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Samstag, 17. November 2012

1806 Paradeuniformreitkleid Königin Luise von Preußen

Bevor ich zu meiner Interpretation des Reitkleids der Königin Luise von Preußen (1776 - 1810) komme, noch ein wenig über die Historie des Kleidungsstückes vorab.
Glücklicherweise ist die Geschichte gut dokumentiert. Nur der Rock ist in den Wirren der Zeit unauffindbar verschwunden, allerdings war er vom gleichen Tuch und gleicher Farbe wie der Spenzer.
Königin Luise war noch keine dreißig Jahre alt, als ihr Gatte, König Friedrich Wilhelm III., ihr im Frühjahr 1806 den Oberbefehl über das Dragonerregiment No.5 übertrug.
Fortan erhielt das Regiment den Namen "Königin".
Nach der Kriegserklärung Preußens an Frankreich, empfing Luise im September 1806 ihr Regiment auf dem Weg durch Berlin ins Feld.
Zu diesem Zweck hatte König Friedrich Wilhelm III. dem Schneider Francois Vogel den Auftrag erteilt, ein passendes Reitkostüm in den Farben ihres Regiments anfertigen zu lassen, das sich an der damals aktuellen Mode orientierte.
Ein zweites Mal trug sie ihre Uniform bei einer Parade nur einen Monat später, ehe ihre Garden in die Schlacht bei Auerstedt zogen.
 Das Tragen ihrer Uniform hat ihr in Frankreich viel Spott eingebracht und sie wurde die Zielscheibe der  dortigen Karikaturisten.
Der verbliebene Spenzer gilt als älteste noch erhaltene Frauenuniform in Deutschland.
Before I share my interpretation of the Riding Habit of Queen Louise of Prussia (1776 - 1810), first a little bit about the history of the garment.
Luckily the history is very well documented. Only the skirt got lost in the past, but it was made of the same fabric and colour as the spencer.
In early 1806 Queen Louise was close to being thirty years old, when her husband King Friedrich Wilhelm III. gave order that she became head of the dragoon's regiment No.5.
From that day on the regiment was called "Königin".
After the declaration of war from Prussia to France, Queen Louise met her regiment on the way through Berlin to the battlefield.
For this occassion King Friedrich Wilhelm III. had ordered a uniform riding habit in the colours of the regiment. The garment made by the famous tailor Francois Vogel was inspired by the latest fashion plates.
Queen Louise has worn the uniform a second time, only one month later on a parade, when her guards marched into the battle of Auerstedt.
Her uniform has brought her lots of mockery from the French and many caricaturists aimed on her.
Records reveal that the spencer is the oldest still existing female military uniform in Germany.

Und nun darf ich bitten:
Stillgestanden! Augen geradeaus!
And now I may ask:
Attention! Eyes front!

 Meine Interpreation vom Spenzer der Königin Luise von Preußen (1806)
My interpretation of the Queen Louise of Prussia spencer (1806)

Ursprünglich entstand der Spenzer der Damen zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den Einfluß militärischer Herrenbekleidung. Dieser Spenzer schlägt also sozusagen eine Brücke zwischen der Damenbekleidung, die ausschließlich der Zier diente, und einem rein militärischen Kleidungsstück. Es ist nach der neusten Mode geschnitten, weist aber deutliche Details einer Uniform/Herrenbekleidung (vor allem im Futter) auf.
Primarily the lady's spencer jacket in the early 19th century was influeneced in it's developement by tailored military garments. This spencer truly builds a bridge from the female fashion, which serves the adornment, and a pure military garment. It is tailored following the latest fashions, but shows also clear signs of a military uniform/men's garment (especially in the lining)
Rückseite des Königin Luise Spenzer
back of the Queen Louise spencer

Für die Nacharbeitung habe ich folgende Materialen benötigt:
ca 4.5 m mittelblauer, leicht angerauter Wollstoff
1 Meter karmesinroter Baumwollsamt (beim Original ist es Seidensamt)
0.90 Meter ponceauroter Seidentaft (beim Original ist es Seidenatlas)
1 Meter festes Baumwoll/Leinengemisch als Zwischenfutter
ein wenig hellen Wollstoff zum Wattieren
etwas Rosshaareinlage für die Aufschläge
4.5 Meter echte Silberlitze
32 halbrunde Silberknöpfe
naturfarbenes Baumwoll- und Leinengarn
...und gaaaanz viel Geduld, denn wie immer ist alles komplett von Hand genäht.
I needed the following material:
5 yards of medium blue, slightly roughened wool
1.2 yard of crimson red cotton velvet (the original fabric was silk velvet)
1 yard of ponceau red silk taffeta (the original is silk sateen)
1.2 yard cotton/linen mix fabric for interlining
a bit of white wool fabric for padding
horsehaircanvas for the collar and lapels
5 yards of real silver trim
32 shaped silver buttons
white cotton and linen thread
...and lots of patience, because it is completely hand-sewn.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, habe ich den Spenzer in dem Ausstellungskatalog "Luise - Die Kleider der Königin" entdeckt. In dem Text wird das Kleidungsstück zudem ausführlich beschrieben.
Aber über eine Stelle bin ich dann doch gestolpert, nämlich als es um das Seidenfutter ging.
Zu meiner Erleichterung brachten die freundlichen Damen der Textilrestaurierung vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden nach meinem Hilferuf Licht ins Dunkel und ich konnte meinen - zu dem Zeitpunkt leider schon halbwegs in die Tat umgesetzten - Versuch einer Steppung dem Original anpassen.
Like mentioned before, I've first set my eyes on this amazing garment in the catalogue of the 2010s exhibition "Luise - Kleider der Königin". Thankfully the text is very helpful and describes the spencer in detail.
But one description confused me, it was the mention of padding in the back of the silk lining.
To my relief the friendly staff at the textile department of the Miltärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden, listened to my distress call and revealed the secret to me. With the new information I was able to change my - unfortunaley already started  - attempt of padding.
Die mit Wollstoff wattierten Schulterstücke (Vorderseite und Rückseite) nach dem Original
The shoulder pieces padded with wool fabric (front and back) after the Original

Die Rückseite. Die Vorstiche sind nur etwa 1-2 Milimeter groß. Die Steppung reicht nichtmal 10 Zentimeter in das Schulterstück.
The back. The running stitches are only 1-2 milimetres. The padding reaches less than 10 centimetres into the front of the shoulder piece.

Das Seidenfutter. Im oberen Teil des Rückenstücks erkennt man die Steppung wie beim Original (die Steppung darunter war mein erster Versuch, den ich dann letztenendes nicht mehr herausgetrennt habe. Beim Original ist diese diagonale (rautenförmige) Steppung natürlich nicht vorhanden!)
Die Steppung im Rücken reicht nur etwa 7 Zentimeter herab.
The silk lining. In the upper part of the back piece is the padding/quilting copied from the original (The diagonal quilting below was my first attempt, which I have left. That quilting is of course not seen in the original spencer)
The padding in the back piece reaches only 7 centimetres down.

Die Ärmel wurden innen mit winzig kleinen Überwendlichstichen eingenäht. Der Kragen innen mit Staffierstichen versäubert. Links im Bild die Aufschläge, welche mit Rosshaareinlage verstärkt wurden.
The sleeves (lining) have been set in with tiny overcast stitches. The collar was attached with slip stitches on the inside. Shown on the left, the collar, which has a layer of horsehair canvas to give shape.

Hier treffen Kragen und die Steppung der Seide im Schulterbereich aufeinander. (Ja, und so schauen Daumen nach exessivem Handnähen aus...lol)
The collar meets the padedd silk in the shoulder area. (Yes, that's the way a thumb looks after sustained handsewing...lol)

Die Seitenansicht vom Spenzer. Wie man unschwer erkennen kann, habe ich mich letztenendes doch gegen eine selbstgefertigten Kopie der Garde du Corps Kolbenlitze aus Silberbouillon entschieden und zu schlichter Silberlitze gegriffen. Durch die Rosshaarverstärkung bekommen die Aufschläge einen wirklich schönen Stand.
The side view of the spencer. In the end I decided against a copy of the Garde du Corps trim stitched with silver purl. Instead I purchased a lovely modest silver trim.
The horsehair canvas helps to beautifully shape the lapels.

Die Rückansicht. Das Rückenteil ist außerordentlich schmal geschnitten und die Ärmel reichen weit in den Rücken, sodass die Trägerin geradezu dazu gezwungen wird eine gerade Haltung anzunehmen und die Schultern ein wenig nach hinten zu ziehen.
The back view. The back piece is cut very narrow and the sleeves reach far into the back, thus the wearer is nearly forced to stand straight and keep the shoulders slightly backwards.

Die Silberlitze ist etwas weniger als 1 Zentimeter breit. Für die Herstellung wurde Silberdraht um eine Seele aus Seide gewebt. Ein wunderbares Material und ich bin froh eine gute Quelle dafür gefunden zu haben.
Und sicherlich trägt sie ebenso wie all die Knöpfe und die doppelte Fütterung dazu bei, dass der Spenzer etwas mehr als ein Pfund wiegt. Im Vergleich zu meinen herkömmlichen Spenzern ist das schon ein ordentliches Gewicht.
The silver trim measures less than 1 Zentimeter. It was made by weaving silver thread around a silk thread. It's beautiful and I'm glad I've found the source for it.
Surely it's due to the trim, the buttons and the lining and cotton/linen interlining , that the spencer weighs more than a pound. Compared to my common spencers it is really heavy.

Die aufgesetzten Taschenklappen sind funktionslos, allerdings sind sie mit Seidentaft hinterlegt.
The pocket flaps have no function. But I covered the back with silk taffeta.

Ein ungewöhnliches Kleidungsstück wie dieses, verlangt nach einer besonderen Bühne. Daher haben wir unsere Kutsche eingespannt und sind zum nahe gelegenen Kloster Oelinghausen gefahren.
Das Kloster entstand im Mittelalter und wurde bis zur Säkularisierung im März 1804 als Damenstift geführt.
A unique garment like this, asks for a unique stage. We have mounted our carriage and went to the close-by  abbey Kloster Oelinghausen.
The abbey was found in the Middle Ages and was a convent until the secularisation in March 1804.

Die Kapelle der Abtei in Oelinghausen.
The chapel of the abbey in Oelinghausen.

Zu dem gesamten Ensemble des Paradeuniform Reitkleides gehören:
der Spenzer
ein Wollrock
ein Zylinder mit Straußenfedern
weiße Handschuhe
eine bestickte Chemisette
ein baumwollener Unterrock
ein Kurzkorsett
ein Unterhemd
Seidenstrümpfe in Hellblau von American Duchess
Halbschuhe in Schwarz von Robert Land Footwear
The complete ensemble of the Military Uniform Riding Habit consist of:
a specer
a woolen skirt
a tophat with ostrich feathers
white gloves
an embroidered chemisette
a cotton petticoat
short stays
shirt
clocked silk stockings in light blue from American Duchess (Thanks for creating them, Lauren. The stockings are great!)
Walking shoes in black from Robert Land Footwear

Das äußere Tor 
The outer gate


Der Weg führt näher an die Kirche und zu einem danebenliegenden eingefriedeten Kräutergarten.
The path leads to the chapel and a close-by walled herb garden
  


Entlang der Kirche gelangt man schließlich zu einer Mauer, hinter der idyllisch ein Hof und eine Häusergruppe liegen.
Along the chapel there's a wall, behind that is a quaint yard and a group of stone houses.
Ich liebe den alten Taubenschlag im Hintergrund
I love the old dove's tower in the background.

Zwar war es recht frisch heute Morgen, aber der Sonnenschein lockt zu einem kurzen Spaziergang hinunter zu den Häusern. Ich mag dieses Bild sehr.
Although it's a crisp morning, the lovely sunshine is coaxing to take a stroll down to the group of houses. I really like this particular picture.


Wer auf den Geschmack gekommen ist und noch mehr über Königin Luise und ihre Kleider erfahren möchte, dem sei wärmstens der Ausstellungskatalog/Bildband "Luise - Kleider der Königin" aus dem Hirmer Verlag ans Herz gelegt.
Wer den Spenzer von 1806 im Original bewundern möchte, der findet ihn ausgestellt im Militärhistorischen Museum  der Bundeswehr in Dresden im Themenparcour "Krieg und Gedächtnis".
For anyone who's interested to learn more about Queen Louise and her fashion, I'd like to recommened the catalogue/book "Luise - Kleider der Königin" published by Hirmer Verlag.
And for anyone, who'd like to see the original riding habit from 1806, it is on display at the Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden in the exhibit "Krieg und Gedächtnis".

Freitag, 12. Oktober 2012

There's a word hidden in pattern-dRAFTING!

Das ist wirklich augenscheinlich!
In dem englischen Wort '(pattern-) drafting' (also das Erstellen eines Schnittmusters) versteckt sich die Bezeichnung 'rafting' (Floßfahren bzw Wildwasserfahren).
Und das bezeichnet den Begriff des Schnittmustererstellens mitunter recht treffend!
Von einem Modekupfer oder dem Foto eines Museumsstückes kann es ein weiter und von Qualen gezeichneter Weg bis hin zum Schnittmuster sein.
Es ist eben dieses Gefühl in einem Boot hin und herzutrudeln, Stromschnellen zu begegnen und dem gefürchteten Wasserfall auszuweichen.
Wovon ich da berichte?
Von dem Spenzer der Königin Luise, der mich auf unruhige Gewässer führt. 
Am Anfang steht das Vermessen des Originals (bei Fotos/Modekupfern hat sich der Dreisatz bewährt), Kalkulieren und dann das Angleichen an die eigenen Maße.
Königin Luise maß 1,76m und sie war wirklich außerordentlich rank und schlank, also brauchte es viele Anläufe, zerknüllte Bogen Papier und Probestücke. Unzählige Male werden Linien verändert, Probestücke angezogen und ausgezogen, hier geheftet, dort geflucht...
This is really apparent!
In the word 'pattern-drafting' surely hides the term 'rafting'. And couldn't this comparison be more appropriate!
Often it is a long and agonizing journey from a fashion plate or museum piece to a proper paper pattern. It's like being on a boat trip in foaming waters, where you meet cataracts, deep waters and waterfalls.
Why this description?
Because the Queen Louise spencer really puts me on such a river rafting experience. 
First it is taking the original's measurements (with photos/fashion plates the rule of three proofs to be very helpful), then calculation and finally adjusting to my own measurements.
Queen Louise measured nearly 5.8 feet in height and she was slim and slender, thus I needed plenty attempts to get a pattern, which included lots of wasted papers, mock-ups and curses...

Das letzte Probestück (mit herausgetrenntem Ärmel) und endgütliger Linienführung. Dahinter ein kurzer Blick auf das Original.
The final mock-up (with clipped sleeves) and the altered seamlines. Behind a sneak peek of the original piece.

Das Oberteil besteht aus zwei Schnittmusterteilen...
The bodice is made of two pattern pieces...

...und zwei Ärmelschnittmusterteilen.
...and a two-piece sleeve pattern.

Und wenn man erst einmal den Weg in ruhigere Gewässer gefunden hat..
And if calm waters are eventually reached...
Die fertigen Ärmel aus dunkelblauer Wolle mit tiefroter Seide gefüttert. 
Weiter geht es mit dem Übertragen der Schnittmusterteile auf die Wolle und den karmsinroten Futtersamt und dem Besticken der einzelnen Teile mit Silberbouillon. Anker lichten!
The finished sleeves made from dark blue wool and deep red silk lining.
Next step will be the transfer of the paper patterns to the wool and crimson velvet lining and the silver purl embroidery. Anchors aweigh!

Dienstag, 28. August 2012

Hinter verschlossenen Türen?


Die Hitze im August hat mich nähtechnisch zu (meiner Ansicht nach) wohlverdientem Müßiggang gezwungen...aber auch in dieser Woche wird die Nadel noch ein bisschen ruhen, denn es heißt emsig restaurieren und Möbel rücken. In meinem Nähzimmer herrschte schon seit geraumer Zeit ein arger Platzmangel im Schrank. Also mußte ein neuer (alter) Schrank her!
Und nun ist alles zu meiner Zufriedenheit hergerichtet und ich darf meine Leser herzlich einladen, mir in meine Nähstube zu folgen. 
Darf ich aufschließen?
August's heat has forced me to take (what I think is) a well-earned leisure break from sewing...but the sewing needle still takes a rest, because it's busy restoring furniture and renovating rooms. It was about time, as the space in my old closet and the number of my dresses wasn't balanced anymore. Time for a new (old) wardrobe!
Now that everything is done, I may kindly invite my dear readers to follow me around my sewing room. 
May I unlock the door?
Bitte einzutreten - klein, aber mein. Please come in - small, but all mine

Links im Bild der neue Kleiderschrank mit viel Stauraum, rechts daneben ein alter Schreibschrank. Die vielen Schublädchen bieten hervorragenden Platz für Garne, Bänder und anderes Nähzubehör.
On the left side is my new wardrobe with plenty of space for more garments, on the right is the old writing desk. I store threads, needles, ribbons and haberdashery goods in the small drawers.

Der neue Schrank in seiner vollen Pracht! Über dem (leider etwas blinden) Spiegel, hängt eine Kopie von meinem Lieblingsbild von Caspar David Friedrich "Die Frau am Fenster". 
 The new closet in all it's glory! Above the old standing mirrow, you'll find a copy of my favourite Caspar David Friedrich painting "Woman at the window".

  
 Hinter verschlossenen Türen.
Behind closed doors.

In dem Schrank befindet sich neben den Kleidern auch das Stofflager. Außerdem dient er als Bücherregal.
I store my dresses in there and the fabric stash. The top of the closet is used as bookshelf.

Der Arbeitsplatz, so aufgeräumt wie selten (...und noch mehr Bücher)
The working place itself, it's seldom that tidy (...and more books)

An dieser Stelle möchte ich mich herzlichen für die vielen wunderbaren Kommentare zu meinen ersten Stickereiversuchen bedanken!!! Und ich will nicht enden, ehe ich nicht auch einen Blick auf den Fortschritt des Königin Luise Ensembles gewährt habe. Der Rock ist fertig.
Let me tell you how much I appreciated the kind comments on my embroidery attempts - thank you!!!
And I don't want to finish this post without sharing some of the progress on the Queen of Prussia ensemble. The skirt is done.


Donnerstag, 2. August 2012

Luises Chemisette

Ursprünglich gehörte die Chemisette nicht zu dem Reitkleid, welches ich nacharbeiten möchte, sondern zu einem weiteren Ensemble aus dem Nachlass von Königin Luise von Preussen.
Im Inventar steht dazu kurz und bündig:
Chemisette zu einem Reitkleid 1806/1810, Musselin, Baumwollstickerei, Metallhaken und Ösen, Länge 44cm
Originally the chemisette belonged to another riding habit from Queen Louise of Prussia than the one I'm going to recreate.
The inventory's description is short:
Chemisette for a riding habit 1806/1810, muslin, cotton embroidery, metal hooks and eyes, lenght 44 cm

Zugegeben, die Erwähnung von "Stickerei" hat mir zunächst ein wenig Kummer bereitet, aber schließlich habe ich mich für die Chemisette entschieden...mit allem was dazu gehört: selbst Stickerei!
I have to admit that the mention of "embroidery" worried me a tiny bit at first, but I was determined to have this garment and learn...even how to embroider!

Nach ein paar Tagen fleißigem Üben ging es dann endlich an das eigentliche Kleidungsstück. Die Stickerei ist der sogenannte Plattstich auf einer Lage hauchzartem Baumwollbatist (statt des Musselins) und etwas festerer Baumwolle in Leinwandbindung.
Geübte Sticker mögen die Nase rümpfen, aber ich bin recht zufrieden mit dem Ergebnis.
After a few days of training basic stitches, I eventually started with the actual garment. The stitch I've used is the satin stitch on a layer of superfine batiste (instead of muslin) and cotton cloth in plain weave.
Skilled embroiderers might raise a frown on my work, but I'm quite content with it.

Hier erkennt man die beiden verschiedenen Stofflagen. Das Stück Batist ist etwas größer, da es anschließend noch gerafft wird.
This picture shows the two layers. The upper batiste fabric is larger, as the front will be pleated.

 Der Baumwollstoff wurde zugeschnitten und die Kanten umgebügelt. Danach wird der obere Stoff aufdrapiert und von der Rückseite mit dem Punktstich festgenäht...
The foundation cotton was cut into size, the edges are ironed. The batiste then was draped over it and stitched in place with the point stitch from the left side of the garment...
...und das kommt dabei heraus.
...and here's the result.

Die Chemistte besteht aus vier Schnittmusterteilen: das Vorderteil, zwei Rückteile und der Kragen.
An dieser Stelle sei ein Blick auf ein originales Stück erlaubt, das dem aus der Museumssammlung ähnelt:
The chemisette is made from four pattern pieces: the front, two back pieces and the collar.
Guess it's about time to take a look on an original garment, similar to the one in the museum's collection:
Königin Luise von Preussen, F.W. Ternite 1808/09
Queen Louise of Prussia by F.W. Ternite 1808/09
(Quelle/source: wikimedia commons)

Das nachgearbeitete Stück neben einem Bild vom Original mit der Stickerei
The recreated piece next to a photo of the original with the embroidery

 Das Kleidungsstück (Haken und Ösen geöffnet) von vorne
The garment (hooks & eyes opened) from the front

Die Innenseite
Inside view

Eine Nahaufnahme von Innen. Zu erkennen sind die kleinen Metallösen und die Nahtkante entlang des Kragens.
A close-up of the inside. There's the two eyes and the seam along the collar.

An der Chemisette sind keinerlei Bänder oder andere Befestigungen vorgesehen, was darauf schließen lässt, dass man den Bund entweder in den Rock gesteckt oder aber am Rock mit einer Nadel angesteckt hat.
There's no hint to ribbon ties or any other fastening, which makes me draw the conclusion, that the hem of the chemisette was just worn inside the skirt's waistband or attached at the skirt with a pin.

Sonntag, 22. Juli 2012

I'm so excited, I just can't hide it...

Während der andauernden Recherche zu dem Guillon-Lethière Ensemble, habe ich zahllose Bücher aus meiner Sammlung gewälzt und habe dabei ein anderes Kleidungsstück wiederentdeckt, das mir zwar schon lange im Kopf herumspukte, aber immer wieder an das Ende einer langen, unerfüllten Liste geschoben wurde.
Noch immer ziemlich beeindruckt von dem atemberaubenden Riding Habit auf der Seite  von "Before the Automobile", wusste ich, dass nun der Zeitpunkt gekommen war, dem wiedergefundene Ensemble endlich die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.
Und so kam es, wie es kommen musste: nichts anderes als ein Riding Habit sollte es sein...und warum nicht den Spenzer und Rock der Paradeuniform des Dragonerregiments No.5 "Königin" der Königin Luise von Preussen von 1806!
Der Spenzer ist in dem Buch "Luise - Die Kleider der Königin" detailreich dokumentiert und zu meinem großen Glück entdeckte ich einen passenden Wollstoff vor Ort - ein wunderbares Blau!!!
Selbstverständlich bin ich ziemlich aufgeregt mich in den kommenden Wochen der Schneiderkunst FrancoisVogel anzunähern.
While still doing research on the Guillon-Lethière ensemble, I started to study various books from my costume book collection and then it happened: I've stumbled upon a garment, which I fell in love with long ago, but somehow never made it on my sewing table before.
Still deeply impressed by the breathtaking riding habit on "Before the Automobile" , I knew it was about time to pay my forgotten find some more attention.
Yes, I am determined to sew a riding habit...and why not the uniform of the dragoon's regiment No.5 "Königin" from Louise of Prussia from 1806!
The spencer is docmunted very detailed in the book "Luise - Die Kleider der Köngin" and to my astonishment I found the described wool cloth in the fabulous blue colour at a local fabric store!
I am certainly most excited to follow the footsteps of the tailor Francois Vogel in the upcoming weeks.

Leider gibt es keine Bilder der Uniform im Internet,aber glücklicherweise konnte ich ein Video über die zurückliegende Ausstellung ausfindig machen, wo der Spenzer gezeigt wird - bitte hier entlang (ab Minute 2:40, der Spenzer rechts im Bild)
Unfortunately there are no pictures online about the spencer, but I've managed to find a video about the exhibition, where the garment was displayed - please follow me here (see min. 2:40 the spencer on the right)

Beginnen werde ich allerdings mit einer dazugehörigen Chemisette, aber hier schon mal ein erster Blick auf die Stoffe:
I'll start with the chemisette first, but here's a sneak peek of the fabrics:

Sowohl das Karmesinrot, als auch das Blau sind in Wirklichkeit ein wenig dunkler. Ich hoffe, es gelingt mir die Farben demnächst noch besser einzufangen...
Both the crimson and the blue are actually darker in real. I hope to manage catching the true colours in one of my next posts...