Sonntag, 31. Juli 2011

Ein Spaziergang durch Zimmerbilder

Wenn man sich eingehender mit einer Epoche beschäftigt, brütet man nicht nur über Modekupfern, Schnittmustern und Portraits, sondern ab und an steckt man seine Nase auch in zeitgenössische Literatur und schlendert durch Wohnhäuser oder Herrensitze aus der jeweiligen Zeit. 
Während sich die Mode in der Kleidung in der Zeit von 1795-1820 immer wieder rasch wandelte, galten teure Möbel und die Innenausstattung des Zuhauses zumeist als längeres, wenn nicht gar lebenslanges Zugeständnis. Ein Grund warum man bequem von Daheim einen kleinen Spaziergang durch die sogenannten "Zimmerbilder" der Künstler (entstanden zumeist nach 1820) unternehmen kann und dabei einen vorzüglichen Eindruck von der Wohnkultur auch um 1795-1820 erhält.
If you try to delve into a certain epoche, you usually do not only brood over fashion plates, patterns and portraits, but also start to read period literature and try to take a stroll through period homes and manors.
While the fashion concerning garments usually changed quite quickly in the years between 1795-1820, furnitures and the interior often meant a longterm and even lifelong commitment. A fine reason to take a comfy walk from your armchair through a variety of so-called "Zimmerbilder" of artists (which were common from the 1820s onwards), which give an impression of the way people would live from the 1795-1820s also.

 J.E. Hummel 1820

Künstler unbekannt 1820

Ist es nicht ein ausgesprochenes Vergnügen einen Blick in die Stuben zu werfen? Eine kleine - aber leider nicht vollständige - Auswahl gibt es hier entlang: Zimmerbilder
Isn't it fun to take a peek into their drawing rooms? A lovely - but unfortunately not large - collection you'll find here: Zimmerbilder

Freitag, 29. Juli 2011

Die Entdeckung der Langsamkeit

Durch ein - immer zu unpassenden Zeiten wiederkehrendes - Rückenleiden bin ich derzeit dazu gezwungen die Langsamkeit nochmals neu zu entdecken und das tägliche Handnähen ein wenig einzuschränken. 
Aber dennoch gibt es allmählich Fortschritte bei meinem neuen weißen Abendkleid, das durch verschiedene Modekupfer aus der Zeit um 1815 inspiriert wurde. Am aufwändigsten ist dabei die Borte am Rockteil, wo es neben zwei aufgesetzen Rüschen auch das in Ackermann's Repository vom November 1817 erwähnte "bouffoné" gibt. 
Ich hoffe, bald gibt es mehr zu zeigen und einen ausführlichen Bericht...ich arbeite dran...langsam...
Due to a recent lumbago I am currently forced to slow down and limit my daily handsewing routine.
But at last there is some progress on my new white evening dress, which is inspired by several fashion plates from the time around 1815. As it seems the decoration on the skirt is really keeping me busy for quite some time now. There are two piped ruffles and according to Ackermann's Repository from November 1817 a so-called "bouffoné".
Hopefully I have more to show and report soon...I am working on it...slowly...

Donnerstag, 21. Juli 2011

In Erinnerung...

...an die einstige und unvergessene Hüterin aller Fäden und des feinsten Zwirns.
Stete Quelle für Anmut und laissez-faire, mit ihr an der Seite, brachte mich nichts aus der Ruhe.
Sie verstand es wie keine zweite Schnittmuster zu lesen...zzzZZZZZZ.
Meine erste und unvergessene Schneiderkatze.
In loving memory
of the former and never to be forgotten keeper of all threads and precious fabrics.
Constant source for grace and laissez-faire, who taught me to remain calm even when all threads were twisted.
She knew how to read paper patterns...zzzZZZZZZ.
My first and once foremost tailor's cat.

