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Mittwoch, 8. Oktober 2014

1814 Costume de Bal ornée de roses artificielles

Von meiner zurückliegenden Reise nach Weimar und in das Bertuchhaus am Baumgarten bin ich nicht mit leeren Taschen heimgekehrt. 
In meinem Gedankenköfferchen befindet sich zum einen die Faszination für die herrlichen bertuchschen Kunstblumen, zum anderen die Gewissheit, dass Kleider wieder und wieder nach Geschmack und neuster Mode geändert wurden, solange das Material noch brauchbar war.
Noch während ich meine Garderobe nach meiner Rückkehr wieder ordentlich verstaute, fiel mir ein Kleid in die Hände (ganz weit hinten im Schrank), das meinem Geschmack zum wiederholten Mal nicht mehr entsprach:
Diese wurden zunächst gepflückt, bevor die Girlanden abgetrennt und das Kleid gewaschen wurde, ehe es zum dritten Mal auf dem Nähtisch landete.
I did not return with empty pockets from my most recent journey to Weimar and into the Bertuch House at Baumgarten. My mental suitcase was packed with the fascination for the artificial flowers from the Bertuch manufactory and the insight that dresses have been altered again and again to match taste and latest fashion, as long as the material would allow it.
While I stashed my wardrobe upon my return, my attention was caught by a certain dress (in the far back of the closet), which did not meet my taste...again:
These were plucked, before I also ripped off the festoon and then cleaned the dress, which finally ended on my sewing table for a third time.

In der zweiten Dekade des 19.Jahrhunderts finden sich viele Modekupfer mit blumigen Verzierungen am Saum und am Oberteil.
There are many examples of artificial flowers on the hems and bodices in the second decade of the 19th century.
1811, Ball Dress, La Belle Assemblée (Quelle/source: SceneInthePast)

1813, Robe des Crepe, ornée de Fleurs artificielles, Costume Parisien
(Quelle/source: SceneInthePast)

 1814, Costume de Bal, Costume Parisien
(Quelle/source: SceneInthePast)

Die Röcke waren stets recht kurz, was beim Tanz von Vorteil ist, aber auch den Saum vor Schmutz schützt.
Im Gegensatz zum Saum wurde das Oberteil eher verhalten mit Blumen geschmückt, denn so war eine Reinigung einfacher.
The skirts were rather short, which was not only an advanatge when it comes to dancing, but also kept away the dirt from the hems.
In comparison to the hems the bodices were less adorned with flowers, because that made the cleaning easier.

Dank meiner lieben Freundin Maggie entdeckte ich bei etsy eine gute Papierblumenhandlung, wo Kunstblumen aus weichem, handgeschöpften Papier hergestellt werden.
Eine Bestellung erfolgte sogleich...und die Blumen sind einfach umwerfend! 
Ein rosa Traum!
Thanks to my dear ingenious friend Maggie I discovered a lovely paper flower shop on etsy, that offers artificil flowers made of soft, hand-made paper.
I ordered immediately...and the flowers are stunning! A blush pink dream!


Aber nicht nur die Gänseblümchen wurden ausgetauscht, sondern auch die ursprüngliche Girlande hatte ausgedient und wurde durch eine neue Verzierung ersetzt.
Dabei handelt es sich um einen handgenähten schmalen Schlauch aus feinstem Baumwollbatist, der gebügelt und mit Vorstichen gerafft wird. Daraus wurden kleine 'Blumenkörbchen geformt.
But not only the daisies have been plucked, also the festoon was replaced by a new decoration.
A handsewn small pipe of finest cotton batiste, flat ironed and ruffled with running stitch. Then I formed some kind of 'flower baskets'.

Diese Blumenkörbchen wurden auch am Ärmel aufgesetzt.
These flower baskets were also added to the sleeves.

Das Kleid erhielt ein völlig neues Aussehen...nach der neusten Mode!
Und das mit verblüffend einfachen Mittel.
The dress got a completely new look...according to the latest fashion!
And by surprisingly easy  means.

Der Kragen mit ganz kleinen Rosen...
The collar with tiny roses...

...und einem Bouquet vorn.
...and a bouquet in front.

Der Saum. Jedes Blumenkörbchen erhielt eine große und zwei kleinere Rosen.
Am Schwung der Bögen kamen ebenfalls die kleinsten Rosen zum Einsatz.
The hem. Each flower basket was filled with one big and two smaller roses.
The peak of the scallops was ebellished with the tiny roses.

