Freitag, 8. November 2013

Leselust


Heutzutage begegnet uns auf der Straße oder in Gesellschaft häufig ein ähnliches Bild. 
Aber zumeist handelt es sich nicht mehr um gedruckte Bücher, die den Kopf ein wenig herabsinken lassen und den Blick auf magische Weise binden, sondern alle Aufmerksamkeit ist auf das Display des Smartphones oder eines elektronischen Buches gerichtet.
Geblieben ist die Lust am Lesen!
Oh! Es ist wirklich absolut erstaunlich und fesselnd über was damals alles geschrieben wurde. Kaum ein Thema in dem sich die Verfasser nicht in wunderschöner Sprache übten.
Und schließlich ein kleines Loblied auf die heutigen Medien:
dank der Digitalisierung ermöglichen es uns Bibliotheken und Sammler weltweit an den Schriften vergangener Tage teilhaben zu können.
Der Staub der Vergessenheit wurde von den Bücherrücken gepustet, um sie der Öffentlichkeit in allen herrlichen Details zu zeigen.
Man muß nur hinschauen...und sich die Mühe einer kleinen Suche machen.
Aber dort wird die Geschichte lebendig - aus erster Hand!!!
Niedergeschrieben oder gedruckt auf holzhaltigem Papier, ohne jegliche Ahnung, dass die Zeilen zweihundert Jahre später auf dem Display eines Smartphones auftauchen könnten.
Today we are used to a similar image in the streets or society.
In most cases it isn't a book anymore, which pulls the head in a slight bend and fixes the glance magically, but all attention is paid to the display of a smartphone or e-reader.
Alas, the love for a read remained!
Oh! It's truly amazing and astonishing what was written back then. Hardly a topic we won't find to be written in a wonderfully bygone manner of words.
And finally a little praise to our modern media:
thanks to the digitalisation of libraries and private collectors worldwide we are able to get connected to the past.
The dust of oblivion was brushed of the back of the books, to show them to the public in all their glorious details.
We just need to take a look...and a tiny bit of research.
But there, history becomes alive - from first hand experience!!!
 Printed on ligneous paper, without the slightest knowledege or even clue, that two hundred years later these lines would appear on a smartphone display.

Die Quellen und Texten und auch die Antworten auf viele Fragen, dort schlummern sie digitalisiert.
Allerdings - und ich nehme an, dass es nicht nur mir so ergeht - hänge ich doch noch sehr an all den haptischen Genüssen, die uns Bücher bieten.
Das Gefühl eines schönen Leineneinbandes, das herrliche Marmorpapier des Vorsatzblattes, das holzlastige Papier mit seinem eigentümlichen Geruch und das Geräusch, wenn man die Seite umblättert - ich wette, dafür gibt es in irgendeiner Sprache eine sehr poetische Bezeichnung.
Kurzum, ich bin altmodisch bibliophil!
The sources and texts and the answers to so many questions, there they lie digitalized dormant.
However - and I suppose I'm not alone on this - I do favour and appreciate and simply love the haptic pleasures, which only real books offer.
The sensation of holding a linen cover, the beautiful marble paper of the book end papers, the ligneous paper pages with the peculiar smell and that sound, when a page is turned - I bet, there's a poetic term for it in some foreign language.
In short, I'm old-fashioned bibliophilic!

1818 Allgemeine Leipziger Moden Zeitung
1808 The Lady's Monthly Museum

Was für ein Vergnügen in den alten Originalen zu schmökern.
Aber dort widerum findet sich eine weitere Krux, denn die alten Bücher sind empfindlich.
Das Papier ist mitunter stockfleckig, von Buchwürmern gequält, anfällig gegen Nässe, Sonneneinstrahlung oder häufigen Gebrauch.
What a joy to read the originals.
But there's another crux hidden, because old books are delicate.
The paper might be spotty and foxed, tormented by bookworms, vulnerable to damp, sun light and too much use.


Die meisten unter uns schrecken zurecht davor zurück, ein zeitgenössisches, kostbares Seidenkleid auf einer Veranstaltung zu tragen, gleichermaßen verhält es sich hoffentlich mit wertvollen Büchern.
Glücklicherweise gibt Mittel und Wege der  Leselust um 1800 mit gutem Gewissen ausgiebig zu frönen.
Most of us rightly would not dare to wear a period, valuable silk dress on an event, it's the same circumstance with precious books hopefully.
Luckily there are ways to induldge the pleasure of reading around 1800 without feeling guilty.

Selbstgebundenes Buch in Leder
Crafted in leather binding

Zum einen können die digitalisierten Quellen dazu dienen, ganze Schriften auszudrucken und in bewährter alter Manier für den ausschließlich privaten Gebrauch zu binden. Das erfodert ein wenig logistische Vorarbeit am Computer, denn die Seiten müssen fortlaufend in Bücherblöcken gedruckt werden, um sie dann nach alter Tradition zu binden. Hat man den Bogen raus, ist es ein wahres Vergnügen!
For example, the digitalised sources can be turned into real books for private use only by printing and binding.
That requires some logistic work at the computer and printer first, because the pages have to be printed in continuously book blocks, to bind them in a traditional manner. But once mastered, it's a whole lot of fun!


