Dienstag, 30. Juni 2020

Journal des Luxus und der Moden, Frankfurter Huth - oder: Wie Georg Melchior Kraus im Mai 1796 die Damen und die Putzmacherinnen zum Frohlocken brachte...und mich zum Fluchen (aber nur ein kleines bisschen!)

Der genaue Hergang darüber, wie die Idee zum Modekupfer des Frankfurter Hutes zum ersten Mal aufkam, ist leider nicht hinterlegt. Möglicherweise sendete ein Korrespondent aus Frankfurt eine Beschreibung oder sogar einen Modekupfer der deutschen Ausgabe des Konkurrenzblattes Journal des Dames et des Modes an Georg Melchior Kraus (1737 - 1806) vom Journal des Luxus und der Moden, welcher es in seiner Zeichenschule nachmalen ließ. Vielleicht war der Aufsatz aber auch selbst erdacht und entworfen und kurzerhand als Frankfurter Haberstroh Huth aus deutscher Fertigung vorgestellt worden, um zu zeigen, dass einheimische Produkte den Pariser Artikeln in nichts nachstanden.
Heraus kam dabei jedenfalls ein sehr hübscher kleiner Hut für den Frühling 1796.
The actual course of events on how this fashion plate of the Frankfurter Huth was brought to attention probably will remain a mystery. Maybe a correspondent from Frankfurt has sent a description or even a fashion plate from the German issue of the competiting Journal des Dames et des Modes to Georg Melchior Kraus (1737 - 1806) from the Journal des Luxus und der Moden, who has all sketches commissioned in his Art School. Or maybe the sketch was completely made up and named Frankfurter Huth to show, that the German production was as exquisite as articles from Paris.
All the efforts finally resulted in a very fine hat for spring 1796.
1796, Journal des Luxus und der Moden, Jahrgang 11, Mai, Kupfertafel 13 Bild 1 (Quelle:ThULB Jena)
Und wie üblich lieferte das Journal eine ausführliche Erklärung zu der Kupfertafel.
And of course the plate came with a thorough description.
1796, Journal des Luxus und der Moden, Jahrgang 11, Mai, Erklärung der Kupfertafel (Quelle: ThULB Jena)
Transkription:
[...]Die Dame Num.1. trägt einen feinen Huth von Haberstrohstreifen, die, auf steifes Papier geleimt, auf beyden Seiten die Einbiegung erhalten haben, durch welche sich das weitausspreizende der runden Strohhüte geschmackvoll abrundet. Der Huth ist mit schwarzem Samtbande eingefasst, mit türkisblauen Bandschleifen geschmückt, und zur rechten mit einer Guirlande von blassgelbem Stroh geziert[...]
Translation:
[...]Lady No.1. wears a fine hat made from strawstripes, which, glued to stiff paper, have been bend on both sides, to which the flat round straw hats, receive a pretty curve. The hat is bound with black velvet ribbon, adorned with turquoise silk bows, and has a guirlande made of straw on the right[...]

Und da sitzt eine Weimarer Dame in ihrer guten Stube, hält das frischgedruckte Journal in der Hand - ungeduldig vorgeblättert bis zu den neuesten Kupfertafeln - und denkt sich entzückt, dass sie eilig zum Markt in das Haus Kirsch eilen sollte, um solch ein Hüthchen bei der Gamby zu bestellen, bevor die lustigen Strohstreifen auf zu vielen Hüten grüßen.
Then there's a Weimarian lady sitting at her breakfast table, holding the latest issue of the new journal in her hand, eagerly skipping the text to see the new fashion plates and then struck by the idea to quickly get to the market to Haus Kirsch, to order such a hat at Mme Gamby's before everyone else sports strawstripes in the town.
1797, Journal des Luxus und der Moden, Jahrgang 12, April, Intelligenzblatt (Quelle: googlebooks)
Transkription:
[...]XXIV. Moden-Handlungs Anzeige. 
Endesunterzeichnete hat die Ehre, sich den hohen Herrschaften mit Damen-Putz nach der neusten Mode, zu empfehlen, so wie auch durch Fertigung desselben, nach ihr gegebenen Bestellungen deren Beyfall und Zufriedenheit zu erhalten hofft.
Henriette Gamby, wohnhaft zu Weimar auf dem Markt in dem Hause des Herrn Kirsch par terre[...]
Translation:
[...]XXIV. Moden-Handlungs Advert.
The person signing has the honour to recommened her milliner business and the articles of such business, as well as individual commissions.
Henriette Gamby,  residing at the Markt in Weimar..Haus of Mr Kirsch, ground floor[...]
Und auch hier werden wir vorraussichtlich keinerlei Einblick bekommen, welche Dame als erste die Kupfertafel Nummer dreizehn zur Nacharbeitung bei Henriette Gamby vorlegte. 
Zu den Kundinnen der Putzmacherin zählten unter anderem auch Christiane Vulpius (die spätere Frau Geheimräthin Goethe), was ein Brief aus dem Jahre 1798 an Goethe und Einträge im häuslichen Rechnugsbuch zwischen 1796 und 1798 beweisen.
Bei einem ersten Blick, wird Madame Gamby festgestellt haben, dass Kraus sich in der Auslegung einige Freiheiten erlaubt hat, welche die Konstruktion zwar für die Putzmacherin erleichtern (so ist die Krone aus mehreren Winkeln zu sehen und sitzt daher eher schief auf der linken Seite) und ihr freie Hand lassen (die nicht gezeigte Stroh Guirlande), aber sie gegenüber der Kundin in Erklärungsnot bringen, wenn das Endresultat dann doch ein wenig anders aussieht als der Kupfer selbst...Ja, ich mußte hier und da ein bisschen fluchen: "Was hast Du Dir bei Deiner Zeichnung nur gedacht, Kraus!"
Der Reihe nach! Die Arbeit mit Stroh war mir noch vertraut von einem wunderbaren Projekt aus dem Jahr 2016 "Über Stroh und so"
Dort habe ich auch eine genaue Beschreibung der Vorarbeiten mit dem gefärbtem Stroh hinterlegt.
Am Anfang steht das Wässern und Bügeln der Halme.
It most probably will also remain a mystery to us, if and who appeared first with this fashion plate at hand to have it made up by Madame Gamby.
One of her most famous customers was Christiane Vulpius (later the wife of Goethe), as told by herself in a letter from 1798 and in her invoice books between 1796 and 1798.
On first glance Madame Gamby will have realized, that Kraus took some freedom in his interpretation, which makes it easier for a milliner (for example, the crown is seen from different angles and hence looks as if it sits on the left side) and also leaves certain decisions up to personal taste (the guirlande is not shown), but can make it a bit more difficult towards explaining to the customer why it won't look exactly as on the plate...Yes, and here I caught myself sighing "What have you been thinking, Georg Melchior Kraus!"
But first things first! I love working with straw ever since a project from 2016 "Über Stroh und so"
I have left a description of the process in that former blogpost.
It starts with watering the straw and ironing it.
  Entgegen der Empfehlung im Journal entschied ich mich nicht für einen blauen Farbton, sondern für Violett, das in den 1790ern Jahren ebenfalls immer wieder und ungebrochen in Mode war.
Für das im Journaltext erwähnte "steife Papier" wälte ich ein Stück Papiervliestapete in der 150er Grammatur. Der Vorteil dabei ist, dass die Pulpe auch mit Baumwollfasern durchsetzt und somit reißfest ist.
Die Konstruktion der Krempe benötigte einige Versuche, denn sie liegt nicht flach auf, sondern benötigt eine leichte Kegelform, damit sie vorne in die Höhe steigen kann.
Nachdem das Stroh gebügelt und das Papier zugeschnitten war, lud ich medial einen Vorleser ("Der Buchstabe tötet" - unbedingt reinhören, ein Hörgenuss!) mit herrlicher Literatur aus den 1790er Jahren an meinen Nähtisch, setzte Thee auf und die Arbeit konnte beginnen.
 On contrary to the recommendation of the journal to use blue straw, I went for violet, which was quite popular during the 1790s.
For the stiff paper, I used a piece of special wallpaper, which is made from paper and cotton scraps, which means, it won't break easily.
I did need some attempts until I was satisfied with the brim, because it doesn't lie completely flat, but mounts on the front.
Aller Anfang ist schwer - seufz!
Mit Stroh beim Spinnen...
Es wird! Deutlich zu erkennen, der schöne Glanz des glatten Strohs und die optische Illusion einer leichten Rundung in der Krempe selbst!
Der Kreis schließt sich. Die Krempe liegt nicht flach auf, sondern ist nach vorn hin leicht ansteigend.
...und dem setzen ich dann die Krone auf!

Nicht nur bei den Strohstreifen entschied ich mich für eine andere Farbe als auf der Kupfertafel, auch beim Seidenband griff ich auf ein herrliches antikes Seidenband in der rot-blauen Farbpalette zurück.
Der Strohhut ist federleicht, denn er besteht lediglich aus Stroh und Papier.
Mit einem Rundholz wurden die Seiten wie in der Erklärung der Kupfertafel eingebogen, dann fasste ich den Rand mit einem Draht und versah ihn mit schwarzem Samtband, ehe die Garnitur folgt.
Dazu erhielt er - ganz gewiss wie auch bei Madame Gamby - noch eine passende Huthschachtel und konnte endlich ins Haus der Kundin geschickt werden.
Instead of the turquoise silk I decided on a violet silk from old stock.
The straw hat is light as a feather, as it's only made of straw and paper.
The sides were bend over a round log, before I added wire along the edge and the mentioned black velvet ribbon.
To complete the work, I also crafted a matching hat box.
"Die Gamby ließ soeben ein Paket mit dem Boten schicken!"
Ich glaube, an der Vorfreude, endlich einen bestellten Artikel zu erhalten und auspacken zu dürfen, hat sich in all der Zeit nur wenig geändert.
I guess nothing much has changed upon the merriment of receiving an ordered article in a parcel.
"Jaaaaa! Es ist das Franfurter Haberstroh Hütgen!"
Man tänzelt von allen Seiten drum herum, streckt die Hände aus, es zu greifen, zieht sie zurück und klatscht vor Entzücken nochmal in selbige!
A little dance of joy around the new hat, to admire it from all sides!
Hier sieht man besonders schön die Rundung der aufspreizenden Seiten, welche durch den Glanz des Strohs verstärkt wird.
This photo beautiful shows the rounded sides, which are highlighted by the natural shine of the straw.
Der Hutständer bietet die Möglichkeit das Hütgen noch besser zu betrachten, vor allem auch die runde, aufsteigende Front (die mir einiges an Kopfzerbrechen in der Konstruktion beschert hat!)
The hat stand best displays the headwear and it's roundish, mounting shape on front.
Meine Interpretation der Guirlande, die auf dem Kupfer leider nur angedeutet wurde, nach oben hin ein kleiner Esprit...
My interpretation of the guirlande, a little esprit on top...
...darunter eine Kette von geflochtenen Strohkügelchen.
...and a chain of braided straw balls.
Die passende Hutschachtel habe ich aus Holzpappe gefertigt und mit geprägtem Lederpapier (dabei handelt es sich um Papier, nicht um Leder!) aus altem Bestand und selbst gefertigtem Kleisterpapier bezogen bzw ausgekleidet.
The matching hat box is made from wooden paste board, covered with leather paper (that's old stock paper, not leather) and self-made paste paper in pink.
Ich hoffe, von Madame Henriette Gamby und Georg Melchior Kraus bekäme das Frankfurter Hüthgen ein zufriedenes Kopfnicken
I hope Madame Gamby and Georg Melchior Kraus would be contend when seeing this little Frankfurter Haberstroh Hut.

Freitag, 13. Dezember 2019

...das Jahr neigt sich dem Ende

Ich weiß, in diesem Jahr blieb es auf meinem Blog recht ruhig, was sich hoffentlich im nächsten Jahr wieder ändern wird.
Meinen Lesern wünsche ich einen glücklichen und erholsamen Jahresausklang, verbunden mit der Hoffnung auf ein friedliches, gesundes und tatkräftiges neues Jahr vor uns.
I know it has been quite silent on my blog during this challenging year, but I hope this will change next year.
I do wish my readers a pleasant and relaxing end of the year, together with hopes of a peaceful, healthy and energetic new year ahead.

Man nehme zwölf Monate,
putze sie ganz sauber von
Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst und
zerlege jeden Monat in 30 oder 31Teile,
so dass der Vorrat genau für ein
Jahr reicht.
Es wird jeder Tag einzeln
angerichtet aus
einem Teil Arbeit und
zwei Teilen Frohsinn und Humor.
Man füge drei gehäufte Esslöffel
Optimismus hinzu,
einen Teelöffel Toleranz, ein Körnchen Ironie
und eine Prise Takt.
Dann wird die Masse sehr reichlich
mit Liebe übergossen.
Das fertige Gericht schmücke man
mit einem Sträußchen netter
Aufmerksamkeiten
und serviere es täglich mit
Heiterkeit
und einer guten, erquickenden Tasse Thee.

(zugeschrieben Catharina Elisabeth Goethe, geb.Textor 1731-1808)

Montag, 26. August 2019

...abwarten und Thee trinken!

Nicht selten sind es die kleinen Dinge, die alle Pläne unvorhergesehen auf den Kopf stellen, z.B. ein Bandscheibenvorfall...Autsch! Und Oh weh! Dem folgte leider ein operativer Eingriff, verbunden mit der Hoffnung auf eine vollständige Genesung.
Meine im Frühjahr zuversichtlich geschmiedeten Pläne wurden auf die lange Bank geschoben und seither schaue ich dem Berg der unerledigten und aufgeschobenen Projekte beim wachsen zu und übe mich in der Kunst des Abwartens und Theetrinkens.
Apropos Thee, während ich meine Geduld und meinen Rücken noch ein wenig trainiere, möchte ich meine Leser auf einen wunderbaren Beitrag meiner lieben Freunde Les Soirées Amusantes rund um das Thema Thee aufmerksam machen und für ein bisschen Kurzweil sorgen..bis hoffentlich bald:
It's often the small things, which turn all the plans upside down, for example a prolapsed disc...Ouch! And argh! Unfortunately this was followed by a surgery and the hopes for a complete recovery.
My plans, that I confidently and quite eagerly made up in spring, were all delayed and since then I'm watching the pile of projects grow and in the meantime I try mastering the fine art of sipping tea and waiting.
Alas tea, while I stretch my patience and my back some further, I'd like to turn my readers' attention to the wonderful video about tea from my dear friends Les Soirées Amusantes, which will hopefully entertain and educate...hope to see you soon:


Samstag, 1. Juni 2019

Ein raues (Kopfstein-) Pflaster, oder: Walk like a̶̶n̶̶ ̶̶e̶̶g̶̶y̶̶p̶̶t̶̶i̶̶a̶̶n a Frühromantikerin

