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Montag, 5. Februar 2018

Ein westphälisches Kleid aus acht rheinischen Ellen

Im letzten Sommer entdeckte ich auf dem Antikmarkt einen Ballen wunderbare gestreifte Baumwolle. Der Stoff lag nur 75 Zentimeter breit und maß 5 Meter in der Länge.
Die besten Voraussetzungen um ein einfaches Kleid der ausgehenden 1790er Jahre für die Reise und den Alltag zu nähen - stückeln inklusive!
Past summer I found a pretty striped cotton bolt on the antique market. The fabric measured only 30 inches in width and was a little more than 5 yards long.
This meant the perfect requirements for a simple late 1790s dress for travel and every day wear - piecing included!

Ein herrlicher Stoff, der leicht aber mit wunderbarem Stand versehen ist.
A lovely fabric, which is light, yet with a wonderful crisp stand.

Lediglich das Oberteil (Leib) ist gefüttert, die Ärmel und der Rock bleiben ungefüttert
Only the bodice is lined, the sleeves and skirt remained unlined

Die Streifen sind sehr schmal, von einem grauen Blau und mit Schwarz gefasst
The stripes are very narrow, its a greyish Blue, paraded by black colour

Die Rückennaht ist mit dem doppelseitigen Saumstich ausgeführt
The back seam is sewn with a double overcast stitch

Die Ärmel bleiben unversäubert, denn gute Baumwolle verfranst nur leicht und vermattet dann durch das Tragen und es entsteht kein weiteres Aufribbeln
The sleeves remained uncasted, good quality cottons only slightly fray, then kind of mat and hence keep the garment from fraying completely
Der schmale Rücken mit den Ärmeln, die weit in den Rücken laufen
The narrow back piece and sleeves which run into the back
 
Das Innenleben. Die Flügel werden mit Nadeln festgesteckt und die Front mit Bändern reguliert
The inside. The white cotton wings are pinned and the front is adjusted with cotton strings
 
Auch beim Rock musste gestückelt werden, um die Meterware komplett zu nutzen und möglichst wenig Stoff zu vergeuden
The skirt was pieced, too, to use the yardage completely and have as little waste of fabric as possible

Und was soll ich sagen, das einfache Kleid hat sich zu einem Lieblingsstück entwickelt, denn man kann es wunderbar kombinieren und in Weimar war es fast ständig im Einsatz.
Aber nicht nur bei sommerlichen Temperaturen ist es tragbar, nein auch im grauen westfälischen Winter ist es ein geschätztes Kleidungsstück!
And as you've guessed, this simple dress became one of my favourites, because it's very versatile and I can mix it with a lot of garments. Sure, I've worn it quite often in Weimar.
But it's not only valuable in summer, it's also very popular in the westphalian grey winter!

Das einfache Kleid trage ich über einer Chemise, J.S.Bernhardts 1790er Schnürleib (der wird nächste Woche ausführlich vorgestellt!), einem Unterrock, langen Strümpfen und meinen Lieblingsschuhen von Robert Land. Dazu die obligatorische graue Perücke der 1790er und entsprechendes Bandeau aus Seide.
The simple dress is worn on top of a chemise, J.S.Bernhardt's 1790s stays (there will be a in depth blogpost coming next week!), a petticoat, long stockings and my beloved Robert Land slippers. Additionally I'm wearing the obligatory 1790s grey wig with a silk bandeau.
Da kommt das frühromantische Gefühl der 1790er auf...
The feeling of early romanticism rises...

...da darf das Brieflesen natürlich nicht fehlen!
...and reading letters is almost a must have!

Und dann fällt mir nur noch eines ein, das wirklich nicht fehlen sollte: eine Katze!
And then only one thing comes to my mind, which should never be missed: a cat!
An dieser Stelle möchte ich unser Sophiechen vorstellen, die mich seit ein paar Wochen am Nähtisch begleitet. Das feine Mädchen kommt aus dem fernen Omsk/Sibirien und wurde uns durch den fabelhaften Verein Samtpfötchen Hilfe eV vermittelt. Sie liebt Schnürleibschnüre-und Stäbe, weite 1790er Röcke und Stoffe mit Katzenhaaren zu vervollkommnen.
I'd like to introduce our little Sophie, who accompanies me at the sewing table for a few weeks now. The lovely little girl is from Omsk/Siberia and found her way to us via the wonderful organisation Samtpfötchen Hilfe eV She loves stays laces and whalebones, wide 1790s skirts and perfecting fabrics with a dose of cat hair.