Das Blumenkörbchen von außen...
The flower basket from the outside...

...und innen.
...and the inside.

Zu dem Ensemble trage ich einen großen Schal aus Satin mit Fransen, Ballhandschuhe aus rosa Leder, Ballschuhe und einen Haarkranz aus Papierrosen.
(Darunter eine Chemise, einen Bernhardtschen Schnürleib und einen Unterrock, sowie lange weiße Strümpfe)
I'm wearing a huge satin shawl with fringe, evening gloves of rose leather, ball slippers and a rose tiara with the dress.
(Underneath a chemise, Bernhardt's stays and a petticoat, as well as long white stockings)


Der Haarkranz besteht aus elf kleinen und drei großen Rosen auf einem Metallband.
The tiara is made of eleven small and three big roses attached on a metall band.


Ich bin gespannt, ob das Kleid noch weitere Modetorheiten erleben wird, aber ich denke eher nicht, denn ich bin rundum zufrieden mit dem Ergebnis...und außerdem sind noch einige andere Stücke in meinem Schrank, die sich besser zu einer Umwandlung eignen!
I'm curious, whether this dress will have to endure more alterations due to new fashions, but it might not, as I'm very happy with the result...besides there are other garments in my wardrobe, which are in for a change!

Montag, 8. Juli 2013

1814 Robe de Perkale garnie guirlande florale

Bisher war das Wetter in diesem Sommer doch eher verhalten, wenn nicht gar missmutig, aber dennoch nähte ich unbeirrt an meinem Sommerkleid weiter.
Und tatsächlich kehrte mit dem letzten Nadelstich der Sonnenschein in unsere Gefilde ein.
Endlich!
Der Sommer scheint mit der Verwandlung von einem hochgeschlossenen Kleid zu einem luftigen Kleidungsstück, gesäumt mit Gänseblümchen und Margeriten, einverstanden.
Zunächst habe ich das alte Kleid in seine Einzelteile zerlegt und die Querfalten im Rock aufgetrennt. Die zusätzliche Länge half mir, den Saum umzuschlagen und in eine Bogenkate zu vernähen.
Der Rock selbst sollte in der Taille ein paar Zentimeter verlieren, weshalb ich einige Abnäher vornehmen mußte.
Das Oberteil habe ich aus einem Reststück gearbeitet, denn bei dem Original hatte ich den Stoff dort im waagerechten Verlauf verarbeitet. 
Die Ärmel wurden gekürzt und die Reste vernäht und in den Kragen mit Bogenkante verwandelt.
Und dann ging es an die Blüten.
Die Blütenblätter bestehen aus drei Lagen Baumwollstoff in Weiß bzw die mittlere Lage aus Zartrosa. Die Kelchblätter und der Blütenstempel sind aus Wollfilz gefertigt.
So far this summer was less than moderate weatherwise, even discontented, but nevertheless I stitched along on my summer's dress.
And to my utmost amazement and delight sunshine made an appearance with the very last stitch.
Finally!
Well, it seems that the summer is very agreeable with my alteration of a high-necked dress into a light white garment adorned with daisies and marguerites.
First I took all the pieces of the dress apart and opened the pintucks on the skirt. The additonal lenght of the skirt helped me to build up enough fabric for stitching scallops along the hem.
The skirt itself should be narrower in the waist, thus I made some darts.
The bodice is sewn from a remnant of the former dress, as the stripes of fabric on the original dress ran horizontally.
The sleeves were shortened and the cut off was transformed into the scalopped collar.
And then the flowers.
The petals are made of three layers of white cotton, with the middle layer made of pale pink cotton.
The sepals and pistils are made of wool felt.

Das neue Oberteil mit der Bogenkante als Kragen und einem Blütenkranz rundherum. Insgesamt ist das Kleid trotz der Verzierung recht schlicht, aber mit vielen liebevollen Details versehen. 
Der Kragen ist durchgehend zusammengenäht und am Ausschnitt befestigt. Das bedeutet, dass man in das Kleid kopfüber hineinschlüpfen muß.
The new bodice with a scalopped edge around the collar and a daisy wreath all the way round. Overall the dress has a quite simple look, but with a lot of lovely little details.
The collar is made of one piece with no opening, which means that the wearer has to slip into the bodice head over heels.

