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Mittwoch, 21. Januar 2026

Als die Frauenzimmer dem Einerlei ihrer Tracht eine Abfuhr erteilten...und zwar kreuzweise!

 Die Umwälzungen in der Mode in den frühen 1790er Jahren von Kleidern und Caracos vornehmlich in einem Fourreau Zuschnitt hin zu den Chemisen mit Coulissen, führte zu einem Accessoire, welches den Anzug der Damen auf ökonomische Weise rasch verändern konnte.
In dem heutigen Blogbeitrag möchte ich dieses Detail in der Kleidung, welches heute oft namenlos daherkommt, ein wenig beleuchten.
Es gibt sicher noch zahlreiche frühe Belege, die ich gerne nach und nach ergänzen werde. Meine Recherche beginnt sozusagen in den Kinderschuhen mit einem Bild, das leider ein bisschen an Schärfe zu wünschen übrig lässt, aber uns einen Eindruck über den Ursprung gibt.
frühe 1790er, Henri Nicolas van Gorp, Zwei Frauen mit Kind (Quelle: Balclis Auction, Barcelona via Invaluable)
 
In der Mitte des Bildes ein Kind, welches die ersten unsicheren Schritte tut und dessen Stürmen und Drängen von der Mutter oder Verwandten oder Bediensteten mit einem Seidenband oder auch Gängelband gemäßigt wird.
Wir sehen nur das Ende des Bandes in der Hand der Dame, ein kleiner Kragen verdeckt die Sicht, aber diese Art der Bänder finden sich bald auch in der Modewelt der Damen wieder und was hier in der Hand einer Aufsicht endet, verliert sich dann in losen Schärpenenden oder Schleifen.
 
1791, Adélaïde Labille-Guiard, Potrait Julie Candeille (Quelle: Wikipedia Commons)

Die Dame trägt das breite gebundene Seidenband über die Schulter und vermutlich im Rücken gekreuzt nach vorn mit einer Schleife, und kappt damit die Vorstellung es als Gängelband zu nutzen. 
Ein frühes Portrait aus Frankreich ist gefunden, allerdings schweigen die bekannten Quellen wie z.B. das Journal de la mode et du goût (1790-1793) über eine namentliche Bezeichnung oder gar eine Abbildung. 
 
Erstaunlicherweise hat das Kind der Mode im Journal des Luxus und der Moden im Jahr 1794 dann einen Namen gefunden.
Nicht etwa in französischer Mundart oder in seinem ursprünglichen Gebrauch als Gängelband, sondern die komplette Tracht erhielt eine neue Bezeichnung:
1794, Journal des Luxus und der Moden, Dezember, Modenneuigkeiten, Seite 604ff (Quelle: ThulbJena)
 
Transkription (markierter Text):
[...]Hier sieht man noch fast allgemein die beliebten und sogenannten Strupf-Kleider, eine Art von Chemisen mit Zügen, die fast wie Schlafröcke aussehen, mit ganz kurzer oder vielmehr mit gar keiner Taille, und einer Band-Schärpe gebunden, die oben über die Achseln weg, vorn unter den Armen durch, dann kreuzweise über den Rücken, und um die Taille läuft. [...] 
 
Das Strupf-Kleid.
Zugegeben ist der Name ein wenig sperrig und vielleicht liest man ihn deshalb sonst nirgendwo in der Literatur rund um Mode.
Sein Urprung liegt im Wort Strupf/Strippe (Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm über Wörterbuchnetz) und bezeichnete ab dem 14.Jahrhundert einen geknoteten Riemen oder eben ein Band.
Geschuldet ist die Namenswahl wohl der Abkehr von allem Französischen nach den Geschehnissen in Frankreich und Paris 1793.
 
Schon im darauffolgenden Jahr begegnet uns die Mode wieder gedruckt in London in Heideloffs Gallery of Fashion, aber nicht mehr als Strupf-Kleid, sondern in französisch und sich zurückbesinnend auf den Ursprung dieser Mode.
1795, Gallery of Fashion, Morning Dress April (Quelle: Bunka Gakuen)

 Im beigefügten Text wird das kreuzweise über den Rücken gebundene lila Band als Sash à l`enfantine bezeichnet. Also eine Kinder Schärpe.
 