Aber zurück zum Brief, der dringend verlangte in die Kälte hinauszugehen! Was zieht man nur an, um gegen den eisigen Wind gewappnet zu sein?
But back to the letter, which called for leaving the cosy home! How do you dress up to face the freezing breeze outside?

Ein wattierter Rock über dem Kleid ist eine brilliante Idee!
A comfy quilted skirt is a brilliant idea!
Und was passt dazu?
And what matches this skirt?
Ein wattierter Caraco ist sicher eine sehr gute Wahl!
A quilted caraco is a very good choice!
 
So kann man sich durchaus vor die Türe wagen!
Yes, perfectly dressed for leaving the house!
Auch farblich ein Hingucker
The matching colours are delightful
Rasch noch den Brief einstecken und los geht's!
Quickly fetch the letter and off we go!
 
Wir sehen uns dann nächste Woche zu den 1790er Schnürleibstudien...bevorratet euch schon mal mit Thee!
See you next week for the 1790s short stays studies...better have some tea ready then!

Dienstag, 7. Januar 2014

Winterhimmelblaue Kapotte

Huiiiii!!!
So schnell ist das neue Jahr schon wieder ein paar Tage alt.
Nach all dem (notwendigen) Müßigang während der Feiertage, bin ich gestern an den Nähtisch zurückgekehrt, um das erste Kleidungsstück des Jahres in Angriff zu nehmen.
Greifen wir nach den Sternen oder zumindest bedecken wir vornehm und kleidsam den Kopf, der in den Wolken schwebt:
mit einer Kapotte!
Und die schlägt auch gleich einen wunderbaren Bogen zu meinem letzten Projekt aus dem vergangenen Jahr. Denn für das komplette Ensemble von wattiertem Rock und Fichu Chemise
fehlte noch die passende himmelblaue Kopfbeckung.
Allerdings muß ich gestehen, dass ich keine wirklich große Zuneigung zu der dazugehörigen Kappe hegte, also erlaubte ich mir im 'Journal des Dames et des Modes' nur wenige Tage zurückzublättern, um mich von dem Modekupfer 168 aus dem Jahre 1799/1800 inspirieren zu lassen.
Wheeee!!!
The new year went quickly into the first days.
After all the (necessary) idleness during the holidays, I've returned to the sewing table yesterday to assemble my first garment for the new year.
Let's aim for the stars or at least find a most suitable and lovely way to cover the head in the clouds:
with a bonnet!
And that particular piece builds a bridge to my last project in the past year. Because the celestial headwear for the padded skirt and fichu chemise was still missing.
But I have to admit, that the matching bonnet did not capture my heart, hence I decided to leaf back a few pages in the 'Journal des Dames et des Modes', to get inspired by the fashion plates No. 168 from 1799/1800.

Journal des Dames et des Modes, Costume Parisien An VIII
168 Chapeaux - Capotes
(Quelle/source: via pinterest)

Die Kopfbedeckung Mitte unten gefiel mir auf Anhieb...und in himmelblauer Seide passt sie gelungen zum dem Ensemble.
Ich benötigte 
- einen halben Meter Seidentaft in besagtem Himmelblau
- ein kleines Stück schwarzen Baumwollchintz und cremefarbene Seide  (Futter)
- ein wenig mehr als zwei Meter altes Samtband (leider weniger breit als in dem Kupfer)
-zwei Haken und Ösen
- Steifleinen für den Schirm
- eine Länge Draht für den Schirm
- Baumwollmolton zum Wattieren
- feines und festes Baumwollgarn
The bonnet in the bottom row (middle) was my first choice...and in celestial blue it would look wonderful with the ensemble.
I used
- half a yard of silk taffeta in said blue
- a small fabric scrap of black cotton chintz and cream taffeta (lining)
- a tad more than 80 inches of antique black velvet ribbon (unfortunately less wide than that in the plate)
- two hooks and eyes
- buckram for the brim
- a lenght of wire for stiffening the brim
- cotton molton for padding
- superfine and common cotton thread