Die Rückseite mit dem durchgehenden Kragen. Das Band als Verschluß läuft durch einen Tunnel (coulisse) und wird von den Seiten her verschlossen.
The back with the one-piece collar. The ribbon ties run through a tunnel (coulisse) and are closed coming together from the sides.

Eine Nahaufnahme des Innenlebens. Man erkennt auch deutlich das Taillenband, das vorne befestigt wurde, damit das Kleid unter der Brust gut anliegt.
A close-up of the interieur. A good view on the waist ribbon, which is attached at the front to help the bodice lie flat under the bust.

Ein Detail des Ärmels. Mittig ist er gerafft und entlang der entstandenen Falten mit Gänseblümchen versehen.
A detail of the sleeve. It's ruched in the middle and adorned with three daisies along the newly formed pleats.

Den Saum zieren etwas größere Margueriten, welche auf ein gebauschtes Band (Girlande) aufgesetzt wurden.
The hem is decorated with slightly larger marguerites, which are applied on top of a puffy rouleau (garland).
Die Innenansicht. Inside view.

Zu dem neuen sommerlichen Kleid gehörten auch unbedingt neue Schuhe in Weiß und wie es der Zufall so wollte, stolperte ich über ein verlockendes Angebot aus dem Hause Hirica. Ballerina aus sehr weichem Leder, die - man höre und staune - auf gleichem Leisten gearbeitet werden.
Es bedurfte lediglich ein wenig Dekoration, um die Schuhe anzupassen.
I truly needed a lovely pair of white slippers with this dress and you can imagine my amazement when I stumbled upon a lovely sale bargain at Hirica shoes. Ballerina flats made of very soft leather and - my amazement even grew - built on straight lasts.
It only needed a bit of decoration to transform these lovely slippers.
Ein wenig Seide, eine neue Einlegesohle aus Leinen, alte Schuhlabel und mit Tinte vermerkte Hinweise für 'links' und 'rechts'. 
Some silk, new linen insoles marked with ink for 'left' and 'right', and two old shoe labels.

 Durch den Aufbau der Schuhe auf geradem Leisten, formt sich zwangsläufig die für die Zeit um 1800 prägende Schuhspitze.
As the shoes are built on straight lasts, they inevitably form the typical front as seen in slippers around 1800.

Das neue Ensemble. Zu dem Kleid trage ich eine Chemise, einen Schnürleib und Unterrock, lange Strümpfe, Handschuhe und einen sehr üppigen Schal.
The new ensemble. With the dress I'm wearing a chemise, a pair of short stays (Schnuerleib) and a petticoat, long stockings, gloves and a huge shawl.

Hier erkennt man, wie sich die Ärmel durch die Raffung formen.
The sleeves form tiny puffs through the ruching.

Und weil es so ein herrlicher Spätnachmittag war - sozusagen eine Ahnung des Shakespeare'schen Sommernachtstraum - konnte ich nicht widerstehen in das Spiel aus Licht und Schatten in unserem Garten einzutauchen. 
And because it was such a wonderful sunny late afternoon - almost a hint to a Shakespearean Midsummer Night's Dream - I couldn't resist but had to 'dive' into the play of light and shade in our garden.


Donnerstag, 13. Juni 2013

Alles neu macht der ̶M̶̶a̶̶i̶ Juni!

Beim Durchstöbern meiner Garderobe, ist mir ein Kleid in die Hände geraten, das in seiner Konstruktion sehr spannend war, welches ich aber - so muß ich leider gestehen -  niemals getragen habe.
Die Rede ist von diesem weißen Kleid. 
Rasch war der Beschluss gefasst, den schönen Stoff nicht dem Zahn der Zeit zu opfern, sondern ein neues Kleid daraus zu schneidern.
Was vormals ein wenig bieder und zugeknöpft erschien, verwandelt sich in den kommenden Wochen hoffentlich in ein sommerfrisches Promenadenkleid, inspiriert durch Modekupfer aus dem Jahr 1814.
Ein blumiger Anfang ist bereits gemacht!
While browsing my wardrobe, I came across a dress, which was very interesting in it's construction, yet I have to admit, I've never worn it.
I'm talking about this white dress.
For this reason I decided to alter it into a new dress, instead of leaving the pretty fabric to the ravages of time.
What seemed to be a bit sober and overly respectable before, will hopefully turn into a lovely summerly promenade dress, which is inspired by the fashion plates of the year 1814.
Let the flowery fun begin!