Ende des Jahres erscheint dann in Berlin die Kopie des londoner Journals unter dem  Namen Moden-Gallerie von Friedrich Nitze & Comp.
Und auch hier wird das Strupf-Kleid mit dem klingenden französischen Namen vorgstellt:
1795, Moden-Gallerie, Friedrich Nitze, Berlin, Fig.32 (Quelle: googlebooks)

1795, Moden-Gallerie, Friedrich Nitze, Berlin, Eine engländische Dame auf Harfe spielend (Quelle: googlebooks)

 In der Zeit um 1795 begegnet uns die ökonomische Mode dann auch auf vielen Portraits.
 
ca.1795, Jean-Francois-Marie Huet-Villiers, Dame an Tischchen mit Blumenstrauß, Paris (Quelle: The Tansey Miniatures Foundation)

ca.1795, Jacob Röngren, Dame in weißem Kleid, Finnland (Quelle: The Tansey Miniatures Foundation)

ca.1795, Frederic Dubois, Dame in gepunktetem Kleid mit roten Bändern (Quelle: The Tansey Miniatures Foundation)
 
ca.1795, Pierre Paul Prud'hon (Quelle: Wikiart)

vers 1795, Henri Pierre Danloux, Madame de Polastron, Lot 638 Auction 2023 Collection Hubert Guerrand-Hermes (Quelle: Sotheby's)

Obwohl der Text vom Strupf-Kleid bereits im Dezember 1794 im Journal des Luxus und der Moden erschien, erhielten die Leserinnen erst im März 1796 erstmals einen Modekupfer mit dem gekreuzt gebundenen Band.
 
1796, Journal des Luxus und der Moden, März, Tafel.7 (Quelle: Thulb Jena)

 
1796, Journal des Luxus und der Moden, März, Modenneuigkeiten aus Frankfurt, Seite 165 ff.(Quelle: Thulb Jena)

Transkription (markierter Text):
[...]Als Scherpe trägt sie ein goldfarbenes Atlasband, das sich hinten um die Schultern kreuzt, und zur linken Seite zierlich aufgebunden ist[...]
 
Keine Rede mehr von einem Strupf-Kleid, überhaupt bleibt die Mode mit den Schärpen auch in den weiteren Modekupfern weitgehend namenlos.
 
1796, Journal des Luxus und der Moden, April, Tafel 10 (Quelle: Thulb Jena)

 
1796, Journal des Luxus und der Moden, April, Modenneuigkeiten aus Deutschland, Seite 215 ff (Quelle: Thulb Jena)

Transkription (Markierter Text):
[...]An dem weißen Kragen der Chemise sind zu beyden Seiten weiße Bänder, die über die Achseln gelegt sind, sich vor der Brust kreuzen, um die Taille laufen, und an der Seite leicht geknüpft werden[...]
 
1796, Journal des Luxus und der Moden, Juni, Modekupfer Tafel 16 (Quelle: Thulb Jena)

1796, Journal des Luxus und der Moden, Juni, Modenneuigkeiten aus Leipzig, Seite 323ff (Quelle: Thulb Jena)

 Transkription (Markierter Text):
[...]Eine besondere Wirkung thut das breite, weißseidene Band welches sich auf der Brust vorn und hinten unter den Schultern kreuzt, und in den Gürtel von eben diesem Bande mit einer Schleife verliert. Ihre schönen Leserinnen begreifen übrigens gewiß auch ohne meine Erinnerung, daß diese Tracht nur für ganz jugendliche Personen schicklich und putzend sey, da besonders das doppelt sich kreuzende Band ein gewisses air enfantin giebt, das bey Personen von einem etwas reiferen Alter nicht mehr so gut ansehen will[...] 
 
Und endlich taucht wieder eine vage Verbindung zum Ursprung enfantin bei dem Modeaccessoire auf, das laut der Modeberichterstatter und Herausgeber des Journals der Jugend vorbehalten ist.
 
