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Freitag, 25. Januar 2013

1816 - 1818 Yellow Walking Dress

Über die Jahre nach 1815 scheiden sich im Bezug auf die Mode die Geister. Max von Boehn lässt in seinem Werk "Die Mode" den Leser nicht im Unklaren über seine Meinung, wenn er schreibt:
"Die Höhe der Geschmacklosigkeit ereicht Wien etwa 1817..."
Mit der Eleganz und Schlichtheit der frühen Jahre um 1800 hat die Mode in der Tat nicht mehr viel gemein als die hohe Taille, aber dennoch üben die Kleider eine Faszination aus.
Wer sich in der Anfertigung üppiger Dekorationen üben will und handwerkliche Herausforderungen nicht scheut, sollte der zweiten Hälfte der 1810er unbedingt einen Besuch abstatten. Zudem ist die Entwicklung der Mode wirklich interessant und es freut mich immer besonders, wenn ich mit meinen Kleidungsstücken die Silhouette einfangen kann.
The years following 1815 often leave mixed emotions in regard of fashion. Max von Boehn shares his opinion in the famous book "Die Mode", without doubt he was not fond of the dresses:
"The height of bad taste was reached in the year 1817 in Vienna..."
The elegance and simplicity of the early years around 1800 has vanished, only the high waist remained in common, nevertheless the dresses are fascinating.
Whoever is fond of heavy decoration and does not be afraid of many sewing challenges, should pay attention to the second half of the 1810s. The developement of the fashion is always interesting and I'm truly happy when I manage to catch the silhouette of certain garments.

Mit anderen Worten, der letzte Nadelstich an meinem Spenzer ist getan und das gesamte Ensemble ist ausgehfein! 
Und nicht nur das, zufälligerweise bietet sich mir die Möglichkeit, mit dem Spenzer an einem Wettbewerb teilzunehmen, den die wunderbare Leimomi Oakes - die Dreamstress - ins Leben gerufen hat. Mehr zu erfahren gibt es unter "The Historical Sew Fortnightly"
In other words, the last stitch on my spencer is finally done and the whole ensemble ready to be worn!
And it just happens that I finished it in time to take part at the challenge #2 UFO, which the amazing Leimomi Oakes -  The Dreamstress - has brought to all costume enthusiasts. More to learn about the project, here: "The Historical Sew Fortnightly"

Zum Einsatz kamen etwa 1.5 bis 2 m strukturierter Seidentaft, Baumwollstoff für das Futter und Seidensamt für die Verbämung von Kragen und Ärmelaufschlägen.
I needed about 1.6 to 2.1 yards of structured silk taffeta, cotton for lining and silk velvet for the collar and cuffs.

Als Inspiration für den Spenzer diente mir ein schönes Original, das im letzten Herbst auf der Seite Poppies Cottage Antique Clothing versteigert wurde (unbedingt mal reinschauen!)
Freundlicherweise erhielt ich die Genehmigung ein Bild des besagten Spenzer zu veröffentlichen.
The inspiration for my spencer was a charming originl which was auctioned last autumn at Poppies Cottage Antique Clothing (please take a look at the fabulous site!).
In courtsey of the owner I'm able to share a picture.
Seidenspenzer ca. 1818 in cremegold* (Quelle & Copyright: Poppies Cottage)
Light creamy gold silk spencer, ca.1818* (source & copyright: Poppies Cottage)

Kennzeichnend für die Spenzer ab etwa 1816 sind die ziemlich hohe Taille und dadurch ein verkürztes/knappes Oberteil, sowie die herabfallenden Schultern, was oftmals durch üppige Ärmeldekorationen erreicht wurde.
Characteristics of the spencer from 1816 onwards are the very high waists, thus short bodices and the droppping shoulders, which were achieved through heavy decoration at the puffed sleeves.
Ein wenig vom Orignal abweichen mußte ich am Kragen, denn der Seidensamt sieht nicht nur aus wie flüssiges Gold, er lässt sich auch so verarbeiten. Außerdem habe ich zwei der Riegel mit Blattwerk (welche an den Schultern auflagen) an meinem Spenzer wieder entfernt, es erschien durch den etwas festeren Seidentaft zu überladen.
I had to change the collar though, because the silk velvet does not only look like liquid gold, it unfortunately also acts like that. I ripped off two further piped bars and leafs on the shoulder, because my choice of silk was thicker than the original and thus it didn't look appealing.

