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Montag, 17. August 2015

Never go anywhere without the proper underwear!

Einige meiner Leser haben sich sicherlich schon gewundert, was denn dieser link in meinem Sidebar bedeutet, der zu Beginn des Jahres plötzlich dort aufgetaucht ist.
Some of my readers probably have wondered about the link on my sidebar, which appeared at the beginning of this year.

Ich freue mich sehr, dass ich Teil dieses großartigen internationalen Projekts bin, in dem binnen eines Jahres die Ensembles aus Carle Vernets Modekupferreihe "Merveilleuses & Incroyables" nachgearbeitet werden.
Auf unseren Blogs dürfen wir ausführlich über unsere Arbeit berichten, allerdings wird weder verraten an welchem Kupfer wir arbeiten (für alle mit einer Kombinationsgabe eines Sherlock Holmes dürfte es dennoch nicht schwer sein, das Rätsel zu lösen), noch wird ein Bild des kompletten Ensembles vor dem großen Finale im Dezember veröffentlicht.
Mehr zu dem Projekt und den Teilnehmern findet sich hier:
I'm beyond happy that I'm part of an amazing international project, in which - in the course of a year - the ensembles from Carle Vernet's fashion plate series "Merveilleuses & Incroyables" are recreated.
We are allowed to give indepth insights in our working process, however we neither should tell on which ensemble we work (if you have sherlockian qualitis you might find out anyway), nor show a picture of the entire outfit befor the great finale in December.
More about the project and it's participants can be found here:

Da ich nie müde werde zu betonen, wie wichtig die passende Unterwäsche für ein Kleidungsstück ist, stand es außer Frage, dass ich mit einer Chemise und einem Schnürleib beginnen wollte.
Da über beides aber bereits sowohl in einigen meiner vergangenen Blogbeiträgen, als auch auf den Blogs anderer Teilnehmer berichtet wurde, beschränke ich mich auf einen Arbeitsgang, der oft als kniffelig empfunden wird.
Über die Chemise hat Jen bereits für das Vernetprojekt auf Festive Attyre "Regency Chemise" einen Artikel geschrieben.
As I never get tired emphazising the importance of proper undergarments, it was out of question that I would start this project with a chemise and a pair of stays.
As there are plenty of references and tutorials on both here on my blog and the blogs of the other participants, I'm going to focus on a part of sewing, which usually seemed to be a bit tricky.
Jen already made a lovely blogpost Festive Attyre "Regency Chemise".

Auch über den Schnürleib nach J.S. Bernhardt habe ich bereits ausführlich in dem Beitrag "Schnürleibstudien" berichtet. Dort finden sich verschiedene Modelle und wie man das Patron dazu erarbeitet.
Ich habe mich abermals für das Modell "C" entschieden.
Nachdem ich den Schnitt nach der Formel berechnet habe, wurde er zunächst ausgedruckt.
I've also already written in depth about the short stays after J.S. Bernhardt in the post "Short stays studies". There are three different models and an explanation how the pattern is calculated and made up.
I decided once again to assemble pattern "C".
After calculating the pattern with the formula, I've printed it out.
Da keine Nahtzugabe im Schnitt enthalten ist und er an einigen Stellen angepasst werden mußte, habe ich meinen endgültigen Schnitt nochmals übertragen. 
As there's no seam allowance added in the pattern and I had to adjust a few parts, I made the final pattern on another piece of paper.

Außerdem habe ich die Zwickel und Träger auf meine Maße und Bedürfnisse angepasst.
I also adjusted the gussets and shoulder straps to my measurements and needs.

Ganz wichtig: das Schnittmuster wird im Querverlauf des Stoffs ausgeschnitten, wobei die Kante mit der Rückenschnürung dem Stoffverlauf folgend gelegt wird. Ich habe mich für einen Baumwollstoff in Leinwandwebung entschieden, der zweilagig verarbeitet wird.
Most important: the pattern is cut out on the bias of the fabric, therefore the edge with the lacing follows the selvedge. I decided on a cotton in plain weave for the two-layer garment.

