the original needle case is closed over a brass shank, mine has a brass thread.
Schöner kann man Nadeln eigentlich nicht aufheben!
Isn't this is the most stunning place for needles!

"You are witty and pretty"

Und wer genau hingesehen hat, es sind gleich zwei Stücke geworden.
And for those who have a keen eye, I've finished two of them.
 
Derzeit helfen sie mir bei der Fertigstellung des gequilteten Spenzers. Dank dieser Unterstützung hat man gleich am frühen Morgen bei Arbeitsbeginn gute Laune,...
Currently they help me working on my quilted spencer. With this support early morning at the sewing table starts with bliss,...

...auch wenn - Fehlsichtigkeit sei Dank - die Arbeit mitunter von Fluchen begleitet war und der Farbnebel gefühlt tagelang aus der Werkstatt durch das Haus waberte.
...even though - due to ametropia - the works were frequently accompanied by swearing and it felt as if the drizzle crawled endlessly throught the house like fog. 

Long may you live & be happy

Dienstag, 18. Oktober 2016

Fächer, Sonnenfächer, Waderle, ein wigtiger Artikel im Putzhandel,... [sic]


Es wäre übertrieben, wenn ich behaupten würde, dass der Mangel an einem feinen Fächer mir bislang Sorgen bereitet hätte, allerdings änderte sich meine Meinung in diesem Jahr, denn da stand mal wieder ein Antrittsbesuch in Herzogin Anna Amalias Wittumspalais in Weimar an und dort bei der spätsommerlichen Hitze ohne Fächer zu erscheinen, hätte sicherlich einige fragende Blicke zur Folge gehabt.
Umso überraschter war ich, als sich mein Gedankengang diesbezüglich mit einem Fund auf dem Antikmarkt kreuzte. Von Blicken verschmäht lag da zusammengekauert ein kunstvolles Gerippe in Seide gehüllt: ein Fächer. Mir blieb die Luft weg, als ich im Geiste heraufbeschwor, wie er mir in ganzer Pracht selbige zukommen ließ. Ich hob ihn vorsichtig auf und ließ noch mehr Vorsicht walten, als ich ihn zu öffnen versuchte...er hatte schon bessere Zeiten erlebt...viel bessere Zeiten, damals im letzten Viertel des 18.Jahrhunderts.
Ich nahm ihn mit nach Hause, um seine Geschichte zu hören und ihn - trotz seines Zustandes - wieder die einstige Bewunderung zukommen zu lassen.
It would be an exaggeration, when I'd tell that my lack of a proper fan would have ever made me worry, but I changed my mind this year, because once again we would visit the Duchess Anna Amalia's Wittumspalais in Weimar, and going there in the warmth of September without a proper fan would have caused plenty of frowns.
I was caught by surprise when my thoughts about that were crossed by a lovely find on the latest antique market. Disdained by the attention of passerby, I spotted an ornate carcass wrapped in silk: a fan. I gasped for air, when in my mind's eye I imagined, how the fan in all it's glory would do it's duty and provide me with said air. I carefully picked it from the table and proceeded with even more care while opening it...it has seen better days...much better days, back in the last quarter of the 18th century.
I took the fan home, to listen to it's story and - despite it's plight - give back some of the admiration it once abundantly experienced.

Die Seide ist an zwei Stellen gerissen und ein Flügel des Blattes fehlt. Außerdem war ein Stab gebrochen und einer fehlt.
The silk is ripped at two ribs and one part of the leaf is missing. And one stick is broken close to the pivot and one missing entirely.

Die Stäbe sind aus Bein und wunderschön mit kleinen Pailletten, die schwärzlich angelaufen sind, ornamentiert.
The monture is made of bone and is beautifully embellished with tiny sequins, which are now tarnished.

Die Deckstäbe sind geschnitzt und mit Pailletten verziert. Sie finden eine Wiederholung in der Seide...
The guards are carved and adorned with sequins. The pattern is repeated in silk...

