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Mittwoch, 14. Mai 2014

Short Stays Studies - Schnürleib Studien 2.0 (Patron Utrecht)

Wie das im Leben so ist: unverhofft kommt oft.
Während ich im April noch eifrig mit der Arbeit an dem karierten Rijksmusemkleid beschäftigt war, führte mich der Zufall 
- an die genauen Umstände kann ich mich merkwürdigerweise nur nebelhaft erinnern -
zu...
Nein, Augenblick!
Zuerst möchte ich die Aufmerksamkeit meiner Leser noch auf die Schnürleibstudien nach J.S.Bernhardt im Mai des vergangenen Jahres lenken. 
Tatsächlich! Ein ganzes Jahr ist seither verstrichen...und erfreulicherweise nicht tatenlos, denn der ein oder andere hat sich an den - doch recht kontrovers aufgenommenen - Schnürleibstudien versucht.
An dieser Stelle einen herzlichen Dank an
Alexandra von Atelier Polonaise
und
Sie alle haben auf wunderbare Weise gezeigt, wie individuell das Schnittmuster umgesetzt werden kann. In ihren Blogbeiträgen haben sie von ihren Freuden und Schwierigkeiten mit dem Schnitt, aber auch von der einzigartigen und höchst bequemen Passform der Schnürleiber berichtet.
Ich selbst habe zu Beginn des Jahres einen kleinen Workshop abgehalten und ich kann nur empfehlen, dass man sich zusammenfindet und gemeinsam das Probestück anpasst, denn ist diese Hürde erstmal genommen, hat man ein Kleidungsstück, das sozusagen auf den Leib geschneidert wurde. Und außerdem ist es ein größes Vergnügen mit Gleichgesinnten zu schneidern!
Life is full of surprises.
While still busy working on the Rijksmuseum dress in April, fluke pushed me
- I can't even recall the exact circumstances -
to...
No, please wait!
First I like to turn my dear readers' attention to the J.S.Bernhardt short stays studies, which I've done in May last year.
Really! A whole year passed since then already...fortunately not inactive, because some conquered the - admittedly controversially received - short stays studies.
I'd like to give thanks to 
Alexandra of Atelier Polonaise
and
They've wonderfully attested how individually the pattern can be assembled. Their blogposts tell about the easy and also the challenging parts as well as about the unique and highly comfortable fit.
I've hold a workshop earlier this year and I'd like to recommened to gather in small groups to draft, drape and fit the mock-up, because if this obstacle is taken, the result is a fitted and very comfy garment. Furthermore it's great fun to be surrounded my like-minded friends and sew!

...und nun zurück zu dem anfangs erwähnten Fund, 
der mir - aus heiterem Himmel - diesen vertrauten Anblick
bescherte:
...back to the beginning and the find, which - out of the blue - brought me this familiar sight:


Ich hoffe, meinen Lesern hat es nun ebenso die Sprache verschlagen, wie mir vor ein paar Wochen!
Ich hatte das Gefühl auf einen Schnürleib nach J.S.Bernhardt zu schauen...und das dringende Bedürfnis, schnellstens Kontakt mit dem Museum aufzunehmen!
Ein reger Informationsaustausch nahm seinen Anfang und ich erhielt von den großartigen Kuratoren
detailierte Fotos, Beschreibungen und eine Skizze, um das Stück nachzuarbeiten und meine Vermutung zu untermauern, dass es sich nicht wie inventarisiert um ein Stück aus der Zeit zwischen 1825-75 handelt, sondern um einen frühen Schnürleib. 
(Hinweis: Die Beschreibung und Datierung auf der Museumsseite wird in Kürze geändert)
I do hope my dear readers are as speechless as I was weeks ago!
I felt like looking on a pair of stays according to J.S.Bernhardt's books...and I felt the urge to quickly get in contact with the museum!
A vivid exchange of information started and the amazing curators supplied me with detailed photos, descriptions and a drawing, to be able to re-create the garment and proof my speculation, that this is not a piece from the 1825-1875 (like jotted in the inventory), but an early pair of short stays.
(Note: The description and date on the museum's website will be changed accordingly soon)

Es galt viele Fragen zu klären! Das Vorderteil entspricht in seiner Form und der Ausarbeitung der Brustpartie den Schnürleibern nach J.S.Bernhardt, aber was hatte es mit dem merkwürdigen Verschluß auf sich? Waren da irgendwo Schlitze in den Seiten?
Handelte es sich um einen Umstandsschnürleib?
There were many questions to answer! The shape of the front and the bust gussets are completely like those in J.S.Bernhardt books, but what about the back and closure? Have there been slits in the side pieces for the band?
Was it a pair of gestation stays?