Das Einsetzen der Zwickel stellt bei den Schnürleibern oftmals eine Herausforderung dar.
Um das Schnittteil einzusetzen, werden zunächst die Linien im Stoff eingeschnitten und dann knapp nach innen umgebügelt (etwa 0.5 cm)
The gussets on the stays often seem to be a challenge.
To sew in the piece, the fabric is cut along the marked lines first, then these are neatly folded to the inside and ironed (approx. 0.5 cm)



Die Kanten sind nach innen eingeschlagen...
The edges are folded to the inside...

...und die Ansicht von Außen.
...and the view from the right side.


Der Zwickel wird von der Rückseite aufgelegt und festgeheftet. Die Nahtzugabe entspricht hier der, von den umgeschlagenen Kante.
The gusset is attached from the back and pinned in place. The seam allowance is the same measure as the folded edge.

Der Zwickel wird von außen mit kleinen Rückstichen festgenäht.
The gusset is topstitched with running stitches.

Ein Blick auf die Rückseite.
The view from the back.

Die vollendeten Zwickel.
The finished gussets.

Auf meinem Nähtisch liegt bereits der Unterrock von meinem Ensemble, der überraschend aufwändig ist, denn er verschwindet nicht etwa unter dem Kleid, sondern wird ein richtiger Hingucker, an dem auch Carle Vernet seine Freude gehabt hätte.
I already started with the petticoat, which is amazingly detailed, because it won't be hidden under the dress, instead it will be a real eye catcher, which Carle Vernet surely would have fancied.

Sonntag, 4. Januar 2015

Wenn sich wirthliches häusliches Ansehen und Eleganz vereinen...

...trägt die Dame wohl eine schwarze Taffent-Schürze.
Das zumindest behauptet der Verfasser in einem Modebericht aus Berlin im August 1811.
Der Bericht fand im Oktober des selben Jahres Eingang in das Journal des Luxus und der Moden.
Bislang habe ich meinen Lesern das Kapitel beim zurückliegenden Journal Journey into the Year 1811 vorenthalten, denn zu jener Zeit trug ich mich bereits mit dem Gedanken im Rahmen einer Museumsdarstellung eine Putz-und Modehandlung vorzubereiten.
Aber der Reihe nach, zunächst ein Blick auf den Artikel aus dem Journal des Luxus und der Moden:
If a dutiful domestic appearance also reflects elegance...
...the lady probably's wearing a black taffeta apron.
At least this is the essence of some fashion news from Berlin in August 1811.
The article was published later that year in October 1811 in the Journal des Luxus und der Moden.
I held back this article back during the Journal Journey into the Year 1811, because back then I was already working on the idea of re-creating a milliner's shop within a museum's presentation.
But before any further explantion will follow, a quick glimpse on the excerpt from the Journal des Luxus und der Moden:

Transkription 
Wie doch jede Mode wieder hervorgesucht wird, und wie doch Manches, was vor einigen Jahren verbannt wurde, wieder Gnade vor den Augen unserer Schönen findet!
So geht es mit den schwarzen Taffent-Schürzen, welche man diesen Sommer ganz erstaunend häufig sieht. Man kann sie wirklich zu den gefälligen Trachten zählen, sie giebt den Damen ein so häusliches und dennoch elegantes Ansehen. Es ist nun wohl wahr, dass die Mode-Damen gewöhnlich das erstere Beiwort an ihrem Anzuge eher vermeiden, als suchen, aber es gibt doch zuweilen eine Periode, wo sie es ganz artig und hübsch finden, ein wirthliches häusliches Ansehen zu haben, wenn es sich mit der Eleganz gut verträgt.
Sie werden ohne Taille getragen. Ein schmaler Gurt geht um den Leib, und ein breites Trageband über die Achsel. Jedoch müssen diese Schürzen nur schwarz sein, bunte werden gar nicht getragen.
 Translation 
It seems every fashion returns, and some garments, which have been neglected years ago, are suddenly accepted again by our belles!
Like the black taffeta aprons, which are very popular this summer. They are really decent garments, as they tend to give the ladies a domestic, yet elegant appearance. It is an universal truth that fashionable ladies try to avoid the first designation in regard of their dress, but there are times when they dutifully approve an inviting domestic style, when it’s presented with such elegance.
They are worn without bodice. Small ribbon ties around their waist, and a wide shoulder strap. But they have to be strictly black, no colours are seen. 

Wie es scheint, war der Siegeszug der schwarzen Schürzen danach nicht mehr zu bremsen. 
Es gab sie in verschiedenen Längen und Ausführungen.
 It seems the spread of this fashion was unstoppable from that year.
 They became popular in different styles and lenghts. 

 
1812, Die Stickerin, Georg Friedrich Kersting 
1.Fassung, Stadtmuseum Weimar  (Quelle/source: wikipedia)

  1816, Papering the Saloon at Tickford Park September 2nd
Diana Sperling, Mrs Hurst Dancing
(Quelle/source: Regency Romance Novels)

Aber nicht nur im Haushalt fand diese elegante Schürze Verbreitung, sie kleidete auch die Damen in den Modehandlungen adrett. 
But the elegant aprons did not only conquer the households, but also decently dressed the assistants in milliner's shops.

 
1815, April, Plate 77, Le Bon Genre

Glücklicherweise fand ich eine weitere Darstellung, in dem auch eine Rückenansicht auf die Schürze gegeben wird. Die Darstellung entspricht der obigen Beschreibung aus dem Journal des Luxus und der Moden. 
Luckily I've found another plate with a back view of the apron. The depicted garment matches the description from the Journal des Luxus und der Moden. 

 
1816, Juni, Plate 89, Le Bon Genre

Der Beschreibung und dem Modekupfer entsprechend fertigte ich meine Schürze ohne Latz, mit Trägern, die vorne schmal und im Rücken breiter sind.
Following the description and the plate I constructed my apron without a bib, and with shoulder straps, which are small in front and wider on the back. 

Für die geplante Darstellung in einer Modehandlung ist diese Schürze also unverzichtbar, aber sie ist nur der Beginn einiger Kleidungsstücke und Dekorationen, die ich im Laufe des Jahres anfertigen werde.
Ich bin schon sehr gespannt auf dieses Projekt, das neben dem Vernet's 1814 Merveillseuses & Incroyables Projekt , mein Jahr ausfüllen wird.
(Näheres zu beiden Veranstaltungen zeitnah hier)
Of course this kind of apron is a must have for my presentation in a milliner's shop, but it's just the beginning of a wide range of garments and decoration, which I'm going to sew and craft. 
I'm looking forward to this project, which will happily fill my year next to the Vernet's 1814 Merveilleuses & Incroyables Project 
(More info to both events will be given promptly) 

 
Der Tag in der Modehandlung beginnt damit, die kleidsame Schürze anzulegen...
The day in the millinery shop starts by getting dressed with the elegant apron...

 
...bitte treten Sie ein! Darf ich Ihnen die neuste Mode zeigen?
...please come in! May I show you some of our latest fashions?

 
Vielleicht eine Haube, direkt aus Paris? Oder dieser Hut?
Maybe a cap, directly from Paris? Or this hat?

 
Wir führen auch Federn für ihren Hut oder Turban.
We also offer feathers for your hat or turban.

 
 Im Hintergrund mein wachsender Bestand an äußerst pflichtbewussten Mitarbeiterinnen. Während der zurückliegenden Dezemberwochen sind noch ein paar Marotten hinzugekommen.
In the background is my growing inventory of assistants. During the past December's weeks I've added a few more marottes.


 
Je mehr, je lustiger...
The more, the merrier...

 
...also warum so ernst? Ja, ich weiß: Nähen ist ein ernstes Geschäft!
...why so earnest? Yes, I know: sewing is a serious business!