Ein Blick ins Innenleben. Deutlich erkennbar im Futter aus Baumwolle sind die Stiche, mittels derer die gepaspelten Bänder außen angenäht wurden. der Spenzer wird mit Haken und Riegeln geschlossen.
An inside view. Clearly to be seen the stitches on the cotton lining, with which I attached the piped bars on the outside. The spencer is closed with hooks and loops.

Das Ärmelloch ist mit Überwendlichstichen versäubert.
The sleeve hole ist finished with overcast stitches.

Die Rückseite mit hochgeschlagenem Kragen. Für die untere Seite wurde Seide verwendet...
The back with a raised collar. The lower side is made of silk taffeta...

...der kostbare Seidensamt schmückt die obere Seite des Kragens.
...the precious silk velvet embellishes the upper side of the collar.

Der Seidensamt besteht zu 100% aus Seide und wurde mit Dahlienblüten zu diesem berauschenden Gelb gefärbt. Ich habe den Kragen nicht verstärkt, da der Samt so jede Regung einfängt und in einem wunderschönen Schimmer widerspiegelt. In der folgenden Detailaufnahme erkennt man die Schattierung noch besser:
The silk velvet is made of 100% pure silk and was dyed with dahlia flowers to this amazing golden yellow. I haven't lined the collar, because then the silk velvet is able to catch the slightest movement and reflect it with it's shine. In the following detailed picture the shades would show even better:

Außerdem habe ich den Seidensamt an den Ärmelaufschlägen verwendet.
I also applied the silk velvet on the sleeve cuffs.

An den Ärmeln (bzw den Buffonees) und den Verzierungen habe ich die linke Seite des Seidentafts verwendet, die einen etwas gelberen Schimmer hat. So ergab sich ein feiner Kontrast.
I used the left side of the silk taffeta on both the puffed sleeves (buffonees) and the decoration on the bodice. That side is a bit more yellowish golden and gives a lovely contrast.

 Die kleinen Blättchen bestehen aus doppellagigem Seidentaft der rundherum gepaspelt wurde.
The small leafs are made of a double layer of piped silk taffeta.

Oh! Ich konnte den Augenblick, in dem das Ensemble des "Yellow Walking Dress" endlich komplett ist, kaum erwarten. Die Einflüsse der Mode zwischen 1816-1818 sind glücklicherweise wunderbar erkennbar.
Und Max von Boehn würde sicherlich kräftig die Nase rümpfen!
Oh! I really was looking forward seeing the ensemble of the "Yellow Walking Dress" finally finished.
The influences of fashion from 1816-1818 are evidently showing.
Max von Boehn would surely wrinkle his nose!

Und - herrje! - der Rock ist empörend kurz!
And - oh my! - the skirt is shockingly short!

Neben dem Spencer, dem ärmellosen Kleid und der Schute, trage ich eine Chemisette, einen Unterrock, ein Kurzkorsett, ein Unterhemd und Seidenstrümpfe sowie lederne Halbschuhe.
I'm wearing the spencer, the sleeveless dress and a bonnet, a chemisette, a petticoat, short stys, a chemise, silk stockings and leather half shoes.

Und natürlich hat meine "Muse am Nähtisch" darauf bestanden auch einmal mit ins Bild zu kommen. Wie könnte ich da nicht zustimmen?
And then my "muse at the sewing table" was determined to be in one of the photos. How could I disagree?

Die Puffärmel erzielen eine wunderbare Wirkung!
The puffed sleeves are amazing!

Eine Nahaufnahme (mit den damals üblichen falschen Locken)
A close-up (with the period false curls)

Ich habe meinen Lesern die späten 1810er Jahre mit diesem Ensemble hoffentlich ein wenig näher bringen können. Die Zeit ist durchaus die ein oder andere Nähstunde wert!
I hope I've convinced my dear readers about the quality of fashion of the late 1810s. The dresses are well worth some hours at the sewing needle!