 Frl. Nellie (März 1995 - 21.Juli 2009)

Samstag, 9. Juli 2011

Spencer 1815

Der Spencer ist fertig...
...und hätte ich nur eher geahnt, dass ein Spencer in Rot mit einem weißen Kleid ein solch schneidiges Kleidungsstück hergibt - ich fühle mich ein bisschen wie Fanny Brawne in "Bright Star". 
Zur Erinnerung: auf der Seite des Kyoto Costume Institute ist der besagte Spencer von 1815 zusammen mit einem passenden roten Rock abgebildet, im Buch "Fashion" ist er mit einem weißen Kleid zu sehen. 
Aber bevor ich ins Detail gehe, erstmal etwas Augenfutter:
My spencer is finally done...
...and had I only known earlier how dashing a red spencer looks matching a white dress - I feel a bit like Fanny Brawne in "Bright star".
A quick reminder: on the website of the Kyoto Fashion Institute the said spencer from 1815 is pictured with a matching red skirt/dress, whereas in the book "Fashion" it is shown with a white dress.
But before I'll go into detail, on to the finished piece:

Zum Vergößern anklicken - so erkennt man auch die kleinen Pünktchen im Seidenrips
For a better size please click - you'll then notice the tiny dots in the silk faille

 Das Oberteil ist nicht ganz so kurz wie im Original
The bodice isn't as short as the original piece

...herrlich geeignet zum Flanieren...
...lovely for taking a stroll...

 
Und die "Zutaten"? 
Statt des Samtes habe ich mich für Seidenrips entschieden. Davon habe ich ca 1.5m bei einer Stoffbreite von 1,40cm benötigt. Gefüttert ist der Spencer mit weißem Baumwollstoff.
Außerdem habe ich 26 Knöpfe (in diesem Fall Death's Head Knöpfe aus passendem Garn) und jeweils 4 Meter Soutache in Champagner und Creme verarbeitet.
And the "ingredients"?
Instead of velvet I decided on silk faille. I needed approx. 1.6 yards with a fabric wide of 55".
The Spencer is lined with white cotton.
Furthermore I needed 26 buttons (in this case death's head buttons made from a matching yarn) and 4.3 yard of soutache in each champagne color and cream color.

 ein Blick auf den Schnitt
the pattern

ein Blick auf das "Innenleben"
inside view

Montag, 4. Juli 2011

Have a little "spencer sneak peek"

Derzeit stichele ich mal wieder an einem Kleidungsstück, das von der Sammlung des Kyoto Fashion Institutes inspiriert wurde - nämlich an einem Spencer.
 Statt des Samtes habe ich mich allerdings - sehr sommerlich - für Seidenrips entschieden. 
Hier ein paar erste Eindrücke, bis zur Fertigstellung werden wohl noch ein paar Tage vergehen:
I currently work on another piece inspired by the collection of the Kyoto Costume Institute - a spencer.
I have decided on silk, instead of velvet. 
Here's a first impression, although I guess it will take some more days until the garment is finally finished.
Detail des Ärmels/detail of the sleeve

Die Ärmel sind bislang nur angesteckt - der Kragen und die Verzierungen fehlen noch/the sleeves are not sewn in yet, only pinned - the collar and trimmings still missing

Und hier noch ein Blick auf das Original vom Kyoto Costume Institute. Der Spencer ist zudem in dem Buch "Fashion" abgebildet, dort allerdings in Kombination mit einem weißen Musselinkleid - bislang habe ich  noch nicht entschieden, ob ich auch noch einen passenden Rock dazu fertige...
And here's the original piece from the Kyoto Costume Institute. The spencer is also shown in the book "Fashion", where it's mounted with a white musslin dress - I haven't decided yet, wether to sew a matching skirt, too.

Dienstag, 21. Juni 2011

...und über"haub"t!

