Sonntag, 24. August 2014

Journal Journey into the Year 1811: August 'Journal des Luxus und der Moden'


Der August ist da und im Jahre 1811 scheint ganz Weimar in die Sommerfrische verschwunden zu sein, denn abermals bedient sich das Magazin bei seinen Modeberichten ausschließlich 
an der Vorlage des Pariser Journal des Dames et des Modes (vom Juni des Jahres).
Wo im Monat zuvor noch ausführlich das bekleidete Haupt der Herren beschrieben wurde,
sind es nun die Damenhüte, die beim Publikum beworben werden...
...mitsamt einer Fülle wunderschöner Blumen.
Wir alle tragen sicher noch das überwältigende Florakleid der Leipziger Messe in Gedanken
(und ich bin immer noch auf der Suche nach Hinweisen dazu),
umso erfreuter bin ich heute, dass Flora erneut mit ihren Reizen bezaubern darf.
Also wenden wir uns ihrem Füllhorn zu!
Finally August is here and in 1811 everyone in Weimar seems to be gone enjoying the summer, because the magazine once again solely relys to copy the french Journal des Dames et des Modes (of June).
While a month before the focus was on the well dressed heads of the gentlemen, now lady's hats are advertised to the audience...
...with an abundance of flowers.
As we hopefully still carry the image of the flora dress from the Leipzig Fair in our thoughts,
(I'm still trying to find more hints of this dress),
Flora may once again shower you with a wealth of her charms.
Let's now pay attention to her cornucopia!

Journal des Luxus und der Moden 
August1811
 (Herausgeber/Verleger Friedrich Justin Bertuch, Weimar)
1811, August, Journal des Luxus und der Moden
 XIII. Erklärung der Kupfertafeln
 Tafel. 22 1. Eine Pariser Dame im Strohhut mit Spitzen und Blumen garnirt. Dazu trägt sie ein Mantelet und Canezou von Perkale 
2. Drei Strohhüte mit untergelegtem seidenen Zeuche aus der Modenhandlung der Madame Hoffmann in Leipzig

  XIII. Explanation of the copper plates
Plate 22. 1. A Parisian Lady wearing a straw hat, decorated with lace and flowers. She also wears a mantelet and a canezou made of percale
2. Three straw hats covered with silk fabric from the millinery shop of Mme Hoffmann, Leipzig

 XII. Pariser Modeberichte
 XII. Parisian Fashion report
Vom 20.Junius 1811
Bei den Haaraufsätzen zum vollen Anzug (1) sieht man fast keine Blumenbouquets mehr. Bald ist ein Bandeau, bald ein Diadem von Blumen, bisweilen sieht man außer dem Bandeau noch am Hinterkopfe eine Guirlande, oder ein Netz, welches einen Theil des Kopfes verdeckt.
Hierzu wählt man Blumen aller Art, oder wenigstens von allen Farben. Viele Diamanten sind in Form von Aehren gefasst. Vergangenen Sonntag hatten fast alle Toquen weiße Federn. Zum gewöhnlichen Anzug erhält sich noch der weiße Bast. Die Bänder von jeder Art sind gebognet (festonnés) und gefranzt.
Of 20th June 1811
There are hardly any flower bouquets on the hair with full dress (1). It’s rather a bandeau, a tiara of flowers, or a kind of small festoon with the bandeau at the back of the head, or a hair net, which covers part of the head.
Flowers of all kinds are chosen, or at least of all colours. Lots of diamonds are put into the shape of wheat ears. Last Sunday almost all toques sported white flowers. White bast still is worn with the half dress. Ribbons of all kind are scalloped and fringed.

 den 25.Junius
Nichts ist zum Negligé passender als ein gelber Strohhut, zumal wenn ihn weiße Federn zieren. Die neueste Lieblingsblume bildet eine grüne Kugel und heißt Fragarine (2). In den Mode=Magazinen, wohin diese Blume noch nicht gekommen ist, nimmt man Orangenblüten mit Jasmin untermischt, blühende Myrthen, weiße Nelken, weiße Rosen. Die Bänder, noch immer breit, noch immer ausgebognet und gefranzt, werden jetzt entweder großwürflich (rayés a grande carreaux) oder glatt getragen. Im letzten Fall sind sie weiß von Farbe. Weiß ist die herrschende Farbe.
the 25th of June
Nothing fits better to the undress than a yellow straw hat, especially when it’s adorned with white feathers. The new favourite flower is forming a green ball and is called Fragarine (2). The fashion magazines, which didn’t have catch up with this trend, show orange blossoms mixed with jasmine, blooming myrtle, white carnations, white roses. The ribbons, still wide, linger on being scalloped and fringed, are now either have a check pattern (rayés a grand carreaux) or are plain. In the latter white is preferred. White is the dominant colour.
ca. 1790, Kunstblumen aus der Bertuchschen Manufaktur 
artificial flowers from Bertuch's manufactury
(Quelle/source: Thüringer Allegemeine)

den 30.Junius
In die Ränder der weißen Strohhüte werden zwei schräge Streifen von Mousselin=Gaze gesetzt, welche zwei Schnuren bilden; der Schirm ist noch immer weit vorspringend und der Hut sehr hoch.
Die Hüte von Tulle oder von weißen seidenen Zeuche schmückt man jetzt mit der neuseeländischen Distel, als der neusten Modeblume.
Die Hüte von Taffent, Tulle und gelbem Bande haben zum Bouquet fünf Rosen von verschiedener Farbe: ponceau, lilas, rosenroth, jonquille gelb und weiß.
Die Mützchen von rosa Crepp sind mit Blondne garnirt und werden unter dem Kinn zugebunden.
the 30th June
Into the rim of the white straw hats two sloped strips of muslin are set in, which form two strings; the brim is still prolonged and the crown quite high.
The hats of tulle or white silk are embellished with the New Zealand thistle, the latest fashion flower.
Hats made of taffeta, tulle and yellow ribbon sport five roses in the following colours: ponceau, violet, pink, jonquilla yellow and white.
The caps of blush pink crepe are decorated with blondes (fringe) and closed under the chin. 