Nur eine Nacharbeitung konnte Aufschluß geben, aber es sei vorab erwähnt, dass es weder Schlitze in den Seiten gibt, noch dass es sich um einen Umstandsschnürleib handelt.
Die Maße des Originals:
Breite des Vorderteils Unterbrust (B-Linie) 34 cm
Breite des Vorderteils über der Hüfte 30.5 cm
Länge 30 cm
Größe des Brustkeils 7 cm Länge bei 7 cm Breite am oberen Rand
Die Trägerin war also vermutlich sehr schlank (jung?) bei einer Größe von etwa 1.65 und einer modernen Körbchengröße 'B'
Und ihr Schnürleib war wohl durchdacht und unglaublich praktisch, was ich durch die Nacharbeitung wunderbar belegen konnte.
Das Kleidungsstück konnte ohne Hilfe angezogen werden...womit wir bei dem französischen Begriff 'Corset a la Paresseuse' wären, dem Schnürleib für Faule!
Only a re-creation could reveal the purpose, but I like to mention that there are neither slits in the side seams, nor that it is a pair of gestation stays.
The measurements of the original:
width of the front underbust (B-Line) 34 cm
width of the front above hips 30.5 cm
measurements of the bust gusset 7 cm lenght with a wide of 7cm at the top
The original wearer probably was very petite (young?) with a height of approx. 5'5'' and a modern bra cup size 'B'
And her stays were well thought out and amazingly practical, what I could proof with the re-creation.
The garment could be put on without any help...which leads us to the french term 'Corset a la Paresseuse', stays for the lazy!

Diese Art der Schnürleiber findet (nach meiner Quellensuche) erstmals etwa um 1805 Erwähnung in Anzeigen...in den 1820ern ist es dann schließlich ein gängiger Begriff.
This kind of stays is mentioned (according to my research) first around 1805 in some adverts of staymakers...by the 1820 it is a common term.

1806, Le Moniteur de Judiciaire de Lyon (Quelle/source: googlebooks)


1807, Feuille de Valencienne (Quelle/source: googlebooks)

Aber warum ein Corset a la Paresseuse und kein Umstandsschnürleib?
Die Nacharbeitung hat gezeigt, dass der Verschluß so sitzt, dass es durchaus sehr unbequem wäre, zudem sind Haken und Ösen angebracht, der Verschluß kann sich also nicht anpassen.
Natürlich ist es nicht gänzlich auszuschließen, dass es zuvor Bänder waren, die verknotet wurden.
Allerdings ist der Verschluß eine clevere Wahl, denn er lässt sich durch den Stoff hindurch lösen (es sind keine Schlitze im Rockteil vonnöten, so wie sie noch zu Beginn der 1800er Jahre zu finden waren), was dem Zweck dieser Unterbekleidung doch sehr zugute kommt.
Getragen wurden sie nämlich vornehmlich am Morgen und während der Reise in einer Kutsche.
But why a Corset a la Paresseuse and not a gestation corset?
The re-creation has revealed, that the closure sits right on the belly, which would be quite uncomfortable, furthermore the hook & eye closure indicates that there's no tolerance for adjusting.
Certainly I can't completely exclude the idea that it might have been ribbons before, which have been tied.
However the hook & eye closure is a very clever choice, because it can be opened and closed through the fabric (no need for side slits in the skirt, which were still seen in the early days of around 1800), which supports the purpose of the stays.
They were usually worn during morning and while travelling in a coach.

Diese Art des Schnürleibs war nicht nur äußerst kommod was das Ankleiden betrifft, sondern auch die Anfertigung ist a la Paresseuse.
Es gibt lediglich ein Vorderteil, zwei Rückteile und zwei Brustkeile.
Bevor ich den Weg zum fertigen Schnürleib beschreibe, noch ein paar wichtige Details des Originals.
Es ist komplett handgenäht, zweilagig gearbeitet aus Baumwollköper und mit Köpernahtband eingefasst.
Das Vorderteil (im Gegensatz zu den Bernhardt Schnürleibern) ist im geraden Stofflauf geschnitten, während das Rückteil an der Nahtkante leicht schräg läuft, was durchaus Sinn macht, denn der Verschluß, der um den Körper geführt wird, benötigt ein gewisses Maß an Stretch.
This kind of stays wasn't solely comfortable in the aspect of getting dressed, but also the construction is quite a la Paresseuse.
There's only one front piece, two back pieces and two bust gussets.
Before I share the construction, I would like to share a few important details of the original.
It is completely hand-sewn, made of two layers of cotton twill and bound with twill trim.
The front is cut on the straight fabric (contrary to the Bernhardt stays), while the back is slightly on the bias, which makes sense, as it is the back, which comes around to be closed in the front, hence it calls for some stretch.


Für das Schnittmuster wird die B-Linie benötigt, also das Maß direkt unter der Brust von Mitte des linken Arms zur Mitte des rechten Arms. Dieses Maß wird halbiert!
For the pattern you'll need the B-Line, the measurement directly below the bust from the mid of the left arm to the mid of the right. Take the half of this measure!

Bitte immer zunächst ein Probestück fertigen!
 In dem Schnitt sind keinerlei Nahtzugaben enthalten! 
Die B-Linie (grün) sollte im individuell vergrößerten Ausdruck die zuvor ausgemessene Länge erhalten. 
Es ist keinerlei Brustkeil in dem Schnittmuster vorgegeben, da dieses (ebenso wie die Länge des Schlitzes im Patron des Vorderteils) sehr individuell ist und unbedingt nach den persönlichen Maßen angepasst werden sollte, die Form kann dabei von einem Dreieck bis hin zu einer halbrunden Form variieren.
Die Seitenlinie (rot) muß unbedingt im fertigen Schnitt angepasst werden, denn sie sollte - gleichgültig der Vergrößerung des Schnittes - keinesfalls länger als 13.5 cm sein!
Please always do a mock-up first!
There's no seam allowance included in the pattern!
The B-Line in your individually resized and printed pattern should have exactly the lenght of your measure.
There's no bust gusset displayed in the pattern, because this (like the length of the bust gusset slit in the patron) is highly individual and should be assembled according to your very shape, the gusset piece can vary in the shape from a triangle to a more rounded shape.
The side seams (red) have to be adjusted in your printed pattern, because - no matter of the re-sizing- it should not be longer than 13.5 cm!

