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Montag, 19. Januar 2015

Nachschlag: Pfirsich-Himbeer-Torte!

Die ersten Wochen des neuen Jahres erwiesen sich bereits als recht arbeitsreich. Ich habe ein paar Stücke erfolgreich umgearbeitet, Fundstücke auf dem Antikmarkt gejagt und die Arbeit an einem 1814 Hutmodel begonnen...und ich habe endlich Zeit, Muße und die nötigen Lichtverhältnisse gefunden, um endlich Fotos aufzunehmen.
Heute also ein paar Bilder von dem Seidenspenzer um 1810 aus dem vergangenen Beitrag oder wie es in der Überschrift heißt: ein Stückchen Pfirsich-Himbeer-Torte gefällig?
The first few weeks of the new year proofed to be quite busy. I successfully altered some garments, hunted precious memorabilia on the antique market and started to work on a 1814 hat style...and eventually I've found the time, leisure and light to take some photos.
Here's the latest scoop of pictures of the 18teens silk spencer from my recent post, or what it's called like in this post's headline: a piece of peach raspberry cake anyone?

Rasch die 1812 Kapotte aus Perkale aufsetzen...
Quickly dress with the 1812 cotton perkale capote...

...und es kann losgehen. Die Dekoration am Kragen verleiht dem Spenzer einen munteren Hingucker.
...and ready to go. The collar decoration gives the spencer a vivid expression.

Kennzeichnend für den Spenzer sind die üppigen Ärmel. Hier kam dem Seidentaft der außerordentlich Stand zugute.
The huge sleeves are significant for this spencer style. The immense stand of the silk taffeta was very supportive.

Ein letzter prüfender Blick
Final scrutiny

Zu dem Spenzer trage ich eine 1812 Kapotte aus Perkale, Ein 1815 Kleid aus Perkale, weiße Strümpfe, weiße Lederschuhe, eine Chemisette, einen Unterrock, Schnürleib nach J.S. Bernhardt und eine Chemise
This spencer is worn with an 1812 capote made of perkale, an 1815 cotton perkale dress, white stockings, white leather slippers, a chemisette, a petticoat, J.S. Bernhardt stays and a chemise

Freitag, 9. Januar 2015

1810s Silk Spencer - Lecker, aber langwierig!

Manche Kleidungsstücke entpuppen sich unvorhergesehen als Herausforderung und Lehrstück.
Die Geschichte meines neuesten Spenzers begann bereits vor einigen Wochen mit dem Geschenk einer lieben Näh-Freundin - an dieser Stelle möchte ich mich nochmals herzlich bei Gundi bedanken!
Zwei Meter Seidentaft in einer Farbe, die allerhand Assoziationen heraufbeschwört und schließlich liebevoll als Pfirsichbonbon bezeichnet wurde.
Some garments reveal their challenging nature quite unexpected.
The story of my latest spencer started weeks ago, with a gift of a very kind sewing friend - here I'd like to give many thanks to Gundi again!
Two metres of silk taffeta in a colour, that has evoked many terms ever since and eventually stuck with the name of peach candy.


Beim Auspacken des Taftes fiel mir unweigerlich ein Spenzer aus der Sammlung des Metropolitan Museum of Art in New York ein.
While unpacking the fabric I immediately thought of a spencer from the Metropolitan Museum of Art in New York.

 1804-1814 Silk Spencer (American or Euorpean)
met Museum No. C.I. 39.13.50
(Quelle/source: met museum NY)

Zugegeben die Farbe ist sehr viel kräftiger und eher ins Goldene tendierend und der Original Spenzer ist aus Seidensatin, aber ich hatte mein Herz verloren...den Verstand verlor ich, nebenbei bemerkt, auch beinah während der Nachfertigung.
Admittedly the colour is much more intensive and tending to gold and the original spencer is made of satin, but I've already lost my heart...I also lost my mind a little later during construction.

Der Schnitt war rasch erstellt. Ich hielt mich genau an die Schnittteile des Originals und war wieder einmal bass erstaunt, wie geschickt das Schnittmuster war, denn auf diese Art und Weise kam man mit minimaler Meterware aus und hatte kaum Verschnitt.
Zunächst fertigte ich Teile des Futters aus Baumwollstoff.
The pattern was quickly done. I closely followed the construction of the original and was once again amazed how clever the pattern pieces were made. The final pattern called for minimum yardage with only very little scraps.
First I assembled a few parts of the lining from cotton.

Das Futter von innen mit dem Kanal für zwei (Plastik-) Fischbeinstäbe.
The lining from the inside with a channel for two (plastic) baleen bars.

