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Samstag, 31. Mai 2014

Arbeitsbeutel

'Arbeitsbeutel', 
ein schlichtes Wort, mit dem man kaum große Erwartungen verknüpft.
Und vielleicht entspricht das auch den heutigen Tatsachen, aber vor zwei Jahrhunderten - in der wundervollen Welt der Frühromantik - verbarg sich hinter diesem nüchternen Wort ein kleines Kunstwerk.
'Arbeitsbeutel' (= working bag),
a simple word, which surely isn't linked to any great expectations.
Maybe that might proof true nowadays, but two hundred years ago - in the amazing days of early romanticism - it was a sober term for a lovely little piece of art.

1787-1807, Tas, anoniem BK-NM-5596
(Quelle/source: Rijksmuseum, Amsterdam)

1780-1790, Arbeitsbeutel Seidentaft,
Sonderausstellung Taschen, Bayrisches Nationalmuseum
(Quelle/source: via pinterest)

Beiden Beuteln gemein, ist ein Unterbau aus Pappe, der es den Besitzerinnen ermöglicht, den Beutel abzustellen. 
Diese Verstärkung durch Pappe, setzte sich auch in den folgenden Jahren erfolgreich fort und es lassen sich zahlreiche weitere Beispiele finden.
Papparbeiten erfreuten sich großer Beliebtheit und es gab sogar zeitgenössische Literatur zum Verfertigen dieser (und vieler anderer) kleiner Schmuckstücke.
Both bags have a base of cardboard in common, which enabled the owner of the bag to place it upright on a table.
This backing of cardboard, continued to be in fashion for the following years and we'll find lots of examples in bags and reticules.
Cardboard works were quite popular and there's even literature on this topic to create these (and other lovely) pieces of art.

1811, Der Papparbeiter oder Anleitung zum Arbeiten mit Pappe
(Quelle/source: SLUB Dresden)

Nach ein wenig Recherche, stand mein Entschluß fest, dass in meinem Haushalt ein solcher Arbeitsbeutel dringendst benötigt wird.
Glücklicherweise hatte ich zu der Zeit gerade einen Stuhl neu bezogen und von dem alten Bezug noch ein feines Stück Seide zur Verfügung.
After a bit of research, I was convinced, that such a working bag was urgently needed in my household.
Luckily I still had the old silk fabric of a chair I've recently upholstered.

Die Zutaten zum neuen Arbeitsbeutel nach altem Vorbild.
Ein wenig Pappe (leider reichte mein Bestand an alter (holzhaltiger) Pappe nur noch, um die beiden kleinen Herrenminiaturen aufzuziehen, ansonsten war ich gezwungen auf moderne, graue Pappe zurückzugreifen), verschiedene Seiden, Seidenband, Stickereifaden und als Kleber Knochenleim.
The material for the working bag according to period pieces.
A bit of cardboard (unfortunately my stock of old wood containing board was only sufficient to mount the two minitaure portraits, while the bag itself had to be made of modern, grey cardboard), two different silks, silk ribbon, embroidery thread and bone glue.

Der eigentliche Beutel war rasch genäht und ist an sich schon ein Schmückstück.
The actual bag was quickly done and already is a piece of art itself.

Danach ging es an den Bau des Unterteils. Zunächst habe ich mittels einer Schablone die Umrisse auf die cremefarbene Seide übetragen, ehe es daran ging, die Linien mit einem Kettstich nachzuarbeiten.
Next came the construction of the base of the bag. First I've transferred the pattern to the cream-coloured silk, and then worked the lines with chain stitch.

Nachdem beide Teile verbunden sind, wird auch diese Kante mit dem Kettstich versehen. Alle Kanten sollten zum Schluß mit Kettstichen versehen sein.
After both pieces are sewn together, the seam is covered under chain stitches. All edges should finally be covered with chain stitch.

Danach ging es an die Papparbeiten. Nach Anleitung aus dem 'Papparbeiter' besteht der Aufbau aus nur einem Stück.
After that I've continued with the cardboard work. According to the above mentioned book 'Der Papparbeiter', the base is made of one piece only.

Hier ist es komplett verklebt, verstärkt und, um das Grau der Pappe ein wenig zu verbergen, getüncht.
Zeitgenössische Klebestoffe waren, neben dem erwähnten Knochen - oder Tierleim, Stärkekleber.
This is the base, completely glued, backed with cardboard pieces and, to hide the grey of the cardboard, whitened with a layer of paint.
Period glues have been, next to the bone or animal glue, glues made from starch.