Mein Vorderteil Schnittmuster/ My front piece pattern...

...das Rückteil/ the back piece...

...und der individuell angepasste Brustkeil
...und the individually adjusted bust gusset

Dem Original folgend habe ich mich für zwei Fischbeinstäbe entschieden. Da mein vorhandenes Fischbein eine andere Stärke hatte, wurden zwei Stäbe zusammengeklebt.
Statt der Fischbeinstäbe kann auch ein Blankscheid/Blankscheit verwendet werden, das bleibt der Vorliebe der Trägerin überlassen.
Following the original closely I decided to use boning. As the boning in my stock had a different size I taped two pieces together.
Instead of boning, you could also choose a busk, just follow your preferance.

Bitte zunächst ein Probestück fertigen!
Das geht wirklich schnell und lohnt sich. Es sind so wenig Nähte, dass ich sogar den Probeschnitt von Hand genäht habe!
Please do a mock-up first!
It is quickly done and very worth the effort. There are so few seams that I've even sewn the mock-up by hand!

Mein Utrecht Schnürleib
My pair of Utrecht Stays

Der einzige Aufwand ist es, den Schnürleib mit Nahtband einzufassen. 
Von dem Band werden etwa 5 Meter benötigt.
The only labour is the binding with twill trim. Approx. 5 metres of binding are necessary.


Die Seitennähte habe ich nach Abbys genialer Anwesiung des Weird Running Whip Stitch genäht.
The side seams are sewn following Abby's ingenious tutoral Weird Running Whip Stitch.

Die Kanäle für das Fischbein und der eingefasste Rand
The channels for the boning and the twill trim binding.

Die Schulterbänder sind nicht gerundet und werden mit einfachen Kordeln an das Vorderteil geknotet.
Das bedeutet, bei diesem Schnürleib sind nur vier Nestellöcher vonnöten!
The shoulder straps aren't rounded. They are fastened with ribbons to the bodice.
This means, the stays only call for four eyelet holes!

Ein Haken, eine Öse statt vieler Schnürlöcher!
One hook, one eye instead of plenty lacing holes!

Und so sitzt der Schnürleib schließlich am Körper. Die Ähnlichkeit des Utrecht Schnürleibs zu den Schnürleibern nach J.S. Bernhardt ist nicht von der Hand zu weisen.
And this is how the stays embrace the body. In comparison the similarity of the Utrecht stays
to the J.S.Bernhardt stays is evident.






Bei diesem Stück habe ich mich in den Details nah an das Original gehalten, jedoch habe ich schon den nächsten Schnürleib geplant. (Übung macht den Meister!)
Ich werde dabei einige Änderungen vornehmen, so gefallen mir zum Beispiel gerundete Träger besser (oder ich verlängere sie und nähe sie gar gleich an das Vorderteil), auch werde ich die kleine Lücke zwischen dem Ende der Fischbeinstäbe und dem unteren Rand beim nächten Mal auslassen.
Noch gespannter aber bin ich auf die Werke meine Leser!
Ich hoffe, die Bernhardt Schnürleiber und der Utrecht Schnürleib finden bald größere Verbreitung, denn sie sind nicht nur indivduell für die ebenso einzigartigen Körper der Trägerinnen, sie sind auch noch historisch verbrieft!
Zuletzt möchte ich nochmals meinen herzlichsten Dank an das Centraal Museum in Utrecht und die großartigen Kuratoren zum Ausdruck bringen.
Übrigens, ein Museumsbesuch lohnt immer!!!
I tried to assemble this pair as close to the original as possible, however I've already planned the next pair. (Practise makes perfect!)
I will then add some changes, like I personally prefer round shaped shoulder straps (or maybe I slightly prolong them and stitch them to the front), I will also skip the small gap between the end of the boning and the lower edge.
But even more interested I'm about what my readers will assemble!
I do hope, the Bernhardt stays and the Utrecht stays will finally become more widely spread among the historic seamstresses, because they're not only individual in the pattern like in the shape of their wearer, they are also historically correct!
Last I would like to give my sincere thanks to the Centraal Museum in Utrecht and the amazing curators.
By the way, a visit to the museum is always a good idea!!!


Mittwoch, 27. November 2013

Wer schön sein will, muss leiden...

Während ich immer noch mit Muße an meinem Quiltrock stichele,
sind mir beim Studieren zeitgenössischer Schriften ein paar interessante Zeilen für einen Nachtrag zu den Schnürleibstudien unter die Brillengläser gekommen.
Doch zuvor noch ein kurzer Blick auf das angestrebte Ideal der Zeit...und die Frage, mit welchen Mitteln man ihm nacheifern konnte!?
Diese Frage stellt sich damals wie heute.
While I'm still stitching with leisure on my quilted skirt,
I've found this interesting hint and addition to my short stays studies during my study of various period sources.
Before I'll share the find, I'd like to point to the ideal shape of the time...and the question, of how it was achieved!?
This question was asked back then and today still.