Leider ist das nur ein sehr blasser Eindruck von dem wunderschönen Himmelblau...seufz...
Durch die schmaleren Samtbänder wirkt der Schirm deutlich länger als im Kupfer.
Die Bänder zum Schließen sind an einem Ende am Schirm angenäht und werden dann - überkreuz gelegt - mit dem anderen Ende an der gegenüberliegenden Seite innen eingehakt.
Sadly only a pale impression of the beautiful celestial blue...sigh...
The smaller velvet ribbons make the brim look much wider than in the fashion plate.
The ribbons for fastening are sewn on the edge of each side with one end, while the other end - after crossing both ribbons at the chin - is closed with a hook inside.

Für die Krone wird ein langer Schlauch genäht, in welchen mittig ein Kanal eingenäht wird.
Durch ein Band im Kanal wird der Stoff innen zusammengezogen. Ein Teil wird nach vorne übergeschlagen und am Saum befestigt.
For the crown I've sewn a tubular piece of fabric with a channel stitched in the middle to the inside.
A ribbon is inserted and then pulled together. One lenght of the fabric is then partially attached on the edge of the other lenght.


Und nach all den verwirrenden Beschreibungen 
(leider kann ich kein bebildertes Tutorial anbieten, denn das Licht war am Morgen während des Nähens nicht wirklich kameratauglich), 
noch eine Rückansicht der warmen Kapotte.
And after all the confusing descriptions 
(apologies for no photos/tutorial, but the light in the morning was too bad for taking pictures), 
a back view of the little cosy bonnet. 

 Leider weigert sich meine Kamera inständig, das herrliche Blau widerzugeben.
Es ist ein frühlingshaftes Himmelblau mit einer Andeutung Sommer, aber da wir Januar haben...winterhimmelblau eben!
Unfortunately my camera refuses to give a proper impression of the shade of blue.
It's a lovely spring-like celestial blue with a hint of summer, but as it's January...winter's celestial blue then!

Sonntag, 22. Dezember 2013

1798/1799 Costume Parisien Spincer bordé en poil

Das letzte Kleidungsstück, das ich in diesem Jahr an meinem Nähtisch gefertigt habe, 
entpuppte sich zu meiner Freude als reines Vergnügen.
Angefangen von der Auswahl der Stoffe und des Modekupfers, 
über das Erarbeiten des Schnittes bis hin zum Nähen.
Wunderbar!
The last garment, which I've sewn on my work table,
turned out to be all bliss.
From the choice of fabrics and fashion plates,
the drafting of a pattern to the sewing.
Marvellous!

Noch während ich an dem Ensemble Costume Parisien 'Robe de Couleur' arbeitete, entdeckte ich auf einem Antikmarkt ein Stück alten, rosa Baumwollflanell mit einem kleinen Muster.
Die Jahre hatten ihre Spuren auf dem Stoff hinterlassen, aber das machte ihn umso begehrenswerter. Was zählen schon ein paar Flecken, wenn er dafür ein wenig die Vergangenheit erweckt.
While I was still busily working on the Costume Parisien 'Robe de Couleur' ensemble, I spotted a truly beautiful piece of antique/vintage, pale rose cotton flanell with a small white pattern on an antique fair.
The years have left some marks of wear and tear, but that only made it even more desireable. I don't mind a few stains, when the whole piece is able to evoke the past.
Der Stoff maß etwa 70 Zentimter mal 2 Meter.
 Die perfekte Länge für einen Spenzer! Und es dauerte auch nicht lange, bis ich auf einen passenden Modekupfer stieß.
The fabric measured 28 inches to 79 inches.
The perfect lenght for a spencer! And it didn't take long until I've found a matching fashion plate.

1798/1799 Costume Parisien Spincer Bordé en Poil
(Quelle/source: via pinterst)

In der Abbildung ist der Spenzer in einem zarten Grün dargestellt, aber der folgende Textauszug des Journal des Dames et des Modes zeigt, dass auch ein blasses Rosa durchaus modisch gefragt war.
The spencer in the fashion plate is shown in pale green, but the following excerpt from the Journal des Dames et des Modes reveals, that pale rose was also quite fashionable.