 Der Boden der Pappschale
The bottom of the cardboardbase

Der Seidenstoff wird vorsichtig über dem Kettstich eingeschnitten und über die Pappe gestülpt. Lediglich die eingechnittene, umgelegte Seide wird angeklebt.
The silk fabric is carefully cut above the chain stitch, then pulled over the cardboard base. Only the part of the silk, which is folded to the inside, is glued.

Der bezogene Boden wird mit der Schale hinter dem Kettstich vernäht, sodass kein Saum sichtbar ist.
The silk mounted bottom is sewn to the base, with the stitches hidden behind the chain stitch embroidery.

Im nächsten Schritt wird der Beutel eingenäht. 
In the next step the actual bag is sewn into the base.

Beinah ist das Ziel erreicht. Nun fehlt nur noch ein wenig Dekoration. 
Ich habe mich für zwei kleine Minitauren (Kopien) aus dem Journal des Luxus und der Moden entschieden, die auf Pappe gezogen wurden.
Außerdem dürfen kleine Seidenschleifen nicht fehlen.
Nearly done. Just a bit of decoration to do.
I decided on two miniature portraits (copies) from the Journal des Luxus und der Moden, which are mounted on cardboard.
Also tiny silk bows should never be missing.

Hoffentlich wird der Begriff  'Arbeitsbeutel'  nie wieder eine Verknüpfung mit Schlichtheit hervorrufen. 
Jedenfalls erfreut mich der Anblick sehr, und ich mag ihn so gern, dass ich ihn oft von seinem 'Arbeitsdasein' befreie und ihm im Feierabend ein paar Stunden als Reticule an der frischen Luft gönne.
Hopefully the term 'working bag' never again is linked with being plain or sober.
Actually I'm that fond of this piece, that I sometimes skip the term 'work', call it a day and offer it some admiration at the fresh air while being a 'reticule'.

Ein erstaunliches Platzwunder!
An amazing lot of space inside!

Die Schleifen dürfen nicht fehlen.
The bow ties, hallmark of those bags.


Sonntag, 9. Februar 2014

Taschendiebereien

Bei meinen virtuellen Spaziergängen durch das Netz bin ich nicht selten dem Charme des ein oder anderen Accessoire erlegen.
In der Damenwelt ist dies wohl seit alten Zeiten besonders im Hinblick auf Schuhwerk und Taschen von ewiger Gültigkeit.
Und wenn die Zutaten zu solch  'Augenschmaus' dann auch noch ihr stoffliches Gegenstück in meinem Lager finden, ist die Sache so gut wie besiegelt...
...und auch diesmal wurde ich wieder - ich gestehe es - auf den ersten Blick 
zum Taschendieb!
On my virtual strolls through the depth of the internet, I'm often drawn to the charm of period accessories.
It is a truth universally acknowldege that ladies through all times feel (and felt) especially attracted by shoes and bags.
And when the material to such 'eyecandy' is already nesting in my fabric stash, the seal is as close to be set on...
...and again - I admit it - I had to 'steal' a bag!

1800-30, Bag, United Kingdom
Accession Number 1957-180-12 Object ID 18417849 
(Quelle/source: Cooperhewitt Collection)