1804 Costume Parisien (Quelle/source: SceneinthePast)

Ich ahne wohl, wohin die Blicke wandern!
Manchmal hilft allerdings weder der beste Schnürleib, noch ein hölzerner Blankscheit...in diesem Falle liefert uns Johann Christian Hüttner in den Englischen Miscellen von 1804 die verblüffende Antwort, die ich einfach unkommentiert wiedergeben möchte:
I take a guess to where the glances go!
But in some cases neither the best pair of  stays, nor a wooden busk could help...well the proper albeit astounding answer is delievered by Johann Christian Hüttner in the Englische Miscellen of 1804, which I like to share without further comment:
 (For the English translation please scroll down)


Originaltext (Abschrift)
Es ist bekannt, dass in London, wie in Paris, die geschmackvollen Schauspielerinnen eine Art von Recht haben, neue Moden aufzubringen. 
Sind ihre Gedanken in dieser Rücksicht glücklich, so nehmen sie selbst die vornehmsten Frauen an, weil bei einer Actrice der Neid sich nicht so einmischt, wie bei Damen von gleichem Stande. Folgende Erfindung schreibt sich auch von einer Schauspielerin her, deren Anzug gemeiniglich sehr bewundert wird. 
Weil uns aber die Sache selbst noch nicht zu Gesicht gekommen ist, so ist es ehrlicher, die Beschreibung derselben aus einer Londoner Abendzeitung, dem Courier vom 10.Febr. d. J. (1804) zu entlehnen: "Eine bedenkliche Nachricht für gute Sitten — wir halten uns verpflichtet, die Societät zur Unterdrückung des Lasters und jede gesittete Person von einer beunruhigenden Sache zu unterrichten, welche so eben unter dem schönen Geschlechte, besonders unter den Frauen, die etwas völlig (füllig) sind, und deren Form nicht mehr die jugendlichen Umrisse hat, eingeführt worden ist. Man wird dies für Spott auf das schöne Geschlecht halten, aber es hat seine Richtigkeit, dass eine Scheidung (divorce) gegenwärtig dem Herzen einer jeden vornehmen Frau, die fünf und zwanzig Jahre zählt, am nächsten liegt, und das Ehestandsgericht wird nun mehr als jemals zu tun bekommen. Diese Scheidung ist aus Stahl mit Federn gemacht, und so dass sie in manchen Teilen elastisch, in andern fest ist. Man trägt sie an der Mitte der Brust, und ihr Zweck ist, die Busen der Damen getrennt zu erhalten, bei denen die Natur dies modische Amt nicht mehr verrichten will, da eine Trennung in diesem interessanten Teile des Weibes nach den neueren Begriffen von einer schönen Frau eben so wesentlich ist, wie rote Ellbogen und die Abwesenheit der Röcke; daher heißt man diese neue Erfindung eine Scheidung, 
ein Ding, worauf zärtliche Ehemänner natürlich ein wachsames Auge haben werden. 
Es ist die Erfindung einer Schauspielerin."
Text (translation)
It’s an establishment in London and Paris that elegant actresses have kind of privilege to introduce new fashions. 
If their choices are thought to be aesthetic, even the most distinguished women pick them up, because an actress is less of a source of envy, than another genteel woman of rank. 
The following invention was also introduced by an actress, who’s commonly admired for her dresses.
But due to the fact that this latest fashion has yet not been examined by us personally, we’d like to share a reliable description from a London paper, the Courier of 10th February 1804:
“A questionable and alarming message for morals and manners – we’re obliged to inform the society against vice, and each person of moral about a worrying novelty, which has been introduced to the fair sex, especially the embonpoint or those not having a juvenile shape anymore. This might be mistaken as mockery of the fair sex, but it’s the truth, that a ‘divorce’ currently is closest to the heart of each distinguished woman, who counts twenty and five years, and that the matrimony court will get busier than ever. This divorce is made of steel and springs, flexible in some part, firm in others. It’s placed on the middle of the bust, in purpose to keep the breasts apart for those woman, where nature isn’t able to fulfill it’s fashionable duty anymore. The divorce of this body part is according to woman’s latest taste as important as red elbows and the absence of skirts; that’s what is called a ‘divorce’, 
something, that tender husbands will have a watchful eye on. 
It’s the invention of an actress.”


Montag, 6. Mai 2013

'Short Stays' Studies - Schnürleib Studien

Zunächst einmal möchte ich mich herzlich bei meinen werten Lesern für ihre Geduld bedanken, die hoffentlich heute reich belohnt wird.
Ich fürchte allerdings, dass ich dem Begriff 'short' in der Überschrift nicht gerecht werden kann, denn es wird ziemlich ausführlich. Ich verspreche jedoch, dass es wirklich ausgesprochen interessant wird und es neben allerlei theoretischen Ergebnissen auch praktische Anleitungen geben wird.
Am besten ist es, sich mit einer Tasse Kanne Tee auszustatten (so wie ich es in diesem Augenblick tue) und mir in die erste Dekade des 19. Jahrhunderts zu folgen.
Kann's losgehen?!
First I'd like to thank my dear readers for their patience, which will hopefully be rewarded properly today.
I'm afraid the above mentioned term 'short' in the headline won't do, actually this will be a very long post. However I promise a whole lot of interesting news and there won't be mere theoretical studies, but also plenty of practical tutorials.
I may recommend to fetch a cup pot of tea (like I have at hand) and follow me into the first decade of the 19th century.
Ready to start?!