1798 Journal des Dames et des Modes (Quelle/source: BnF)

 Somit war der Spencer einen Winter vor dem Ensemble 'Robe de Couleur' in Mode.
Also durfte er ein paar Gebrauchsspuren mitbringen.
Erstmals kam bei dieser Nacharbeitung der gealterte Baumwollstoff  zum Einsatz, den ich neulich in einem Beitrag vorgestellt habe.
Es fehlte nur noch geeigneter Pelz, der dem Spenzer schließlich den wohlklingenden Namen 'bordé en poil' verleiht.
Zunächst hatte ich einen Baumwollplüsch im Sinn, aber dann entdeckte ich im Stoffladen vor Ort einen wunderbaren Kunstlammpelz mit Velourrückseite.
The spencer was in fashion the winter prior to the 'Robe de Couleur' ensemble.
Hence it was allowed to show some signs of wear.
For the first time I used the aged muslin, which I've recently wrote a blogpost about.
All I needed to find then was proper fur, which has given the spencer it's euphonic french name 'bordé en poil'.
I opted for cotton plush, but then stumbled upon the most amazing faux lamb's fur with a velour backing.

Ich stürzte mich - juchzend! - in die Arbeit und der Spenzer war im Handumdrehen genäht!
I plunged - cheering! - into work and the spencer was done in no time!

Ein wollig warmer Spenzer aus drei Lagen Stoff.
Außen der alte Baumwollflanell, als Zwischenfutter ein weiterer Baumwollflanell und das Futter besteht aus Baumwollstoff.
A toasty warm spencer made of three layers of fabric.
On the outside the vintage cotton flanell, then another layer of flanell and the lining made from aged cotton.
Wenn man sich keinerlei Gedanken um einen Verschluß machen muß, geht die Arbeit nochmal so schnell vonstatten!
If there's no need to make up your mind about a fiddly front fastening, the progress is even quicker!
Ich bin vollkommen hingerissen von den Farben und den Materialien, sie geben dem Kleidungsstück tatsächlich den Anschein, als wäre es schon eine Saison getragen worden.
I'm totally smitten by the colours and fabrics, they give the impression as if the garment really has been worn for a season already.

 Die Seitenansicht mit den langen verbrämten Ärmeln.
The side view with the long, fur-trimmed sleeves.

Die aufgesetzte Naht vom Seitenteil zum Rückenstück.
The top stitching, which connected the side piece with the back.

 Die mittlere Rückennaht mit einem meiner Lieblingshandstiche.
Dank des Velourrückens, ließ sich der Kunstpelz wunderbar annähen - kein Aufribbeln oder Flusen.
The backseam with one of my favourite handstitches ever.
Due to the velour backing the faux fur was amazingly easy to stitch down - no fraying or lint ball.

Und nun möchte ich meine geduldigen Leser nicht länger auf die berüchtigte Folter spannen, sondern das Ensemble vorführen, das ich in den letzten Tagen in einigen Beiträgen vorgestellt habe.
And now I don't want to tantalise my dear patient readers any longer, and finally show them the ensemble, which I have introduced over the past few days.

Heute Morgen brachte der Postkutscher in aller Frühe einen Schwung Briefe. 
Da es ein diesiger Tag ist, muß ich mit der Lektüre bis nach dem Frühstück warten, ehe sich die Sonne zeigt.
Neben der täglichen Korrespondenz, findet sich schließlich auch ein unerwarter Brief...
This morning the coachmen brought a bunch of letters. 
It is a misty morning and I have to wait until after breakfast for the sun to finally enable me to read. Next to the daily correspondance, I stumble upon an unexpected letter...

...eine Einladung! 
Und Eile ist geboten, denn ich habe bereits den halben Vormittag vertrödelt...
...an invitation!
And it is urgent as I've already fiddled away time this morning...

...ich springe rasch auf und suche meine Gedanken zu ordnen...
...I leap up immediately, trying to arrange my thoughts...

...und natürlich das Haar vor dem Spiegel...
...and to arrange my hair in front of the mirrow...

...bei der Kälte ist es ratsam einen warmen Spenzer zu tragen, der hat mich auch schon im vergangenen Winter vor mancher Verkühlung bewahrt...
...with the current freezing weather, it's well to wear a warm spencer, the one that has already kept me from a cold the past winter...

...schnell noch das Halstuch verknotet...
...quickly close the muslin neckkerchief...