In besagtem Stofflager schlummerte noch ein kleines Stück beiger Baumwollsamt, außergewöhnlich kurz geschoren und sehr dicht gewebt. Ich bin mir sicher, er hat genau auf diesen Augenblick gewartet!
Doch - oh Weh - es stellte sich als langer und mühsamer Weg heraus!
Bei dem Original ist von einem "Druck" auf Samt die Rede, aber wie ging das vonstatten?
Und welche Alternative blieb mir?
Unglücklicherweise fiel mir ein Textilstift in die Hände. Die Arbeit ging flink voran,
aber der Samt und die Farbe wollten sich nicht vertragen und der ehemals beige Samt erhielt einen unschönen grauen Schleier...
...und um meine Augen bildete sich bereits ein zaghafter Anflug von Tränen!
Ich hatte keinen Samt mehr für einen zweiten Versuch und eine Tasche, die trotz Bügeln ihre Farbe nicht behalten wollte!
Bilder von verschmierten Kleidern und Spenzern stiegen in meinen Gedanken auf.
Und schließlich kam mir der rettende Gedanke!
Ich griff zu Feder und Tinte und zeichnete artig alle Linien nach - 
mit Erfolg!
In said fabric stash a piece of cream cotton velvet was dormant, which had an unusually short and thick nap. I'm sure, this was the moment it waited for the whole time in the stash!
But - oh dear - it became a quite cumbersome episode!
The original object was described as 'print' on velveteen, but how did it work?
And how should I copy that process?
Unfortunately at that very moment I grabbed a textile marker. The progress was quick, but velvet and the textile maker didn't agree and the once cream velvet took a turn to a dull grey cream...
...and I was truly close to shed some tears!
I hadn't had any velvet left for a second attempt and a bag, which wouldn't keep it's colour no matter how much ironing I did.
Images of smeared and stained dresses and spencers popped up into my mind.
And then I finally had an idea!
I fetched real ink and my quill pen and repainted all the lines - 
with success!

Die Tasche mißt - wie das Original - 19cm x 23 cm (ohne Henkel)
The bag measures - like the original - 9 1/16 x 7 1/2 ins (without handle)

Statt der tief dunkelgrünen Seide des Originals, griff ich auf vorhandenen schwarzen Baumwollchintz zurück.
Instead of the dark green silk of the original, I went for black cotton chintz.

Die Tasche ist von beiden Seiten bemalt.
The bag is printed on both sides.

Ein Blick ins Innere. Es lässt sich erstaunlich viel darin verstauen.
A view of the inside. It's amazing how much I'm able to put inside.

Im Saum ist ein Tunnel mit Seidenbändern.
There's a tunnel through the upper seam with silk ribbons.

An drei Seiten ist der Samt von Innen mit Rückstichen vernäht, ehe die schwarze Chintztasche entlang der oberen Kante mit sichtbaren Stichen eingenäht wurde.
The velvet is stitched together with running stitches on the inside, before adding the chintz bag at the upper edge with visible point stitches.


Auf dem Henkel sind Eichenblätter und Eicheln zu sehen.
The handle shows oak leaves and acorns.

Die Tasche wir sehr vage auf 1800 bis 1830 datiert. Taschen, welche Körbe mittels Materialwahl nachempfinden sind bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts in Mode und behielten ihre Beliebtheit lange Zeit.
The bag is dated quite vague to 1800 to 1830. Bags, which imitate baskets through a certain choice of material already have been in fashion in the late 18th century and remained in favour for a long time.

Ein Größenvergleich - ich bitte meine tintenfleckigen Hände zu entschuldigen!
A comparison of the size - please excuse my ink stained hand!


Mittwoch, 21. August 2013

Von lächerlichen Taschen

Nach der Restaurierung meines Sonnenschirms blieben mir zwölf Segmente verschliessener grüner Seide, die - obschon zum Teil in beklagenswertem Zustand - viel zu schade waren, um den Gang aller unbrauchbaren Dinge zu gehen.
Unbrauchbar? Nein!
Aus den kleinen Stücken setzte sich vor meinem geistigen Auge ein kleines Täschchen zusammen, in dem die alte Seide eine neue Bestimmung erhalten sollte.
Bei dem Gedanken an die kleinen Täschchen in der Zeit der Romantik spuken einem unmittelbar Bergiffe wie 'Retikül' oder 'Ridikül' durch den Kopf.
Was genau war denn damit überhaupt gemeint und war jede Tasche 'lächerlich'?
After restoring my parasol, twelve pieces of faded silk remained, which - although in an amazing plight - were much too precious to take the route of useless things.
Useless? Well, no!
The tiny pieces assembled to a bag in my mind's eye, eventually the silk got a new purpose.
Speaking of bags during Regency, immediatley terms like 'reticule' and 'ridicule' come to one's mind.
What actually was meant by the term and have all bags been 'ridiculous'?

Eine gute Erklärung findet sich in einem englischen Text aus dem Jahr 1819.
A good explanation can be found in the following text from 1819.
1819, The Lady's Literary Cabinet (Quelle/source: googlebooks)

Keine Angst, meine Leser müssen nicht an ihrer Sehkraft zweifeln, der Text ist leider ein wenig verschwommen, aber hinter dem Quellenlink verbirgt sich eine bessere Wiedergabe des Textes.
Zusammenfassend sei zu bemerken, dass es sich üblicherweise nur um ein Retikül/Ridikül handelt, wenn es eine Netztasche ist.
Don't doubt your eyesight, my dear readers, the text really is that blurry - apologies! If you follow the source's link you'll get a better copy of the above.
Briefly spoken the text says it's only a reticule/ridicule when it's made of net.