*Anmerkung: Ein außergewöhnlicher Glückfall! Erfreulicherweise hat sich die neue Besitzerin des wunderschönen Spenzer bei mir gemeldet, um mich an ihrer Nachforschung über das Kleidungsstück teilhaben zu lassen. Diese neuen Erkenntnisse möchte ich mit meinen Lesern teilen.
Zunächst sei erwähnt, dass die Farbe nicht etwa wie von mir zuvor vermutet ein pudriges Rosa ist, sondern ein wunderschöner cremiger, fast butteriger Goldton. Der Spenzer is unglaublich klein: die Länge beträgt 8 Zoll (20 cm), die Breite der Front etwa 11 Zoll (27 cm).
Zur ursprünglichen Datierung  (etwa 1819) sei zu sagen, dass der Spenzer Teil eines Hochzeitsensembles war und die einstige Trägerin Mary Ellis Cole darin 1821 in Penzance/Cornwall von James Agnew Stevens zum Altar geführt wurde.
*Further note: A remarkable developement! Luckily and to my absolute delight the new owner of the beautiful spencer has contacted me, to share some fantastic details of her research, which I'm allowed to write down for my dear readers.
First I'd like to mention, that the colour of the original spencer wasn't a powder pink (my guess), but a lovely creamy, almost buttery shade of gold. The spencer is really petite: the lenght measures only 8 inch, the width of the front only 11 inch.
As for the primarily estimated dating (1818/19), research brought to light, that the spencer was a wedding spencer, which the original owner Mary Ellis Cole has worn in 1821 when she married James Agnew Stevens in Penzance/Cornwall.

Dienstag, 8. Januar 2013

1817 Chapeau de Satin Bleu

Bei meinem aktuellen Stück auf dem Nähtisch bewege ich mich in der Zeit von ca. 1816-1818. Das gelbe Seidenkleid ist bereits fertig, der Spencer wartet auf die Vollendung. 
Was noch fehlte war die Anregung für einen passenden Hut, der allerdings farblich ein wenig aus der Reihe tanzen darf! Meine Absicht ist, dass das Ensemble wie nachträglich über den oben erwähnten Zeitraum  zusammengestellt und ergänzt wirken soll.
Erneut wurde ich auf SceneInThePasts wunderbarer Sammlung unter der Rubrik "Costume Parisien 1817" fündig. Dort gibt es unter den Modekupfern eine überwältigende Auswahl an Kopfbedeckungen. 
Ich entschied mich für eine Melange verschiedener Hüte mit einer Krempe die im exakten 90° Winkel zur Krone ist.
Dekoriert sind die meisten Hüte dieses Jahrgangs üblicherweise nur auf einer Seite, dafür aber bisweilen recht "lautstark".
As mentioned before my current piece on the sewing table takes me to the timespan between  approx. 1816-1818. The yellow silk dress is already done, the spencer awaits being finshed soon.
All that's missing, was an inspiration for a matching hat, which should actually be not an overly perfect match! My intention is that the whole ensemble should look like if purchased and altered over the above mentioned time span.
Once again I struck on the fabulous flickr collection of SceneInThePast's "Costume parisien 1817". There are a lot of headwear beauties to choose from.
I decided on a mix of different hats, which all have a 90° angle from brim to crown in common.
Usually these hats have been decrorated on one side only, but this side was truly "roaring loud".

Die laute Seite. Der Hut besteht aus himmelblauem Satin. Die Krempe is mit cremefarbenem Seidentaft gefüttert, die Krone mit naturfarbenem Baumwollstoff. Um eine Gemeinsamkeit zu meinem Seidenensemble herzustellen, sind die Paspel, das Hutband und die Dekration in Gelb gewählt.
Das karierte Hutband greift beide Farbtöne wunderbar auf.
The loud side. The hat is made from skyblue cotton satin. The brim is lined with cream-coloured silk taffeta, the crown with off-white cotton. To get a connection to the silk dress and spencer, I've chosen yellow for the piping, hatband and decoration. The plaid ribbon reflects both colours nicely.

Die Rückansicht mit Blick auf die dekorierte und undekorierte Seite. Die Krone wurde mit einem einfachen Stoffkreis überschlagen, die Falten entsprechen den Originalen der Modekupfer.
The back with a view to both the decorated and undecorated side. The crown was simply covered with a fabric circle, the pleats are also found in the fashion plate's originals.

Die ruhige Seite, in ruhigem Licht.
The quiet side, in dimmed light.