***Erklärungen/Anmerkungen*** 
(1) Der volle Anzug bedeutet, die Kleidung, die zu formalen Anlässen getragen wird, wie z.B. die gehobene Abendkleidung, die Ballkleidung und höchst formell: die Hofkleidung
Der gewöhnliche (oder auch halbe) Anzug hingegen beschreibt die Kleidung, die man tagsüber in Gesellschaft trägt oder auch zu weniger formalen Abendgesellschaften, sie ist weniger formell, jedoch nicht leger.
Der Begriff Negligé steht für informelle Kleidung, die man morgens im und außer Haus trägt, und auch tagsüber, aber niemals am Abend oder in formaler Gesellschaft. Es ist legere und bequeme Kleidung oder auch alltägliche Kleidung.
(2) Der Begriff ‚Fragarine’ ist ein Kunstbegriff. Ein wenig deutet er auf die botanische Bezeichnung der kleinen Erdbeerblüten (es ist Juni!), aber diese werden von grün eingefasst zu einer Kugel geformt. Es ist anzunehmen, dass es sich bei allen Blüten um sogenannte Kunstblumen handelt. Hier liegt wohl auch der Grund, warum F.J. Bertuch besonderes Augenmerk auf Hüte bzw Blumen aus Paris im Augustheft des Journals lenkte, denn zu seinem Betrieb in Weimar gehörte auch die berühmte Kunstblumenmanufaktur. Eine der berühmtesten Beschäftigten dort war Christiane Vulpius (Geheimrath Goethes spätere Ehefrau), die dort bis Anfang der 1790er Jahre Kunstblumen verfertigt hat.  
***Explanations/Annotations*** 
(1) The full dress describes clothes, which were worn to formal events, like evening dresses, ball dresses and the highly formal court dress.
The term common or half dress was used for less formal clothing, which was worn during the day in public or even to less formal evening dinners or the theatre. It was less formal, but still never casually or comfy.
Negligé or undress) finally was the casually and comfortable dress, worn in the morning or during daytime to informal occasions, but never in the evening out or to formal events.
(2) The word ‘Fragarine’ is an art term. It gives a minor hint to the botanical term of the strawberry/strawberry flowers (it’s June!), but these are described as being adorned by green and formed into a ball. It’s highly likely that the mentioned flowers are artificial flowers. That might be the reason that F.J. Bertuch highlights the hats and flowers from Paris in his August’s issue of the journal, because his family had a manufactory for artificial flowers in Weimar. The most famous employee was Christiane Vulpius (later Goethe’s wife), who worked there until the early 1790s.  
 
Der Sommer steht sozusagen in voller Blüte in Weimar. Schwelgt Paris auch noch im Blütenmeer und wie sieht es in London aus?
Summer's literary in full bloom. Is Paris also a sea of flowers and what about London?

An dieser Stelle gebe ich ab an Alessandra für die neusten Moden aus Paris vom/
And now I like to direct you to Alessandra for the latest fashions of Paris from
und an Maggie für einen Überblick aus London/and to Maggie for an overview from London via
  "Ackermann's Repository",
sowie an Natalie für die Neuigkeiten vom Londoner Hof/and to Natalie for news from London's court
  "LaBelle Assemblée"

Donnerstag, 21. August 2014

...quis leget haec?