 Und eine solche Tasche diente mir als Quelle der Inspiration, wenngleich ich kein Retikül/Ridikül gefertigt habe, sondern - im Sinne der romantischen Erklärung - lediglich eine Tasche.
And such bag I've chosen for inspiration, although I haven't made a reticule/ridicule, but - in the sense of regensyesque explanations - a simple bag.

Retikül (Netztasche), ca. 1.Viertel des 19. Jahrhunderts (Quelle: met)
Reticule (net bag), approx. 1st quarter 19th century (source: met)

Die Form ist faszinierend, aber meine Seide war nun wirklich nicht so löchrig, dass ich sie als 'Netz' bezeichnen könnte.
Ich suchte mir die fünf besten Segmente heraus und ergänzte sie mit neuer Seide, um ein wenig mehr Stoff zu erhalten. 
Insgesamt erhält die Tasche damit eine Größe von 30 Zentimetern. Ein guter Begleiter beim Flanieren und wie geschaffen, mich in Kürze nach Weimar zu begleiten.
Und in großer Verehrung dieser wunderbaren Stadt und ihrer aufregenden Historie im späten 18. Jahrhundert und frühen 19.Jahrhundert, schuf ich ein durchaus zeitgenössisches Andenken an den Weimarer 'Musenhof' der Herzogin Anna Amalia.
In vergoldeter Pappe (auch als Dresdner Pappe bekannt) zieren nun Goethe, Wieland und die Herzogin Anna Amalia in illustrer Reisegesellschaft die Tasche.
The shape is fascinating, but however my silk wasn't that porous that I could describe it as 'net'.
I took the five best pieces from the former canopy and added bits of new silk, to get more 'fabric' to work with.
 The bag measures twelve inches in height. A good company for a stroll and very appropriate in seize for my next travel to Weimar.
And in deep admiration for this beautiful town, with it's amazing history in the late 18th century and early 19th century, I decorated the bag in honour of the Weimar's courtyard of muses of the duchess Anna Amalia.
Goethe, Wieland and Anna Amalia adorn the bag in gilt cardboard frames.

 Die Tasche mit vergoldetem Quast und dem gerahmten Portrait Goethes.
The bag with the gilt tassel and the framed portrait of Goethe.

Das Farbspiel der neuen und alten Seide. Neben Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) prangt ein Portrait von
Christoph Martin Wieland (1733 - 1813), den Herzogin Anna Amalia gern vertraut 'Wielandchen' nannte.
Die Drei waren maßgeblich an der Gründung des Weimarer Musenhofes beteiligt.
 Die drei Portraits bzw Zeichnungen sind auf Pappe (aus altem Bestand) montiert und dann mit Knochenleim aufgeklebt.
The colour scheme with the old and new silk. Next to Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) is a portrait of Christoph Martin Wieland (1733 - 1813), whom Duchess Anna Amalia
sometimes called 'Wielandchen'.
 These three have been involved in the foundation of the Weimar's courtyard of muses.
 The three portraits, respectively drawings, are mounted on old cardboard and then glued to the bag with bone glue.

Ein Bild von Anna Amalia auf Reisen.
A picture of Anna Amalia on one of her journeys.

Insgesamt wurden vier Drähte in die Tasche eingearbeitet.
Altogether I've used four wires for the bag.

Goethe und Wieland Seite an Seite.
Goethe and Wieland side by side.

In den oberen Ring wurde noch Stoff eingesetzt, um die Tasche schließen zu können.
Auf dem Rand sitzt eine Seidenrüsche.
Some more fabric has been added to the ring on top, to be able to close the bag.
I've added a silk ruffle to the edge.

Innen ist die Tasche mit bedrucktem Baumwollstoff ausgeschlagen.
On the inside the bag is lined with a printed cotton.