Die Voderseite. Die Krempe wird beim Tragen durch das karierte Hutband noch ein wenig zusammengedrückt und in Form gebracht.
The front view. While wearing the brim is brought into the right shape with the ribbon ties.

Die Konstruktion von Krone und Krempe war glücklicherweise denkbar einfach, keine mathematischen Berechnungen, sondern ein einfacher Kreis rund um die Krone, der nur noch entsprechend zugescnitten werden mußte.
The hat construction was easy, no major calculations, just a simple circle around the crown, which needed some slight cutting on the edge.
Und zur Verwendung kam diesmal nicht etwa Hutleinen, sondern der Stramin, den ich für mein Retikül erworben hatte (und der um einiges kostengünstiger ist!)
I didn't use buckram for the construction, but the tapestry canvas, which I had bought for my latest reticule (which was altogether so much cheaper!)

Und so sah die Krempe schließlich aus, bevor sie an die Krone angenäht wurde, um den gewünschten 90° Winkel zu erreichen.
And that's what the clipped brim looked like before it was attached to the crown to acieve the admired 90° angle.

Dienstag, 1. Januar 2013

Gute Vorsätze und Traditionen

Meinen werten Lesern ein Frohes Neues Jahr!
Seit Kleidungum1800 im Jahr 2010 das Licht der Blogsphären erblickt hat, 
ist es mir zur Tradition geworden, zu Beginn eines jeden neuen Jahres ein wenig über den Tellerand des Zeitfensters 1795 - 1820 hinauszublicken und mich einem Kleidungsstück frei nach dem Motto "Zurück in die Zukunft" zu widmen.
Nach den vergangenen Ausflügen in die Jahre 1820 und 1826, führt mich die Reise wiederum sechs Jahre voran in die Zeit um 1832.
Schon lange spukte ein bestimmtes Kleid in meinen Gedanken herum, aber es scheiterte immer wieder an der Stoffauswahl, bis...
Ja, bis ich kurz vor Weihnachten ein wunderbares Geschenk erhielt, indem ich endlich (!) den ultimativen Baumwollstoff entdeckte (und ihn auch gleich ohne Zögern bestellte!)
Aber nun will ich meine Leser nicht länger auf die Folter spannen und das Geheimnis lüften:
 A Happy New Year to my dear readers!
Ever since Kleidungum1800 appeared in the width of the blogsphere in 2010, it became a tradition to me to leave the timeframe of 1795 - 1820 to venture into following eras according to the motto "Back to the future".
After taking excursions into the years 1820 and 1826, I'll leap another six years ahead into the time around 1832.
For quite some time a certain dress was on my mind, but I failed to find a matching fabric, until...
Yes, until a few days before Christmas when I finally stumbled upon the perfect cotton print (which I ordered without hesitation!)
Well guess it's time to reveal the secret project:

Das Kleid hat aus so vielen Gründen mein Herz gewonnen! Zum einen, arbeite ich besonders gerne mit Baumwolle bzw Baumwolldruckstoffen. Zum anderen gefällt mir die Front des Oberteils...und dann ist da natürlich noch dieser herrliche Stoff! Überhaupt lebt das Kleid vor allem durch den außergewöhnlichen Stoff.
Und ich bin denkbar glücklich, dem Originalstoff mit meiner Auswahl doch recht nahe gekommen zu sein.
The dress won my heart for many reasons. First, I love to work with cotton and cotton print fabric. Secondly I love the front of the bodice...and then certainly this beautiful fabric pattern and colour! This dress is all about the fabric. 
And I'm truly happy to having been able to purchase one so close to the original.

Quiltstoff aus der Sturbridge Collection von Judie Rothermel

Aber bevor der Stoff unter die Schere kommt, geht es erst einmal an die dazugehörige Unterkleidung.
Ein passendes Korsett besitze ich bereits, also kann ich in Kürze mit dem Schnurunterrock und den "Puffärmelverstärkern" beginnen. Als Vorbild dazu dient ein Stück aus der Sammlung des Kyoto Costume Institutes. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich tatsächlich so viele Reihen Kordel in den Rock einziehen werde, aber mal abwarten, wie Abende auf der Couch und Kordelkanälenähen so harmonisieren.
But before I'll cut into the fabric, I'll have to make a set of undergarments. I've already a proper corset, which means I'll start with a corded petticoat and puff pads for the sleeves.
I try to work according to the pieces from the Kyoto Costume Inst. collection. But I'm not sure wether I'll manage to sew so many channels. Let's see how evening's on the couch and sewing cording channels will go together.

Im vergangenen Jahr habe ich leider das Fortkommen in Sachen Schuhherstellung schmählich vernachlässigt, aber in diesem Jahr zählt es zu meinen guten Vorsätzen für dieses Ensemble ein einfaches schwarzes Paar Lederschuhe herzustellen.
In the past year I unfortunately neglected any progress on shoe making, thus one of my resolutions for this year is to build a pair of plain black leather slippers with square toes for this ensemble.

Aber bevor der Sprung in das Jahr 1832 ansteht, werde ich selbstverständlich erst das gelbe Seidenkleid samt Schute fertigstellen...mehr hoffentlich in Kürze!
But before leaping into the 1832s, I'm going to finish the yellow silk dress and a bonnet...hopefully more about it soon!

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Erhellende Einblicke...und ein kleiner Ausblick

Das neue Projekt bringt mit seiner herrlichen gelben Farbe nicht nur die im Winter schmerzlich vermisste Helligkeit ins Haus, es erweist sich abermals als gute Lehrstunde in Sachen Konstruktion und Stoffverarbeitung.
Nachdem ich zweiundzwanzig Fächerornamente genäht hatte, fand ich, dem Kleid könnte noch eine weitere Dekoration nicht schaden...vielleicht Rouleaux?
Also nähte ich eifrig endlose Meter an gefälteltem Stoff an einer Paspel an, applizierte es auf den Rock und...entfernte es anschließend wieder fluchend!
Wieder mal eine Lehrstunde, dass man sich bei Kleiderdekorationen und deren Harmonie immer möglichst an den reichhaltigen Fundus an Originalen und Modekupfern halten sollte. Wie immer: die Damen um 1800 wussten einfach, was sich tragen ließ. 
An dieser Stelle erlaube ich es mir abermals Jane Austen zu zitieren: 
"Es ist eine allgemein geltende Wahrheit...",
auch wenn es mitunter aufwändig ist oder man denkt "Soooo viel Arbeit", kann ich nur empfehlen, sich die Mühe zu machen und den reichhaltigen Vorbildern strikt zu folgen. Denn die Mühe lohnt! Versprochen!
Auch wenn ich über das gescheiterte Rouleau verärgert war, hob ich es dennoch auf - und tatsächlich es sollte noch von Nutzen sein!
The new project does not only brighten the dark winter days with it's lovely sunny yellow, it also offered me yet another enlightening lesson in construction and fabric manipulation.
After having sewn twentytwo fan ornaments, I thought it would be fun to add a further decoration onto the hem...maybe padded rouleaux?
I eagerly started to sew endless inches of folded fabric onto a pipe, attached it to the skirt and...ripped it of swearing quite a lot!
Yet another lesson learnt, always to follow originals and fashion plates concerning decoration and their harmony. The seamstresses around the year 1800 simply knew how to achieve that look.
Here I allow myself to quote Jane Austen again: 
"It's a truth universally acknowledged...",
even it's tedious and makes one sigh "Soooo much labour", I highly recommened to follow closely in the steps of the period seamstresses. It's well worth the labour! Promised!
Although I was pretty upset about the failed rouleau attempt, I kept the piece - and it turned out to be of some value later.

Das Kleid ist ärmellos und das Oberteil hat keinerlei Verzierung. 
Wie in der Zeit um 1816 - 1818 üblich, ist das Oberteil sehr schmal, der Rock ist zumeist recht kurz - 
Ha, und an dieser Stelle tauchten erneut unvorhergesehene Widrigkeiten auf! 
Als Schnitt für den Rock kürzte ich mein 1815 Robe de Perkale sowohl im Umfang als auch in der Länge (minimal).
Aber beim Zusammenstecken mit dem Oberteil erschien es mir unglaublich kurz (geradezu schockierend für meinen Geschmack...und mein Alter) und zudem fehlte dem Rock der Schwung. Der Strukturseidentaft hat ziemlich viel Stand und zwängte den Rock in eine Form, wie sie eher für die 1820er bekannt ist.
 Aber nicht verzagen. Da ich genug Stoffreste hatte, tauchte ich eines mutig in kaltes Wasser und bügelte es anschließend auf Stufe I und siehe da der "Stand" des Stoffes war verschwunden.
Nach erfolgreichem Versuch, tauchte ich den oberen Teil des Rocks (der ja noch nicht an das Oberteil angenäht war) bis kurz vor die Verzierung am Saum ins Wasser und bügelte ihn vorsichtig...und heraus kam ein perfekter 1816-1818 Rock, mit genügend Schwung in der Bewegung und einem guten Stand am Saum.
Hier aber die dringende Empfehlung: bitte immer erst an einer Stoffprobe testen, bevor man zur Tat schreitet!
Auch für die fehlenden drei bis vier Zentimeter fand sich eine gute Lösung: ein falscher Saum - und zwar aus dem mißlungenen Rouleau!
The dress is sleeveless and the bodice has no decoration.
It was common between 1816-1818 to have have very small bodices with very high waists and a quite short skirt - 
Ha, that's when more problems suddenly occured! I've altered my skirt pattern from the 1815 Robe de Perkale in circumference and lenght (minimal).
But when pinning the bodice and skirt together I felt the skirt to be too short (almost schockingly short for my taste...and my age) and I missed the swing of the fabric.
The structured silk taffeta has much stand and made the skirt look like being from the 1820s.
But never give up. As I had enough fabric scraps on hand I bravely dipped one into cold water and then ironed it carefully on level I, which made the "stand" magically dissapear.
After this successful attempt, I dipped the upper part of the skirt (which was only pinned to the bodice) into the water until short before the beginning of the ornamented hem, then I ironed it ...and was rewarded with a perfect 1816-1818 skirt, with lots of swing and a lovely stand around the hem.
But please, before doing this to your silk fabric, please have a test on a fabric scrap!
I even managed to find a solution for the missing 2 inch in lenght: a fake hem - being made from the failed rouleau!

Die Fächerornamente, der leicht wattierte Saum und der gefältelte und gepaspelte falsche Saum. Da der Seidentaft auf beiden Seiten durch die Webart eine etwas andere Schattierung hat, habe ich mich dafür entschieden, die Ornamente in der dunkleren, eher goldenen Schattierung zu fertigen. Auf dem Bild ist das leider nicht ganz so gut erkennbar.
The fan ornaments, the slightly paddded hem and the pleated and piped fake hem. As the silk taffeta has different shades on it's sides, I decided to do the decoration in the darker more golden shade. Unfortunately it's quite difficult to see in the photo.

Nahaufnahme des Saums
Close-up of the hem

Die Rückseite. Hier erkennt man, wie der falsche Saum auf die baumwollene Rückseite des wattierten Saums gesetzt wurde. Darüber sind die Stiche der Ornamente, die entlang der Paspeln festgenäht wurden.
The back. The false hem was sewn onto the cotton back of the padded hem. Above are the stitches of the fan ornaments, which are sewn on following the piped seam.

Das Oberteil wird im Rücken mit Nadeln (Futter) bzw Bändern (Oberstoff) geschlossen.
The bodice is closed with pins (lining) and ribbons (fashion fabric).

Als nächstes geht es an den passenden Spenzer.
Und für den Beginn des neuen Jahres, steht wieder einmal ein Ausflug zurück in die Zukunft auf meiner Wunschliste. Nach einem Abstecher in die Jahre 1820 und 1826, schreite ich wieder sechs Jahre voran und beschäftige mich mit der Nacharbeitung eines Kleides aus dem Jahre 1832. 
Dazu mehr im neuen Jahr.
An dieser Stelle wünsche ich meinen lieben Lesern schöne Feiertage und einen guten Start in ein hoffentlich erfülltes Jahr 2013.
Next step will be the spencer.
And for the beginning of the new year, I'm going back to the future again. After visiting the year 1820 and 1826, I'll step forward another six years and will recreate an amazing dress from 1832.
More to come next year.
I wish my dear readers very Merry Holidays and a wonderful start into an amazing New Year 2013.

Freitag, 30. November 2012

Wintertristesse adieu!