Zu meinem letzten Beitrag über die 'Half Stays a la Paresseuse' habe ich viele Hinweise bekommen, unter anderem, dass der Begriff 'short stays' sehr wohl in einem Patent um 1800 und später nach 1812 in einer anderen Schrift auftaucht. Durch die jetzigen Studien darf ich behaupten, dass in diesem Fall eine etymologische/semantische Betrachtung dienlich ist.
Worte und deren Bedeutung änderen sich häufig innerhalb einiger Jahre, etwas, dass wir heute auch noch erfahren. Um das im Zusammenhang mit den Jahren um 1800 zu verstehen, müssen wir uns auf die Zeit und ihre Gepflogenheiten einlassen, dann wird schnell klar, dass sich die Bezeichnung 'short' und 'long' bei dem Patent um 1800 nicht etwa auf die Länge des Stoffs bezieht, sondern welche Silhouette dadurch erzielt wird. 'Long', also lang, für den ursprünglich anatomisch korrekten Sitz der Taille, 'short', also kurz, für die Empiretaille.
Ab 1808/10 verschwimmen diese Begriffe erstmalig, denn zu dieser Zeit tritt das Korsett zum ersten Mal in Erscheinung und löste mit der Bezeichnung 'long' den Sitz der Taille ab, hin zur Länge des Stoffes in gerader Linie über die Hüfte.
Ähnliches findet sich auch in der deutschen Sprache, dazu später mehr.
I received some remarks and hints with my last post 'Half stays a la paresseuse', one of them was that there was a mention of 'short stays' in a patent from around 1800 and later after the 1812 in another publication.
With my latest research I'd like to refer to a helpful etymological/semantical examination.
Words and their meaning often change in the course of years, something we still experience today. To understand  the terms and meanings of the time around 1800 we have to understand the habits and general circumstances of life, then it's clear that the terms 'long' and 'short' in the mentioned patent are not referring to the lenght of fabric, but what silhouette the stays create. 'Long' means the anatomical correct waist, whereas 'short' refers to the fashionable high waist.
From 1808/10 onwards these terms mingle for the first time with the newly invented/introduced corset, 'long' does not refer to the waist anymore, but to the lenght of the fabric.
Something similar can be found in the German language, which I will later relate to.
Corset de Ninon, Costume Parisien 1810 (Quelle/source: SceneInThePast)

Aber was war dann mit 'short stays' gemeint? Und vor allem, wie sahen sie aus?!
Nun, zumindest nicht so, wie es uns bislang häufig suggeriert wurde. 
Wir dürfen nicht vergessen: Mode ändert sich zwar, aber sie ändert sich allmählich und wir befinden uns zu Beginn des 19. Jahrhunderts, nicht im hektischen 21. Jahrhundert und Entwicklungen setzten sich nicht von heute auf morgen durch!
But what was meant with 'short stays' then? And how did they look like?!
Well, they actually do not look like those stays, which we usually see everywhere.
We have to remind ourselves: fashion means change for sure, but gradually and we're at the beginning of the 19th century, not in the hectic 21st century. Changes did not happen in a dash.

1809 La fureuer des corsets (Quelle/source: Hope Greenberg)

Bei diesem  - sicherlich so manchem Leser vertrauten - Kupferstich, sehen wir die üblichen 'short stays' oder in Deutsch 'Schnürleiber' der Damenwelt um 1800-1810. (Nicht durch den Begriff 'corset' aus dem Französischen durcheinanderbringen lassen, auch hier handelt es sich wieder um eine etymologische/semantische Entwicklung)
Die Schnürbrust des 18. Jahrhunderts hat dieser Bekleidung erst allmählich Platz geschaffen, aber es sind noch viele Gemeinsamkeiten da, aber auch einige erfreuliche Neuerungen.
This - for some readers quite familiar - copperplate, shows the common 'short stays' or in German 'Schnuerleib' of the fashionable woman in 1800-1810. (Don't get confused by the french term 'corset', this is another etymologic/semantical developement)
The heavily boned 18th century stays ('long stays' or in German 'Schnuerbrust') gradually gave way to the new stays, still there are a lot of similarities, but also lots of pleasant improvements.

Die Ärzteschaft damals war sich einig in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den Schnürbrüsten und versuchte den Damen mit allen Mitteln die 'künstliche Einzwängung' des Körpers auszureden:
The physicians back then preached against the heavily boned 18th century stays and tried to talked the female followers of fashion out of the 'artificial shaping' of the body:

1797 (London), Martha Mears The pupil of Nature (Quelle/source: googlebooks)

1804 (Breslau), Martha Mears/Elias Henschel Wohlmeynender Rat für gebildete Frauen (Quelle/source: googlebooks)

Und? 
Haben sich die Damen an den Rat von Mears, Henschel, Sömmering, Klees und anderer Ärzte gehalten?
Natürlich nicht!
What happened?
Would the women have listen to the advice of Mears, Henschel, Sömmering, Klees and other physicians? 
Certainly not!

1810 (Wien) Christian Wilhelm Hufeland (Quelle/source: googlebooks)

(Translation) VI. Faults and failures in clothing
Close fitting, but not proper made-to-measure clothes, (espcially those, which have been worn by someone else before), tight lacings, especially heavily boned stays (Schnuerbrueste), which still aren't out of fashion, and now that the upper classes would wear them less often, are more widely spread among the lower classes...