Ein Detail der Troddel
A detail of the tassel on the bottom



Die alte Seide war leider zum Teil derart brüchig, dass ich sie mit Vlies hinterlegen mußte, um weiteres Einreissen zu verhindern. Im Gegensatz zur neuen Seide ist sie sehr dünn und glatt, eine einstmal herrlicher Qualität.
Unfortunately the silk was far too thin and broken and I've had to add some backing, to prevent the silk from ripping. Compared to the new silk the old pieces are very thin and smooth, lovely lightweight silk.

Die Tasche ist komplett von Hand genäht. Wie bei meinem Sonnenschirm habe ich blauen Baumwollfaden genommen, der an der ein oder anderen Stelle hervorsticht.
The bag is completely hand-sewn. I've sewn with the same blue cotton thread which I have already used with my parasol.



Samstag, 8. Dezember 2012

1800s woolwork embroidery purse, reticule

Die Stickerei an dem kleinen Retikül hatte ich bereits in der vergangenen Woche beendet, 
allerdings bereiteten mir die beiden winzigen Quasten einiges an Kopfzerbrechen bzw die fehlende Quelle für passende, ansprechend gearbeitete Troddeln.
Aber nachdem ich heute auf einem Antikmarkt fündig geworden bin, konnte ich die Arbeit endlich beenden.
Die Quasten am Originaltäschchen bestehen aus cremefarbener Seide, ich bin auf ein Paar aus Metall (Kupferdrähtchen) ausgewichen.
The wool embroidery on the little purse was already done this past week, but the tiny tassels caused me quite a headache, or should I say the lack of a source for matching shaped tassels.
But I finally found a perfect match on toady's nearby antique fair, and thus could finish my work.
The tassels on the original reticule have been made from cream coloured silk, mine wre made of thin metal (copper) thread.

Die Vorderansicht mit den kleinen Blumen. Ich war bemüht mich sorgfältig an die Vorlage zu halten. Auch die Kordel war im Original zweifarbig. Auf die Blütenblätter sind winzige Silberperlen gesetzt.
Ich denke, die Quasten passen fabelhaft zum Muster und den Farben.
The front with the tiny flowers. I tried to stay as close to the original as possible. Even the strings of the original came in bi-colour. There are wee silver pearls attached onto the petals.
I think the tassels wonderfully match with the pattern and colours.

Die Rückansicht in einem warmen Korallenrot. Zugegebenermaßen hätten hier cremefarbene Troddeln besser gepasst, aber ich bin dennoch zufrieden.
The back view in a warm coral red. Well I admit cream coloured tassels would have been more suitable here, but nevertheless I'm content.

Entlang des oberen Randes sind zwölf kleine Ösen angebracht, durch welche die Bänder geführt werden. Die Troddeln sind an den Seiten angenäht.
Als Futter habe ich cremefarbenen Seidentaft verwendet.
In diesem Bild erkennt man, wie klein das Retikül tatsächlich ist.
Following the edge are twelve tiny rings, which hold the strings of the purse.
The tassels are sewn onto the sides.
The lining is made of cream coloured silk taffeta.
This photo gives you a very good impression of the true size of the little reticule.

 Meine weiteren Fundstücke auf dem Antikmarkt hätte ich in dem Täschchen nur schwerlich verstauen können.
Neben verschiedenen Bändern (eines aus schwarzem Baumwollchintz), habe ich eine Rolle Knopflochgarn, echtes schwarzes Samtband (für ein künftiges Trauerkleid), Nadeldosen, echtes Seidensamtband und eine schlichte Halskette aus Korallen, wie sie in der Zeit um 1800 recht beliebt war.
 My further purchases on the antique market wouldn't have fitted into the reticule.
I've got some love sturdy ribbons/waistbands (one made of black glazed cotton)), a spool of buttonhole thread, real velvet ribbon in black (for a future mourning dress), pin boxes, real silk velvet ribbon and a lovely necklace made of corals, which was favoured around 1800.


Sonntag, 25. November 2012

Es ist ein Kreuz...stich!