Detail des Rocksaums/ Detail of the skirt's hem

Dienstag, 10. Januar 2012

Woman's White Dress revisited

Über die vielen Kommentare über das eher unscheinbare weiße Kleid (1815-18)
- das aber mit einigen kuriosen Sonderheiten aufwarten konnte - aus der Sammlung der LACMA habe ich mich sehr gefreut. Besonders weil darunter ein paar interessante Hinweise auf den möglichen Ursprung und Zweck des Kleidungsstücks waren. 
Diese möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten.
Leimomi Oakes, die fabelhafte Dreamstress, erwähnte die Kleidung der englischen Quäker, für die der hohe Kragen ein besonderes Kennzeichen war. (Nochmals vielen Dank dafür!)
Und Mme Theo hat mich freundlicherweise auf folgenden Modekupfer aus dem Costume Parisien des Jahres 1816 aufmerksam gemacht:
I was very happy reading the comments about the sober white dress (1815-18) from the LACMA collection, which proofed to be a rather special dress. 
Especially because among them have been some really interesting hints to the possible origin and purpose of the dress.
I'd like to share these with my dear readers.
Leimomi Oakes, the wonderful Dreamstress, mentioned the garments of the english quaker and the common use of the high neck collars. (Thanks again very much!)
And Mme Theo pointed my attention to an exciting Costume Parisien Fashion plate dating 1816:

Costume Parisien Robe de Perkale 1816 
(weitere wunderbare Modekupfer gibt es: hier!)
(an amazing collection of fashion plates is: here!)

Auf den ersten Blick sehr ähnlich: ein Fichu und ein hoher Kragen, doch im Gegensatz zu dem Kleid aus der LACMA Sammlung sind die Accessoires hier nicht angenäht (bei dem Kragen handelt es sich wahrscheinlich um eine Chemisette). Diente der französische Modekupfer dem englischen Kleid als Vorbild?
Trotz aller Hinweise drehe ich mich weiter im Kreis und folgende Fragen harren immer noch einer Lösung:
Ist ein weißes Kleid (und der mühsame Rückenverschluß) ein Hinweis auf ein Kleidungsstück für einen besonderen Anlass? Dennoch wirkt es auf den Betrachter eher bieder.
Ist das Kleid ein Kleidungsstück für eine religiöse Gruppe?
Wozu die kleine Tasche, die beim Original im Rocksaum versteckt ist?
Warum wurde das Fichu angenäht und nicht wie im Modekupfer umgelegt?
On the first glance there's a certain similarity, which can't be denied, but in contrary to the LACMA dress the accessoires on this dress are not sewn on (the collar probably is a chemisette). Was the french fashion plate the inspiration for an english dress?
Though I have these wonderful hints, still a lot of aspects remain a mystery:
Is a white gown (and the tedious back closure) a hint for a certain special occasion? Buth then the dress seems to be very plain and honest.
Was it a dress of a certain religious group?
 What was the intention of the pocket in the skirt seam?
Why has the fichu been sewn onto the shoulder seams?


Neben dem Wälzen der Fragen, ging es natürlich auch mit dem KCI 1826 Kleid ein wenig weiter. Mittlerweile sind alle 14 Blattornamente mit Paspeln versehen und ich warte händeringend auf die Seide.
Next to pondering about the White Dress, I was also busy with the KCI 1826 dress.
Meanwhile all fourteen leaf ornaments have been piped, now I'm avidly awaiting the silk to be delievered.