...und Goldfarbe.
...and gilt paint.

Die Darstellung der Mitte.
The picture in the middle.

Auch hier wurde mit Gold und Silberwerk gearbeitet.
The outlines are embellished with gold and silver.

Der Fächer mißt 26 cm in der Länge. Die dargestellten Szenen werden den Zeitgenossen sicher einiges verraten haben, mir liegt ihre Bedeutung leider im Dunkel.
The fan measures 26 cm in lenght. The depicted scene surely have told it's contemporaries a story, but unfortunately the meaning remains silent to me.


Alles was mir bleibt, ist die feine Handwerkskunst zu bewundern, die nicht nur auf der einen Seite des Fächers zu finden ist, sondern auch in vereinfachter Form auf der Rückseite.
All I can do is admire the lovely craftmanship, which is not only shown on the front of the fan, but also on the back in a less elaborate painted silk layer.


Die Darstellung der Vorderseite findet sich in reduzierter Form in schwarzen, blauen und roten Strichen. Die Seide ist doppellagig verarbeitet, sodass man die Rippen des Fächers nicht sieht.
The image from the front is also on the back, but not fully painted, there are only black, blue and red outlines. The silk is added in two layers, hence the ribs of the fan are hidden.

In der mittleren Darstellung fehlen die beiden Figuren (Mann und Frau), lediglich der Engel ist noch aufgemalt.
In the middle scene two figures are missing (man and woman), only the angel is painted in.
In diesem Ausschnitt sieht man deutlich die Nähte der Pailletten der Vorderseite.
This detail reveals the seams of the sequins from the front.


 
Selbstverständlich käme es mir nicht in den Sinn eines dieser kostbaren Originale für meine Darstellung zu nutzen, sie bleiben als Zeitzeugen in meiner Sammlung und werden durch entsprechende Lagerung vor weiterer Vergänglichkeit geschützt.
Aber dennoch war der Wunsch nach einem Fächer endgültig geweckt. 
Leider verfüge ich nicht über solch außerordentliche Fähigkeiten wie die französischen und russischen Fächermacher, die Ende des 18.Jahrhunderts die Damenwelt mit ihren Arbeiten beglückten.
Durch Zufall fand ich einen sehr orginellen Druck, der meinem Fächer als Vorlage dienen sollte...und einen gebrauchten Souvenirfächer aus Spanien.
Of course I would never ever use such fragile and valuable pieces of the past for my wardrobe, they remain as contemporary witnesses in my collection and are saved from further decay with conservation storage.
Nevertheless I still needed a proper fan.
Unfortunately I have none of the magnificient abilities like the french and russian fan makers back in the 18th century, who delighted every ladies' heart.
I stumbled upon a witty and lovely etching, which became the template for my work...and I purchased a wooden souvenir fan.

1795, The Ladies Bill of Fare, George Wilson, acces.no. 38.91.23 (Quelle/source: met Museum NY)
Das Gestell des Fächers wurde vom bisherigen Fächerblatt befreit, dann wurden die Stäbe entsprechend dünner gefeilt und schließlich lackiert.
The frame of the fan was freed from the former fan leaf, before I rasped and sanded the sticks to a much smaller size, and finally it was painted.

Ich wählte einen feinen Mousslin und wandte mich vertrauensvoll an ein Kopiergeschäft, die auch Stoffdruck anbieten. Erstaunlicherweise zeigt die bedruckte Oberfläche sehr viel Ähnlichkeit mit dem Original aus dem 18.Jahrhundert.
I've chosen a fine muslin and commissioned a copy shop, which also offer to print on fabrics. The finished printed surface of the muslin has an amazingly similarity with the silk of the original of the 18th century.
Auf der Rückseite werden die Rippen nicht verdeckt. Da der Stoff hier noch sehr hell war und nicht recht zum Druck passte, half ich vorsichtig mit einer Teefärbung nach.
The ribs on the back aren't hidden. As the fabric was a different shade then the front I applied some tea dye.

Das Fächerblatt habe ich mit einem Stärkekleber aufgeklebt.
The leaf was added with starch glue.

Das Fächerblatt bringt mich immer wieder zum Schmunzeln. Es ist heute noch ebenso gültig wie 1795 als George Wilson es gezeichnet hat.
The fan leaf makes me giggle. It's still as valid today as it was 1795, when George Wilson painted it.
"To plague and please all womankind,
Here's Gallants sure a plenty,------
Chuse then a Beau to suit your mind,
Or change till' one content ye."


Die heutige Überschrift stammt aus Gottfried Christian Bohns Waarenlager (Quelle: googlebooks)
Today's headline is taken from Gottfried Christian Bohns Waarenlager (Source: googlebooks)

Mittwoch, 6. Januar 2016

Über Stroh und so...

Ja ich weiß, mein Seufzen ob der Verarbeitung des Strohhuts für den Vernet Merveilleuses & Incroyables Modekupfer klingt noch durch die Höhen und Täler des Sauerlandes...
Aber besagtes "Nie wieder Stroh!" war rasch vergessen, als ein lieber Freund und großer Verehrer des Directoire und Consulat mich eher zufällig auf ein besonderes Reticule in der Sammlung Villa Rosemaine stieß.
Die kleine Tasche weckte augenblicklich mein Interesse. Die Oberfläche hatte einen wunderbaren Glanz. War das Seide? Nein, es handelte sich bei dem Material um Stroh...Grund genug allen Verdruss zu vergessen und sich abermals diesem faszinierenden Werkstoff zu widmen.
Yes I know, my sighing upon the assembling of the straw hat for the Vernet Merveilleuses & Incroyables fashion plate still echoes through the hills and valleys of the Sauerland...
But said "Never ever straw again!" was quickly forgotten when a dear friend and great admirer of the Directoire and Consulat turned my attention to a reticule from the Villa Rosemaine Collection by fluke.
The charming bag caught my interest in an instant. The surface attracted me with a beautiful shine. Was it made of silk? No, the chosen material was straw...reason enough to forget the past struggle and embrace the fascinating material once again.
1806, Gottfried Christian Bohns Waarenlager (Quelle/source: googlebooks)
Transkription:
In Frankreich verfertigt man in mehreren Gegenden vielerley Arten von Möbeln mit buntem Stroh überflochten im neuesten und besten Geschmack, Tische in mancherley Formen, Feuerschirme, Fächer, Blasbälge, Souvenirs, Etuis, Theebüchsen, Arbeitsbeutel und allerley Kästchen für Frauenzimmer.
Translation:
In some regions of France many varieties of furniture are embellished with coloured straw, following the best and latest taste, tables in different styles, fire screens, fans, bellows, souvenirs, cases, tea caddys, working bags and different boxes for ladies.

Buntes Stroh für einen Arbeitsbeutel. Genau nach diesem Hinweis hatte ich gesucht. Und glücklicherweise lassen uns die Quellen nicht im Stich, wenn es darum geht, die Verarbeitung des Strohs aufzudecken.
Coloured straw for a working bag. That was exactly the hint I was looking for. Luckily the sources never let us done when it comes to the process of making such straw bags.
1806, Gottfried Christian Bohns Waarenlager (Quelle/source: googlebooks)
Transkription:
Zu eingelegten Arbeiten wird das Stroh gespalten, indem man es benetzt, der Länge nach aufschneidet, etlich Male unter einem Messer herzieht, dadurch ganz gleich und glatt macht, vor- oder nachher auf verschiedene Art färbt, und es dann auf Pappe oder Holz leimt, wobei man verschiedentlich gefärbte Halme zusammenlegt und zu mancherley Figuren ordnet.
Translation:
In the process the straw is split after it was wetted, then it is cut several times in length. The next step is running over it with a knife, which will make the straw even and glossy. Before or after this step the straw is dyed and then glued to cardboard or paper, arraning the stems in patterns.