Schnürbrust, Schnürleib, Korsett, Mieder, Long Stays, Short Stays...Ebenso verwirrt, wie meine Leser es nun sein mögen, ließ ich mich Anfang März auf der Couch nieder, um in einer Reprintausgabe des "Journal des Luxus und der Moden' zu schmökern, als ich dort auf einen Verweis stieß, der sich als wahrer Schatz entpuppte:
Schnuerbrust, Schnuerleib, Corset, Long stays, Short stays...Confused, like some of my dear readers by now might be, I settled down on the couch in March to read in a reprint of the 'Journal des Luxus und der Moden', where I stumbled upon a hint, which proved to be a rare gem:

1810 (Dresden) J.S. Bernhardt, Anleitung den menschlichen Körper, besonders aber den weiblichen zu kleiden und zu verschönern (Quelle/source: SLUB Dresden)

J.S. Bernhardt, ein Schneidermeister, hat uns in seiner zweibändigen Ausgabe (1810/1811) nicht nur ausführliche Texte und Anleitungen zur Bekleidung hinterlassen, sondern auch Schnittmuster, denn sein Werk wandte sich vor allem an die Schneiderin daheim.
Dafür können wir ihm nicht genug danken!
J.S. Bernhardt, a tailor and dressmaker, has left us not only lots of text, tutorials in his two-volume publication (1810/1811), but also patterns, as he has written his book for the seamstress at home.
How could we ever thank him enough!

Auch Bernhardt wendet sich in seinem Buch gegen das Tragen der Schnürbrust, obschon er deren Anfertigung als Grundlage für die Schnürleiber nutzt.
Er lobt vor allem den Einfluß der Englischen Mode und damit ist er nicht allein:
Bernhardt also speaks against the heavily boned Schnuerbrust, although he uses the basic pattern for his recommended Schnuerleib ('short stays').
He is fond of the influence of the English Fashion...well others are, too:
1801 (Tübingen), J.C. Hüttner, Englische Miscellen (Quelle/source: googlebooks)

(Translation)
The english long stays (here: heavily boned stays!) or short stays are pleasantly different from the french and german stays, thus I'd like to talk about them.
They are, what almost stands for all english goods; lots of improvements, alterations, additions and embelishments of the London stays do not only amuse the ladies, but would also be appropriate to enter the publication of the Parisian Arts et Metiers.
Those disadvantages, which the physicians all over the country declare against the Schnuerleiber (here he mixes Schnuerbrust and Schnuerleib!), cannot be said about the english ones. Arguments for their stays are easy childbirths and less crippeled women.

Und nun endlich geben wir dem Schimpfen und Fluchen der Ärzte nach und begeben uns unter Mithilfe von J.S. Bernhardts Werk daran, einen Schnürleib ('short stays') nach historischem Vorbild zu nähen.
Voraussetzung dafür ist zunächst die Ermittlung der Linie 'gg' (nach Bernhardt)
And now we give in to all the arguments and curses of the physicians and start to assemble a historical correct pair of 'short stays' (Schnuerleib) according to J.S. Bernhardt's book.
First we need to find out the measuremnt of line 'gg' (after Bernhardt)


An der Stelle der Schulter, die am weitesten nach vorne ragt, wird in senkrechter Linie ein Lineal angelegt, das hinunter bis zur Mitte des Busens reicht (grüne Linie). Von diesem Punkt aus wird Maß genommen bis zur Mitte des Rückens bzw der Wirbesäule.
Üblicherweise liegt der Wert zwischen 20 bis 30 Zentimetern. Der ermittelte Wert wird nach Bernhardt durch 7 geteilt:
beispielsweise 26 : 7 = 3,7
Dieser Wert widerum ist der Multiplikator für die folgenden Schnittmuster.
Where the shoulder points to the front, add a ruler vertically down to the mid of the bosom (green line).
From this point measure around to the mid of the back (spine).
Usually it measures 20 to 30 centimetres. This measurement is now according to Bernhardt devided with 7:
for example 26 : 7 = 3,7
The sum will be the multipicator for the following patterns.

*Zur Konstruktion dieses Schnürleibs Fig.D., bitte der neuen Recherche folgen:/*For the construction of the stays Fig.D., please follow the latest research: 1790er Schnürleib
Mein erster Schnürleib basiert auf Bernhardts Patronen 'F' und 'D', denn er gibt ausdrücklich den Hinweis, dass die Muster nach eigenem Geschmack abgewandelt werden können.
Bei beiden Schnürleibern ist die Rückenschnürung vorgesehen, allerdings verfügen sie zusätzlich über eine 'falsche' Frontschnürung, welche bereits 1801 in den Englischen Miscellen von Hüttner Erwähnung findet:
My first pair of short stays is based on Bernhardt's patterns 'F' and 'D', as he recommends to match the personal taste regarding the look.
Both stays have back closure and an additional fake front closure, which is already mentioned in Hüttner's Englische Miscellen in 1801:
(Translation)
The stays do not have more than four small rows of boning, two at the front at the lacing holes, two at the back; in the front they only reach mid bosom with additional folded cloth behind.