Mittwoch, 28. Dezember 2011

Zum Jahresende: 1815-1818 LACMA Woman's White Dress


An dieser Stelle mögen mir meine werten Leser ein paar einleitende Worte vorab gestatten.
Neben der häufig gestellten Frage, warum man eigentlich historische Kleidung nacharbeitet (eine Fragestellung, die mir zugegebenermaßen auch manchmal in verqueren Nähstunden in den Sinn kommt), höre ich oft, ob es mir persönlich eher liegt nach Modekupfern zu interpretieren oder nach orginalen Fundstücken aus Museen zu arbeiten.
Sicherlich bietet letzteres einen besseren Einblick in die Konstruktion, die verwendeten Materialien und die Nähtechnik, während Modekupfer ja zumeist eine Idealisierung darstellen. Aus diesem Grund schätze ich die konkreten Aussagen, die mir die Bilder (mit Zoomfunktion) der Museen bieten, außerordentlich...allerdings warten auch die Modekupfer der historischen Magazine mit einem entscheidenden Vorteil auf:
wo historische Originalkleider nur durch einen lückenlosen Herkunftsnachweis zeitlich und auch in Hinblick auf ihre Bestimmung eingeordnet werden können, liefern uns Modekupfer diesbezüglich exakte Fakten.
Kleider können auf den Monat genau bestimmt werden und zudem bekommt man mitgeteilt zu welchem Anlass das Kleidungsstück angedacht war.
I hope my dear readers allow me a rant beforehand.
Next to the question why I sew interpretations of historic garments (a question, which sometimes arises in my very own mind when sewing gets weary), I'm often asked wether I prefer sewing after  fashion plates or extant garments from museum's online collections.
Surely the latter offers a much better insight into construction, chosen materials and sewing techniques, while fashion plates are often idealized impressions. Due to this I very much appreciate the photos, which various museums nowadays deliever (with amazing zooming-in)...on the other hand fashion plates have one huge advantage:
where extant garments can only be filed with an exact date and occasion of wear when they have a complete provenance, fashion plates always deliever exact facts.
Garments can be filed precisely by year and month and we get to know clearly to which occasion a certain dress was meant.

Genau aus diesem Grund blieb meine Aufmerksamkeit an dem Kleid aus der Sammlung der LACMA hängen. Viele Details hatte ich so noch nicht gesehen. Auch die zeitliche Einordnung ist nur sehr vage. 
Je mehr Zeit ich mit dem Kleidungsstück am Nähtisch verbracht, umso häufiger fragte ich mich: 
zu welchem Anlass mag es entstanden sein?
This was the reason why the dress from the LACMA collection tickled my attention. Many details of the dress were completely new to me. The date of origin is quite vague.
The more time I've spent with this dress at the sewing table, the more I wondered:
for what occasion was this dress meant?

Der Kragen mit den vier eingenähten Kanälen, die im Nacken gebunden werden, sowie das "falsche Fichu", das an der Schulternaht angesetzt wurde
The high collar with four channels, which are closed at the back of the neck and the "false Fichu", which is sewn in on the shoulder seams


Vorne erkennt man die beiden Teile des "Fichus"
The bodice's front with the two pieced "fichu"


Ein Blick ins Innere. An der Taille ist - wie beim Original - ein Band eingefügt, das außen (an der Oberkante) mit einem einfachen Vorstich vernäht wurde. Während der Stoff des Kleides ein Streifenstoff ist, besteht das Band aus einem schlichten Baumwollstoff, aus dem auch das Futter ist
An inside view (from the back opening). There's a band attached at the high waist on the outside it is sewn with simple running stitches. While the outer fabric is a striped cotton, the band is made of plain cotton - the same fabric of which the lining is made


Ein Detail des Ärmels. Am unteren Aufschlag befinden sich vier Kanäle, während am oberen Ärmel zwei weitere Kanäle eingenäht sind. Durch die Kanäle wird ein Baumwollband gezogen.
A detail of the sleeves. There are four channels at the "cuffs", while there are two further channels on the upper sleeve. A cotton ribbon is inserted into the channels.

Für das Kleid habe ich (im Gegensatz zum Original) sehr feinen gestreiften Baumwollstoff verwendet. Ich habe ca 6.5m bei einer Stoffbreite von 0.90m benötigt. Es kam eine feinere Spitze an den Ärmeln zum Einsatz, sowie eine einfachere Häkelspitze rund um das Fichu. Der Rock besteht aus 5 Teilen.
I've chosen a superfine striped cotton (in contrary to the original garment, which is made of cotton gauze). I needed approx 6.5m of 0.90m width. There's fine lace on the sleeves, and a plain crocheted lace on the fichu. The skirt is made of 5 pieces.


In meinen Augen wirkt das Kleid wie ein Tageskleid für den Sonntag
In my eyes the dress reminds me of a Sunday's day dress


Leider gibt es von dem Original kein Bild von der kompletten Rückansicht, also habe ich nur zwei Knöpfe als Verschluss gewählt, einer sitzt wie beim Original unterhalb des Kragens
Unfortunately there's no complete view of the original's back, thus I've chosen only two buttons for closure. One button sits (like the original dress piece) close at the collar.


Bei dem Original besteht der Knopf aus einem mit Baumwolle überzogenen Ring, wobei der Baumwollstoff bestickt wurde. Ich habe stattdessen zwei alte Wäscheknöpfe (Dorsetbuttons) benutzt
The original garment closes with two buttons, which are made from a ring covered with embroidered cotton. I've taken two dorset buttons instead

Unter dem Kleid trage ich übrigens ein ärmelloses Unterkleid, ein Korsett aus Baumwolle, einen baumwollenen Unterrock, lange, weiße Strümpfe und Damenhalbschuhe von Robert Land Footwear.
With this dress I'm also wearing a sleeveless shirt, a corset made from cotton, a cotton petticoat, long white stockings and Lady's shoes from Robert Land Footwear.

Komplettiert wird das Ensemble mit einer passenden Haube aus superfeiner Baumwolle. Auf dem Bild gut zu erkennen, das angesetzte Fichuflügelchen an der Schulternaht.
The dress is completed with a cap of superfine cotton. Pictured below is also the fichu wing, which is attached at the shoulder seam.

Das ist nun auch das offiziell letzte Kleidungsstück in diesem Jahr. Im Januar geht es dann zur Abwechslung mal "Zurück in die Zukunft"! 
Wieder einmal hat mich das Kyoto Costume Institute (KCI) inspiriert und nach einem bereits zurückliegenden Ausflug in das Jahr 1820, verschlägt es mich diesmal in das Jahr 1826 - ich hoffe, meine lieben Leser sind wieder mit dabei!
Also, auf einen guten Rutsch ins Jahr 2012!
This is officially my last dress for this year. In January I'm determined to go "Back to the future"!
Once again the Kyoto Costume Institute (KCI) has inspired me and after a recent excursion into the year 1820, I'm now bound for the year 1826 - I hope my dear readers will join me!
Have a happy start into the New Year 2012!

Montag, 14. November 2011

...und weiter?!

Wenn es vor der Tür kalt und ungemütlich wird, ist es in der warmen Stube umso herrlicher:
schöne Musik, heißer Tee, schnurrende Katzen und viele neue Projekte!
Ja, ich weiß, die Vorhaben aus meinem Beitrag " Von endlosen Nähstunden" aus dem August sind noch nicht gänzlich abgeschlossen, aber dennoch arbeite ich gerade (neben einigen Restaurierungsarbeiten) an folgenden Kleidungsstücken bzw bereite sie vor:
When it's about to getting cold and unfriendly outside, it's even getting more cosy and appealing to stay inside:
accompanied by lovely, enchanting music, hot tea, purring cats and lots of new projects!
Yes, I'm pretty much aware, that I haven't finished all projects mentioned in my August's post "Von endlosen Nähstunden", nevertheless I started to prepare two new projects:
Ein interessantes Kleid in weißer, gestreifter Baumwolle von 1815 aus der Sammlung der LACMA, dessen Details einfach zu ungewöhnlich sind, um es nicht zu interpretieren. Der passende hauchzarte Stoff und endlose Meter an Spitze liegen bereit.
An interesting white gown of striped cotton from 1815 from the LACMA collection, which is so unusual in it's detail that I simply have to sew it. The matching light weight cotton and endless metres of lace are ready to be turned into a dress.

Und den Temperaturen entsprechend noch ein winterlicher Mantel aus der Sammlung "Costume Parisien (1373)" von 1814, der als Redingote de Velours bezeichnet wird. Allerdings verwende ich dafür einen rostroten Schurwollestoff aus meinem Stoffvorrat und einen Graufuchskunstpelz.
Interessanterweise wurde der Modekupfer, der sich hinter dem oberen link in wunderbarer Größe verbirgt, noch für einen Kupfer verwendet, der in der New York Library zu bewundern ist, den möchte ich meinen lieben Lesern auf gar keinen Fall vorenthalten:
According to the dropping tempreatures I've decided on another coat from the "Costume Parisien (1373)" collection from 1814, which is labeled as Redingote de Velours. But I intend to use red pure wool from my fabric stash instead and a lovely grey fox fake fur.
The fashion plate, which you can see in all it's detail in the link above, amazingly was added to another fashion plate, which now belongs to the New York Library. A picture I happily like to share  with my dear readers: