Dienstag, 8. Dezember 2015

Abwarten und Kaffee trinken...

Nach den turbulenten letzten Wochen rund um Vernet's 1814 Merveilleuses und Incroyables und den vielen Projekten in diesem Jahr, sehne ich mich mehr denn ja nach einer kleinen Verschnaufpause oder einem Winterschlaf light.
Ausgedehnte Mußestunden zum Jahresausklang...und dazu ein Tässchen Kaffee.
An dieser Stelle darf ich verraten, dass ich ein echtes Faible für das Porzellan aus frühromantischen Zeiten habe. Es bereitet mir große Freude durch Kataloge über das weiße Gold zu blättern oder bewundernd vor Virtinen zu verharren.
After the buzzing last weeks build around Vernet's 1814 Merveilleuses und Incroyables and the many projects of this year, I truly long for a small break or a hibernation in power nap style.
Extensive idleness at the end of the year...and sipping a cup of coffee.
At this point I may add that I have a weakness for porcelain from the early Romanticism. I utterly enjoy leafing through catalogues about the white gold and could spend hours in front of glass cabinets.
Erwischt! 
Die gute Stube im Kirms-Krackow-Haus in Weimar mit einer kleinen und feinen Auswahl an Porzellan.
Es ist also nicht verwunderlich, dass ich mich neulich Hals über Kopf in eine Tasse samt Untertasse verliebt hatte. Die Goldmalerei war derart wundervoll, dass ich einen kleinen Chip am Rand und einen Haarriss geflissentlich übersah. Ich empfinde Gebrauchsspuren als liebenswerte und lebendige Rückschau auf ein bewegtes Alltagsleben, auch wenn es den Sammlerwert mindert.
Gotcha! 
The living room at Kirms-Krackow-Haus in Weimar with a lovely assortment of porcelain.
Knowing this, it's not surprising that I fell in love head over heels with a coffee cup and saucer. The gilt finishing was so beautiful, that I deliberately ignored a small chip and craze. I don't mind signs of usuage as they are a vivid retrospective on daily life of bygone times, although they might reduce the value of collectibles.

Bei der Tasse handelt es sich um Porcelaine de Paris. Porzellan erhielt diese Bezeichnung im frühen 19. Jahrhundert, wenn es aus Hartporzellan gefertig wurde. Das Porzellan selbst mußte nicht unbedingt aus Paris stammen, es konnte auch woanders hergestellt worden sein und unter Pariser Adresse vertrieben werden, wichtig war, dass die Dekoration in der Hauptstadt ausgeführt worden war. 
(Quelle: Régine de Plinval de Guillebon, Porcelaine de Paris 1770-1850)
The cup and saucer are so called Porcelaine de Paris. This term was used in the early 19th century for hard-paste porcelain. The porcelain didn't have to invariably been manufacutred there, it could be originated from factories with at least a Parisian address. But it was important that it has been decorated in Paris.
(Source: Régine de Plinval de Guillebon, Porcelaine de Paris 1770-1850)

Meine Tasse hat leider keine Porzellanmarke, allerdings hat sich der Vergolder verewigt.
Unfortunately my cup and saucer have no porcelain mark, but the gilder has left his signature.

Die Tasse mißt 6,2 Zentimeter in der Höhe und hat einen Durchmesser von knapp 6 Zentimeter.
Die Malerei ist unglaublich zierlich in Gold und polychrome. Die Darstellung zeigt einen Bruder, der seine Schwester in einem Karren durch den Garten zieht und erinnert damit unweigerlich an Philipp Otto Runges Hülsenbecksche Kinder von ca. 1805.
The cup measures 6.2 centimetres in height and has a diametre of approx. 6 centimetres.
The gilt work is very fine and detailed, done in gold and polychrome. The cup shows a brother, which pulls his sister trhough a garden on a cart, which quickly reminds us of Philipp Otto Runges Hülsenbecksche Kinder from about 1805.

Die kleine Schwester mit dem Blumenkörbchen. Die Arbeit wurde etwa in der Zeit zwischen 1790-1820 ausgeführt.
The little sister with a flower basket. The work was probably done between 1790-1820.

Auf der vergoldeten Untertasse kann man ebenfalls umlaufend eine wunderschöne Malerei entdecken. Die Untertasse hat einen Durchmesser von 12,6 Zentimetern und ist 3 Zentimeter hoch.
The gilt saucer reveals a set of motives arranged in a circle. The saucer has a diametre of 12.7 centimetres and is 3 centimetres high.

Zwei der Motive zeigen Urnen. Möglicherweise handelt es sich bei dieser Arbeit um eine Erinnerungstasse an die beiden Kinder.
Two motifs on the saucer are urns. The cup possibly was meant as a memorabilia of the two children.

Die Tasse, die all die liebenswerten Spuren des Gebrauchs trägt, rührt wirklich an. Und nun stehe ich oft vor meiner eigenen Vitrine und betrachte sie. Übrigens gab es bei den Tassen des Porcelaine de Paris um 1800 selten Unterschiede zwischen Tee oder Kaffee, lediglich die Kannen, in denen serviert wurde, waren unterschiedlich.
The cup, which shows signs of usage and love, truly touches me. And now I often find myself in front of my cabinet to take a look. The Porcelaine de Paris cups around 1800 hardly differ in shape for tea or coffee, only the pots, in which the beverage was served, looked different.

Henriette Lorimier (1775-1854) Potrait of a Lady (Quelle/source: Villa Nuova Fine Arts)
Und nun freue ich mich auf entspannte Tage mit Kaffee und Katzengesellschaft, um all die entgangenen Blogbeiträge zu lesen und mich ausgiebig der (Fach-) Lektüre zu widmen, damit wir uns hier auch im kommenden Jahr wiedersehen.
And now I'm looking forward to enjoying coffee and cats' company, while catching up on all the blogposts I've missed, and do some serious reading and studying, which I will share with you next year.

Kommentare:

  1. Liebe Sabine,

    So ein friedliches Post. Was muess es besser sein, dann im Wintersonne Kaffee zu trinken, mit Katzenschnurrung im Ohren and guete Bucher in Haenden?

    Deine neue Kaffeetasse ist toll. Der Vergolder war echt fleissig. Koentte auch Golderinnen sein. Es war ein paar Vergolderinnen in Deutschland, Schwestern, die errinere ich mich.

    Am besten,

    Natalie

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  2. Sehr hübsch, dieser Fund. Ich sehe, bei der Schatzsuche nach schönen, alten Dingen erwacht in Dir offensichtlich auch so etwas wie der Goldgräbergeist!

    Nochmals herzliche Grüße...

    ...von Constanze

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