Die erste Hürde war das Färben der Strohhalme. Ich bemühte einige Quellen und stellte fest, dass es ein umständlicher Arbeitsgang war, denn Stroh besitzt eine natürliche Wachsschicht und um das Eindringen der Farbe zu gewährleisten, ist ein chemischer Vorgang vonnöten.
Ich entschied mich daher, bereits gefärbte Ware zu erwerben. 
Die Halme landeten zunächst für mehrere Stunden in einem lauwarmen Wasserbad.
The first obstacle was the dye. I searched for more sources and soon realized, that on one hand it was a tedious process, because naturally straw has a waxed surface, and on the other hand such material called for a chemical treatment.
Hence I decided to purchase dyed straw.
The stems ended up soaking in luke warm water for a few hours.

Links sieht man das Stroh vor dem Wasserbad, rechts ist es bereits gespalten und glattgebügelt. Die Farbe ist - wie damals auch - wasserfest.
On the left is the straw before taking it's bath, on the right it is already split and ironed flat. The dye is - like it was back then - waterproof.

Beim weiteren Zuschnitt der Halme hielt ich mich an die Vorgabe des Originals der Villa Rosemaine.
Further widths were decided upon the original reticule from the Villa Rosemaine.
    
Auch den Zuschnitt für die beiden notwendigen Pappen habe ich vom Original übernommen.
Die Wände messen etwa 24 x 20 Zentimeter und sind mit Baumwollstoff überzogen. Diesen Stoffüberzug benötigt man später beim Zusammennähen mit den gepaspelten Seiten. Als Kleber habe ich einen Stärkekleber verwendet.
I also copied the cardboard pieces from the original.
The pieces measure approx. 24 x 20 Centimetre and they are covered with cotton. This cover is necessary in a later step, when the pieces are sewn to the piped side piece. I used a glue based on starch.

Mit diesem Kleber werden auch die Halme auf die vorbereitete Pappe geklebt. Das Stroh wird mit einem Falzmesser glatt aufgepresst. Sind alle Halme aufgeklebt, werden die Ränder entsprechend mit einer kleinen, feinen Papierschere zugeschnitten.
This glue was also used to put the stems onto the prepared pieces. The straw is pressed on the surface with a folding knife. When all stems are attached, the edges are cut with a very fine paper scissors.

Die Oberfläche hat einen wunderbaren Glanz.
The surface is beautifully glossy.

Die angedeutete Klappe des Retiküls aus Seide und Stroh (auf Pappe). 
Ich freue mich sehr, dass ich genau die Seide aus einem Altbestand erworben habe, die dem Orignal nahe kommt, obwohl die Farbe nur als "Gelb" gekennzeichnet war. Einer meiner Vorsätze für dieses Jahr ist es, bei Material tierischen Ursprungs (Leder, Seide und Wolle) ausschließlich auf Altbestände zurückzugreifen. Überhaupt möchte ich versuchen vorrangig mit Stoffen und Materialien zu arbeiten, die aus alter Lagerware stammen, was sicherlich interessant wird, denn oftmals werde ich auf abweichende Farbtöne etc. zurückgreifen müssen, also so agieren, wie es in den Zeitungen um 1800 beschrieben wird, wenn ein Händler einen Ballen von jener Farbe und Güte bekommen hat. Auch damals war man in der Auswahl häufig eingeschränkt und mußte hier und da umdenken oder stückeln.
The faux flap of the reticule made of straw (on cardboard) and silk.
I am very happy that I managed to get exactly the silk I was looking for from vintage stock, although the colour was merely offered as "yellow". One of my resolutions for this year is to get animal fibres (leather, silk and wool) only from vintage stock. Actually I would like to try to work more with materials and fabrics from vintage stock, which might be interesting, because that means that I might have to deal with different colours or lenghts. This is exactly what happened in the papers around 1800 when a merchant in a small town suddenly offered a bolt of new fabric. Many have been quite limited in their choices and instead come up with new ideas or piecing.

