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Dienstag, 3. Mai 2016

1802, Costume Parisien "Witterhorn Hut"

Manche Ideen zu einer Nacharbeitung eines Modekupfers begleiten mich eine lange Zeit und reifen, ehe sie dann tatsächlich umgesetzt werden.
Ein solcher Kupfer ist der Costume Parisien 405 "Chapeau de Paille a font Satin" aus dem Jahre 1802. Obgleich ich schon seit langer Zeit ein vergleichbares Kleid in meiner Garderobe habe, ließ der passende Hut auf sich warten.
Some ideas for a recreation of a certain fashion plate linger for a long time and develope, until I finally realize them.
Such a fashion plate is Costume Parisien 405 "Chapeau de Paille a font Satin" of the year 1802. While I have a similar dress in my wardrobe for quite a while, the matching hat took it's time.
1802, Costume Parisien (405) Chapeau de paille a font Satin. Fichu-Gimpe (Quelle/source: Sceneinthepast)
Bei den frühen Ausgaben des Journal des Dames et des Modes waren fast immer Begleittexte zu den Modekupfern vorhanden, also begab ich mich auf die Suche, aber leider fehlte die Ausgabe sowohl in der Sammlung Bunka Gakuen als auch bei bnf Gallica.
Glücklicherweise waren die Modejournalisten im Jahr 1802 emsig und so fand die neue Mode (und der Kupfer) Erwähnung im Journal des Luxus und der Moden im September 1802.
Der Text der Modennachrichten bezieht sich auf den oben abgebildeten Modekupfer aus Paris, den 21sten Thermidor oder 9.August 1802.
The early issues of the Journal des Dames et des Modes usually come with accompanying texts to the fashion plates, hence I searched for it, but unfortunately it was missing in the collection Bunka Gakuen as well as bnf Gallica.
Luckily the fashion journalists of the year 1802 have been known to be busy as well as smart, so it's no wonder that we find a mention of it in the Journal des Luxus und der Moden in September 1802.
The text of the Modenachrichten is linked to the fashion plate shown above from Paris, 21st Thermidor or 9th August 1802.

1802, September, Journal des Luxus und der Moden, Modennachrichten (Quelle/source: thulb Uni Jena)
Transkription:
Tulle wird noch sehr häufig um Hüthe und zu Garnituren an den Kleidern getragen. Aber die allgemein herrschende Mode sind seit 3 Wochen die schwarzen Bast-und Strohhüte, wovon die elegantesten sich wie ein Witterhorn (Anmerkung: Widderhorn und nicht etwa das Berner Wetterhorn) gefurcht in die Höhe drehen. Sie werden häufig mit Jonquille und Pistaziengrünen Bändern garniert oder auch mit einem rothen Tuche unter dem Kinn aufgebunden. Viele sind hinten von einem Ohre zum anderen ganz ausgeschnitten, so dass man den Nacken völlig sehen kann.
Translation:
Tulle is still worn on hats and as decoration for dresses. But the common fashion in the last three weeks is ruled by black bast or strawhats, of which the most elegant point upwards like a ram's horn. They are most often embellished with jonquilla yellow or pistacho green ribbons or are closed with a red kerchief under the chin. Many are cut in the back from one ear to the other, so that the neck is entirely exposed.

Obschon im Modekupfer und im Text des Journals von einem Strohhut die Rede ist, entschied ich mich dagegen, denn meine Fertigkeit in Sachen Stroh ist noch nicht so weit fortgeschritten, als dass ich mir die Konstruktion zugetraut hätte. Zudem ist es recht müßig gefärbtes Stroh zu finden und es selber Einzufärben ist schwieriger als man denkt, denn das Stroh ist von einer natürlichen Wachsschicht umgeben, ein Umstand, der einen umständlichen Färbeprozess vorraussetzt.
Ich entschied mich also für ein Gerüst aus Steifleinen und Draht.
While the fashion plate and the text mention that it is a straw hat, I decided against using straw, because my skills are not that advanced, that I would have mastered this construction. It's also difficult to find black straw braids and dying straw at home is challenging, because the straw has a waxed surface and knowledge about dying is essential.
I rather went for buckram and hat wire.

Die Krone ist eine halbe Röhre mit Deckel, um diesen herum wird die Krempe gearbeitet. Zunächst hatte ich den Aufbau mit einem Papiermodell erarbeitet.
The crown is a half pipe with a half circle, the brim is build around it in one piece. First I did up the construction with paper, then I transferred it to the buckram.

Entlang der Ränder ist Hutdraht angenäht (dafür habe ich auf die Maschine zurückgegriffen)
Along the edges I used hatwire (which is attached with the machine)

Das Innere des Hutes. Das Hutgerüst wird mit zugeschittenem Flanell belegt, der von Hand am Steifleinen festgenäht wird. Danach ist er bereit zum Beziehen.
The inside of the hat. The base is then covered with flannel, which is stitched on the buckram by hand. Then it is covered with the actual fabric.

Der Hut wurde mit dunkelblauem Baumwollstoff bezogen, dazu fertigte ich Hutband aus gelbem Baumwollsatin. Statt des etwas grellen Jonquillagelb, wählte ich ein Schlüsselblumengelb.
The hat was covered with dark blue cotton, it is taped with sateen. Instead of the bright jonquilla yellow I went for primrose.

Zunächst überlegte ich, ob es sich bei dem Hut um eine zweiteilige Anfertigung (Hut & Haube) handelte. Nachdem ich nur den Hut fertiggestellt hatte, probierte ich ihn aus, aber selbst mit Hutband und Hutnadeln ließ er sich nicht in die gewünschte hohe Form bringen. Also trägt die Dame auf dem Kupfer keine separate Haube, sondern ein rechteckiges Stück Tuch, welches durch Tunnel zu einer halben Haube gefertigt und eingenäht wird. Ist dieses geschehen, dreht sich der Hut von allein zu einem Widderhorn in die Höhe (ohne Hutband und Hutnadel).
I primarily wondered whether the hat was made of two pieces (hat and cap). After assembling just the hat part, I tried it on, only to find out that it would not sit in place, neither with hatbands nor pins. Ergo the lady in the fashion plate does not wear two separate pieces, but a rectangular piece of fabric, which is made to a half circle cap with the help of sewn in tunnels. Once this is done and sewn in, the hat points up into the air like a ram's horn (without the aid of band or pins).

Wenn er nicht getragen wird, liegt er sehr flach.
While not worn, it lies quite flat.

Die eingenähte halbe Haube. Die oberen vier Kanäle sind nach innen genäht und mit Rohrersatz (Kunststoff) gefüllt, während die unteren beiden Kanäle mit Baumwollband verzurrt werden.
The sewn in half cap. The upper four channels are sewn to the inside and filled with plastic reed substitute, while the lower two tunnels are stringed with cotton.

Sobald der Hut aufgesetzt wird, verändert sich die Form von flach zu rund.
As soon as the hat is put on, the shape changes from flat to round.

Der fertige Hut erfüllt den Anspruch des Widderhorns. (Auch wenn die Marotte noch ein wenig fragend guckt)
The finished hat fulfills the requirement of a ram's horn. (Even though the marotte is still sporting a frown)

Die Haube ist wie geschaffen für die Frisuren der Zeit im Jahr 1802.
The cap's shape is made for the hairdos of the year 1802.

Ein wunderbarer Anblick von allen Seiten.
A lovely sight from all sides.

Wie im Journal des Luxus und der Moden beschrieben, ist der Hut weit ausgschnitten und selbst mit Haube, erhält man einen Blick auf den Nacken.
Like described in the Journal des Luxus und der Moden, the hat is cut very high in the back and even with the cap there's still the neck exposed.