Noch während der Arbeit an meinem Königin Luise Reitkleid, suchte ich nach einem kleinen Projekt, bei dem ich mich abends entspannen konnte. Also etwas, das eher wenig Aufmerksamkeit benötigt. 
Und siehe da, bei einem kleinen Bummel durch das Netz wurde ich schließlich fündig.
Ja, es war sozusagen "Liebe auf den ersten Blick"
Ein ganz besonders entzückendes Retikül, das unter dem klingenden Namen antique early 1800s woolwork embroidery beadwork purse, reticule angeboten wurde (leider wurden weitere Detailaufnahmen (z.B. von der Rückseite) inzwischen von der Seite entfernt).
Und mit dem Kreuzstich sollte ich auch als nicht geübte Stickerin zurechtkommen.
Zunächst galt es das winzige Muster augenfreundlich aufzuschlüsseln.
Immerhin mißt das reizende kleine Täschchen nur etwa 15 cm im Quadrat.
While still being in the process of constructing the Queen Louise riding habit spencer, I was looking for a minor project to keep me entertained and help me relax in the evening on the sofa. Something, that wouldn't call for much attention.
And it didn't take long for me to find it.
Yes, it was kind of "love at first sight" indeed.
An amazingly enchanting little reticule, which was listed with the euphonic name antique early 1800s woolwork embroidery beadwork purse, reticule (unfortunately meanwhile some pictures have been removed due to the fact that the item is sold) .
And cross stitch was totally do-able even for me being not a very skilled embroideress.
First I was to transform the tiny stitches into an eye-friendly pattern,
because the lovely little purse measures only 6" square.

Als Neuling auf dem Gebiet hatte ich keinerlei Vorstellung wieviel Docken Stickgarn ich benötigen würde, aber eines war sicher, ich wollte ebenfalls mit reiner Wolle zur Tat schreiten.
Leider lief meine Suche vor Ort ins Leere, also schaute ich mich im Netz um und fand einen Anbieter, der einen Restposten Gobelinwolle (reine Schurwolle) in wunderbar altmodischen Farben anbot. Jeweils 25 Meter zu einem unschlagbaren Preis.
Being a novice in embroidery I had no idea how much skeins I would need, but I was very certain that I wanted to do this project with embroidery wool.
Unfortunately I wasn't able to shop local, which led me to an online offer, where tapestry wool remnants were available in beautiful old fashioned colours. Each colour was offerd in 5 skeins per 16 ft and for a true bargain.
Leider ist das Bild ein wenig dunkel geworden, aber so kommen die Farben der tatsächlichen Nuance am nächsten.
I'm sorry that the photo is a bit dark, but this way they mirror the true colours.

Nachdem ich den Bogen raushabe, komme ich mit der Arbeit recht zuversichtlich voran...und ja, es bereitet mir richtig Vergnügen. (Wenngleich meine Augen diese Ansicht nicht immer teilen)
After I've got the knack of it, I confidently stitch along...and yes, it's truly enjoyable. (Although my eyes sometimes say otherwise)

Die Rückseite mit dem korallenroten Rautenmuster und den kleinen blauen Blümchen (Vergißmeinnicht?) ist bereits komplett fertig.
The back with the coralred diamonds and the petite blue flowers (forget-me-not?) is already completely finished.

Und auch auf der Vorderseite schreitet das Muster gut voran.
And the pattern on the front is also coming along nicely.

Als Gewebe habe ich übrigens einen Stramin mit 6 Loch auf einem Zentimeter gewählt, so erhält das Muster die exakt gleiche Größe wie das Original. Zudem weist der Stramin eine gewisse Festigkeit auf, die dem Originaltäschchen entspricht.
I've chosen a tapestry canvas with 6 holes per centimeter, to match the exact size of the original.
Furthermore the tapestry canvas has the same stiffness as the original purse's fabric.

Wer die Bilder des Originals genau studiert hat, wird mit Genugtuung feststellen, dass keinerlei Wert auf eine saubere Verarbeitung auf der linken Seite des Stoffes angestrebt wurde. Welche Erleichterung!
For those, who thoroughly studied the pictures of the original purse, will notice with some slight satisfaction, that no effort was put on having a tidy left embroidery side of the fabric. Big relief!

Während dieses kleine Projekt allmählich seine Form annimmt, habe ich bereits mit einem weiteren Kleidungsstück bzw Ensemble begonnen. Im Augenblick beginne ich mit dem Rockteil und bis zum nächsten Blogeintrag sei nur soviel verraten: es wird wunderbar gelb, reichlich dekoriert und aufwändig...1818 eben!
While I still enjoy this little project, I have already started with a new garment respectively ensemble.
Right now I'm starting with the skirt and until my next blog post I may reveal: it will be mellow yellow, lots of decorating and lavish...truly 1818!