Eigentlich ist es doch nicht so überraschend, dass die Schnürleiber in ihrer Form noch den Schnürbrüsten ähneln, denn wie gesagt, die Mode änderte sich nur langsam.
Aber zurück zum praktischen Teil -
Das Muster wird in zwei Schritten erstellt und ausgedruckt:
Zunächst werden die Schnitte so ausgedruckt, dass das blaue Quadrat genau einen Zentimeter mißt.
Den Wert den wir vorhin ermittelt haben, nehmen wir dann als Multiplikator für die eigentliche Vergrößerung. 
Beträgt er wie oben erwähnt z.B. 3,7 dann hat auch das blaue Quadrat auf dem eigentlichen Schnittmuster den Wert 3,7.
Bei diesem Schnittmuster sind keine Nahtzugaben dabei, die müssen noch eingezeichnet werden.
Auf der vergrößerten Kopie habe ich außerdem am Rücken (CB) noch jeweils 1,5 Zentimeter extra hinzugegeben und die Träger ein wenig breiter gemacht.
Actually it isn't that surprising to find out that the 'short stays' still resembled the 18th century stays, as I've said before, fashion changed gradually back then.
But back to the practical part -
The pattern will be printed twice as follows:
Please print out the patterns in a size that the blue square measures exactly 1 Centimetre.
The number we've measured and calculated before is then the multiplicator for the actual resized pattern.
If it measures 3.7 cm like mentioned above, then the size of the sqaure has to measure 3.7 cm on the final print, too.
There are no seam allowances in the pattern - you'll have to add them.
On the final pattern I've also added an additional 1.5 cm at the back (CB) and slightly broadend the shoulder straps.

Das Schnittmuster mit Nahtzugabe und dem angepassten Zwickel. Beim Zuschneiden des Stoffes ist es von besonderer Bedeutung dem Schnittverlauf des ursprünglichen Schnittes (hier Fig. F) zu folgen, d.h. die Teile werden ein wenig schräg auf den Stoff gelegt (wie im Bild), um die Elastizität im Querverlauf des Stoffes zu nutzen.
The final pattern with seam allowance and bust gusset. When cutting the fabric it is very important to follow the layout of the pattern (Fig.F), that means the pieces are laid out like in the picture to benefit from the bias of the fabric.

Zur Verwendung des Stoffes habe ich bei Hüttner in den Englischen Miscellen noch folgenden Hinweis gefunden:
Hüttner in the Englische Miscellen gives a good advice concerning the proper fabric:
(Translation)
The fabric of choice is dimity. The stays are stitched with contrasting light grey silk thread.

Schnürleib aus den Vorlagen 'D' und 'F'. Ich habe den Schnitt von Fig. F gewählt, allerdings mit dem falschen Frontverschluß wie bei Fig. D. Vorne sind zwei 7 mm Stäbe Plastikfischbein eingearbeitet.
Der Schnürleib ist zweilagig. Innen habe ich festeren Baumwolltwill gewählt und für außen gechintzte Baumwolle.
Short stays according to patterns 'D' and 'F'. I've chosen the draft of pattern Fig.F with the front closure of Fig.D. At the front two 7 mm plastic bonings are inserted.
The stays are made of two layers. The inner layer is cotton twill, the outer layer glazed cotton.

Die Innenansicht mit dem ungebleichten Twill. Ich habe verschiedene Nähte ausgetestet, da Bernhardt darüber keinerlei Hinweise gegeben hat.
The inside with the unbleached twill. I've tried different seams as Bernhardt did not give any advice about it. 

Die Rückseite mit den Ziernähten aus grauer Seide.
The back with the seams stitched in grey silk.

Die Front. Der Schnürleib endet oberhalb der Hüften.
The front. The short stays reach above the hips.
Die Rückansicht mit den weit ausgeschnittenen Trägern. Und Mut zur Schnür'lücke'!
J.S. Bernhardt empfiehlt, dass bei der Schnürung eine Lücke erhalten bleiben soll (im Gegensatz zu dem, was wir auf dem dem Bild 1809 La fureuer des corsets sehen. Dort handelt es sich um eine Karikatur, die das Überschnüren anklagt)
The back with the shoulder straps reaching far back into the middle. And a lacing gap!
 J.S. Bernhardt recommends to leave a gap (in contrary to the plate
1809 La fureuer des corsets, which actually is a caricature and accuses tight lacing)

Die Brust wird nur halb umschlossen und angehoben.
The bust is only cupped half and lifted.

Und da der Schnitt auf Anhieb so wunderbar gelungen ist, habe ich nicht gezögert und mich gleich noch an ein weiteres Paar begeben. Das folgende Paar beruht auf einem Schnitt, den J.S. Bernhardt für besonders geeignet hielt.
And as the pattern worked so easily, I didn't hesitate to make up a second pair. The following pair is based on a pattern, which J.S. Bernhardt preferred and favoured.

Dieses Muster besteht nur aus zwei Teilen! Ganz wichtig bei diesem Paar ist es, dass die Rückenlinie (CB) senkrecht auf dem Stoff liegt, sodass die Front (CF) schräg verläuft, das verleiht dem kompletten Schnürleib die nötige Elastizität.
This pair is made up of two parts only! It is very important with these stays, that the back (CB) runs vertically on the fabric, whereas the front (CF) runs on the bias, which gives the stays the needed flexibility.
Mein Schnittmuster mit Nahtzugabe...
My pattern with added seam allowance...
...und den angepassten Zwickeln für die Brust und Hüfte. Dieser Schnürleib sitzt nämlich halb auf der Hüfte.
...and the bust and hip gussets. This pair of stays sits on the hips.

Von außen...
Outisde...
...und von Innen.
...and inside.

Die angepassten Zwickel an der Hüfte.
The hip gussets.

Die Träger werden im Rücken angebunden. In der Mitte befindet sich der Blankscheit.
The straps are fastened in the back. On the left is the busk.

Dieser Schnürleib kreeirt die perfekte Silhouette, die wir von vielen Kleidern kennen!
These stays create the perfect silhouette, which is familiar from many dresses!



Da der Schnürleib aus nur zwei Lagen Stoff und nur wenig Fischbein besteht, ist es sehr bequem.
As the stays are made of only two layers and very little boning, it's comfortable.

Neben Fischbein konnte auch ein hölzerner oder stählerner Blankscheit verwendet werden.
Besides boning wooden or steel busks were used for the front.

Wenn man sich das Patron Fig. C nochmal genau ansieht, ist dort eine weitere Linie an der Brust eingezeichnet, eine weitere Option für einen Schnürleib.
Oftmals fragt man sich bei hauchzarten Kleidern, warum sich darunter keinerlei Naht abbildet, die Antwort ist eigentlich simpel, der Schnürleib wird unter die Brust geschnitten.
A closer look on pattern Fig. C reveals that there's a further marked line at the bust, which is another option for a pair of stays.
If you ever wondered that there's no seam showing through the delicate fabric of muslin dresses, well the answer is simple, the short stays are cut below the bust.

Statt des Blankscheits sind hier vier Fischbeinstäbe eingesetzt worden.
Die langen Träger werden bei J.S. Bernhardt, aber auch in den Englischen Miscellen nochmals genauer beschrieben. Da ich nicht die gleichen Träger wie bei dem Schnürleib zuvor verwenden wollte, wählte ich diese Möglichkeit.
Instead of the busk there are four pieces of boning. 
The long shoulder straps are described not only in J.S. Bernhardt's book, but also in the Englische Miscellen.
As I wanted a different look on this pair I decided on this variation.
Die Bänder werden auf dem Rücken gekreuzt und seitlich eingehakt.
The straps are crossed in the back and fastened on hooks at the sides.
Außen...
Outside...
...Innen.
...inside.

J.S. Bernhardt empfiehlt, den fehlenden Teil durch eine Art Chemisette zu ersetzen, welche die Brust bedeckt und festhält. Diesen Zweck erfüllt auch das Hemd.
J.S. Bernhardt recommeneds to wear a kind of chemisette with this pair, which covers and holds the bust. This purpose is also fullfilled by the shirt.

Da der Stoff im Querverlauf geschnitten wurde, schmiegt sich der Schnürleib eng an den Körper.
As the fabric was cut on the bias, the stays fit like a glove.

Der Rücken mit den gekreuzten Bändern.
The back with the crossed shoulder straps.

Abschließend bleibt mir festzustellen, dass die tatsächlichen Schnürleiber eher den Schnürbrüsten des 18. Jahrhunderts ähneln, als den heute bekannten und auf dem Markt befindlichen 'short stays'.
Es wäre wünschenswert das diesbezüglich ein Umdenken stattfindet. Sicherlich gab es immer Sonderformen wie z.B. das Leibchen im Kyoto Costume Institute, aber wenn man sich näher mit J.S. Bernhardts Lektüre beschäftigt, erfährt man mehr darüber, wie z.B. ein kranker, alter oder nicht ebenmäßiger Körper unterstützt werden kann.
Die Stays a la Pareseusse, die ich neulich vorgestellt habe, müssen näher zu den 1820ern Jahren umdatiert werden. Sie sind in der Tat Halbkorsetts (und ähneln dem Korsett de Ninon), die allerdings lediglich zu besonderen Anlässen, wie etwa Reisen, getragen wurden.
Finally the short stays look much more like the 18th century heavy boned stays, instead of the 'modern short stays', we usually see made up.
It would be eligible to try and spread the historical correct stays. However there will always be special forms of stays like the one from the Kyoto Costume Institute, but according to J.S. Bernhardt and first hand sources there always have been many ways to support the body of ill, old or those who are lacking the well-proportioned ideal of the Empire.
The stays a la paresseuse, which I have blogged about recently, will be dated closer to the 1820s. They are true half stays (having a similar design like those long stays), only being worn on special occasions like travels.

Falls einige meiner Leser sich dazu entschließen, die Schnittmuster einmal selbst auszuprobieren, würde ich mich sehr freuen, zu hören, ob J.S. Bernhardt auch in ihrem Fall mit der Kalkulation richtig gelegen hat.
Und nun muß ich mir erstmal eine weitere Kanne Tee aufbrühen...
If any of my readers decide to give these patterns a try, I'd be happy to hear wether J.S. Bernhardt's calculation worked for them, too.
And now I have to fetch another pot of steaming tea...

Die Studien wurden seit 2013 permanent weitergeführt. Wer noch mehr über diese historischen Schnürleiber erfahren möchte, dem seien folgende Aufsätze ans Herz gelegt:
The studies were in constant progress since 2013. If you'd like to read more on them, please take a look here: 
und