(grammatisch nicht ganz einwandfrei, aber auf den Punkt gebracht)

…ein offenes Geheimnis: unter anderem löste das Interesse an den Romanen (und Filmen) von Jane Austen unsere Begeisterung für die Kleidung und das Leben um 1800 aus. Und natürlich sind es besonders die Heldinnen, die wir am meisten bewundern. 
Aber während Lizzie, Eleonor, Marianne, Emma und selbst Anne in den Büchern Teens oder Mitte zwanzig sind, haben wir doch schon etwa zwanzig Jahre Lebenserfahrung mehr vorzuweisen.
Aus diesem Grund sinnieren Andrea und ich ab und an darüber, uns bei den Kleidern stattdessen eher an Mrs Bennet und Mrs Dashwood zu orientieren und unseren „Jahrmarkt der kleinen Eitelkeiten“ mit einer Haube, gedeckten Farben und nötigen Accessoires zu überwinden. Aber verhielt es sich mit der Mode wirklich so?!
Eine wunderbare Entwicklung bezüglich des Alterns und dem Wandel der Mode findet man in diesem Zusammenhang bei der einstigen Fashionikone Mme de Récamier (1777-1849).
…one reason for being interested in the clothing around 1800 surely has been the influence of the novels from Jane Austen and the movies. And of course we especially admire the heroines. 
But while Lizzie, Eleonor, Marianne, Emma and even Anne are teens or in their early and mid twenties, we’re almost twenty years their senior.
Due to this matter of fact Andrea and I often wonder and ponder wether it wouldn’t be more becoming for us to choose dresses in the style of Mrs Bennet or Mrs Dashwood and thus fight down our minor outburst of „vanity fair“ with caps, darker colors and such accessories. But was the fashion back then really like that?!
A wonderful insight how age and changing fashions influence a woman we’ll find in the early 19th century fashion icon Mme de Récamier (1777-1849).

 Juliette de Récamier (J.L. David) um 1800 mit Anfang zwanzig
in her early twenties 


 um 1802 (F.P.S. Gerard) mit Mitte zwanzig
in her mid twenties

um 1812-1814 (N.Dun) mit Mitte dreißig
in her mid thirties

nach 1820 (A.J.Gros) in den vierzigern
in her forties

Wie halten es unsere Leser? Fällt es aus Gründen der Authentizität leicht ja zu Haube und Rüsche zu sagen?
Do our gentle readers consider these thoughts, too? 
In aspect of authenticity do you mind having caps and ruffles?

EDIT 22.06.2011


Ein Dank an unsere Leser: Durch die wunderbaren Kommentare sind wir ins Grübeln darüber geraten, wann denn in der Zeit des Empire/Regency altersgemäß ein Umdenken im Kleidungsstil stattfand (Anne Elliot wurde ja mit ihren 27/28 Jahren bereits als "älter" bezeichnet") und vor allem: fand dieser überhaupt statt? Gab es tatsächlich die Mode für reifere Damen? Und was hat sie ausgmeacht?
Many thanks to our readers: Due to the immensly interesting comments we started pondering anew about the question at what age in Empire/Regency a woman supposedly started to dress in a different way (Anne Elliot was regarded as "old" being just 27/28) and furthermore: was there really a difference in dressing during the stages of life? And how would we describe the difference?

Sonntag, 19. Juni 2011

Nachts im Museum

Am vergangenen Freitag durften wir im Rahmen der "Langen Nacht der Kultur" die gute Stube im Mendener Museum beziehen und dort in artiger und fleißiger Manier an unseren Häubchen nähen.
Es war ein überaus gelungener und sehr heimeliger Abend in wundervoller Atmosphäre und umgeben von einem interessierten Publikum.
Wir freuen uns schon auf den kommenden August, wenn uns interessierte Besucher bei einer morgendlichen Führung unter dem Motto der Ausstellung "Vom Spitzenhäubchen zum Basecap" wieder über die Schulter schauen und uns mit Fragen löchern dürfen.
This past Friday we've been invited to the amazing event "Lange Nacht der Kultur" at our local museum in Menden, where we've settled in the lovely Biedermeier chamber to sew white caps in busy, yet decent manner.
It was a superb evening and - surrounded by 19th century interieur and interested visitors - we felt very much at home.
Now we're looking forward to August, when we'll be stepping back in time again during a morning tour through the exhibition "From lace caps to baseball caps - headwear through the centuries".