"Wer liest das eigentlich?"
Zugegebenermaßen kann ich mich nicht davon freisprechen, dass sich mir dieser Gedanke ab und an aufdrängt. 
Üblicherweise geschieht dies eher selten wenn ich Kleider vorstelle, Anleitungen teile, die Nadel schwinge - kurz: wenn es um die im Blogtitel erwähnten 'Moden' geht.
Lege ich allerdings Nadel und Faden aus der Hand und finde mich - mit brennendem Interesse - über schriftliche Quellen gebeugt, um den 'Marotten' unserer Vorfahren auf die Schliche zu kommen, 
dann hüpft mich die hinterlistige Frage an 
und trübt meinen Enthusiasmus einen Blogbeitrag über die gefundenen Geschichten und Geschichtchen zu verfassen.
Dabei ist Mode doch immer Ausdruck einer Zeit, ähnlich wie beispielsweise Malerei und Poesie - und versteht man letzere Künste nicht auch am besten, wenn man sie mit den Augen der damaligen Zeitgenossen betrachtet?
Waaaaas?! 
Diese ellenlangen Schachtelsätze von damals studieren, 
nur weil ich ein Kleid nähen will???
 An dieser Stelle verspreche ich zwei Dinge:
Erstens - es ist ein unglaubliches Vergnügen sich mit der feinen Sprache zu beschäftigen, diese wundervollen Satzgebilde auf der Zunge zergehen zu lassen, Satire von tatsächlichen Ratschlägen unterscheiden zu lernen, und in der ein oder anderen Lektüre plötzlich festzustellen, dass auch unsere Vorfahren ab und an geschrieben haben, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.
Zweitens - Nachdem man sich anhand der Lektüre eingehender mit der Zeit und ihren Menschen vertraut gemacht hat und durch Briefe, Zeitungen und vielleicht auch Romane über zweihundert Jahre hinweg ein wenig näher zusammengerückt ist, näht man nicht einfach mehr 'ein Kleid', 
sondern versteht, dass es da um mehr geht als nur eine Möglichkeit den Körper ansprechend zu verhüllen.
"Who actually reads this?"
Admittedly I'm not always clear of this thought, which now and then haunts me.
Maybe not so much when I introduce new dresses, share tutorials, or generally sew - in short: when I'm rambling about the term 'Moden' (fashion) mentioned in the blog title.
But any time I put aside needle and thread to delve into written sources to trace our ancestors' 'Marotten' (whims), this most sneaking question afflicts me and lessens my enthusiasm to write a blogpost about my finds.
But isn't fashion always the expression of a time, like painting and poetry - 
and isn't it that we might only fully understand it, if we see it through our ancestors' eyes?
Whaaaaat?!
Reading terribly long nested sentences, only to sew a dress???
At this point I'll promise two things:
First - it's an incredible joy to read this fine language, to luxuriate in their writings, learn to seperate satire from real advice, and learn that the people back then also were capable to write right from their mouth.
Second - After studying and becoming more familiar with the people throughout their letters, journals or even novels, and suddenly being a bit closer regardless of the two centuries, which part us, it's not sewing 'just a dress' anymore, but a deeper understanding that it's more than putting cloth on a naked body.

Die beste Nachricht aber ist die - und jeder, der sich eher mit dem Mittelalter oder der frühen Neuzeit beschäftigt, würde nun begeistert hüpfen - es gibt eine unendliche Fülle an Primärliteratur!
Beinah jede Frage kann aus erster Hand beantwortet werden!
Und man muß nicht Unsummen ausgeben, um sich die Originale zuzulegen (wenngleich auch das ein großes Vergnügen ist), denn die meisten Schriften, Zeitungen, Journale, Briefe sind bereits digitalisiert. 
Und wenn man die Suche erst anfängt, wird man von einem interessanten Fund zum nächsten kommen, und die Damen um 1803, die Herren um 1814 werden plötzlich lebendig!
The best thing is - and everyone, who's researching about medieval times or the early modern age, would squeak with delight - there is a wealth of primary sources!
Nearly every single question can be answered first hand!
And it doesn't mean to spend a fortune on books (although that's fun, too), because most of the sources, volumes, letters, journals, newspapers are digitalized.
And once the search has begun, one exciting find will lead to another, and the ladies of 1803, and gentlemen of 1814 will come alive!
Februar 1810, La Belle Assemblée (Quelle/source: googlebooks)
...nun gut, vielleicht nicht ganz so lebendig, wenn es sich, wie in dem oben aufgeführten Ausschnitt aus einem Journal, ua. um Sterbeanzeigen handelt.
...well, maybe not that alive, if it's, like in the source above, a register of brith, marriages...and deaths.

Journale und Zeitungen (welche oft aus nur wenigen Seiten bestehen) sind reichhaltige Quellen, um einen ersten Eindruck zu gewinnen, häufig wird man in diesen Schriften auch auf umfassendere Werke weiter verwiesen...oder man genießt einfach die gebotenen Zeilen.
Journals and newspapers (often containing only very few pages) are amazing sources to gain a first insight, and they often contain recommendations to further reading.

Die Lippischen Intelligenzblätter (im Bild zwei Ausgaben Jahrgang 1804 und 1807)


Alltägliches aus dem Lippischen Intelligenzblatt 1807:
Paderborn. Einem geehrten Publicum empfehle ich mich bestens, mit dem Einsetzen künstlicher Zähne, das Herausnehmen aller tiefliegenden oder abgebrochenen Zahnwurzeln, Reinigen der Zähne von Weinstein, Plombiren hohler Zähne, und was sonst zu deren Erhaltung notwenig ist.
Auch ist gutes Zahnpulver zum Erhalten der Zähne, und Mittel wider Zahnschmerzen bey mir zu bekommen.
Paderborn den 1sten Dec.1807 S. David Examinirter und priviligirter Zahnarzt, wohnt am Kellerplatz
Miscellany from the Lippische Intelligenzblatt 1807:
Paderborn. I recommened myself to my dear audience, with applying artificial teeth, the extraction of painful or broken roots, cleaning teeth of tartar, filling teeth, and whatever is necessary to preserve a tooth. I also sell tooth's powder,and medicine against toothache.
Paderborn 1st Dec. 1802 S. David registered and priviledged dentist, Kellerplatz


Detmold. Bey Jacob Isaac allhier sind Kalbfelle und gute Wolle gegen einen billigen Preis zu haben.
(Darüber ist übrigens die Bekanntmachung eines angereisten Tanzlehrers, der Kurse bietet!)
Detmold. Jacob Isaac sells calf hides and wool for a low price here.
(Above these lines is the introduction of a new dance teacher, who offers courses to the young ladies)