Bei dem seidenen Hutband handelt es sich um Vintageware, die perfekt zum Satin aus meinem Stoffschrank passt - ein Glücksgriff!
The silk hatband is vintage and matches perfectly to the sateen from my stash - happy moment!

Die Kanäle der Haube sind mit winzigen Vorstichen genäht.
The channels of the cap are sewn with tiny running stitches.

Da der erste Mai mit wunderschönem Wetter aufwartete, ging es gleich gut behütet in den Garten.
As the 1st of May promised lovely spring weather, I went into the garden for a stroll.


Die Azaleen blühen und duften! Der Lenz ist da!
The azaleas blossom and scent! Spring has sprung!

Und natürlich dürfen Goethes Lieblingsblumen nicht fehlen. Die Aurikel "Zimt" steht schon in Blüte.
And of course Goethe's favourite flowers shouldn't be missed out. The auricula "Cinnamon" in all it's glory.

Der Hut passt nicht nur in den Hochsommer, sondern ist auch im Frühling recht kleidsam...und auf dem besten Wege ein Lieblingsstück aus den Hutschachteln zu werden.
The hat does not only fit into the hot days of summer, but also looks appealing in spring...and is on it's best way to become a favourite from the hatboxes.

Montag, 1. September 2014

Joujou de Normandie (1791)

Den Monat September und den nahenden Herbst möchte ich spielerisch angehen.
Und was liegt bei dem buchstäblichen Auf und Ab des Sommerwetters näher, als eine genauere Betrachtung des Jojo oder wie es um 1791 bei seiner Einführung in Europa genannt wurde: Joujou.
Erstmals Erwähnung findet es im Weimarer Journal des Luxus und der Moden 
in einem kurzen Bericht über Mode Neuigkeiten aus England vom Oktober 1791, 
nebst Modekupfer einer joujou - begeisterten Dame.
I like to approach the September and the anticipating autumn quite playful.
What's more appropriate with this literally up and down of summer weather, than taking a close look on the yoyo or more likely by it's name when it was introduced in 1791 to Europe: joujou.
It's first mentioned in the weimarian Journal des Luxus und der Moden 
in a short report about the latest English fashion news of October 1791,
next to a fashion plate of a lady, quite fond of the joujou.
Oktober 1791 [Kupfertaf. 30]: Junge Pariser Dame in einer Parüre-Kleidung, von neuester Mode, mit einem Fächer à la Montmedy, und einem Joujou de Normandie.

Der Erfolg des "Spielzeugs" war derart überragend, 
dass sogar der Herausgeber F.J. Bertuch noch zwei weitere Berichte in den kommenden Monaten folgen ließ.
Besonders ausführlich widmet er sich dem Joujou de Normandie in der Ausgabe des 
Journals vom Januar 1792.
Hier wird nicht nur die Herkunft des Spielzeugs erläutert, sondern auch eine Anleitung zum Bau des selbigen gegeben.
Zunächst werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Joujous, das nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt, sondern auch Erwachsene zu begeistern weiß, indem es sich "...der großen Welt zum Zeitvertreibe des müßigen Augenblicks empfiehlt, sowohl auf der Toilette der Damen von Bon=ton, als auch sogar auf dem Schreibtische des Staats Geschäfts=mannes sich erobert..." (Quelle: Journal des Luxus und der Moden, Januar 1792)
The success of the "toy" was so phenomenal, that the publisher of the journal F.J.Bertuch did two follow ups in his magazine.
He himself wrote a detailed record of the joujou de Normandie in the January issue of 1792.
There he did not only paid attention to the origin of the toy, but also gave a tutorial how to assemble one.
First we'll have a look on the history of the joujou, 
which did not only win the children's hearts, 
but also inspired the adults by "...recommending itself to the world as a pastime for the idle moments, for the ladies of bon=ton as well as on the desks of the governments businessman..."

Laut F.J. Bertuch stammt das Spielzeug ursprünglich aus Ostindien (Bengalen), wo es unter dem Namen Bandelira zum Amüsement einer Prinzessin erfunden worden ist.
Zu Beginn des Jahres 1791 kam es von Indien nach England in die Hände des Prinzen von Wales, der es Lady Fitzherbert schenkte.
According to F.J. Bertuch the toy primarily was invented in East India, where it served a princess for entertainment. It was called bandelure.
Early in 1791 it came from India to England, right into the hands of the Prince of Wales, who gave it to Lady Fitzherbert.
1791 Satire print by James Gillray (?)
(Quelle/source: British Museum Collection)

Zu seiner Verbreitung in Deutschland weiß Bertuch zu berichten, 
"...Von London kam es vermutlich durch die Normandie zuerst nach Flandern in die Niederlande, und nach Holland, wo man seine Abkunft und rechten Namen nicht wusste und es also nach der Provinz woher es kam, Joujou de Normandie, nannte. Durch junge Engländer wurde es im vorigen Sommer (1791) an verschiedene Ort in Teutschland gebracht, und sonderlich zuerst in den Bädern, Spaa, Aachen, Pyrmont und Carlsbad bekannt." (Quelle: Journal des Luxus und der Moden, Januar 1792 )
Bertuch explained how it finally spread to Germany,
"...From London it probably came to Flandern and the Netherlands via the Normandy, where the term bandelure wasn't known, hence it was called joujou de Normandy. Young Englishmen brought it to different places in Germany past summer (1791), first to the baths in Spaa, Aachen, Pyrmont and Carlsbad."

 Louis Charles of France, Elisabeth Vigée Lebrun (?)
said to be painted in 1789, but more likely in 1791
(Quelle/source: The Athenaeum)

Gefertigt wurden das Spielzeug zumeist aus Holz, wobei Nußbaum und Mahagoni bevorzugte Hölzer waren. Die Joujous bestanden aber auch aus Silber oder Elfenbein (mit Gold garniert) und das der Mme Bouffon war gar mit Brillianten besetzt und kostete 2400 Livres.
Glücklicherweise hat uns Bertuch eine Kupfertafel und eine ausführliche Anleitung zum Bau des Spielzeugs hinterlassen.
The toy was made preferably of wood, walnut and mahogany were favoured most.
The joujous were also made of silver or ivory (adorned with gold) and that of Mme Bouffon was even embellished with diamonds and costed 2400 Livres.
Luckily Bertuch has left us an engraving and a thorough construction of the toy.
Januar 1792, Fig.1 und Fig.2 Joujou de Normandie

Das Joujou besteht aus zwei hölzernen Scheiben, die etwa 3 1/4 Pariser Zoll (1 Pariser Zoll = 2.7 Zentimter) im Durchmesser haben. Sie stehen eine Pariser Linie (= 0.23 Zentimeter) voneinander ab und werden an eine Achse mit einem Durchmeser von 1 Pariser Zoll angeschraubt.
The joujou is made of two wooden circles, which measure approx. 3 1/4 Parisian Inch (1 parisian inch = 1 inch) in diameter. They are set 1 Parisian Line (= 0.23 centimetre) apart and are fixed to an axis, which has a diametre of 1 inch.

Leider hatte ich keine passende Schlitzschraube zur Hand, aber da sie ohnehin nicht sichtbar ist, habe ich den kleinen Fauxpas in Kauf genommen.
Zum Einsatz kam ebenfalls Leim, um die gedrechselten Scheiben aufzuleimen.
Unfortunately I didn't have an authentic screw at hand, but as the screw remains invisible I accepted the fauxpas. I also used bone glue, to add the shaped pieces onto the ones with mahagony veneer.

Zunächst hatte ich den genauen Gewichtsausgleich beider Hälften, sowie die Pariser Linie nicht ausreichend beachtet. Die Verbindungsscheibe war in höherer Stärke zugesägt, was darin resultierte, dass das Joujou nur zu Boden fiel. Da ich das Holz nicht so dünn zusägen konnte, entschied ich mich für eine Metallscheibe von 0.25 Zentimeter Stärke.
First I did not paid too much attention to the exact same weight of both halves, and the measure of the Parisian line. The axis was bigger, which lead to a joujou, that just ploppd to the floor. As I couldn't get the wooden axis that thin, I decided on a metal axis of 0.25 centimetre.

Nach einigem Leimablösen und Fluchen war es dann aber soweit:
ein Joujou de Normandie in Buche und Mahagonifurnier.
After some scratching off glue and cursing, I eventually had it:
a joujou de Normandie made of beechwood and mahogany veneer.
Die Oberfläche wurde lediglich dünn gewachst
The surface has been waxed thinly

Ich war erpicht darauf Bertuchs beinah schon wissenschaftlicher Anleitung zum Spiel zu folgen, die mit folgenden mahnenden Worten endete:
"...ist der Spieler geschickt, so muß das hinausgelaufene Joujou zur Hand, die es wieder fasst und aufnimmt, zurückkommen; ist er ungeschickt, so bleibt das Joujou hängen und kommt nicht zurück."
I was eager to follow Bertuch's almost scientific tutorial to handle the toy, which ends in this reminder:
"...is the player skilled, the joujou will return back on the thread, to catch it with the hand; is the player clumsy, the joujou won't return back."

Und schon geht's los! 
Das Baumwollband des Joujou wird in einer Schlaufe um den Mittelfinger befestigt, um das Spielzeug elegant abzurollen...
And here we go!
The cotton thread of the joujou is fastened with a backstrap to the middlefinger, to elegantly scroll the toy downwards...
...es rollt herab...und klettert nur mäßig wieder hinauf, ehe es am Boden liegenbleibt. Plopp! Da hilft auch kein Zupfen am Baumwollband...
...it srolls down...but climbed only back up a tiny wee bit, until it fell to the ground. Plopp! Plucking at the cotton ribbon doesn't help either...
...hmpf! Lieber Friedrich Justin Bertuch, ich bin wohl das, was man ungeschickt nennt.
Aber bekanntlich macht Übung den Meister...nicht nur beim Joujouspielen, sondern auch beim Nähen.
In diesem Sinne!
...oh well! Dear Mr Bertuch, I suppose, I am what you called clumsy.
But as we all know practice makes perfect...not only at the joujou, but also with sewing.
In this spirit!

Mittwoch, 19. Februar 2014

1799 - 1802, Mme Gérard Dress 'Le petite Déjeuner du Chat' (...sans le chat)

Ab und an erscheint ein Kleid auf den ersten Blick recht mühelos, 
doch bei näherem Hinsehen entpuppt sich der flüchtige Eindruck schnell als Fehleinschätzung.
Gerade diese Kleidungsstücke führen mir vor Augen, dass ich noch unendlich viel zu lernen habe...und mir in diesen wenigen Jahren von 1795 - 1820 gewiss nicht so rasch langweilig wird.
(Das ist übrigens eine häufig gestellte Frage, "Nur eine einzige Epoche? Das muß doch irgendwann langweilig werden?" - Ich kann meine Leser beruhigen, die Frage verneine ich stets schmunzelnd)
hat mir mit ihrem wunderschönen Gemälde
"Le Petite Déjeuner du Chat", das unseren felinen Begleitern huldigt,
wieder mal ein solches Lehrstück beschert.
 Sometimes a dress seems to be quite facile on first glance,
but on close examination the first impression quickly reveals as false interpretation.
Exactly these garments show me how much there's still to learn...and that I'll probably won't be bored with this short period from 1795 - 1820 any time soon.
(By the way, that is the most frequently asked question, "Just one era? That surely will get boring pretty quickly?" - I allay my readers concern with shaking the head and a knowing smile)
has bestowed me with such a lecture with her beautiful painting
"Le petite Déjeuner du Chat", which renders hommage to our feline friends.

Viele Pfeile - viele Fragen!
Many arrows - many questions!

Zunächst zum Rockteil mit lediglich zwei Pfeilen!
Links erkennt man deutlich eine Naht, aber die über dem Knie?! Ein deutlicher Hinweis, dass der Rock aus vier Bahnen besteht, wovon eine Naht vorn unter den Falten sitzt.
Stoffe wurden oftmals auf kleinen Rahmen gewebt und hatten eine geringere Breite als heutige Meterware.
First to the skirt with just two arrows!
On the left we see a seam line, but what about the one across her knee?! An evidence, that the skirt was made out of four pieces of fabric, and one seam was right there at the front, hidden in the pleats at the waistline.
Fabrics were often spun on smaller frames than today's yardage.

Und dann das Oberteil! 
Seitlich ist keinerlei Hinweis zu erkennen, dass es sich um ein Frontklappenkleid handeln könnte, also wurde es vorn geöffnet, aber wie?!
Ich konnte am Ausschnitt keinerlei Hinweis entdecken...schließlich suchte ich mir Hilfe bei Originalen und Modekupfern der Zeit.
And then the bodice!
At the side are no hints for a side closing like in the bib dresses, hence it was closed at the front, but how?!
At the front piece is no evidence for a closure, the edge runs very smooth...finally I searched for help from original dresses and fashion plate.

1802, Costume Parisien (Quelle/source: via pinterest)

Eine erster Hinweis, wie die Kleider zur Zeit der Jahrhundertwende geschlossen wurden, aber für Mme Gérards Kleid erweist sich der Faltenwurf als zu üppig.
A first hint how the sleeveless dresses at the turn of the century were closed, but for
Mme Gérard's dress the front closing proofed to have too many pleats.

1795 - 1805, Musselinkleid mit Goldstickerei
Muslin Dress with gold embroidery Invent: CE000566A

Die Öffnung ist kaum sichtbar, weil sie auf Stoß gearbeitet wurde.
The opening is hardly visible as it wasn't overlapping or ruffled.
Aber es sind ja durchaus noch ein paar mahnende Pfeile übrig!
Diese beziehen sich auf die Nähte am Rücken bzw der Seite. Dort ist ein kleiner Versatz zwischen der Rocknaht und der Seitennaht des Oberteils zu erkennen.
But there are still some arrows left!
Those show to the seams at the back. There's a small displacment between the skirt seam and the side seam of the bodice.


Und da wir nun bei der Konstruktion des Kleidungsstückes angekommen sind, gleich noch ein paar weitere Einblicke.
And as we're finally take a look at the construction of the actual dress, here are some more peeks.

Die Vorderseite von Oberteil, Taillienlinie und Rock
The front of the bodice, waistline and skirt

Die Innenseite des Oberteils, das mit Baumwolle gefüttert ist. Die Naht zwischen Oberteil und Rock bleibt unversäubert.
The inside of the bodice, which is lined with cotton. The seam between the bodice and skirt remains with raw edges.

Blick auf die Innenseite des Rückenteils mit einem eingnähten Kanal für ein regulierendes Band, der Mittelnaht und einer Verstärkung am Ausschnitt, um ein Einreissen des Stoffes zu verhindern.
A view of the insdie of the back with a sewn-in tunnel for adjusting ties, the back seam and a fabric swatch for backening to prevent the seam at theedge from tearing.

Der Kanal (aus einer Länge Nahtband - mittig gefaltet) läuft entlang der Taille und wird vorn geschlossen.
Die Nahtzugabe am oberen Rand wird zweimal untergeschlagen und mit Überwendlichstichen angenäht.
The tunnel (from a lenght of ribbon - folded in the middle) is following the waistline and closed at the front.
The seam allowance at the upper edge is folded in twice and then stitch down with whip stitches.

An das Nahtband sind Ösen eingenäht, durch die eine Kordel gezogen wird, um das Kleid zu schließen. Außerdem verstärkt das Nahtband die Kante.
There are hooks sewn to the cotton ribbon, cords are running through it for closure. The ribbon also reinforces the front.
Hier erkennt man hoffentlich, wie der Rock in eine Falte gelegt wurde, ehe er and das Oberteil angenäht wurde.
Hopefully it shows how the skirt was pleated at the front, before attaching it to the bodice.

Auch ein Rücken kann entzücken.
The back view's lovely, too.

Der eigentliche Hingucker ist allerdings mal wieder der Rocksaum.
Der eigentliche Saum mißt etwas über 2.50m, die angenähte Dekoration hat in etwa die dreifache Länge.
Der Streifen ist nur etwa 7 Zentimter schmal und an beiden Seiten umgenäht.
Of course the skirt's hem is the eye catcher.
The circumference of the hem is around 100 inches, the hem decoration measures around three times that lenght.
The hem decoration is quite small with only 2 1/2 inches height, both sides have finished seams.
Die Innenseite mit einer Schmutzblende, die bei der Länge des Rockteils durchaus Sinn macht.
Gut erkennbar auch die Stiche, mit denen die Dekoration angenäht wurde.
The inside with the dust band, which makes sense with such long skirts.
The stitches of the decoration show on close examination.

Und ja, ich hatte eigntlich nicht genügend von dem grau-blauen Baumwollsatin, also mußte ich am hinteren Rockteil ein wenig stückeln.
Um, yes, I evidenttly was running short of that blue-grey cotton sateen, hence I had to do some piecing at the back panel.
 Der Saum der Stückelung. Rechts erkennt man, dass ich mir die Webkante des Stoffes zu nutzen gemacht habe.
The seam of the piecing. On the right it reveals that I made good use of the selvedge of the fabric.

Zu dem Kleid trage ich ein Fichu Chemisette, einen Unterrock, einen Schnürleib nach Bernhardt, eine Chemise, 
ein paar Baumwollstrümpfe und flache Schuhe.
With this dress I'm also wearing a fichu chemisette, a petticot, a  pair of Bernhardt's short stays, a chemise, a pair of cotton stockings and flat slippers.

...und natürlich meine neue Tasche!!!
...and certainly my latest bag!!!

Mit einem passenden Spenzer wird das Ensemble dann auch rasch ausgehfein!
With a matching spencer the ensemble quickly is completed for a stroll!

Und natürlich darf die neue Kapotte nicht fehlen...
And of course the new capote shouldn't be left out...
Dank der ausladenen Frisur hat sie nun auch den perfekten Sitz.
Sie wird mittels zweier Samtbänder geschlossen, die im Futter einghakt werden.
Due to the period hair do the capote finally has it's perfect fit.
It is close with two velvet ribbons, which have hooks to be attached at the lining of the bonnet.

Und zum Schluß bleibt (mit einem kurzen vergleichenden Blick auf Mme Gérards Gemälde) die Frage:
Wo bleibt die Katze?
Leider konnte ich meine beiden schnurrenden Mitbewohner nicht dazu bewegen in Manier des "Le petite Déjeuner du Chat" mit mir zu posieren...nun Katzenhalter dürfte diese Art der Niederlage bekannt sein - und auch, was dann unausweichlich folgt:
klein beigeben ;)
And finally (with a peek to Mme Gérard's painting) one question remains:
where's the cat?
Unfortunately I could neither convince nor coax my fellow feline friends to pose in the manner of "Le petite Déjeuner du Chat" with me...well, cat owners are probably familar with this kind of defeat  - and also do know what follows:
to buckle ;)