 Die gepaspelte Seide für das Seitenteil wird entlang der Bogenkanten angenäht. Der Streifen ist ca. 5 Zentimeter breit. In die verbundenen Pappen wird dann noch ein Beutel eingenäht, der spätere Taschenbeutel.
The piped silk for the side piece is stitched along the scalloped edges. The stripe is about 5 centimetres wide. Between the connected cardboards another bag is stitched in, this will be the actual bag.
Der fertige Arbeitsbeutel. Die Vorderseite grüßt in glänzendem Stroh, die Rückseite in schlichter aber nicht minder glänzender Seide.
The finished working bag. The front shows the glossy straw, the back the more plain but also glossy silk.

Die Kordel war eine weitere kleine Herausforderung, denn eine Seidenkordel in diesem Farbton war auf dem Antikmarkt nicht aufzutreiben. Ich entschied mich schließlich für eine weiße Kordel aus glänzender Viskose, welche ich in einem Bad aus heißem Kaffee und Rotwein in genau den passenden Ton färbte.
The string was a further challenge, because I couldn't get a silk string in the exact shade on the antique market. I eventually decided on a white string made of glossy viscose, which I dyed in a bath of hot coffee and red wine into the exact colour.

Die Kordel wird entlang der Paspel angenäht.
The string is stitched down along the piping.

Ein Blick auf die Seite. Die Stroharbeit glänzt wunderbar.
A view of the side. The straw has a wonderful shining structure.

Die verarbeiteten Materialien auf einen Blick.
The different materials in one glimpse.

Kein Wunder, das diese Arbeiten nicht nur in Frankreich beliebt waren, sondern auch den Weg nach Deutschland fanden, wenngleich zunächst auch nur zögerlich. Sachsen war bekannt und geschätzt für derartige Stroharbeiten vom Strohhut bis zu diesen entzückenden Taschen.
Besonders erwähnenswert sind die Geschwister Engelhardt aus Dresden und ihre Strohwarenfabrik, sie haben wohl tatsächlich aus Stroh Gold gesponnen.
Not surprising that this beautiful fashion spread from France to Germany, albeit the german ladies warmed up to it only gradually. Saxon was famous for such straw products like hats and bags.
The most outstanding factory was Geschwister Engelhardt in Dresden, they might truly have spun straw into gold.
1797, Oktober, Journal des Luxus und der Moden, Moden-Neuigkeiten (Quelle/source: thulb Jena)
Transkription:
Aber heirbey blieb der spekulative Erfindungsgeist der Dresdner nicht stehen. Sie lernten nun auch die aufgeschlitzen Halme durch besondere Werkzeuge glätten, daß sie wie Spiegel glänzten, durchflochten und durchnähten die meisten Strohgeflechte mit buntgefärbten, ebenso zubereitetem Strohe, leimten diese auf Seide und Atlas auf, erfanden alle Wochen neue Facons von Hüten, Toquen, Hauben, machten von selbst zierliche Guirlanden, Federbüsche, Bänder, Schnüre aus eben diesem Material, und trugen es auch auf andere Gegenstände des Luxus, auf Arbeitskörbe, Vasen, Tafelaufsätze, Bouquets u.s.w. über. Den Anfang zu allen diesen künstlichen Strohverfeinerungen machte die Familie Engelhardt in Dresden.
Translation:
But the zest for inventing new things did not stop there for the Dresdner. They learnt to smooth and polish the split stems of the straw with special tools, thus they would be glossy like mirrors. They braided the coloured straw, glued it to silk and satin and invented a new style every other week for hats, toques, caps, they made delicate garlands, tufts of feathers, ribbons, strings from this very material, and added it to other luxery goods such as working bags, vases, table's centerpieces, bouquets, etc. The first, who came up with these fine straw works was the family Engelhardt in Dresden.