Der Bericht über den Zahnarzt gibt Aufschluß über die Hygiene und kann der Anfang weiterführender Untersuchungen werden, die schließlich wieder den Kreis zur Mode schließen, wenn man beim Mirrow of Graces (1811)
The above text about the dentist reveals a bit about hygene and might finally lead to reads about fashion like Mirrow of Graces (1811)

Und wer einen wirklich exzellenten Einstieg haben möchte, 
dem sei noch folgende Sekundär-Lektüre wärmstens ans Herz gelegt:
(unfortunately this book is only available in German)
Göres, Heimliche Verführungen. Ein Modejournal 1786-1827
Katalog zur Ausstellung im Goethe Museum Düsseldorf 1978

Und nun ran an die Bücher und Briefe, die Journale, die Rezepte, die Modeneuigkeiten...
And now happy reading with all the books, letters, journals, recipes, and fashion papers...

Dienstag, 19. August 2014

Die Kunst, Erinnerungen mit sich zu tragen...

Erinnerungen kann man nicht nur in Gedanken oder im Herzen mit sich tragen, sondern auch - und nicht minder schön - stofflich und mit einiger 'Tragweite'.
Zunächst einmal sollte man seine Erinnerungen dazu aneinanderreihen und festnähen, 
was in etwa so aussieht:
The art of carrying memories...
Memories cannot only be carried in our thoughts and hearts, but also - and not a tad less lovely - in fabric with the capabilty to carry lots.
In order to do so, we first need to collect remnants and sew them together, which pretty much looks like this:

Ich habe kleine Reststücke meiner vergangenen Nähprojekte nach Augenmaß zugeschnitten und zu einer langen Kette zusammengenäht.
I have cut out fabric scraps from past projects  and sewn them together in a long colourful chain.

Der Zuschnitt für die Tasche entspricht jenem, den ich bereits vor einiger Zeit vorgestellt habe.
Er besteht aus einem Stück  Futter, auf welches die Flicken aufgenäht werden und einem Rücken.
The pattern of the bag is exactly the same as the one, I've already introduced a while ago.
It's made of one lining piece on which the fabric patches will be stitched and the backing.

Die Flicken werden Reihe um Reihe mit Rückstichen zusammengenäht, die Nahtkanten umgebügelt und schließlich auf dem Futter festgesteckt.
The scraps are sewn together with running stitches row after row, then the seam  allowance is ironed flat and finally the piece is pinned to the lining.

Sind alle Reihen vernäht, werden die Kanten zugeschnitten.
After all rows are sewn together, the edges are cut in shape.

Ein Nahtband wird zugeschnitten, womit zunächst die Öffnung, als auch - nachdem der Rücken aufgelegt wurde - die Kante ringsum versäubert wird.
A bias cut band is sewn around the opening, and then with the backing on around the edge all the way round.


Die Vorderseite...
 The front...

...die Rückseite.
...the back.

Die Taschen waren häufig aus Reststücken gefertigt und recht bunt. Selbstverständlich wurden sie nicht unter weißen Mousselinkleidern getragen, sondern eher unter Tageskleidern.
Die Taschen bieten erstaunlich viel Platz, weitaus mehr als die Retiküls, die sie allerdings allmählich ablösten.
The bags were often sewn from fabric remnants, hence they were quite colourful. Of course they were never sported with sheer muslin dresses, but with sober day dresses.
The bags offered quite a lot of space, much more than the reticuls, which however gradually replaced this kind of bags in the course of time.


Aber ach, wohin mit all den niedergeschriebenen Erinnerungen?
Dafür gab es damals Brieftaschen. Zumeist waren sie kunstvoll gestaltet, aus feiner Seide und reich bestickt (oftmals mit wundervollen kleinen Sinnsprüchen)
In Ermangelung geübter Stickereifertigkeit, habe ich bei meiner Brieftasche allerdings zu einem Stoff gegriffen, der mit einigen Erinnerungen an meine verstorbene Tante verbunden ist.
Es handelt sich um bedruckte Baumwolle. Als Futter habe ich dann den üblichen Seidentaft verwendet. Die Zwischenlage besteht aus feinem Papier. Das rote, schmale Einfassband ist vintage. Ich habe es von meiner lieben Freundin Natalie bekommen.
But, where to keep written memories?
Back then letter cases or pocket books were used. They were beautifully emebelished, made of fine silk and often opulently embroidered (with lovely little verses)
As I truly lack embroidery skills, I decided to assemble my letter case with a fabric, that holds a lovely memory to my deceased aunt.
It's a printed cotton. The lining is silk taffeta and it's stiffened with fine paper. The red bias tape is vinatge. It was given to me by my dear friend Natalie.

Die drei Lagen der Brieftasche.
The three layers of the case.

Das Papier wird entsprechend vorgefaltet, ehe der Stoff darum gelegt wird.
Zu der Brieftasche gehört auch noch ein zweites Teil, das später die innere Klappe bildet.
The paper is already folded, before the fabric is layered around it.
There's a second similar piece build like this, which is the inner flap of it.

Die fertige Brieftasche mit Wollband
The finished letter case with a woolen ribbon

An dem Stoff mag ich besonders die Darstellung des 'tränenden Herzens' (dicentra spectabilis)
My favourite flower on the case is the 'Bleedingheart' (dicentra spectabilis)

Die geöffnete Tasche verfügt über drei Fächer für Briefe und Geld.
The opened case offers three compartments for letters and money.


