Montag, 2. März 2015

1814 Ackermann's Repository Russian a-la-Mode Hat

Nachdem ich mich in letzter Zeit der Umarbeitung einiger Stücke in meiner Garderobe gewidmet habe, um Einblick in die zeitgenössische Vorgehensweise von Aufbesserung und Veränderung von vorhandenen Kleidungsstücken zu gewähren, stand der vergangene Februar im Zeichen von Hüten...und Kapotten..und Casquets...und Hauben...und Cornetten.
All die gefertigten Kopfbedeckungen (die auch im Juni in Mme Bettingers Putz & Modenhandlung ausgestellt werden), stelle ich hier im Laufe des Monats im Detail vor.
Den Beginn macht ein englischer Hut, mit gar nicht englischem Namen. Rudolph Ackermann, sonst für seine erfindungsreichen Namensgebungen bekannt, nannte ihn schlicht:
Russian a-la-Mode Hat.
While I spend the end of the last year and the beginning of this year with the alteration of some of the garments in my wardrobe to reflect the period manner of altering and mending clothes to adapt latest fashions, this past February was solely dedicated to making hats...and capotes...and casquets...and caps...and cornettes.
All the assembled hats (which will be on display at Mme Bettingers Putz & Modenhandlung in June), will be introduced here in detail.
First I'm going to start with an English hat, which has no English name at all.
Rudolph Ackermann, who's otherwise known for his creativity in nomenclature, simply called it:
Russian a-la-Mode Hat.

 1814, Ackermann's Repository of Arts, Literature and Fashion
December, Plate 29 (Quelle/source: SceneinthePast)

Es ist der Hut in der Mitte, Hat No.5. Und glücklicherweise ist die Ausgabe des Journals online digitalisiert verfügbar. Der Text zu Hat No. 5 lautet wie folgt:
It's the hat in the middle, hat No.5. Luckily the issue of the journal is available online.
The text reads as follows:

No. 5. A Russian a-la-mode, composed of orange and white velvets,
trimmed round the edge with a
quilling of Vandykelace: the crown
decorated with flowers and wreaths
of Vandyke lace. 
(Quelle/source: The Internet Archive)

Der Originalhut im Modekupfer ist aus Samt gefertigt angepriesen, ich entschied mich allerdings für einen Satin, etwas blasser als das Orangegelb im Kupfer. 
The original hat in the fashion plate was said to be made of velvet, I've chosen satin instead, which is also slightly paler than the bright orange yellow.

 1814, Ackermann's Russian-a-la-Mode Hat

Wie man im Kupfer und der Nacharbeitung erkennt, weitet sich die Krone des Huts nach oben hin, zudem erkennt man zwischen den einzelnen Segmenten gespaspelte Schnüre in Weiß.
Dazu wurde die Krone aus 10 einzelnen leicht trapezförmigen Teilen zusammengesetzt. Hierzu verwendete ich Pappe. 
As seen in the fashion plate and the re-creation, the crown of the hat slightly widens to the top, also there are white pipings in between each segment. I used pasteboard for this challenging crown.
To achieve this look the crown was assembled of 10 separate pieces.

 
Die Hutkrone aus einzelnen Teilen. 
The hat's crown made of several pieces.

 
Zwischen jedem Element sitzt eine Paspel. Alle Teile wurden durch die Paspel von Hand zusammengenäht. 
In between each piece is a piping. All pieces being held together with this hand-sewn in piping.

Man sieht auch den eingenähten Hutdeckel.
View of the sewn in hat top/lid.

 
Die Krempe gestaltete sich ein wenig einfacher. 
The brim was easier to get done.


Entlang der Krone wurde eine Reihe Spitze mit Weißstickerei angebracht, sowie eine Rüsche aus Baumwollorganza (auf die Blumen haben ich verzichtet)
Die Krempe erhielt ebenfalls eine Rüsche, statt wie im Kupfer Spitze aus Weißstickerei zu verwenden.
Das Hutband aus altem Bestand ist ein Mischgewebe aus Seide und Wolle.
Along the crown I've added Vandyke whitework trim and a ruffle made of cotton organdy (I did not take flowers as in the fashion plate)
The brim also received a ruffle of organdy instead of more Vandyke lace.
The hat ribbon is old stock made of silk and wool weave.