Wie zaubert man in das graue Einerlei des Novembers ein wenig Sonnenschein?
Natürlich mit den wunderbarsten Gelbtönen und herrlichsten Stoffen...
...aber der Reihe nach!
Noch während der Arbeit an dem Königin Luise Ensemble - bei der es zugegebenermaßen recht schleppend voran ging - wähnte ich es an der Zeit, mir mal eine angemessene Belohnung zu gönnen und ein kleines, kostbares Stück Stoff zu erwerben:
echten Seidensamt. Pflanzengefärbt mit Dahlienblüten.
Kaum hielt ich den unglaublichen Stoff in den Händen, flüsterte mir der Seidenschrei (dazu gibt es einen äußerst interessanten Bericht namens "Terminology: What is scroop?" auf dem Blog der wunderbaren Dreamstress - unbedingt lesen!) ein neues Projekt ins Herz.
Bevor ich fortfahre, ein Blick auf den Seidensamt und die Versicherung, dass das Foto noch nicht mal annährend seine gesamte Pracht widerspiegelt.
How do you perform magic and bring sunshine into the dark days of November?
Certainly with lovely shades of yellow and beautiful fabrics...
...but first things first!
While still busily working on the Queen Louise ensemble - which I have to admit was a rather slow process at that time - I thought it was about time to reward myself with a small piece of some truly precious fabric: 
real silk velvet. Dyed with dahlia flowers.
The moment I held it in my hands for the first time, the scroop (there's a very interesting blogpost called "Terminology: What is scroop" on the lovely Dreamstress' blog - please read!) whispered me into a new project.
Before I proceed, a first glimpse of the silk velvet, but be assured that the picture gives only a vague impression of the full gorgeousness and pomp of the piece.

Mein goldenes Vlies neben der strukturierten Seide - my golden fleece next to the structured silk

Meine Gedanken überschlugen sich und landeten schließlich in der Zeit zwischen 1817 - 1820.  Und aus diesem Grund basiert das neue Ensemble nicht auf einem einzigen Original, sondern setzt sich aus verschiedenen Einflüssen zusammen. Die Idee, dass es ein zweiteiliges Ensemble aus einem Spencer und einem ärmellosen Kleid werden sollte, fand ich in der Sammlung des Victoria & Albert Museums. Dort erhielt ich auch die Inspiration für den passenden Stoff zum Seidensamt. Eine strukturierte Seide. Wer das Buch "Nineteenth Century Fashion in Detail" besitzt, hat die Gelegenheit den Stoff auf Seite 10/11 aus aller Nähe zu betrachten. Die Struktur erinnert beinah an die Haut eines Reptils.
My thoughts flipped and finally fell for the years 1817 - 1820. And thus the new project isn't based on a single original garment, but is inspired by a few amazing dresses. The idea of a two pieced ensemble (a spencer and a sleeveless dress) arose from a piece of the Victoria & Albert Museum's collection. This particular dress also inspired me to get a matching fabric for the silk velvet. A structured silk taffeta. For those who own the book "Nineteenth Century Fashion in Detail", have the opportunity to take a close look at the fabric on page 10/11. The pattern almost resembles reptile skin.

Wie häufig bei aufwändigen Kleidungsstücken beginne ich gerne mit dem Rockteil und der Verzierung.
Und da ich eine besondere Vorliebe für gepaspelte Dekorationen habe...nun...Bilder sprechen manchmal mehr als Worte:
With a sumptuous dress it is often the case that I prefer to start with the skirt and hem decoration.
And as I have a soft spot for piped decoration...well...sometimes a picture tells more than words.

Nach einigem Tüfteln, hatte ich das Geheimnis um die kleinen Fächer gelüftet, und es konnte ans Nacharbeiten gehen.
After some trial and error I finally revealed the construction secret of those tiny fans, and could start with copying it.

Alles was man benötigt ist ein Kreis aus Seide, der auf ein Viertel eingeschnitten wird und dann ringsherum mit einer Paspel versehen wird.
All you need is a silk circle which is cut into a quarter deep and then piped all the way round.
Der Seidenkreis mit der teilweise angehefteten Paspel.
The silk circle with the partially added pipe.

Die Vorderseite der Dekoration mit der umgebügelten Paspel.
The front of the decoration with the ironed pipe.

Die Rückseite.
The back.

Und hier ein Ausblick auf die fertige, angeheftete Dekoration am Saum.
And a glimpse of the hem decoration pinned in place.