In den letzten Dekaden wurde diese Vorgehensweise nicht selten von Verlagen professionell angewandt. Immer wieder tauchten in der jüngeren Vergangenheit wunderschöne Reprintausgaben auf, einige sogar fast schon in feiner Faksimilequalität!
Die Suche lohnt sich.
In the past decades this method was also professionally chosen by many publishers. There are quite some lovely reprints (some even in faksimile quality) being printed in the last couple of years.
It's worth to go hunting these.

Verschiedene Reprintausgaben, gedruckt in den 1970er bis 1990er Jahren
Various reprints being published in the 1970s to 1990 (Sorry, these are only in German, but I'm sure there will be english and french reprints, too)

links/left: Oekonomisches Handbuch für Frauenzimmer. Erster Band, welcher das Kochbuch enthält. Stuttgart 1795 bei Joh. Friedrich Steinkopf  (Reprint in Originalfraktur 1977 ebenfalls Steinkopf Verlag)
rechts/right: Caroline de la Motte Fouqué, Geschichte der Moden 1785-1829
(1987 Unions Verlag, Berlin)

Taschenbuch für Frauenzimmer von Bildung (verschiedene Jahrgänge 1799 - 1801, Reprintausgaben im Format Sedez 16° im Schuber, Fraktur, Steinkopf Verlag Ende 1980er)

Göttinger Taschencalender (verschiedene Jahrgänge zwischen 1770 - 1799, Reprintausgabe im Format Kleinokatv 8°, Marmorpapier, Fraktur, Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Ende 1990er)

Ja, die Liebe zum 'echten' Buch bleibt uns hoffentlich noch sehr lange erhalten, aber dennoch sollte man auch die Vorzüge der digitalisierten Angebote der Bibliotheken ausgiebig nutzen.
Wie dem auch sei, liebe Leser: viel Vergnügen beim Lesen!
Well, the love for the 'real' book will hopefully remain for a long time, but nevertheless we should amply use/peruse the offers of digitalised books by libraries.
In any case, dear readers: enjoy reading!


Kommentare:

  1. The last photograph of Daniel Chodowieckiego I recognize drawings? (I think).
    You have very interesting and beautiful collection of books.

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    1. Yes, you are absolutely right, the copper plates in the Goettinger Taschenkalender were partially contributed by Daniel Chodowiecki.
      If you like to see the whole collection online, please follow the link to the Bielefeld University: http://ds.ub.uni-bielefeld.de/viewer/toc/2235093/1/LOG_0000/;jsessionid=1624BD3E90E4B9CF6286A75DF33B52CB

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    2. Thank you very much, Sabine, very interesting link.

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  2. ..."altmodisch bibliophil" - wie herrlich Du das gesagt hast, werte Sabine, ich liebe Deinen sprachlichen Ausdruck! Und ja, ich bin es natürlich auch: "altmodisch bibliophil". Beim Anblick abgegriffener Buchrücken geht mir jedenfalls das Herz auf. Ungemein gemütlich wird's obendrein, wenn mir solch erlesene Genossen milde aus dem Regal entgegenlächeln, die schon einiges auf dem Buchrücken haben. Aber natürlich lernte ich ebenso das digitale Zeitalter zu schätzen, denn sonst wäre es mir ja nicht vergönnt, all diese schönen Kostbarkeiten hier zu bestaunen.

    Herzlichst Constanze

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    1. Ich behaupte gern, dass erst eine gut gefüllte Bücherwand ein Haus zu einem Zuhause werden lässt, aber das ist vielleicht auch berufsbedingt (ich bin (altmodisch) gelernte Buchhändlerin, was sicherlich keine Überraschung ist!)
      Überall im Haus sammelt sich Lektüre, in Regalen, in Stapeln auf dem Boden und dort, wo man sich niederlässt und ein paar Zeilen genießen kann. Neue Bücher, alte Bücher (und selbst eines mit einem echten Buchwurm war mal darunter)...wie entseelt wäre mein Zuhause, wenn sich dort nur ein einziger moderner e-reader befinden würde, der wäre niemals im Stande all die Lücken zu füllen!
      Dennoch ist die Spurensuche im Netz natürlich unabdinglich, dadurch gelangen ja die Bibliotheken aller Welt in meine gute Stube und das Wissen von Jahrhunderten. Eine gute Kombination, denke ich, so sind wir 'altmodisch Bibliophilen' glücklich!

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  3. I also like the feel of a book in my hand the crisp, whisper of a turning page. However, I am thankful for the digital age which has allowed us the access to a wealth of the written and illustrated word about our society's past - the good and the bad. There is so much to learn. I have a collection of facsimile cook books from the 16th to the 20th century that I love and use. I have sewing manuals from the 19th and early 20th century that are so useful! Most of my historical fashion books are the usual edited ones from museum collections or someone's research using the same old images over and over again, this is why I like the digitalization of the extant fashion plates that is beginning to show up on the book shelves. Thanks for sharing. Are most of the books you showed above in German? Where can they be found? Amazon?

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    1. Thank you very much for sharing your thoughts on this. I also think it's the combination of 'real books' and online sources and exchange, which really works best!
      Yet I always feel happier, more confident and complete with paper printed versions, hence I tend to print out a lot of information...I'm also fond of book binding.
      The reprint books in my collcetion are all written in German, I'm afraid. But it would be fun to learn wether there are reprints/fasimiles of english and french almanacs and periodicals.

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