Unter der Schleife verbergen sich Haken und Ösen, um das Hutband zu schließen.
Hidden behind the bow is a set of hooks and eyes to close the chin strap.

Die 'leckere' Rückansicht
The 'yummy' back view

Detailaufnahme der Paspeln von außen. 
Übrigens ist der Begriff 'Paspel' (oder piping oder passe-poil) um 1800 noch nicht gebräuchlich, oftmals wird für jegliche Bandverzierung die Bezeichnung Schnüre oder Schnure verwendet. Derzeit bin ich intensiv damit beschäftigt, den damals verwendeten Begriff zu entdecken, denn ab etwa 1810 war die 'Paspel' ständig auf dem Vormarsch.
Detail shot of the piping.
Actually the term 'piping' (German: Papsel or french passe-poil) wasn't in use around 1800, often most types of decoration are solely called ribbon (German: Schnure). I'm currently researching the proper period term, as this kind of embelishment steadily gained popularity from 1810s onwards.

Die Schwester von Miss Marotte möchte auch mal ;)
The sister of Miss Marotte wants to display, too ;)


Und zu guter Letzt' noch ein Blick auf das Innenleben. Nicht immer waren Hüte komplett bis in die Krone gefüttert, vor allem bei Strohhüten hat man gerne auf diesen zusätzlichen Aufwand verzichtet.
And last but not least the inside of the hat. Sometimes hats weren't lined at all, especially in straw hats the labour of lining was often skipped.


Alle bislang gefertigten Hüte sind übrigens in dieser Rubrik zu finden:
All hats I've assembled in the past years, are to be found here:

Kommentare:

  1. That is wonderfully silly, and delicious.

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    1. Thank you...and yes, it looks a bit like a cake!

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  2. Eine tolle Konstruktion, diese Hutkrone gefällt mir sehr gut! Und das Hutband passt farblich perfekt zum Satin. Gut gemacht!

    Liebe Grüße
    Emily

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    1. Lieben Dank! Ja erstaunlich, wie sich Materialien finden, die jahrelang im Vorrat geschlummert haben ;)

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  3. ...und wieder so ein schickes Teil! Die Schwester von Miss M. trägt die schlichte Eleganz hervorragend zur Schau, ein hinreißendes Gesamtkunstwerk :-) LG Hannah

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    1. Herzlichen Dank :) Ein sehr frühlingshafter Hut!

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  4. What an unusual shape, Sabine. You've expertly created its unusual form and creatively solved the insertion of the piping between each piece! It's lovely!

    Best,
    Quinn

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    1. Thanks a lot...it was fun figuring out this shape, but I think I should have worked it that it embraces the head more, I worked accordingly the side views of the other hats, where the hat sits up on the head more.
      Maybe next time...

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  5. Dieser zauberhafte Hut
    steht der Schwester aber gut!
    Auch die Miss braucht nun noch einen,
    fängt sonst bitter an zu weinen...

    Grüßle Constanze

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    1. Vielen lieben Dank für die wundervolle Strophe. Ich hoffe, das steigt Miss Marottes Schwester nicht zu Kopf ;)

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    2. Weint sie so noch?
      Weint sie so doch?
      Och ja!
      Ihre Strophe ist es echt
      Im Papierkopf versteckt!

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  6. Was ich alles tolles verpasse ind zwei Wochen!! Der Hut ist unglaublich! Manchmal denke ich du hast das Hutmachen gelernt! Ich wüßte gleich gar nicht wie ich anfangen sollte! Das ist wirklich ein ausgesprochen schönes Modell!!

    Liebe Grüße, Kerstin

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  7. Liebe Sabine,
    Wennst Du eine Osternkueche zu haben, verwendst Du gluecklicherweise so ein perfectes Muster...das vom diesen leckeren flauschigen Zuckergussigen Hut!

    :} :}

    Love that hat,

    Natalie

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