In den letzten Wochen sind noch viele weitere Kleidungsstücke an meinem Nähtisch entstanden, aber leider bin ich in der Kunst, das Wetter zu beeinflussen noch keinen Schritt weiter gekommen und ein Fototermin nach dem anderen fällt sprichwörtlich ins Wasser.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf und bitte meine Leser derweil um Geduld.
In the past weeks a whole lot of garments have been finished at my sewingtable. However I did not manage to master the art of influenceing the weather and one photoshot after the other was cancelled due to rain.
I still have hopes and may ask my dear readers for some patience.

Sonntag, 27. Juli 2014

Journal Journey into the Year 1811: Juli 'Journal des Luxus und der Moden'


Unser Sommer war in den letzten Tagen von großer Hitze geprägt. Oberste Priorität haben da ein kühles Plätzchen oder zumindest ein gewisses Maß an Schatten, um einen kühlen Kopf bei der Recherche zu bewahren.
Der Sommer des Jahres 1811 lässt ähnliches vermuten, denn im Journal des Luxus und der Moden dreht sich alles nur um Hüte!
Es wird bunt, es wird blumig und unter Federbüscheln werden wir auch eitle Pfauen einherschreiten sehen.
In the past days of this summer we truly suffered from a heat wave. First priority was to find a cool place or a minimum of shade, to be able to do some research.
The summer of 1811 indicates something similar, as the Journal des Luxus und der Moden was all about hats!
It will be colourful, fancy flowers galore and plumes, under which we will also spot gentlemen peacocks parading.

Journal des Luxus und der Moden 
Juli 1811
 (Herausgeber/Verleger Friedrich Justin Bertuch, Weimar)
1811, Juli, Journal des Luxus und der Moden
 XII. Erklärung der Kupfertafeln
Tafel 19. Diese junge Dame trägt einen Chemise-Kragen von Mull, gestickt und mit eingeschlagenen Falten. Zu diesem eleganten Neglié gehören jetzt Brodequins oder Halbstiefel von Saffian (1). 
Tafel 20. 1. Der zierliche Hut ist von Perkale, mit dazwischen gesetzten Streifen von Spitzengrund. Das Kleid ebenfalls von Perkal.
2. Die junge Dame trägt ein Canezou oder Spenzerleibchen von himmelblauer Levantine mit Franzen garniert. Der gelbe Strohhut ist durch unterlegten Atlas gezieret, so wie zarte Guirlanden inwendig am Schirm noch häufig getragen werden.
 ***Erklärungen/Anmerkungen***
(1) Saffian oder Maroquin ist ein sehr feines und weiches Ziegenleder, welches künstlich genarbt, einseitig gefärbt aber nicht lackiert wird
  XII. Explanation of the copper plates   
 Plate 19. The young lady is wearing a chemise collar of gauze, embroidered and with pleats.
This elegant negligee is completed by brodequins or half boots made of morocco leather (1).
Plate 20. 1. The delicate hat is made of percale with stripes of lace inbetween. The dress is also made of percale.
2. The young lady is wearing a canezou or spencer made of celestial Levantine, adorned with fringe. The yellow straw hat is embellished with satin, and with delicate festoons, which are still worn on the inside of the brim quite often. 

***Explanations/Annotations***
(1) morcco leather or maroquin is a very thin and soft kid leather, which is artificially shagreened, dyed on one side and not painted.
 X. Pariser Modeberichte
1801, Costume Parisien, Chapeau a la Russe (Quelle/source: Les coiffures a la mode)

Wenn man dem schönen Geschlechte Eitelkeit und mannichfaltigen Wechsel in den Moden vorwirft, so passt dieses ebenso gut auch auf die Männer. Wie reichhaltig ist z.B. jetzt nicht bloß das Capitel der Hüte. Eine flüchtig entworfene Liste davon wird dieses am besten erläutern.
Die Hüte a la Henri IV., vorn aufgeschlagen, und von weißen schwankenden Straußenfedern beschattet, zieren nur die ersten Häupter des Staats. – Zur gestickten Kleidung werden ferner dreieckige Hüte mit eingelegten weißen und schwarzen Federn getragen, erstere von hoffähigen Personen und den Staatsbeamten der ersten Classe, letztere von Fonctionairs der zweiten Classe. Männer, die nicht bei Hofe erscheinen oder bedeutende Staatsämter haben, tragen den einfach gestutzen französischen Hut mit einer Kette und Knopfe von feinsten Stahl.
Den Klapphut (le claque) und den russischen hohen Hut (siehe Abbildung oben) übergehen wir als hinlänglich bekannt.
Der Basile hut (chapeau a la basile) nach der bekannten Rolle im Barbier von Sevilla (1) so genannt, ist ganz rund mit breiten und niedergeschlagenem Rande. 
Unsere Vorfahren nannten es Schlapphüte (chapeau clabaud) oder a la Janseniste. Einige Geistliche tragen diese Art noch.
Männer, welche auf das Land gehen, wählen einen Strohhut, und die Liebhaber von Neuigkeiten, einen chapeau a la Montgolfier, ganz rund von Form.
Elegante Herren trugen noch vor kurzem gewölbte Hüte (chapeau cintré) oder in nachenform (a bateau) (2), die Seitenränder schmal und aufgekrampt, vorn und hinten heruntergekrempt.
Der Bostonsche Hut (chapeau a la bostonienne) gehört für die Anglomanen. Man erkennt ihn leicht daran, dass der obere Theil statt rund, oval ist.
Die ausgebreiteste Mode ist der Robinson=Hut (chapeau a la Robinson) (3), dessen Kopf sich verschmälert und einem Zuckerhut, den man oberhalb quer durchgeschnitten hat, gleicht.