...oh, die Eitelkeit! Aber ein prüfender Blick in den Spiegel hat noch niemandem geschadet und man weiß nie, wem man begegnet...
...oh, vanity! But a peer in the mirrow has never done any harm and you never know whom you meet outside...

...und nun hinaus in die Kälte...
...and now outside into the cold breeze...

...noch ist kein Schnee gefallen, aber eine Ahnung davon liegt bereits in der Luft. 
Hab ich auch nichts vergessen? Nein! Ich eile nun besser...
...no snow has fallen yet, but the crisp air anticipates it.
I hope I haven't forgotten something? No! I better hurry...

...los geht's! Kommt mit! Neue Abenteur am Nähtisch warten!
...here we go! Join in! New adventures at the sewing table are on the rise!

An dieser Stelle möchte ich meinen lieben Lesern für ihre Freundlichkeit, ihre Unterstützung und ihr stetes Interesse danken.
Ich wünsche allen fabelhafte Festtage und ein 
gutes, glückliches und vor allem gesundes neues Jahr.
Meine Stoffschränke sind gut gefüllt und die Modekupfer stapeln sich schon, mehr davon in
2014!
I'd truly like to thank my dear readers for their kindness, support and interest.
Wishing you very merry and magical holidays
and an amazing, happy and healthy New Year.
My fabricstash is fully stuffed and the fashion plates pile up high, more on that in
2014!

Samstag, 21. Dezember 2013

1799/1800 Costume Parisien Robe de Couleur - Teil II: Fichu-Chemise(tte)

Fichu-Chemise also...
Ich traf ein wenig unvorbereitet auf eine Liason mit Bindestrich aus zwei Begriffen, die mir in den späteren Jahren, der Hochromantik, schon oftmals getrennt begegnet waren.
Meine erste verzweifelte Suche nach einer Erklärung der Modekupfer lief ins Leere und unter dem Begriff selbst wurde ich zu einem Modekupfer aus dem Journal des Dames et des Modes geführt, der auf das Jahr 1804 datiert wird (nicht durch die Aufschrift auf dem Costume Parisien Modekupfer verwirren lassen, nach unserem Kalendersystem fällt der Modekupfer in den März 1804).
Fichu-Chemise then...
I've rushed quite unprepared into this liason of two terms connected with a hyphen, which were only familiar to me as being seperate terms in the later years, the high romanticism.
My first desperate search for an explanation of the fashion plate led me into nothingness and the term itself revealed a later fashion plate from the Journal des dames et des modes, which was dated to 1804 (don't get confused by the marked date, actually that number of the Costume Parisien plate corresponds in our calendar system with March 1804).
 

Eine Fichu-Chemise ist laut dem Journal des Dames et des Modes vom März 1804 ein Kleid (zumeist aus Musselin), das keine Taillennaht hat und mit einem Band oder Gürtel zusammengerafft und gehalten wird.
 According to the Journal des Dames et des Modes of March 1804 a fichu-chemise is a dress (mostly made of muslin), which has no waistseam and is gathered with a ribbon or belt.

Allerdings warf die Beschreibung eher neue Fragen auf. Obwohl auch in dem Costume Parisien Modekupfer 171 die Rede von 'Fichu-Chemise' ist, entdeckt man unter dem Saum der Robe de Couleur keinerlei Musselin hervorblitzen...und auch der Modestich 172 hüllt sich in Schweigen oder besser gesagt in die Fülle des Oberrocks.
Actually the description led to more questions rather than solving any. While the Costume Parisien No.171 mentions the 'fichu-chemise', there's no hint of a muslin flashing from under the robe de couleur...and the plate No172 was no help either.
1799/1800 Costume Parisien No.171 Robe de Couleur, No.172 Chapeau Cornette

Ich war ein bisschen hin und hergerissen. Natürlich zeugt ein zweites Kleid (auch wenn es sich lediglich um hauchzarten Musselin handelt) in eisigen Wintertagen von einigem Nutzen, aber ich entschied mich dennoch der Stimme meines Stoffvorrates zu folgen und aus der Fichu-Chemise eine Fichu-Chemisette zu nähen.
I felt torn. Certainly a second dress (even only made of lightweight muslin) would add some warmth on a freezy frosty winter's day, but I decided on responding to the call of my fabric stash and stitch a fichu-chemisette instead a fichu-chemise.

Meine liebe Freundin Kerstin, mit der ich ganz altmodisch im Briefwechsel stehe, hat mir erst neulich noch einen Rest von ihrem wunderbaren Musselin geschickt, von dem sie sich selbst nämlich ein herrliches 1797er Chemisenkleid genäht hatte.
Dieser Stoff  ̶s̶̶o̶̶l̶̶l̶̶t̶̶e̶  mußte es sein - nochmals vielen lieben Dank!
My dear friend Kerstin, with whom I exchange real letters in the old-fashioned way, recently has sent me a piece of beautiful chequed muslin, from which she has sewn herself a beautiful 1797s chemise dress.
It  ̶s̶̶h̶̶o̶̶u̶̶l̶̶d̶  had to be this fabric - many thanks again!

Der verwendete Musselinstoff maß in etwa 50 Zentimeter mal 1.50 Meter.
The muslin fabric was approximately 20 inches wide and 59 inches long.

Innen ist er (bis auf die Ärmel) mit feinem Baumwollpopelin gefüttert.
Die Falten sind nicht eingenäht, sondern lose iwe bei einem Fichu.
The inside (sans the sleeves) is lined with fine cotton poplin.
The pleats are not stitched down, but remain loose like common in fichus.

Dann durfte sich mein Geschmack frei entfalten: was aber nicht für die Falten auf dem Rückteil galt, denn die wurden festgenäht.
Then I allowed my taste to unfold: which wasn't allowed to the pleats in the back though, as they were stitched down.

Meinem Geschmack folgend, haben auch die Ärmel eine kleine Änderung erfahren.
Nachdem ich, wie im Modekupfer gezeigt, zwei Verzierungen aufgenäht hatte, mußte ich feststellen, dass mir das Oberteil zu überladen wirkte. Also trennte ich die doppelte (obere) Reihe wieder ab.
Aber die Arbeit war nicht vergeudet, denn sie regte mich an darüber nachzudenken, wie die Frauen vor zweihundert Jahren mit den Modekupfern umgegangen sind.
Ähnlich wie unsere heutigen Modezeitschriften waren sie ein Leitfaden, der hier und da nach dem eigenen Geschmack und den verfügbaren Mitteln angepasst wurde.
Following my taste, I've also done a minor change on the sleeves.
After I've stitched the second row of decoration to the sleeve, I realized that it felt too much froufrou for this garment. I decided to rip off  the upper trim - so much more appealing.
And the work wasn't in vain, as it led me to think about how the women two hundered years ago dealt with these fashion plates.
Similar to our modern fashion magazines, these were a guideline and a source of inspiration, which was adapted due to the personal taste and means.

Ein Blick auf das Futter An der unteren Kante habe ich ein Nahtband eingenäht.
A view of the lining. I added a waistband on the hem.

Die Abnäher des Futters sind nach Innen sichtbar.
The darts are visible on the inside of the lining

Die Chemisette wird mit einer Nadel geschlossen. 
Ich habe ein Kleidungsstück erhalten, welches ich wunderbar mit meinen anderen Röcken aus der Zeit kombinieren kann und selbst wenn der Spencer abgelegt wird, ist man noch sittsam gekleidet.
The chemisette is closed with a pin. 
I have sewn a garment, which I can also wear with my other period skirts, and even without a spencer I am still modestly dressed.

Ein wunderbar luftiger Stoff.
A lovely lightweight fabric.

Von der Seite erkennt man die etwas voluminöse 'Fichu Wirkung' besonders trefflich.
The side view gives a very good impression of the 'fichu - shape'.

Ehrlich gesagt, verlangt ein solch zartes Kleidungsstück angesichts der frostigen Wintertage doch nach einem wärmenden Spenzer, nicht wahr?
Mehr dazu im nächsten Beitrag über einen Spincer (das 'i' ist kein Schreibfehler!) a bordé en poil aus dem Jahr zuvor, also der Winter 1798/99!
Honestly, such a delicate garment needs a cosy spencer in these frosty winter's days, does it not?
More about it in my next post about a spincer (the 'i' is no grammatical mistake) a bordé en poil from the prior year, the winter of 1798/99!