Endlich bot sich die Gelegenheit meine Schnallenschuhe dem lang herbeigesehnten Praxistest zu unterziehen und was könnte diesem Experiment einen besseren Boden bereiten, als das raue Kopfsteinpflaster im wunderschönen Weimar.
After weeks of anticipation, I've had the chance to put my theory into practice and see how my shoes with buckles would work and what place is more suitable for such an experiment than the rough cobbled streets of beautiful quaint Weimar.
Die Schuhe samt Schnallen - jedoch ohne jeglichen modernen Fußbettkomfort - landeten (in der Hoffnung auf gutes Wetter und staubtrockene Gassen, denn beim ersten Mal möchte man nicht auch gleich die Regentauglichkeit prüfen müssen) im Gepäck...
...und im Hinterkopf LeBruns mahnende Worte aus dem Journal de la mode et du gout aus dem Jahre 1790:
The shoes with the buckles - but with a true lack of modern insole comfort - were put in my luggage (accompanied by the wish for fine weather and dry and dusty lanes, because we were not eager to see how the shoes would work in rain)...
...and on my mind LeBruns reminder from the Journal de la mode et du gout from 1790 was stuck: 
1790, treizieme cahier 25 juin, Journal de la mode et du gout (Quelle/source: BnF gallica)
Im Text (auf den mich Monsieur Heurteloup freundlicherweise aufmerksam gemacht hat) teilt uns Monsieur LeBrun mit, dass Schnallenschuhe seit geraumer Zeit nicht mehr gefragt sind und sie nur hier und da von jungen Damen als Modespleen getragen werden. Auch bleibt nicht unerwähnt, dass die Schnallen dem Rist des Fußes nicht eben zuträglich sind, da für einen guten Sitz einiges an Zug vonnöten ist. Dieser Behauptung wollten wir unbedingt auf den Grund gehen...was macht ein Schuh, dem es an jeglichem modernen Komfort fehlt, mit der Haltung, mit dem Gangbild?
Wie geht man auf unbefestigten Wegen und vor allem auf dem Kopfsteinpflaster, welches in Weimar in unzähligen Qualitäten die Straßen und Plätze ziert.
In his text (on which Monsieur Heurteloup kindly turned my attention) LeBrun told his audience, that buckled shoes are out of fashion for almost a decade and usually were only worn by young ladies as a fashion fad. It's also mentioned, that the buckles can become a pain to the foot's instep, as some tension is used to close it firmly. We were quite eager to proof his statement, among others...how does such a shoe without modern comfort works on the feet, how does ist affect the posture and walking pattern? How would one walk on unpaved and graveled roads and on cobbled streets, which most streets in Weimar are?
Foto (2017) Copyright K.Klotsche
Die Bühne für unsere "Gehversuche" wartete und da ich selbst leider mit einem Rückenleiden geplagt war, konnte ich meine liebe Freundin Mme Reeves gewinnen, für mich in die Seidenschuhe zu schlüpfen.
The stage for our first steps was waiting and as I was dealing with some back pain issues, my dear friend Mme Reeves was kindly jumping in for me and wearing the silk shoes.


Ob der verdichtete, sandige Boden des Gartens am Kirms Krackow Haus, das roh behauene Pflaster im Hof, schnell wurde deutlich, dass mit dem modernen, fersenbetonten Schlendern kaum ein längerer Marsch zu bewältigen wäre.
Das Pflaster vertrug sich nicht gut mit den Abätzen und es war ein lautes Getrappel und Geklackere der dünnen Sohlen.
Glücklicherweise führte der Untergrund dazu, die Sohlen aufzurauen und von ihrer anfänglichen Rutschigkeit zu befreien. Für unseren Versuch hielten wir fest, dass es bei Regen auf dem Pflaster eine wohl nicht geringe Herausforderungen war
a) trockenen Fußes in Seidenschuhen anzukommen
b) nicht auf dem glatten Pflaster auszurutschen
Schon nach zwei Gassen, wählte Mme Reeves einen sehr viel bequemeren Gang, nämlich eine eher  auf Fußspitzen und Zehenballen betonte Fortbewegung.
Und siehe da, dieses anmutige Gehen hatte eine besondere Leichtigkeit und Eleganz.
Uns wurde bewusst, was mit dem Zitat über Frau von Stein in Wilhelm Bodes Buch "Goethes Leben im Garten am Stern" gemeint war, denn dort hieß es, "...sie war eine kleine, elegante Figur, die in leichtem Zephirgang daherkam"
Überhaupt wird in vielen zeitgenössischen Berichten bzw. Beschreibungen gern der anmutige Gang einiger Damen erwähnt.
Gewiss hatten die Schuhe ihren Beitrag dazu geleistet, ebenso wie ein schmal geschnittener Caraco oder Spenzer die Haltung beeinflusst.
 Durch diesen betonten Gang, erklärte sich auch LeBruns Aussage, dass die Schnallen den Rist des Fußes mitunter plagen können.
Tatsächlich bedeuten die Schuhe mit den dünnen Sohlen und dem hölzernen Absatz, dass man das Gehen erst erlernen muß, umso mehr auf Kopfsteinpflaster.
Whether the sandy gravelled grounds in the garden of Kirms Krackow Haus, or the rough cobblestone in the yard, it was quickly obvious, that the modern way of walking with an emphasize on the heels would not bring us far.
The cobblestones did not get along with the heels and it was a loud clapping of the thin soles.
Luckily this kind of ground helped to roughen the slippery soles. We realized how much of a challenge the cobbled streets would be in rain to
a) arrive with dry stockings in silk shoes
b) not slip on the smooth stones
After two more lanes, Mme Reeves eventually chose a more comfortable gait, precisely to give more emphasize on the front, the toes and ball of the foot.
And yes, this kind of walking was light and elegant.
We became aware, what Wilhelm Bode meant with a quotation in his book "Goethes Leben im Garten am Stern" about Frau von Stein, which says "...she was a small and elegant figure, which arrives in light zephyr walk" 
Actually a lot of contemporary journals and letters etc. mention a particular beautiful pattern of walking in women. 
Surely the shoes did have their part in this, like a perfectly cut caraco or spencer influences the posture. 
This way of walking also approved LeBruns words, that the buckles could trouble the instep of the feet. 
The recreated shoes with their thin soles and wooden small heels, forced us to learn a new way of walking, especially on cobbled stone.
Die Spuren eines Nachmittags zeigen sich an der Sohle, die ihre Rutschigkeit weitgehendst eingebüßt hat, zumindest auf trockenem Untergrund und ohne allzu glatt gebleckte Pflastersteine.
The marks of an afternoon shown on the soles, which have lost their state of being slippery, at least on dry ground and not too smooth stones. 
 Der eher zehenbetonte Gang ist für Seidenschuhe auf Pflaster allerdings eher nicht zu empfehlen, denn schnell reibt sich die Stofffaser auf.
To walk with emphasize on the front is not recommended for silk shoes on cobblestones, as the fabric is quickly worn and torn.
Hier wären kleine Überschuhe vonnöten gewesen oder ein Schuh aus etwas gröberem Leder.
Overshoes would be suitable or a pair of shoes from sturdier leather.
Zuletzt die Löcher, die der Dorn der Schuhschnalle ins Gewebe gebissen hat.
Finally the holes, which the buckles have punched into the silk.

An diesem Nachmittag haben wir mit großem Vergnügen gelernt, wie man sich auf dünnen Sohlen und elegantem Zephirgang in die Journale und Bewunderung der Zeitgenossen schlendern konnte. Eine Studie, die wir demnächst unbedingt fortsetzen und vertiefen werden.
On this lovely afternoon, we've learnt with much joy, how thin soles and elegant zephyr walk helped to stroll into the journals and admiration of the contemporaries.
A study, which we definitely continue.

Montag, 6. Mai 2019

Anzug einer westphälischen Dame an einem eher kühlen Maienmorgen 1797

Während des Nachmittag-Thees am Mittwoch letzter Woche, konnte ich Mad. Bettinger schließlich überzeugen, dem geneigten Leser einen kleinen Einblick in ihre Garderobe zu gewähren.
Wie aus früheren Erzählungen bekannt, lebt sie in einer westphälischen Kleinstadt und führt einen guten, bürgerlichen Haushalt, der es ihr auch ermöglicht wöchentlich den Salon einer Freundin zu besuchen, wo sie sich in geselliger Runde bei Thee und Coffee über Literatur, die neuste Mode und Klatsch und Tratsch austauscht. Gemeinsam halten die Damen ein Abonnement auf das Weimarer Journal des Luxus und der Moden und das schon seit dem Jahr 1788 - zusammenfassend kann man behaupten, sie sind modisch interessiert, aber dennoch mit ökonomischer Haushaltsführung vertraut.
Genug der Vorrede! Schauen wir, was Mad. Bettingers Schränke, Schubladen, Schachteln und Haken für einen Anzug an einem doch etwas kühlen Montagmorgen bereithalten:
During the afternoon tea last Wednesday, I was finally able to convince Mme Bettinger, to give the dear readers a peek into her wardrobe.
Like written in an earlier note about her, she lives in a small westphalian city and presides over a good middle class household, which also allows her to attend a weekly afternoon salon at her friend's house, where they have tea and coffee and conversations about literature, the latest fashion and plenty of gossip. This small circle of friends also holds a subscription of the Journal des Luxus und der Moden since 1788 - well, it's probably safe to say, that they are very interested in fashion, yet try to preserve an economic household.
Enough said! Let's see, what Mme Bettinger's closets, drawers, boxes and hooks reveal for a dress for a cool Monday morning in May 1797:
In ihrer Garderobe folgt Mad. Bettinger zumeist artig einem Artikel, welcher im Januar des Jahres 1796 im Journal des Luxus und der Moden erschien, und sich gesetzteren Damen in der Mode mit folgenden fünf Regeln empfiehlt:
Mme Bettinger's wardrobe usually follows an article, which was released by the Journal des Luxus und der Moden in January 1796, and that recommends older women five rules for fashion: 
1796 Januar, Journal des Luxus und der Moden, Moden-Neuigkeiten (Quelle/source: ThULB Jena)
Transkription:
1) keine zu hellen, lebhaften und schreyenden, sondern mehr sanfte, bescheidene und dunklere Farben zu Kleidern und Bändern zu wählen
2) Keine Blumen und Federn auf dem Kopf zu tragen
3) keine romantische Coiffure, wilde Frisur, oder zu jugendlichen Kopfputz zu wählen, sondern zwar auch kleine aber mehr tiefe Hauben und Aufsätze zu tragen
4) Den Busen nicht mehr offen, sondern mehr zu, und mit einem Tuche geschlossen zu tragen
5) Mehr Mäntel und Schaals zu tragen, als junge Damen; übrigens aber in den Hauptformen der Kleider, z.E. Angloisen, Polonaisen, Fourreaus, Hauben und Hüthen, zwar immer der herrschenden Mode, jedoch etwas langsamer zu folgen, immer um eine Stufe in jeder Mode zurückzubleiben, und alles Übertriebene bei jeder Mode zu vermeiden.
Translation:
1) no too light, vivid or loud colours, but rather soft, modest and darker ones for dresses and ribbons
2) no flowers or feathers to wear on the head
3) no romantic coiffure, wild hairdos, or a juvenile hatwear, but rather smaller caps and hats
4) do not reveal too much of a cleavage, but rather higher collars and a fichu
5) More mantelets and shawls than younger women; do follow the fashions in dresses like angloises, polonaises, fourreaus, caps and hats, but a bit slower and always a step behind, to prevent the exaggeration.

Soweit die Regeln, aber wir wissen, Papier ist geduldig und hier und da erlaubt sich Mad. Bettinger  auch dem eigenen Geschmack höhere Priorität einzuräumen, zum Beispiel bei ihrem Strohhut, welcher der neusten Mode folgt!
So far for the rules, but we all know that written on a paper doesn't mean written in a stone and sometimes Mme Bettinger allows herself exceptions from the rule, for example with her new fine straw hat!
1. Ihr decoupierter blauer Strohhut wurde just im Mai 1797 im Journal des Luxus und der Moden vorgestellt. Als sie das Hütlein im Journal entdeckt hatte, fühlte sie sich an die schönen Bergères erinnert, die sie in jüngeren Jahren mit Freude getragen hatte.  
Her blue straw hat hat was released in this very month of may 1797 by the Journal des Luxus und der Moden. When she found the hat on that fashion plate, she was reminded of the beautiful bergère hat, which she used to wear when she was younger.
2. Ein Unterrock, schlicht ohne Zier.
A plain petticoat.
3. Ein westphälisches Kleid aus acht Ellen vorzüglicher Baumwolle mit feinen Streifen, welche sie im letzten Frühjahr in Dortmund erworben und bei ihrer Schneiderin hat nähen lassen. Dank der Güte des Stoffes, der Kunst der Schneiderin und der pfleglichen Behandlung, trotzt das Kleidungsstück dem raschen Wechsel der Moden und leistet als Negligée in Haus, Garten und zu morgendlichen und nachmittäglichen Besuchen seine Dienste.
 A westphalian dress made of eight ells of the best cotton with fine stripes, which she bought past year in Dortmund and which was sewn by her seamstress. Due to the quality of the fabric, the skills of the seamstress and the care and maintenance, this garment defies the quick change of fashion and is still in use for undress in house and garden and for morning and afternoon visits.
4. Ein Schnürleib, wie man ihn bei der Schneiderin nähen lassen oder auch Daheim in der Nähstube fertigen kann.
A pair of stays, how it's offered by the seamstress or also can be sewn at home by a skilled woman.
5. Ein modischer Aufsatz aus dem Jahre 1796, den man statt des Strohhuts tragen kann und der sich nicht nur zum Negligée, sondern auch zum halben Anzug eignet.
A fashionable head piece from 1796, which can be worn instead of the straw hat and is also suitable for half dress.
6. Eine Schürze mit gerüschtem Flor in schwarz für den häuslichen Gebrauch.
An apron with fine frill for undress.
7. Eine schlichte Chemise aus Leinen, die täglich gewechselt wird.
A plain chemise from linen, which is changed daily.
8. Ein Flor-Mantel aus dem Jahr 1796. Er wird über dem Kleid (und auch über dem Caraco) getragen. Eine lohnende Anschaffung, denn der Mantel wird noch einige Zeit in Mode bleiben.
A light mantelet from 1796. It is worn on top of the dress (and caraco). A good choice as it will remain in fashion for the upcoming years.
9. Baumwollene oder seidene Strümpfe, vorzugsweise in Weiß.
Stockings made of cotton or silk, preferably in white.
10. Ein wattierter Caraco aus hellblauem Seidentaft. Ein Lieblingsstück in Mad. Bettingers Garderobe seit 1786, dem sie stets viel Sorgfalt und Pflege gewidmet hat, denn die Seide und die Arbeit der Wattierung waren gleichermaßen kostspielig und zeitaufwändig. Zu Beginn der 1790er wurden die Schößchen ein wenig ausgebessert und eingekürzt, da die Kanten etwas angestoßen waren, ehe das Kleidungsstück 1794 nochmals nach der neusten Mode umgearbeitet bzw eingekürzt wurde, und nun dient es an kühleren Tagen als Bekleidung für Besuche bei Freunden.
A quilted caraco from blue silk taffeta. A favourite from Mme Bettinger's wardrobe since 1786, which she has always taken good care and maintenance of, because the silk was expensive and the quilting was done by an expeirienced seamstress. At the beginning of the 1790s the peplum was slightly shortened, as the edges weren't in mint condition anymore, then in 1794 is was altered again following the latest fashion of shorter waists. It's still worn on cool mornings or chilly afternoons when visiting friends.
11. Schuhschnallen, ein liebgewonnenes Erinnerungsstück. Eigentlich sind sie in Weimar, Berlin und Paris schon längst aus der Mode, aber Mad. Bettinger kann sich nicht gut davon trennen. Die neuen flachen Schuhe sagen ihr gar nicht zu.
Shoe buckles, a fond memory. Actually they are out of fashion in Weimar, Berlin and Paris for a while, but Mme Bettinger can't part with these. She isn't fond of the new flat shoes either.
12. Schwarze Seidenschuhe passend zu den Schuhschnallen. Obwohl auch schon lange aus der Mode, hat Madame dieses Paar erst kürzlich neu besohlen lassen und bereits ein weiteres Paar gleicher Art im Ort beim Schuhmacher bestellt.
Black silk shoes matching the shoe buckles. also out of fashion for quite a while, Mme Bettinger has them resoled recently and ordered another pair in this style.
13. Lederne Handschuhe. Diese Handschuhe sind kurz, da der Caraco lange Ärmel hat. Sie schonen die Hände und vervollständigen den Anzug eines jeden Frauenzimmers.
Leather gloves. These gloves are short, because they are worn with the caraco. They treat the hands with care and complete the fine dress of every lady.
14. Ein Haarband, vorzugsweise aus Seide, Flor oder Samt.
A hair ribbon, preferably made of silk, organdy or velvet.
15. Ein Beutel. Diese Mode ist noch recht jung, wird aber mit großer Begeisterung angenommen.
A bag. This fashion is still new, but already very popular.
16. Ein feines Fichu. Aus der Mode der Frauenzimmer nicht wegzudenken...und so wird es auch noch eine Weile bleiben!
A fine fichu. An indispensable fashion for ladies for the past years and a few years ahead!
1798, Pehr Hilleström, T fruentimmers (Auschnitt) (Quelle/source: wikicommons)

Mittwoch, 24. April 2019

Pariser Strohhut "sens devant-derrière"

"Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten, es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit,..."
Mit diesen Zeilen eröffnete Charles Dickens seinen berühmten Roman Eine Geschichte aus zwei Städten über die Zeit der französischen Revolution.
Hatte er dabei auch die Mode im Sinn, die sich trotz aller Gräuel, Unwägbarkeiten, Unsicherheiten, trotz Triumph und Niederlage in den Theatern, den Häusern und Straßen unerschrocken ihren Weg bahnte? Zwar schwiegen die großen Pariser Journale, nicht aber die Moden selbst. Ein anschauliches Bild hinterließ uns der langjährige Berichterstatter aus Paris für das Weimarer Journal des Luxus und der Moden in seinem Brief vom 15.Juli 1792.
In diesem Monat, nur wenige Wochen vor dem Tuileriensturm und dem Septembermassaker, presste ein Drucker eine seltsame Modethorheit auf ein blankes Blatt Papier:
chapeau de paille à la sens devant-derrière
"It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness, ..."
These were the opening lines of Charles Dickens' famous novel A tale of two cities about the french revolution.
Was fashion also on his mind, which, despite all the atrocities, imponderables, uncertainty, despite triumph and defeat in the theatres, the houses and streets, remained determined and still found it's way into the hearts?
Indeed the parisian journals were silent, but not fashion itself. A very good summary of the daily life in Paris was delievered by the longtime journalist there, who has sent a letter to the Weimar Journal des Luxus und der Moden on July 15th 1792.
In this very month, only few weeks before the storm of the tuileries and the September massacre, a printer put a perculiar fashion fad onto blank paper:
chapeau de paille à la sens devant-derrière
1792, Fashion plate, watsonline record number b17509853 (Quelle/source: THE MET Digital Collection)
Verkehrt herum, das spiegelte den Zeitgeist wieder - eine Welt, in der es kein oben und unten, kein richtig und falsch mehr zu geben schien, die durfte ihren Damen auch ein solches Hütgen für den Kopf vorschlagen. 
Ob die Pariser ihre Frisuren mit dem kleinen Strohhut schmückten? Möglicherweise, denn immerhin dauerte es nicht lang, ehe diese Mode als hoeden sens devant derriere in einem Modejournal im niederländischen Haarlem den Damen den Kopf verdrehen sollte.
Upside down, this reflects the Zeitgeist - a world, where there's seemingly no up and down, no right or wrong anymore, was allowed to suggest the ladies such odd headwear.
Did the Parisians adorned their heads and hair with it? Possibly, because it didn't took long until the fashion was mentioned as hoeden sens devant derriere in a dutch journal in the city of Haarlem.
1792, Kabinet van mode en smaak, August/September (Quelle/source: googlebooks)

Einen Monat länger benötigte der neueste Schrei, ehe er in Weimar und im Journal des Luxus und der Moden erhört wurde.
And another months until this dernier cri was heard in Weimar and the Journal des Luxus und der Moden.
1792 (Jahrgang 7), Journal des Luxus und der Moden, Oktober, Modeneuigkeiten, Paris 20.September (Quelle/source: ThULB Jena)
Selbstverständlich lieferte der Berichterstatter aus Paris auch eine Beschreibung der jungen Pariser Dame im Negligée nach neuster Mode und Geschmack.
Certainly it came with a description of the young Parisian lady in her negligée after the latest fashion and taste.
1792 (Jahrgang 7), Journal des Luxus und der Moden, Oktober, Modeneuigkeiten, Paris 20.September (Quelle/source: ThULB Jena)
Transkription:
Fig.2. Diese Figur ist erwas mehr componiert, und macht mehr Anspruch auf Eleganz. Sie trägt einen Pariser feinen Strohhut, von der neuen Form die man sens devant derriere nennt, mit zwei großen grünen Bandschleifen vorn und hinten decoriert, und der untere Teil der Krempe mit runden Dollen von weißem Flor garniert...
Translation:
Fig.2. This figure is a bit more composed, and shows it's claim for elegance. She wears a fine Parisian straw hat of the latest fashion, which is called sens devant derriere, with two big green bows at the front and back, and the edge of the brim is decorated with a length of white organdy.

Und was soll ich sagen? Der Modetrend erlebte nach mehr als zweihundert Jahren schließlich in Westfalen eine neue Renaissance, denn bereits der ungewöhnliche Witterhorn Hut hatte es mir seinerzeit sehr angetan und ich war auf die Konstruktion eines ähnlichen Stückes sehr gespannt.
Als Basis diente mir ein runder Strohhut mit eingeschlagener Krempe, dessen Krone ich komplett auftrennte. Das Strohband wurde gewässert (ein herrlicher Geruch!) und zum Trocknen geglättet, bevor es galt eine neue, schmale Krone von Hand zu nähen.
And what should I say? This fashion trend had it's revival almost two hundred years later in Westphalia, because I already loved my Witterhorn Hut and was eager to discover the construction of a similar piece.
I used a straw hat with a turned-in brim, which crown I ripped apart completely. The straw was then watered (a lovely scent!) and pleated for drying, before I sew a new much smaller crown.
Am Rand des Hutdaches angelangt, wurde dieser erneut gewässert und in Form gebogen. Der Durchmesser beträgt etwa 15 Zentimeter.
When I reached the edge of the crown's top, I watered it again and pulled it into shape. The diametre is approx. 15 centimetres.

 Und dann war Fleißarbeit gefordert. Mit kleinen Stichen ging es rundherum bis eine Höhe von etwa 15 Zentimetern erreicht war.
And then diligence was needed. I went round and round with tiny stitches until the crown reached about 15 centimetres in height.

Die fertige Krone und die Krempe, die in ihrer originalen Form belassen wurde.
The finished crown and the brim, which remained in it's original shape.

Den Kupfern aus Paris, Haarlem und Weimar folgend, wurde die Krempe an den Hut angenäht, um die außergewöhnliche Form zu erhalten.
Zuletzt kam die Entscheidung für die Garnierung, denn die grünen Bandschleifen gefielen mir nicht für einen eher sommerlichen Strohhut. Da die Dollen bereits aus weißem Baumwollorganza genäht wurden, entschied ich mich für helle, gestreifte Bandschleifen, in Erinnerung des ursprünglichen Geburtsortes dieses Hutes in den Farben blau-weiß-rot.
Following the plates from Paris, Haarlem and Weimar, the brim was attached to the hat to achieve the unusual shape.
Then I had to decide on the decoration, as I wasn't too fond of the green bow for a summerly straw hat. As the decoration of the edges was already made in white organdy, I ordered a light, striped ribbon and in memory of it's origin I decided on a blue-white-red colour.
Das Konzept der sommerlichen Garnitur ging auf. Ich benötigte etwa vier Meter für beide Bandschleifen.
The concept of the light summer decoration for the hat worked well. I needed about four metres for both bows.
 Voilà: un chapeau sens devant-derrière


 
Ich kann die Begeisterung der Pariser Damen nun verstehen. Wirkt er auf den Modekupfern doch etwas gewöhnungsbedürftig, so zeigt sich der gefertigte Strohhut doch in der im Journal des Luxus und der Moden beschriebenen Eleganz. 
I can relate to the excitement of the Parisian ladies by now. While it requires quite getting used to the look at first, the finished straw hat meets the elegance mentioned in the Journal des Luxus und der Moden.



Beinah ein kleines Kunstwerk für sich ist die hintere Bandschleife, die im üppigen Bandflor wie ein Federkleid wirkt und mich unwillkürlich an das Balzkleid einer Großtrappe denken ließ.
The ribbon bow in the back is almost a work of art, which resembles the feathers of a bird and reminded me of the giant bustard during mating season.


Strohband und Florband in eleganter Verbindung.
Straw and organdy ribbon in an elegant relation.
Ich bin mir sicher, das sich der Hut mit diesen Bandschleifen in Weimar auch neben dem Original mit grüner Zier behauptet hätte.
I'm quite convinced that the hat with this kind of decoration would have won the hearts of the ladies in Weimar as much as the green decoration.
Ein geschmackvoller Schwung aus Stroh
A tasteful swing of straw
Der Strohhut blieb ungefüttert. Das Stroh ist sehr fein und wurde glatt verarbeitet.
The hat remained unlined. The straw is very fine and smoothly sewn.
Es lohnt sich doch immer wieder, Stücke möglichst originalgetreu nachzuarbeiten, damit sie den Zauber entfalten können, dem die Damenwelt auch damals schon verfiel.
It's always rewarding to recreate with as much love for the detail and construction as the original, to help them unfold the same kind of magic, which entchanted the ladies back then.