 X. Parisian Fashion report
  If you accuse the fair sex of vanity and the varied change of fashions, this will also fit for the gentlemen. How comprehensive is for example not only the chapter about hats. A hasty assembled list of this will reveal the thesis.
The hats a la Henry IV., turned up at the front, and shaded by white wavering ostrich feathers, do adorn solely the first heads of the state. – Added to the richly embroidered garments, triangle (or tricorn?) hats with attached white and black feathers are worn, the first by those of the high rank at court and state officials of first rank, the latter of officers of the second rank. Gentlemen, who are not part of the court or aren’t high ranked officers, simply wear the low French hat with a chain and button of finest steel.
The claque hat and the high russian hat (see fashion plate above) do not need any further detailed information as they are commonly known.
 The basile hat (chapeau a la basile) named after a famous character in the play Barber of Seville (1), is entirely round with a wide turned down brim.
Our ancestors called them slouch hats (chapeau clabaud) or a la Janseniste. Some clergymen still wear this style today.
Gentlemen, who intend to visit the countryside, choose a straw hat, and the admirer of novilties a chapeau a la Montgolfier, entirely round in shape.
Elegant gentlemen recently have worn short domed hats (chapeau cintré) or those shaped like a boat (a bateau) (2), the side brims small and turned up or arched, while turned down in the front and back.
The bostonian hat (chapeau a la bostonienne) is suitable for the anglophile. It’s easily recognized by it’s crown, which is oval instead of circular.
The fashion most wide spread remains the Robinson hat (chapeau a la Robinson) (3), which is cone shaped like a sugar cone, cut horizontally half way up.
 
 Vom 10.Junius 
Ein Bandeau von Blumen, so wie am Hinterkopf ein Blumennetz, bildeten vorigen Sonntag den Kopfschmuck vieler Damen. Viele andere Kopfaufsätze waren durch die schönen, vorn herumlaufenden Haarkämme geziert, deren Platte oberhalb Monde oder Zacken hat, auf denen weiße Perlen, Korallen oder Stückchen Lapis Lazuli sitzen. Auf allen Hüten von Bast, so wie von Gros de Naples (eine Art starkes, seidenes Zeuch) zeigte sich die gewöhnliche Guirlande. In den Guirlanden a la jardiniere sah man vorzüglich Kornblumen (4). Zu den Guirlanden von einer Art Blumen wählte man vorzüglich Feldrosen (rosa arvensis, siehe Abbildung folgend).
10th of June
A bandeau of flowers, and a filet net of flowers at the back of the head, was seen as decoration last Sunday on ladies’ heads aplenty. Many other head decorations were embellished by circular combs embracing the head, ending in moons and jags on top, adorned with white pearls, corals or cut pieces of lapis lazuli. All hats made of bast, or of gros de naples (a kind of strong, silk fabric) was adorned by a simple festoon. The festoons a la jardinière were usually made of corn flowers (4). Other festoons favoured the choice of the field rose (rosa arvensis, see following picture).

Rose des champs - Rosa Arvensis 
(Quelle/source: botanical.com)

Vom 15. Junius
Der Bast (paille blanche), welcher gewöhnlich vierzehn Tage nach der bekannten Fahrt nach Longchamp (5) schon wieder in Mode ist, wird jetzt häufiger als vor zwei Monaten getragen.
Daraus folgt, dass die gelben Strohhüte und die Kapoten von Perkale und von Mousselingaze in kleiner Zahl gesehen werden. Ferner trägt man grüne Capoten; einige dieser Capoten sind mit Strohband eingefasst. Die vorherrschende Blume ist jetzt die Nelke. Alle Bänder werden noch ausgeschweift (festonnés) getragen. Eben so in Bogen müssen alle Besetzungen unten an den Roben, oben an den Ärmeln, canezous, und fichus-guimpes (6) sein, doch wäre die Garnitur unvollkommen, wenn nicht jede Zacke des Festons oder Bogens wieder durch Stickerei verziert wird.
15th of June
The bast (paille blanche), which is, usually worn a fortnight after the common journey to Longchamp (5), again in fashion, and is now sported more often then two months ago.
That leads to the fact that yellow straw hats and caoptes made of percale and muslin gauze are seen less often. But green caoptes are more widely spread; some of these capotes are bound with straw ribbon. The preferred flower is the carnation. All ribbons are scalloped (festonnés).
Also the hems of gowns, the sleeves, canezous and fichu-guimpes (6) have to be scalloped, but the decoration wouldn’t be complete without an embroidery in every pinked scallop and jag.

1803, Charles Vernet, Promenade de Longchamp 

***Erklärungen/Anmerkungen***
(1) Le Barbier de Seville ist ein Schauspiel in vier Akten von Beaumarchais, das im Februar 1775 uraufgeführt wurde. Erst 1816 kam es als Oper durch Gioachino Rossini auf die Bühnen. 1818 wurde es erstmals in London aufgeführt.
(2) Chapeau a la bateau oder a la barque siehe Journal Journey into the Year 1811 Juni
(3) Chapeau a la Robinson siehe Journal Journey into the Year 1811 Februar  
(4) Eine Anleitung zur Herstellung von Kornblumen als Hutschmuck findet sich hier 
(5) Im Juni fanden in Longchamp in Paris die berühmten Pferderennen statt, allerdings wurde die heute bekannte Pferderennbahn erst in den 1850er Jahren angelegt
(siehe Abbildung oben) 
(6) fichu -guimpes auch als 'fichu' oder 'Schultertuch' gebräuchlich
***Explanations/Annotations***
(1) Le barbier de Seville is a play in four acts by Beaumarchais, which was first on stage in February 1775. In 1816 the famous opera by Gioachine Rossini came onto stage. In 1818 it was premiered in London.
(2) Chapeau a la bateau oder a la barque see Journal Journey into the Year 1811 Juni
(3) Chapeau a la Robinson see Journal Journey into the Year 1811 Februar  
(4) A tutorial for hat's cornflowers can be found here 
(5) In june horseraces took place in Longchamp Paris, however the famous Hippodrome wasn't built until the 1850s
(6) fichu-guimpes, more commonly referred to as 'fichu' or kerchief 

Ob sich in Paris und London auch alles um Hüte dreht? Ob wir Damen mit reich bestückten Blumenhüten nebst ihren eitlen Pfauen flanieren sehen?
Wonder if it's all about hats in Paris and London, too? Wether we'll see ladies in their decorated fancy flower hats promenade next to regency peacock gentlemen?

An dieser Stelle gebe ich ab an Alessandra für die neusten Moden aus Paris vom/
And now I like to direct you to Alessandra for the latest fashions of Paris from
und an Maggie für einen Überblick aus London/and to Maggie for an overview from London via
  "Ackermann's Repository",
sowie an Natalie für die Neuigkeiten vom Londoner Hof/and to Natalie for news from London's court
  "LaBelle Assemblée"


Montag, 21. Juli 2014

Hoch die (Schokoladen-) Tassen!

Schon im vergangenen März fiel in dem Beitrag "Morgenstund' hat Gold Wein im Mund" über das Frühstücksgetränk Sapajeau der Hinweis auf einen Seelentröster aus der Zeit der Olmeken:
Schokolade!
Findige Leser haben zwischenzeitlich sicherlich auch schon folgenden kleinen Banner auf meiner Seite entdeckt, der zum Historical Food Fortnightly Projekt führt.

Und wie es sich trifft, passt die Milch - Choccolate nach Francois Le Goullon wunderbar zu aktuellen Thema Nr.4 'Foreign Foods' also 'Fremde Köstlichkeiten'.
Die Schokolade gelangte im 17.Jahrhundert nach Europa und setzte sich in Deutschland nur zögerlich und eher als Medizin durch, bis sie ab Mitte des 18.Jahrhunderts allmählich als Genussmittel in Mode kam und ihre Bitterkeit durch ausgeklügelte Zubereitung als Getränk verlor.
Gegen 1800 war ihr Siegeszug kaum noch zu bremsen (ein Glück!), denn der schmackhafte, flüssige Seelentröster hatte brilliante Fürsprecher.
Alexander von Humboldt (1769-1859) lobte: "Kein zweites Mal hat die Natur eine solche Fülle der wertvollsten Nährstoffe auf einem so kleinen Raum zusammengedrängt wie gerade bei der Kakaobohne."
Auch Goethe war bekennender Freund der süßen Verführung und bestellte regelmäßig seine Rationen Schokolade bei der Firma Riquet in Leipzig.
Hierbei handelt es sich immer um Schokolade, die als Zusatz für Getränke im Gebrauch war, Milchschokolade kam in Deutschland erst 1839 in den Handel und auf Esschokolade mußte man nochmal etwa zehn weitere Jahre (1848) warten (Quelle: Magazin für Schokolade und Kakao)
 In last March's blogpost "Morgenstund' hat Gold Wein im Mund" about the breakfast beverage Sapajeau, I've given a short hint on a feel-good nourishment reaching back to the times of the Olmecs:
Chocolate!
Some of my readers might also have detected the banner of the Historical Food Fortnightly on my sidebar and finally with challenge No.4 'Foreign Foods' I'd like to share Francois le Goullon's recipe.
Chocolate came to Europe in the 17th century, but only gradually spread in Germany, mainly as a pharmaceutical ingredient, until it finally became a luxury food from mid 18th century and lost it's bitter taste with delightful beverage recipes.
Around 1800 it's triumphal procession was hardly stoppable (hurray!), because the tasty, liquid source of happiness had brilliant advocates.
Alexander von Humboldt (1769-1859) praised: "Not a second time nature has developed such abundance of valuable nutrients on such small space as in a cacao bean."
Goethe was also an avid admirer of this sweet persuasion and regularly ordered his chocolate at Riquets in Leipzig.
However we do talk about chocolate as an ingredient to beverages only, because it wasn't before 1839 until milk chocolate was sold in Germany, and it took nearly a further decade (1848) until chocolate bars solely as sweets were available. (Source: Magazin für Schokolade und Kakao)

Aber nun zurück ins beschauliche Weimar und an die Töpfe des Hofkonditors Francois Le Goullon.
In seinem Buch 'Der elegante Theetisch', das 1800 in Weimar verlegt wurde, teilt er unter dem Kapitel 'Frühstücksgetränke' das unvergleichliche Rezept.
Eingangs weist er allerdings darauf hin, dass die folgenden Getränke,
"...nur bei Dejeuners, oder besonderen Gelegenheiten, als nach Schlittenfahrten und dergleichen..."
serviert werden sollten.
An dieser Stelle erscheint der Juli und dazu noch die zurückliegende Woche mit beinah 40°C als wenig geeignet, ignorieren wir die Erwähnung der Schlittenfahrt geflissentlich und kommen zum eigentlichen Rezept!
But now let's return to the quaint city of Weimar and to the kettles of the court's confectioner Francois Le Goullon.
In his 1800 publication 'Der elegante Theetisch', which was published in Weimar, we'll find the amazing recipe in the chapter about breakfast beverages.
First he begins with the mention, that these beverages are solely served
"...for Dejeuners, or on special occassions, like after a sleigh ride or similar..."
Well, it might occur slightly inappropriate in July and while facing close to 40°C outside, but we shall agree to ignore the mention of a sleigh ride and head on to the recipe!

1800, Francois Le Goullon, der elegante Theetisch 
(Quelle/source: googlebooks)

Für die Milch Choccolate benötigt man:
3 Nösel (1 Nösel entspricht 500ml oder 1 Pfund) Milch
6 Eidotter
12 Loth (1 Loth entspricht etwa 15gr) geriebene Schokolade
1-2 Loth Zucker

The milk chocolate requiers the following ingredients:
1.5 litre milk
6 egg yolks
approx 180 gr grated chocolate
15 - 30 gr sugar


Ich habe das Rezept gedrittelt, was etwa drei reichliche Tassen des samtigen Getränks ergibt.
Bei der Milch handelt es sich um Demetermilch, die einen hohen Fettgehalt hat und lediglich pasteurisiert wird.
In der Zeit um 1800 hätte man zu Rohrzucker gegriffen, leider hatte ich nur noch einen Rest weißen Zucker im Vorratsschrank (wir süßen üblicherweise mit Agavensirup)
Und natürlich gehören beim Dritteln nur zwei Bioeier ins Bild...aus dem Eiklar kann man übrigens im Handumdrehn noch Baiser zu der Trinkschokolade zaubern.
Die Schokolade ist eine dunkle Sorte mit 70% Kakaogehalt. Was für uns heute überaus erschwinglich ist, bedeutet im Jahre 1776 noch eine beträchtliche Ausgabe. Ein Nösel/Pfund kostete bei der Firma Joseph Fry & Sons, England etwa 35 p, was dem wöchentlich Gehalt eines Landarbeiters entsprach. (Quelle: Magazin für Schokolade und Kakao)
 I have taken only a third of the ingredients, which serves three big cups of the tasty beverage.
The milk is organic milk, high in fat and only pasteurized.
Around 1800 the sugar would have been brown sugar (unprocessed cane sugar), but unfortunately I only had a small amount of white sugar in my cupboard as we usually use agave sirup for sweetening.
And of course a third means only two eggs, instead of the depicted three...the egg white makes tasty meringues, which can be served with the chocolate. 
The chocolate is a dark chocolate with 70% cacao. What's quite an unexpensive purchase for us today, meant a huge amount back in 1776. One pound of chocolate from Joseph Fry & Sons, England was 35p, which was the equivalent of a rural workers weekly income. (source: Magazin für Schokolade und Kakao)

Geriebene Schokolade - grated chocolate

Die Milch mit Fettaugen - the rich and fat milk

Zunächst wird die Milch erwärmt, ehe eine halbe Tasse abgeschöpft und mit den zwei Eigelb schaumig aufgeschlagen wird.
Die restliche Milch wird zum Kochen gebracht, dabei ist es wichtig genau den Augenblick abzupassen, in dem die Milch beginnt zu steigen.
First the milk is heated, please skim half a cup of the warm milk and whisk with the two egg yolk until really frothy.
The rest of the milk is heated until it starts to rise.

 Milch und Eigelb werden schaumig geschlagen - milk and egg yolks are beaten

Steigt die Milch, werden die Schokolade und der Zucker hinzugegeben und gekocht, bis die Milch wieder steigt, in diesem Moment kommt die schaumige Eiermilch hinzu und es wird weiter aufgeschlagen bis die Milch ein drittes Mal steigt...
If the milk starts to rise add the chocolate and sugar and then heat further til it starts to rise again, before you add the whisked milk and eggs mix. Continue to beat thoroughly until it rises for a third time...

...und dann wird serviert! Vorsicht, die Schokolade ist sehr heiß!
Aber vor allem ist sie schaumig, samtig, reichhaltig, nicht zu süß und unschlagbar köstlich!
...and then serve! Caution, it's very hot!
And it's frothy, velvety, rich, not too sweet and amazingly yummy!

Übrigens findet sich bei einem der Teilnehmer des Historical Food Forthnightly ein weiterer Beitrag zu einem köstlichen Schokoladengetränk, wie es im 17. Jahrhundert serviert wurde:
By the way, there's anaother amazing recipe from one of the members of Historical Food Forthnightly in this challenge with a spicy chocolate beverage right from the 17th century: