Freitag, 8. März 2019

Rettung der Rechte des Weibes

Ein Blick auf den Kalender verrät's! 
Am heutigen Internationalen Frauentag möchte ich an Mary Wollstonecraft und ihre Geschlechtsgenossinnen in den 1790ern erinnern. Mit ihrer mutigen Schrift sprach sie (neben weiteren klugen Frauen in Europa) öffentlich eine neue Idee an, deren Umsetzung noch mehr als ein Jahrhundert und unendlich viel Mut und unglaubliche Beharrlichkeit benötigte. 
Ihr Buch und ihre Biographie sind auch heute noch empfehlenswert und inspirierend.
A peek into the calendar reveals it!
I'd like to remember Mary Wollstonecraft and her contemporaries in the 1790s on today's International Women's Day. With her brave approach (and that of several more European women) she publicly addressed society with a new idea, which took more than a century to be finally realized, and which meant an incredible amount of dedication and determination.
Her book and her biography haven't lost their spark and are well worth a read toady.
1797 John Opie, Mary Wollstonecraft (1759 - 1797) (Quelle/source: wikipedia)
 Unter dem, in der Überschrift erwähnten, Titel veröffentlichte Christian Gotthilf Salzmann bereits im Jahr 1793 die deutsche Übersetzung von Mary Wollstonecrafts revolutionärem Buch "A vindication of the rights of women" (1792) im Verlag der Erziehungsanstalt Schnepfenthal.
In 1793 Christian Gotthilf Salzmann translated and published the famous and revolutionary title"A vindication of the rights of women" (1792) by Mary Wollstonecraft in his publishing house Erziehungsanstalt Schnepfenthal.
1793, Mary Wollstonecraft, Rettung der Rechte des Weibes. Verlag Schnepfenthal, Christian Gotthilf Salzmann (Quelle/source: googlebooks)

Für Mary Wollstonecraft bedeutete Gleichberechtigung die Grundlage für ein erfülltes Miteinander.
Wie modern und allumfassend ihre Idee war, zeigt sich am Frontispiz ihres vorherigen Werkes, einem Kinderbuch aus dem Jahr 1788, das unter dem Namen "Original Stories from Real Life" veröffentlich wurde.
Danke an meine wundervolle Freundin Mme Reeves von Pavillon de la Paix, die mich auf diesen schönen Kupfer aufmerksam gemacht hat. Ein echtes Bonbon der Inspiration für jeden Morgen und ein großartiger Start in den Tag!
For Mary Wollstonecraft the call for equal rights meant the foundation for a peaceful cooperation in society. How modern and all-embracing her idea was, is beautifully shown in the following frontispice of her earlier publication, a children's book called "Original Stories from Real Life" (1788).
Thank you to my dear friend Mme Reeves of Pavillon de la Paix for sharing this amazing print with me. It's inspiration candy for each new morning and a great reminder for every day!
1791, Frontispiz Original Stories from Real Life, Mary Wollstonecraft (Quelle/source: wikimedia)

Donnerstag, 21. Februar 2019

Cul postiche - Cul de Paris - Polster - Aufgestecksel

Doch, doch - auch ich habe es ins neue Jahr geschafft und Kleidung um 1800 ist keinesfalls dem grassierenden Blogsterben anheim gefallen.
Ich habe die ersten Wochen des Jahres in meinem Lesefauteuil verbracht, nachdem ich mich von einigen sozialen Netzwerken verabschiedet hatte. Erstaunlich, wie viel Zeit, Muße und Ruhe einkehrt und wie rasch sich der berühmte Wanderbücherstapel, der einem mahnend durch das Haus folgt und dabei beständig an Größe gewinnt, schmaler und schmaler wird.
Meine winterliche Lektüre hat mich auf unverwechselbare Weise in eine lebendige Vergangenheit geführt und auch meinen Blick für die Zukunft ein wenig geschärft.
Well, well - I also made it into the new year and Kleidung um 1800 has not fallen into the rampant dying of blogs.
I've spent the first few weeks in my favourite reading fauteuil, after I've said goodbye to a few social networks. Amazing, how much time, idleness and silence I've suddenly had on my hands and how quickly the ever growing pile of books, which used to follow me through the house urging me to read, now became smaller and smaller.
My winter reads have brought me back into a vivid past and have sharpened my senses for the future.
Von oben nach unten: Peter Neumann, Jena 1800, Die Republik der freien Geister; Mary Wollstonecraft, Verteidigung der Rechte der Frauen; Sigrid Damm, Sommerregen der Liebe; Iris Bubenik-Bauer, Ute Schalz-Laurenze, "...ihr werten Frauenzimmer auf!" Frauen in der Aufklärung
 Und wo trafen sich Vergangenheit und Zukunft? Das Studium der Bücher bestärkte mich, einen Schritt in die Mode der frühen 1790er zu wagen und zwar auf eine damals übliche und heute neu entdeckte, nachhaltige Art und Weise: indem ein altes Kleid säuberlich aufgetrennt wurde, um einem anderen Modegschmack zu dienen.
And where did past and future met? The study of the books eventually led me to take a few steps back into the early 1790s and the sustainabilty then echoed into today, I decided to completely take apart an old dress, to adjust it to a different fashion sense.
Es hat in etwa zwei Stunden Zeit gekostet, die alten Nähte aufzutrennen. Durch eine Wäsche verschwinden all die unzähligen kleinen Löcher, welche die Nadel in den Stoff gewirkt hat.
Den Rock des Ensembles, konnte ich wiederverwenden, er wird dem Geschmack der Zeit entsprechend umgewandelt.
Aber zuvor fehlt natürlich eine entscheidende Mode(thorheit), die sich im Laufe der 1790er zunächst in ihrem Nutzen und ihrer Bedeutung zuzammenschrumpfte, um nach 1800 allmählich zu verschwinden.
It took almost two hours to rip off the old seams. The fabric went into the laundry, where all the tiny needle holes dissapeared.
I could reuse the skirt of the old dress, it will be adorned according to the new fashion.
But before that step, I needed to put together a fashion fad, which gradually went out of fashion during the later 1790s and finally dissapeared after 1800.
1788, Georg Adam Keyser, Terminologietechnisches Wörterbuch (Quelle/source: googlebooks)
 Transkription:
Cul de Paris oder Cul postiche, Art neuer Kleidermode des Frauenzimmers, Art Küssen (Kissen), Polster, Aufgestecksel hinten an und unter den Weiberröcken. (eine seltsame und pöbelhafte Benennung!)
Translation:
Cul de Paris or Cul postiche, new fashionable accessoire for ladies, a kind of cushion, pad or "put on" at the back and under women's skirts. (a peculiar and plebeian term!)

Auch in den kommenden Jahren bis etwa 1795 findet dieses Accessoire noch den Weg in die deutschen Modejournale, während Le Brun im Journal de la Mode et du Gout - so unterrichtete mich Monsieur Heurteloup freundlicherweise - schon Ende der 1780er/ zu Beginn der 1790er lieber den reichlichen Gebrauch von Unterröcken empfiehlt, statt des Aufgestecksels.
Well after 1788 and until around 1795 this accessoire was popular in the German fashion journals, while Le Brun in his publication Journal de la Mode et du Gout - I was kindly told by Monsieur Heurteloup -  already announced by the end of the 1780s/early 1790s that he favoured plenty of petticoats over the old fashioned pad.
In Bertuchs Journal des Luxus und der Moden schwört man weiterhin darauf, wie man in diesem Modekupfer No.19 aus dem Juli 1793 bildhaft erfährt.
Und da ich als Westfälin geradewegs zwischen den großen Modeströmen Paris und Weimar Zuhause bin, habe ich mich - Le Brun möge mir verzeihen - ein Kleid mit französischem Flair und weimarischer Treue zum cul postiche gewählt.
Auf der Suche nach dem unsichtbaren Gehilfen, stieß ich auf ein äußerst hübsches Exemplar auf der Seite Museot Finna:
In Bertuch's Journal des Luxus und der Moden the pad was still popular as this fashion print No.19 from July 1795 reveals.
And as I, as a Westphalian, dwell right between the influence of Paris and Weimar, I decided - Le Brun will hopefully forgive me - a dress in french style, but with Weimarian loyality to the cul postiche.
On my search for the invisible helper, I found this pretty example at the Museot Finna:
1790er, Naisten englantilaiskuosinen kaksiosainen puku sinistä silkkiä (ripsitaftia), Cul de Paris (Quelle/source: Museot Finna)
Überraschenderweise kommen hier auch abgesteppte Nähte, wie sie beim Möbelpolstern üblich sind, zum Einsatz, um das Füllmaterial und damit das Kissen entsprechend zu formen.
 Für mein Polster wählte ich drei Lagen Leinen, altes Nahtband und Schafswolle, sowie fein zerschnittene Lumpen.
Die Schafswolle ist ein Geschenk meiner lieben Freundin Natalie A Frolic through Time, die zwei Schafe auf einem Lebenshof unterstützt. Da diese, wie bei gezüchteten (und leider auch manchmal hochgezüchteten) Hausschafrassen (außer dem Soayschaf) üblich, geschoren werden müssen, erhält sie einmal im Jahr die Wolle.
Surprisingly we find the same seams, which are common in the upholstery, to give the cushion the exact shape.
I used three layers of linen, vintage ribbon and wool for stuffing, as well as old, finely cut rags. 
The wool is a present from my dear friend Natalie of A Frolic through Time, who supports two shep at a sanctuary. As these need to be sheared, like almost all breeds (except soay sheep), she got the wool and shared a bit with me.
Bei allen drei Lagen habe ich die Nahtzugabe großzügig nach innen geschlagen und zwei Lagen an der äußeren Naht mit Heftstichen verbunden. Der Rand wurde gestopft und von Hand, nach frei gezeichnetem Muster, durch beide Lagen abgesteppt. Dieser Prozess wiederholt sich wie beim Original, ehe auch der schmale Rand mit Heftstichen vernäht wird.
Die dritte Stofflage wird schließlich mit einem Kantenstich angenäht und mit Lumpen befüllt, so erhält das Polster seine leicht stufige Form.
I turned the seam allowance on all the layers to the left side and attached two layers on the outer edge with basting stitches. The edge was stuffed and then the pattern was stitched through both layers. This process was repeated following the original pattern, until the inner edge was closed.
The third layer is finally added with stitches along the edge and then stuffed with rags.
Der Stich entlang der Kante ist vergleichbar mit dem des finnischen Originals.
The stitches are similar to those used on the original.
Im folgenden sind die Maße des Polsters aufgeführt:
The measurements of the cushion are added:
Das Ergebnis der Polsterarbeit. Das Aufgestecksel wiegt etwa 200 gr.
The result. The "put on" weighs around 200 gr.
In den kommenden Wochen führe ich die Arbeit an dem neuen 1793er Ensemble fort und hoffe, dass es pünktlich zu Lenzens Einzug das Nähzimmer verlassen kann.
Bis dahin ist viel zu tun...und zu lesen!
Und um die Wartezeit für meine Leser zu verkürzen, möchte ich noch auf einen interessanten Beitrag aus dem Jahr 2011 über die cul de Paris auf dem Blog Demode unter dem Namen "Late 18th century skirt supports" (leider nur in Englisch) hinweisen - unbedingt mal reinschauen, bitte!
In the upcoming weeks I proceed with the new 1793 ensemble and I hope to finish it in time for spring.
There's much to do until then...and much to read!
Maybe my readers are interested in an interesting article from 2011 about the cul de Paris from the blog Demode called "Late 18th century skirt supports" - it's well worth a read!

Montag, 17. Dezember 2018

Fundstück Dezember - oder: Kleinstädtischer Jahresausklang...

(This post is unfortunately only available in German, as it is a recommendation for a German book with links to German websites)
Und wieder neigt sich das Jahr entschlossenen Schrittes seinem Ausklang.
Dem folgt in unserem Hause der Geist der Besinnlichkeit und des Müßiggangs. Während es vor dem Fenster allmählich kälter und frostig wird, ist die Werkstatt bereits ausgekehrt und in winterlicher Ruhe und in den Stuben stapeln sich Dramen und Komödien - selbstverständlich als Bücher!
Gibt es etwas Herrlicheres als sich in den letzten Tagen des Jahres mit Literarischem zu nähren?
Gemütlich bei einer Tasse Thee oder Kaffee, ein Tellerchen mit Lebkuchen, mit einer Katze zusammen hinter dem Fenster im Lieblingsfauteuil...
Hah! Da spielte mir am vergangenen Wochenende doch wirklich der Zufall in die Hände. Denn beim letzten Antikmarkt des Jahres entdeckte ich in der letzten Reihe meines Rundgangs ein wunderbares kleines Büchlein beim Antiquar.
Ein etwas stockfleckiger, aber dennoch gut erhaltener Kleinoktav mit 174 Seiten und einem schlichten Marmorblatt als Einband...Jahrgang 1803...das Licht der Welt erblickt im Hause Paul Gotthelf Kummer in Leipzig

Nun muß ich vorausschicken, dass mich der unerwartete Fund auch deshalb juchzen ließ, weil wir seit einigen Jahren bei unseren Aufenthalten in Weimar in Nachbarschaft des Hauses Kotzebue residieren und die Hauptdarstellerin in "Die deutschen Kleinstädter" den Namen Sabine trägt.
 Aber der Reihe nach! 
Also, August Friedrich Ferdinand von Kotzebue (geb. 03.Mai 1761 in Weimar und ermordet 23.März 1819 in Mannheim), ein umtriebiger und äußerst streitbarer Geist, brachte sein Lustspiel in vier Akten "Die deutschen Kleinstädter" am 22.März 1802 im Wiener Burgtheater - und nicht etwa in Weimar - zur Uraufführung. 
Ihm widerstrebten die Frühromantiker um die Gebrüder Schlegel...und Goethe, der sein Stück umschreiben wollte, um es auf die Weimarer Bühnenbretter zu bringen. 
Das endete wie erwartet in einem Zerwürfnis und Kotzebue verließ Weimar.
August Friedrich Ferdinand von Kotzebue, J.C.Heinsius, Landesbibliothek Weimar (Quelle: wikimedia)
Im folgenden Jahr erschien sein Werk nicht nur in gedruckter Form im Verlag Paul Gotthelf Kummer in Leipzig, sondern Goethe ließ es nach der Freigabe durch den Druck doch noch abgeändert in Weimar aufführen, allerdings findet sich dazu keinerlei Ankündigung im Journal des Luxus und der Moden.
Eine gute Zusamenfassung seines Lustspiels, welches die Amts-und Titelsucht und menschliche Schwächen humorvoll verspottet, findet sich auf den Seiten von TourLiteratur.
Und vielleicht mag sich der ein oder andere mit dieser Empfehlung (übrigens auch als Reclamheftchen erhältlich!) die kommenden Tage vertreiben...oder mit einer Biographie über den Schriftsteller...oder weiterer spannender Literatur der Zeit...oder Sekundärliteratur über die Zeit um 1800...einfach abtauchen und genießen!
Kaffee und Thee nicht vergessen!

Ich wünsche jedenfalls frohe Feiertage, einen entspannten Jahresausklang und alles Gute, Glück und Gesundheit für das kommende Jahr...und da ist dann auch wieder emsiger Betrieb in der Werkstatt - versprochen!

I wish my readers happy holidays, cosy and relaxed days as the calendar gets thinner, and best wishes, good luck and health for the new year...and then I'll be back in the workshop - promised!

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Schuhmoden in Weimar und Westphalen

Ja, wo fang ich denn mal an mit dem Beitrag?
Zunächst vielleicht mit der - wohl eher wenig verwunderlichen - Mitteilung, dass St.Crispinius Geist noch immer durch unser Haus weht und es ihm offensichtlich derart behaglich erscheint, dass er beschlossen hat meine kleine Werkstatt für längere Zeit zu beehren.
Also gibt es am heutigen St. Nikolaustag zwar keine Stiefel, aber mit neuen Schuhen kann ich dienen.
Im letzten Jahr an dem Jubeltag eines weiteren Heiligen, nämlich St.Valentin, erhielt ich ein Paar wunderschöne Schuhschnallen, die sich mir nach der Fertigstellung der ledernen Felgenhauer Schuhe, augenblicklich in Erinnerung riefen.
Glücklicherweise trug man in den 1790er Jahren noch ab und an die lange in Mode gewesenen Schnallenschuhe, wenngleich sich der Stil ein wenig angepasst hatte.
In Bertuchs Journal des Luxus und der Moden wird 1789 der sinkende Stern der Schnallenschuhe erläutert, ebenso im Journal de la Mode et du Gout vom Juni 1790. Monsieur Heurteloup, der derzeit mit diesem Journal für ein neues Kleidungsstück arbeitet, hat sich darüber freundlicherweise mit mir ausgetauscht.
Well, where do I start with this blogpost?
Maybe first I should let you know that St.Crispin's spirit probably is quite fond of our house and now dwells in the nooks and crannies of my workshop.
Hence this year I won't fill any boots on St.Nikolaus Day, but probably come up with shoes.
Last year on another saints day, namely St.Valentin, I received the gift of a pair of gorgeous shoe buckles, which came to my mind again after finishing the Felgenhauer shoes. 
Luckily these were still worn in the 1790s, although the shape slightly changed.
Bertuch's Journal des Luxus und der Moden keeps us informed in 1789 about the fall of shoe buckles and shoes with latchets. A fact that is also stated in the Journal de la Mode et du Gout from Juni 1790. Monsieur Heurteloup, who is currently working with the Journal, has kindly shared a text passage about it with me.
1790, Journal de la Mode et du Gout (Quelle/source: Bunka Gakuen)
Die Schnallenschuhe verabschiedeten sich seit den 1780er schleichend aus der Mode, denn mit den schweren Schnallen galten sie als unbequem, wie uns das Journal blumig beschreibt.
Lediglich farbenfrohe Schnallenschuhe fanden noch an die Füße der eher jungen Damen...und im westfälischen Sauerland hielten sich bekanntermaßen die Moden auch ein wenig länger. 
Vor meinem geistigen Auge sah ich schwarze Schnallenschuhe, die über das heimatliche Pflaster knirschten.
Ich liebäugelte also mit einem Modell, dass bereits die neue spitze Form der 1790er aufwies, aber dennoch meine Schuhschnallen zur Geltung bringen würde.
Shoes with latchets gradually took their leave from fashion since the 1780s, because the heavy buckles suddenly were seen as uncomfortable, which is described in both journals mentioned above.
Only colourful shoes with latchets were still found on the feet of young ladies...and most probably they also remained in fashion in the westphalian Sauerland, where fashions generally were slower.
I already imagined black shoes, which walk over the cobbled sauerlandian streets. 
I've chosen a pair, which already had the very pointy 1790s shape, yet could be still adorned with my shoe buckles.
1780-1800 Black English Satin Shoes (Quelle/source: Manchester Art Gallery)
Und endlich würde der etwas in die Jahre gekommene Kummerbund aus schwarzem Satin, den mir meine Freundin Natalie von A Frolic through Time schon vor einigen Jahren zugesandt hatte, zum Einsatz kommen. Damals ahnten wir sicherlich nicht, dass der Stoff ausgerechnet in Schuhen enden würde!
Zunächst galt es auf dem Leisten ein Schnittmuster für die Schuhe zu entwickeln, mit einer Pappsohle, weißer Baumwolle und etwas Malerkrepp.
And finally the vinatge sash made from black satin, which was kindly given to me by my dear friend Natalie from A Frolic through Time, has had it's purpose found. I guess we both haven't imagined it to be turned into shoes!
First I needed to come up with a pattern on the last, with a cardboard sole, cotton and tape.
Wie man unschwer erkennen kann, steht es meinem Schusterjungen Oskar ins Gesicht geschrieben: "Nicht Dein Ernst?"
Aber das mumienhaft anmutende Probestück verfehlte nicht seine Wirkung und schon bald ging es an das Nähen des Schuhblatts der westphälischen Schuhe.
You cannot fail to notice the frown on my apprentice Oskar's face, saying:
"Seriously?"
But the mummified-like mockup was helpful and it resulted in sewing the uppers.
Voila! Quartier und Vorderblatt aus Satin mit Leinen, der - wie historisch erwähnt - mit Stärkekleber aufgeleimt wurde. Das Einfassband besteht aus feinem baumwollenen Band in Leinwandbindung, das mit Eisengallustinte eingefärbt wurde. Das Münsterische gemeinnützliche Wochenblatt erklärt in seiner Ausgabe von 1793 die verschiedenen Beizen, die Verwendung fanden, u.a. auch simpel angesetzte Eisenbrühen für die schwarze Farbe.
Voila! The front and back made of satin and linen, which is - historically authentic - glued together. The ribbon is made of cotton in plain weave, dyed with iron gall ink or oak gall ink. The Münsterische gemeinnützliche Wochenblatt 
explains in it's 1793 issue different mordants, which were used, like a quick and easy iron gall mordant.
Das vernähte Schuhblatt ist bereit um auf den Leisten und die Sohle gezogen zu werden.
The assembeled upprs, ready to be attached to the sole.
Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden und nach der Trocknung, konnte ich einen ersten Eindruck darüber gewinnen, ob der Absatz zum Schuh passt.
I was contend with the result and after it dried, I could decide whether the heel would match the shoe.
Passt!
Fits!

Und wie immer bei Schuhpaaren, folgte das andere Stück. Beide sind auf dem gleichen Leisten gefertigt, aber durch das Tragen erhalten sie bald ihre Prägung.
And as it is usually the case, a second shoe follows the first. Both are sewn on the same last, due to wearing each gets it's unique shape.
Diesmal hatte ich die hintere Naht kurviger zugeschnitten, was dem Tragekomfort sehr zuträglich ist.
Sie passen perfekt.
This time I've cut and sewn the back seam more curved, which was helpful for the comfort of wearing them.
They do have a perfect fit.
Durch das Aufleimen haben die Laschen mehr Stabilität bekommen, sodass die Schnallen den feinen Satin später nicht einreissen lassen.
Due to the glue the latchets are more sturdy, thus the buckles' pikes do not fray the delicate fabric.
Im Gegensatz zu den Felgenhauerschuhen aus Dresden kommen die Schuhe aus der westphälischen Provinz ohne Schuhmacherlabel aus, stattdessen sind sie mit "links" und "rechts" versehen.
In contrary to the Felgenhauer shoes from Dresden, the shoes from the westphalian countryside do not come up with shoe labels, instead they are marked with "left" and "right".
Die hochwertige Kunstledersohle, die Ledersohlen nachempfunden ist.
The high quality faux leather sole, which mimics real leather.
Mit diesen Schuhen kann man das heimischen Pflaster unsicher machen, aber auch in Weimar müssen sie sich nicht verstecken!
These shoes are not only suitable for the Sauerlandian streets, but would also make a great appearance in Weimar!
Bereit für die Schuhschnallen!
Ready for the shoe buckles!
Endlich haben die Schnallen einen neuen Platz zum Glänzen gefunden!
Finally the beautiful shoe buckles have a spot to shine!
Da im Journal de la Mode et du Gout auch noch farbenfrohe Paare für die jungen Frauenzimmer erwähnt wurden, setzte ich das Schnittmuster gleich noch in einem Kontrastprogramm um und fertigte ein Paar aus der Weimarer Schuhmacherwerkstatt Schönkett & Frau.
Und welche Farben könnten fröhlicher und jugendlicher sein als Froschgrün und Pink?!
As the Journal de la Mode et du Gout also mentioned colourful shoes for young ladies, I did a second pair from the same pattern as it would be done in the Shoeworkshop of Schönkett & Frau in Weimar.
And what colours could be more colourful and youthful than kermit green and pink?!
Die Laschen wurden in pinker Seide ausgeführt, eingefasst sind sie mit rosafarbenem Ripsband.
The latchets are made from pink silk, bound in rose-coloured ribbon.
Die fertigen Schuhblätter aus faconierter Seide und aufgeleimtem Leinen
The shoes' uppers from figured silk and linen
Der erste Versuch für die Absatzfarbe gelang leider etwas zu Pink, also folgte noch eine zweite Schicht, um den Farbton des Einfassbandes zu treffen.
The first attempt on pink heels was a tad too pink, I added a second layer in rose, which matches the ribbon much better.
Das Ergebnis waren modische Schuhe, die keine junge Dame unter ihren langen Röcken verstecken mußte.
The result was a pair of fashionable shoes, which no lady should hide under her skirts.
Die Quartiere sind minimal höher geschnitten. Die Absätze dafür schmaler.
The back is slightly higher. The heels are cut much smaller.
Und hier darf das Schuhlabel nicht fehlen!
Of course the shoe label should not miss!

Jetzt wird es aber Zeit für die Schuhschnallen!
Now it's time again for the buckles!
Auch hier legen sie einen glänzenden Auftritt hin!
A magnificent appearance!
Für mich war es sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich der gleiche Schnitt des Schublatts ausgeführt werden kann. 
Andere Stoffe, Farben und andere Absätze und man erhält zwei sehr unterschiedliche Paar Schuhe.
It was interesting to see how the same pattern could result in two different pairs of shoes
with just fabrics, heels and colours. 
Da ich nicht mehr zur jugendlichen Zielgruppe gehöre, schlägt mein Herz ein wenig höher für die schwarzen westphälischen Schuhe, aber die grünen Schuhe unter einem weißen Kleid sind schon ein waherer Hingucker!
As I'm actually not counting myself to the young ladies anymore, I prefer the black westphalian shoes, but I have to admit that the green shoes, peeking out from under a skirt, are real eyecandy!
Glücklicherweise muß ich mich nicht entscheiden, sondern kann mir sozusagen beide leisten.
Lucky me, I do not need to choose between them, but can wear both ;)
Und wie läuft es sich darin eigentlich?
Üblicherweise verbringe ich den größten Teil des Tages barfuss oder zumindest bestrumpft, daher waren selbst diese kleinen Absätze mal etwas neues für mich. Man läuft sich sehr schnell ein und ich bin schon gespannt wie sich die Schuhe künftig auf dem Weimarer Pflaster schlagen.
Ich werde sicherlich ausführlich darüber berichten.
Und nun geht es vorerst zurück in die Werkstatt, denn da wartet ein sehr modisches Paar der 1790er ganz ohne Schnallen aus dem Journal des Luxus und der Moden darauf wiederentdeckt zu werden.
And how do they feel on the foot?
Usually I spend most of the day barefoot or in socks, therefore these heels were something new to me. Gladly it's something to get used to quickly and I'm curious on learning how they'll work on the Weimarian cobblestone and gravelled roads.
I will certainly let you know.
And now it's back to the workshop for me, there's a 1790s highly fashionable pair of shoes waiting to be discovered again.