Aber bald schon zeigte sich die widerspenstige Natur des Stoffes, sowohl in seiner Farbstruktur als auch in seiner Webart.
Die Farbe entwickelte ihren eigenen Sinn und was beim glänzenden Seidensatin noch mild verschluckt wurde, zeigte der Taft in wilden Nuancen. Ich mußte mich vom sparsamen Zuschnitt verabschieden und einige Teile nochmals zuschneiden um ein kunterbuntes Chaos der Schnittteile zu vermeiden.
Den zweiten Streich spielte der natürliche Stand des Taftes, der sich völlig anders verhält, als der eher weiche Fall eines Seidensatins. Der Kragen ließ sich in der ursprünglichen Breite nicht verwirklich.
Stand er beim Original in sanften Wellen ab, gab es beim Seidentaftkragen bei jeder Bewegung heftigsten Seegang.
But soon the fabric revealed it's unruly nature, in colour and in weave.
The shades developed their own sense and what did not struck the eye with the shining satin, showed all it's wild nuances in the taffeta. I had to turn away from the frugal use of yardage and cut some pieces again, to avoid a turbulent mix of shades.
The second trick was played upon me by the stand of the taffeta, which is absolutely different from the soft texture of silk satin. The collar didn't work in it's original width.
Where it showed in pleasing waves in the original, it went into awkward sea disturbance with every movement with silk taffeta.

 1804-1814 Silk Spencer (American or Euorpean) left
met Museum No. C.I. 39.13.50
(Quelle/source: met museum NY)

Also kürzte ich den gesamten Kragen ein. Allmählich verlor ich den Glauben, dass dieses Kleidungsstück jemals fertig werden würde, aber er wurde fertig...zumindest fast. Denn das Licht an meinem Nähtisch vergällte mir das letzte Quäntchen Freude an dem Seidentaft, indem es ihn in ein unvorteilhaftes Farbdurcheinander tauchte.
Unvollendet wanderte der Spenzer in die hinterste Ecke des Nähzimmer und verweilte dort einige Zeit missachtet auf einer Stuhllehne.
Und die Zeit wirkt manchmal Wunder...und auch das sonnige Licht eines Dezembernachmittags.
Der Spenzer fand seinen Weg zurück an den Nähtisch und erhielt endlich seine himbeerbonbonfarbenen Dekorationen.
I re-cut the whole lenght of fabric for the collar. Gradually I lost faith that this garment would ever be finished, but it was done...almost. It was the light at my sewing table, which eventually smashed my last grain of joy for the silk taffeta, as it immersed the colour into a shade's chaos.
The unfinished spencer was tossed into the farthest corner of my sewing room and remained neglected on a chair.
Time works wonders...and also the lovely sunny light of a December's afternoon.
The spencer returned to the sewing table and finally received it's raspberrybonbon coloured decoration.
Vielleicht lag es nur daran, dass der Herbst der falsche Zeitpunkt war, einen so frühlingshaften Spenzer zu nähen?
Maybe it was due to the fact that Autumn wasn't the best season to sew such a spring-like spencer?

 Die Rückseite, die Farbnuancen wirken dank der Dekoration viel harmonischer.
Back view, the shades of peach look much more harmonious with the decoration.

Das Futter mit der Verstärkung durch (Plastik-) Fischbein
The lining with the reinforcement of (plastic) baleen

Der Gürtel, bevor er entlang der Paspel an den Spenzer angenäht wurde.
The belt, before sewn onto the spencer along the piped seam.

Das eingesetzte Stück am Ärmel.
The ingenious piecing at the sleeve.

An dem Sepnzer befinden sich sechs kleine Blumenornamente aus himbeerfarbenem Seidentaft.
Zwei zieren jeweils den Ärmel und zwei sind im Rücken am Gürtel angebracht.
There are six small flower ornaments made from raspberry pink silk taffeta.
Two are on each sleeve cuff and two in the back on the belt.


Der Ärmel ist am Bund ein Stück zusammengenäht, ehe er sich öffnet und durch einen Knopf gehalten wird, um bei Bedarf das Anziehen zu erleichtern.
The sleeve cuff is sewn together at the edge, then it opens and is closed with a button, to give ease when needed.

Bei dem Original ist eine ähnliche Rüsche verwendet worden, ich habe mich allerdings für die Herzrüsche entschieden, die Anleitung dazu findet sich bereits auf vielen Webseiten in aller Ausführlichkeit.
The original spencer has a slightly different decoration, but I decided on this pleat ('Herzruesche', I'm afraid I do not know the English term), the tutorial is already offered on many websites in detail.

Das Futter zum Bund.
The lining at waist level.

Das Futter vorn. Im Hintergrund sieht man die Fältelung des Kragens. Vorn direkt an der Kante sitzen die Haken und Riegel.
The lining at the front. The pleating peeps out from behind. The closure (hooks and bars) sits close at the very edge.