Und in Frankreich? Viele Belege in Gemälden gibt es und dann mit dem Erscheinen ab 1797 und in den Jahren bis 1799 taucht die Mode im berühmten Journal des Dames et des Modes endlich als Beleg auf.
Zunächst erscheinen die Schärpen im Revolutionsjahr 6 und 7 als angenähter Teil des Körpers (Oberteil)  der Kleider. An dieser Stelle bedanke ich mich für einen Hinweis:  die Kleider mit ausschließlich roten Bändern erhielten zu jener Zeit den Namen à la Victime, wie im ersten Kupfer der folgenden Auflistung zu sehen. In späteren Erwähnungen und bei anderen Farbakzenten wählte man lediglich die Bezeichnung Ceinture Croisée
 
An6, Journal des Dames et des Modes, Costume Parisien No.37 (Quelle:{bnf Gallica)

An7, Journal des Dames et des Modes, Costume Parisien No.74 (Quelle:{bnf Gallica)

Aber dann scheint der Siegeszug der Mode nicht mehr aufzuhalten zu sein und die Schärpe taucht immer wieder in vielen verschiedenen modischen Variationen auf.
 
An7, Journal des Dames et des Modes, Costume Parisien No.75 (Quelle:{bnf Gallica)

An7, Journal des Dames et des Modes, Costume parisien No.78 (Quelle: {bnf Gallica

An7, Journal des Dames et des Modes, Costume Parisien No.98 (Quelle: Bunka Gakuen)

An7, Journal des Dames et des Modes, Costume Parisien No.140 (Quelle:{bnf Gallica )

An8, Journal des Dames et des Modes, Costume Parisien No.244 (Quelle:{bnf Gallica )

An8, Journal des Dames et des Modes, Costume Parisien No.246 (Quelle:{bnf Gallica )

Auch die deutsche Ausgabe des Journal des Dames et des Modes, in Frankfurt erschienen, veröffentlichte die Mode in einem ihrer ersten Hefte im Jahr 1797 nicht mehr unter dem Namen à la Enfantine, sondern mit der Bezeichnung à la Victime, nach dem Vorbild der französischen Publikation Mésangères.
Auch hier sind die Bänder in dem bezeichnenden Rot wie Blut. 
1797, Journal des Dames et des Modes, Frankfurter Ausgabe, Tafel 9 (Quelle: Librairie Diktats)

 
Ob nun wie in frühen Jahren und in einer breiten Farbpalette als Chemise et sash à l`enfantine, in Deutschland als Strupf-Kleid oder ab 1797 in roter Schärpe als à la Victime, das Accessoire setzt einen schönen Akzent in der Mode nach 1790.
Ökonomisch und modisch zugleich.
 

 


Mittwoch, 26. November 2025

Friesische Mode...und ein unerwarteter Abstecher in das Jahr 1815!

 Genährt von den eindrucksvollen Bildern Caspar David Friedrichs, die im letzten Jahr anlässlich seines Jubiläums allgegenwärtig waren, wuchs meine Sehnsucht endlich nach fast zwei Jahrzehnten (!) mal wieder das raue und unendlich schöne Meer zu sehen.
Eine Reise auf Friedrichs Spuren an die Ostsee wurde es allerdings nicht, sondern ein verlängertes Wochenende an der nahen Nordsee. Nach etwas über drei Stunden Fahrt wehte uns die salzige Gischt bereits recht ordentlich um die Nase und die Rufe der Möwen waren Musik in meinen Ohren.
Wie hatte ich auf dieses wilde Tosen des Windes und das magische Licht nur so lange verzichten können?
Nur wenige Tage an der Küste, aber sie hatten meine Seele randvoll gefüllt. 
Zu meiner besonderen Freude vernachlässigten wir neben der unbändigen Natur nicht die Kultur und legten bei der Heimkehr noch eine Rast beim Schlossmuseum in Jever ein.
 
Und als würde der Seelenbalsam im Tigel nicht schon bis an den Deckel stoßen, machte ich in einem der interessanten Räume eine ganz unerwartete Entdeckung:
Entlang beider gegenüberliegenden Wände, waren Nischen über und über mit Kleidungsstücken gefüllt, aber das rosa Karokleid stach mir augenblicklich ins Auge.
Das vertraute Karo.
Der unverwechselbare Saum.

 

Erinnerungen wurden wach an ein Projekt vor über zehn Jahren, dessen Mühen mir unvergessen sind.


 
Das seeländische Bürgermeisterinnen Kleid aus dem Rijksmusem in Amsterdam!
Ich hatte den Saum nach dem Vorbild der Museumsseite  in wochenlanger Fleißarbeit mit Schnüren und Paspeln versehen...und nun stand ich vor dem kurzärmeligen Zwilling aus Ostfriesland.
Im Gegensatz zu der niederländischen Arbeit, wurden fertige Spitzen aufgenäht, aber der Effekt am Saum ist der gleiche.
 
 
Insgesamt ist das Oberteil sehr viel schlichter gehalten. Es fehlen Verzierungen am Ausschnitt und den Ärmeln, aber unverkennbar war es eine Mode, die im Norden um 1815 das Straßenbild geprägt haben muß. Karo und eine auffällige feine Zier am Rocksaum.
 

 

 Gemeinsam ist der schlicht gehaltene Übergang vom Körper (Oberteil) zum Rock.
 
Das Oberteil weist ein paar mehr Abnäher auf, als der niederländische Zwilling.
 
Baumwollenes Kleid mit rot-weißem Karomuster, um 1815. (Quelle: Schlossmuseum Jever, Kleidung und Mode)

Wieder Zuhause, durchforstete ich meine Unterlagen und entdeckte noch ein paar Bilder meiner Nacharbeitung des blau-weiß karierten niederländischen Kleides, die ich bislang nicht veröffentlicht hatte.
 
Eine unkonventionelle Rockprobe...auch wenn die Arbeit mühsam war, jede neue Reihe machte sich hinreißend an dem Kleid.
Das Ergenbis versetzt mich nach wie vor in eine frühlingshafte Stimmung, die seinerzeit im Maste Barendorf in Iserlohn alles rund herum beherrscht hatte. 

 

Die Reise in den Norden fand also ihren Abschluß mit einer Erinnerungsreise zurück an den Nähtisch  zu einem ganz besonderen Projekt, bei dem ich so manchen handwerklichen Kniff gelernt hatte und die Gewissheit, wie viel Mühe in einem Kleidungsstück stecken konnte.
 

Montag, 18. März 2024

Das von der Leyen Schlafzimmer im Jagdschloss Linn

 Hier geht es im Bezug auf Blogbeiträge in den letzten Tagen beinah zu wie im Taubenschlag. Möglicherweise beflügelt mich der nahende Frühling...oder die vielen Notizen und Erlebnisse der letzten Wochen und Monate.
Nach unserem Besuch in der Ausstellung "Prestigesache - Der bürgerliche Kleiderluxus des 18.Jahrhunderts"  in Krefeld zog es uns ob des herrlichen Tages und dank eines Kombitickets noch in das nahgelegene Jagdschloss Linn.
 
Eines vorweg: die nüchterne Überschrift zu diesem Blogbeitrag trifft bei Weitem nicht das Erlebnis an diesem Sonntagvormittag.


Der Vormittag unserer Ankunft war kühl, der Himmel noch wolkig, aber mit jedem Schritt klarte der Himmel auf und die Sonne schob sich hinter dem trüben Grau hervor.
Meine Gedanken kreisten noch durch die Textilausstellung und ich begab mich ein wenig unaufmerksam durch die Räume, bewunderte hier und da Portraits und Möbel, erfreute mich an der herrlichen Küche, erklomm die Treppe in das zweite Geschoss, wo mich ein Sonnenstrahl im Flur erwartete und mich in eines der Zimmer lockte - ja, und dann wurde es tatsächlich ein wenig theatralisch!
Ein Seufzer der Überraschung:
 
Das von der Leyen Schlafzimmer vereinahmte meine Aufmerksamkeit und Begeisterung im Nu...

...und verzauberte mich binnen Augenblicken!
Dem Zimmer mit den hellblau-weiß gefassten Louis XVI Möbeln (Westdeutschland um 1780) gelang es schon vor dem Eintreten, mich in die Zeit um 1790 zu versetzen.
Die kleine Kammer war sonnendurchflutet und nur über die Treppe stahl sich das Knarren der Dielen in der ersten Etage hinauf. Ein zeitloser Augenblick. Untermalt vom idealisierenden Sonnenlicht...das nennt man wohl zur rechten Zeit am rechten Ort!
 
Der erste Blick durch den Türrahmen an die gegenüberliegende Wand mit großem und kleinen Feuerschirm und zwei entzückenden und etwas freizügigen Portraits im Oval.
 
Das zarte graue Hellblau passt wunderbar zu der gelblichbraun gestreiften Papiertapete und den Pastellmalerei Portraits.
Davor ein Tischfeuerschirm. Rechts oben die eiserne Klappe zum Kamin.
 
Der große Feuerschirm, der die Farben des Zimmers gekonnt aufgreift.


Dreht man sich nach links blickt man in das kleine möblierte Zimmer und durch das Fenster in die Gartenanlage. Davor der einfache Schreibtisch mit Stuhl. Der Dielenboden ist hellblau getüncht.


Links neben dem Schreibtisch das Bett und anschließend eine Kommode direkt neben der Zimmertür, durch welche ich zuvor das Frauenzimmer betreten hatte.


Im gleichen sanft einfallenden Licht die gefasste Louis XVI Kommode mit Uhr und zwei flankierenden Feuertöpfen in herrlichstem antikisierenden Stil.



Wunderbare Simplizität mit Liebe zum Detail. Die Feuertöpfe oder Feuervasen dienen als Kerzenhalter und sind aus gefasstem Holz.



Fehlt das Sonnenlicht, erhellen Kerzen in den Feuertöpfen und eine bestückte Deckenleuchte das Zimmer.


Links neben der Kommode befindet sich die Bettstatt.

[...]Wie süß ist die Ruhe, wenn man mit dem Bewusstseyn, den verflossenen Tag wohl angewandt zu haben, sich zu Bette legen kann[...]
aus: Magazin Häuslicher Scenen und Beschäftigungen, Nürnberg, in der Johann Trautnerischen Kunsthandlung


Das Bett ist ebenfalls im dominierenden Weiß und Hellblau gefasst.

Die beiden Hinterglasschattenrisse auf blauem Grund über dem Kopfteil zeigen die Portraitsilhouetten von Nicolaus und Agnes Molenaar. Die Familie Molenaar stammt aus dem friesischen Workum. Im 18.Jahrhundert wurden zwei Mitglieder der Familie Prediger in der Mennonitengemeinde in Krefeld.
Nicolaus Molenaar indess war einer der beiden Mitbegründer des ersten Krefelder Bankhauses.
Auf dem Baldachin befindet sich eine Hutschachtel aus Span.

Der Baldachin vom Bett aus liegend betrachtet, mit einer Falballa ringsum und einem Stoffdach mit gefasster Stoffrose.

 
Der Blick aus der Bettstatt zur Tür zum Flur an einem sonnigen Vormittag.
 
Detail des Baldachinfries in Weiß und Hellblau, darüber ein kleines Sturmlicht.
 
Der Blick vom Schreibtisch neben dem Bett in den Raum hin zur Tür zum Flur...

...und der Blick zurück.

Die zweite Tür im Zimmer zur Raumflucht in das nachbarliche Zimmer. Dahinter eine niederrheinische Wellenkommode aus der Mitte des 18.Jahrhunderts, dem Stil der Einrichtung folgend ist sie weiß getüncht.

Auf der Kommode eine Devotionalie und die Mitglieder der Krefelder Familie Scheuten.

Ach, wie herrlich die Vorstellung hier über der Korrespondenz gebeugt Platz nehmen zu können...

...und dabei ab und an einen Blick hinaus durch das Fenster zu werfen.

Oder auf die wirklich bemerkenswerte gegenüberliegende Seite des Schlafzimmers.


Wohl einer der beeindruckensten Rokoko Waschtische, die man sich vorstellen kann!
Der Toilettenschrank aus einem Krefelder Bürgerhaus wurde in Neuwied gefertigt und stammt vermutlich aus der Werkstatt von David Röntgen (1743-1807).
Die polychrome gestaltete Arbeit zeigt die mythologische Darstellung des Raub der Europa.
Man stelle sich die vielen kleinen Ablage bestückt und von Kerzen umrahmt vor.
Im flackernden Licht mit grüßendem Blattgold ist das zweifellos ein unvergesslicher Anblick.

Der Kontrast zum Weiß, Hellblau und Grau des Schlafzimmers könnte nicht wirkungsvoller sein.
Im Raum die farbenfrohe, fantasievolle Mythologie, draußen vor dem Fenster die sich stets ändernde Natur mit ihren bewegenden Lichtern. Ich hätte noch Stunden in dem Zimmer bleiben und den Stimmen der Vergangenheit lauschen können...

...aber irgendwann heißt es Abschied nehmen.
Ein letzter Blick zurück in ein Zimmer, welches die Magie hat, einen für einen kurzen Augenblick in eine andere Zeit zu versetzen.
Vielleicht lässt sich meine Leserschaft auch vor Ort verzaubern?
Das Jagdschloss Linn in Krefeld hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.