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Sonntag, 1. Juli 2012

Kleider machen Leute

Der Titel aus Gottfried Kellers Novelle kam mir in den Sinn, als ich mit diesem Projekt über die Kleidung der einfachen Schichten begonnen habe. 
Mein erster Abstecher in die schlichte bürgerliche Kleidung...aber von schlicht kann eigentlich gar nicht die Rede sein. Im Gegenteil, ich war sehr überrascht als ich auf Graenichers Sammlung Sächsischer Kostüme traf. Die Kleidung der Dresdner Köchin spiegelt meines Erachtens einen gewissen Stolz auf den Stand wider. Zudem gibt es viele wunderbare Details zu entdecken.
Die Nacharbeitung des Ensembles war ein wirkliches Vergnügen...und ein buntes noch dazu, wenn man das colorierte Original betrachtet.
Genug der einleitenden Worte...nun aber endlich zu meiner Interpretation.
The title "Clothes make the man" from Gottfried Keller's short novel was on my mind when I started this project, which subject was the clothing of the "lower sorts".
This was my first encounter with the clothing of the common  people...but common or even plain is simply not the right word. In contrary, I was amazed when I've found Graenicher's collection of Saxon Costumes. The dress of the Dresdner cook displays a certain pride. And there are plenty of lovely details yet to discover.
The reproduction of the ensemble was fun...and colourful, which a peek on the original coloured plate reveals.
For now enough of the introduction and off to my interpretation.

Das Kleid ist aus Leinenstoff, denn der erweist sich auch bei viel Arbeit und hoher Beanspruchung als äußerst angenehm im Tragen. Der Stoffverbrauch lag bei etwas über 3 Metern. Es handelt sich um eher leichtes, feingewebtes Leinen. Der Rock hat einen Umfang von etwa 2.20 m. Genäht wurde selbstverständlich mit Leinengarn. Das Kleid schließt vorn mit Bändern in zwei Tunnelzügen. 
The dress is made of linen, which is a very comfortable fabric in regard of wear. I needed about 3.2 yards. It is more of a light linen, finely woven. The skirt has a circumference of about 87 inches. I hand sewed with linen thread. It is a front closing gown with two tunnels.
Ein Blick auf das "Innenleben"...viele Nähte wurden nicht versäubert. Durch häufiges Tragen und Waschen,  stellt sich das "Aufribbeln" irgendwann von selbst ein. 
Die Ärmel bestehen aus jeweils zwei Teilen. Sie enden am Handgelenk und haben Schlitze, sodass man die Ärmel bei Bedarf hochschlagen kann.
An inside view...most seams remain unfinished (raw). Wearing and washing help that the threads eventually stop unravelling.
The sleeves are made of two pieces each. They end shortly above the wrist and they have slits, to help roll up the sleeves.
 Der Rock hat zwei Falten, mittels derer er bei Bedarf verlängert werden könnte.
The skirt has two tucks, which could be opened to add some lenght if needed.

Der ockerfarbene Spencer besteht aus Leinen und baumwollenem Futter, wovon ich jeweils ca. 1.5 m benötigt habe.
Der Spencer wird vorne übergeschlagen und lediglich mit dem Band geschlossen.
The ochre coloured spencer jacket is made of linen and cotton lining, of which I needed 1.6 yards each.
The spencer is wrapped in front and closed solely with the linen ribbon (band).

Ein Blick ins Innere. Die untere Kante bleibt unversäubert. Die Rüschen sind jeweils zweimal gefaltet und mit Überwendlichstichen vernäht.
An inside view. The lower edge remains raw. The ruching is made from fabric strips, which are folded under twice and then finished with overcast stitches.

 Der Kragen. 
Der Oberstoff wurde nach innen umgeschlagen und angenäht, dahinter die Rüsche des Kragens.
Close-up of the collar.
The linen was folded around the edge and sewn to the lining, behind that is a close-up of the frill.
 Die untere Kante des Spencers. 
Lower edge of the spencer.


Detail des Ärmelaufschlags.
Detail of the cuff.

Nach langem Regen zeigte sich der Sommer am heutige Sonntagmorgen endlich mal von seiner freundllichen Seite. Die Gunst der Stunde habe ich genutzt, um das Ensemble auf unserem sonntäglichen Spaziergang auf seine Alltagstauglichkeit hin zu prüfen. Wir hatten etwa 22 °Celsius und der Marsch erstreckte sich über ungefähr vier Kilometer.
Unter dem Spencer und dem Kleid verbergen sich noch folgende Kleidungsschichten:
Ein leinenes Unterhemd (Unterkleid), ein Kurzkorsett, ein baumwollener Unterrock, Hüfttaschen, lange Strümpfe.
Dennoch war es ein angenehmer Spaziergang und ich mußte unterwegs keines der Kleidungsstücke ablegen, weil ich etwa ins Schwitzen kam.
After weeks of steady rain the summer finally returned this Sunday morning with lovely sunshine. I took the favour to wear my ensemble for the first time on our weekly Sunday's stroll through the woods. 
It was about 71° Fahrenheit and our march took us a bit more than 2.4 miles.
Beneath the spencer and the dress I did wear the following layers:
A linen shift, short stays, a cotton petticoat, pockets, long stockings.
Nevertheless it was a comfortable walk and I did not have to take any clothes off, because of sweating.

Was für ein herrlicher Morgen!
What a lovely morning!
Auf dem Waldboden haben sich auch meine Schuhe (mit geradem Leisten und Ledersohle) bestens bewährt!
On the uneven, stoney ground my shoes (built on straight lasts and with leather soles) have been proven excellent!
Eine kurze Rast.
A short rest.

...und noch ein paar Blumen für Daheim pflücken.
...and finally pick some flowers for decorating the home.

Danach ging es dann mit viel Elan in den Garten. Selbstverständlich mit Schürze und Haube.
After the walk I went straight into the garden. Of course with an apron and a cap.
...und natürlich mit Katze!
...and certainly with cat company!


















Die Haube ist aus feinem Leinen genäht und nach dem Vorbild Graenichers mit sattrotem Seidenband verziert.
The cap is made from fine linen and according to Graenicher's plate embelished with a deep red silk ribbon.
Zunächst wollte ich die Schürze mit einem kleinen Latz nähen, aber bei meiner Suche nach Belegen, stieß ich lediglich auf das berühmte Bild "Die Stickerin" von Kersting. Die dargestellten Frauen in den Bilder Boillys tragen Schürzen bestehend aus einfachen Quadraten mit einem schmalen Band. Ähnliche Stücke fanden sich zahlreich in den Sammlungen der Met, des Tidens Toj oder Colonial Williamsburg.
I've actually planned to sew my apron with a bib, but then I found only the famous painting "Die Stickerin" from Kersting as proof. The majority of women portrayed in Boillys paintings had aprons made of a square piece with a small waistband attached. Ditto is to be found in the collections of Met, Tidens Toj or Colonial Williamsburg.
 Der fehlende Latz wird durch ein Schultertuch aus Baumwollbatist wettgemacht.
The bib is replaced by a lovely cotton batiste kerchief instead.

Und zu guter Letzt' noch ein Blick auf das Leinenkleid:
And finally a picture of the linen dress:

Montag, 25. Juni 2012

Es wird bunt!

Statt Sommerfrische, nichts als Regen, grauer Himmel und trostlose Gemüsebeete!
In dem trüben Einerlei sehnt man sich förmlich nach ein wenig Farbe, also habe ich mich zu einem Wechsel bei meinen Projekten entschlossen. Statt die Planung von Guillaume Guillon-Lethières "Portfolio Girl Kleid" fortzusetzen, 
ist nun erstmal der wunderschöne Spencer aus maigrüner und bonbonrosafarbener Seide auf meinem Nähtisch gelandet.
Was für ein willkommener Augenschmaus!
Instead of summer's sunshine, we suffer from rain galore, grey skies and dreary vegetable beds!
In this weary bleakness everything calls for some colour at least and this is why I changed my mind regarding the projects. I've put the Guillaume Guillon-Lethières "Portfolio Girl Dress" on hold, while a lovely spencer in beautiful spring green and candypink silk found it's way on my sewing table.
What a delight to the eye!

Seidenspencer, frühes 19tes Jahrhundert (Quelle: met Museum)
Silk spencer, early 19th century (Source: met Museum)

Einen passenden Stoff aus Seidentaft habe ich leider nicht gefunden, aber einen feinen Baumwollwebstoff aus der Robert Kaufman Serie. Sogar nach dem Waschen behält der schöne Stoff einen gewissen Stand...und die Farbe: die ist wunderbar!!!
I didn't manage to find a suitable silk fabric, but I've chosen a fine cotton fabric. Even after the first wash it has kept it's stand...and the colour:
it's wunderbar!!!

Sobald der Regen sich endlich erbarmt, werde ich auch einen ausführlichen Bericht (mit reichlich Fotomaterial belegt) über das blaue schlichte Leinenkleid und den ockerfarbenen "Graenicher" Spencer 1806 der Dresdner Köchin nachliefern. 
Einen kleinen Vorgeschmack gibt es aber bereits an dieser Stelle:
As soon as the rain finally shows some mercy, I'll post in detail (and with plenty of photos) about the blue linen dress and the ochre-coloured "Graenicher" spencer 1806 of the Dresdner female cook.
But here's already a first sneak peek:

Montag, 11. Juni 2012

Graenicher, Lethière und Boilly

Doch...doch, die Arbeit an meinem Leinenkleid geht unvermittelt weiter. Inzwischen ist auch die Schürze fertig und nun geht es an die schlichte Spencerjacke aus ockerfarbenem Leinen. 
Als Inspiration dafür (und überhaupt für das Ensemble insgesamt) diente mir die Köchin aus Samuel Graenichers (1758-1813) Feder.
Entstanden ist das Bild etwa um 1806 und wenn man sich im Netz weiter umschaut, entdeckt man auch eine farbige Abbildung in eben jenem Ockerton, der schon so lange als Leinenstoff in meinem Schrank schlummert.
Oh well...well, there's still much progress on my blue linen dress. Meanwhile I've finished the apron and now I'll start with a matching linen spencer jacket in an ocre colour.
The inspiration for the jacket (and the whole ensemble) is loosely based on a drawing from Samuel Graenicher (1758-1813) of a female cook.
The drawing is dated from 1806 and further search of the web reveals that there's a coloured plate with exactly the same shade of ochre than the linen, which lie dormant in my fabric stash for a long time.
Graenicher, Dresdener Köchin 1806

Und da ich mittlerweile großen Gefallen an der Jahrhundertwende gefunden habe, ist es an der Zeit demnächst ein Ensemble zu verwirklichen, dass mir schon lange Zeit am Herzen liegt.
Es handelt sich um Guillaume Guillon-Lethières (1760-1832) Bild "Girl with Portfolio" von 1799.
Das Bild bzw die dargestellte junge Frau hat eine unglaubliche Ausstrahlung und nimmt einen vom ersten Augenblick für sich ein. Ihre Kleidung ist schlicht, aber überaus stimmig und ich freue mich schon sehr auf den Versuch Kleid und Spencer Leben einzuhauchen.
As I'm actually hooked by the turn of the century, it's about to create an ensemble, which I already fell in love with some time ago.
It's Guillaume Guillon-Lethière's (1760-1832) painting "Girl with portfolio" from 1799.
The girl in the painting looks fascinating and easily catches the viewer's attention. Her clothing is simple and sober and yet very beautiful. I'm truly looking forward to recreate the garments.

Zudem lockt mich dieses Projekt, weil ich bei der Verwirklichung des Kleids ziemlich freie Hand habe, da man im Gemälde nur einen Blick auf den Rock erhascht. Zu diesem Zwecke studiere ich gerade - zu meinem großen Vergnügen - unzählige Bilder, allen voran die von Louis-Léopold Boilly (1761-1845).
This project is also very appealing as I can choose the shape of the bodice of the dress to my own liking, the painting only shows the skirt. For this reason I'm currently studying - with great pleasure - plenty of period paintings and especially those of  Louis-Léopold Boilly (1761-1845).

Donnerstag, 7. Juni 2012

...dann mach ich mir 'nen Schlitz ins Kleid...oder auch zwei!

Die Näharbeiten am blauen Leinenkleid habe ich bereits vor einigen Tagen abgeschlossen, aber aus unerfindlichen Gründen spielt das Wetter nicht mit - immerhin das Kleid ist für den Garten angedacht und nicht für Arbeiten im Eishaus!
In der Zwischenzeit war ich nicht untätig, sondern habe mich an die Accessoires begeben, denn was ist schon ein Leinenkleid für die Gartenarbeit, wenn es keinerlei Taschen hat!
Taschen?!
Allerdings! Während ich mich eifrig durch die Bücher "What clothes reveal" von Linda Baumgarten und "Costume in detail" von Nancy Bradfield blätterte, entdeckte ich nicht nur einen Hinweis für Schlitze im Rockteil eines Kleides von etwa 1806, sondern auch Taschen, die nicht mit Stickereien - wie im 18ten Jahrhundert üblich - verziert waren, sondern aus Reststücken zusammengeflickt waren.
Beide Funde fügten sich wunderbar zu dem Arbeitskleid!
I've already finished sewing on the linen working dress several days ago, but unfortunately the weather is less than fine for the past few days - alas, the dress is intended for garden work and not for working in an ice house!
Meanwhile I've been busy to sew accessories, because a dress for garden work should have pockets!
Pockets?!
Well, sure! While busily studying "What clothes reveal" by Linda Baumgarten and "Costume in detail" by Nancy Bradfield, I not only found evidence for pocket slits in an 1806 muslin dress, but also pocktes made from fabric scraps, instead of the well-known embroidered and eleborate 18th century pocktes.
Both finds made perfect sense for building up a working garment wardrobe!
Der Rock des Kleides besteht aus zwei Teilen, die unterhalb der Verbindungsnaht von Rock und Oberteil auf beiden Seiten auf die Länge von etwa 20 cm geöffnet werden. Dahinter erkennt man die Tasche, welche mit Bändern um die Hüfte getragen wird.
The skirt is made of two large pieces, which are opened quite close to the raised waistline on both sides. The slit is about 20 cm. Behind the slit is the pocket, which is worn with a linen belt round the waist.

Und das ist die Vorlage aus "Costume in detail".
This was the inspiration from the book "Costume in detail".

Nachdem ich in dem Buch von Linda Baumgarten den Hinweis auf eine Patchworktasche entdeckt hatte, begab ich mich im Netz auf die weitere Suche nach Fundstücken...ich habe noch einige Exemplare aufgetan, aber im Gegensatz zu den feinen, gestickten Taschen sind leider nicht allzuviele Stücke erhalten, was daran liegen mag, dass die Kleidung der "arbeitenden Bevölkerung" eher dem Verschleiß anheimfiel.
After getting a hint to pockets made from fabric pieces, I tried to gather further proof in the width of the web...I made a few more finds, but unlike the fine embroidered pockets of the 18th centuries, the pockets made from fabric scraps are unfortunately quite rare, due to the fact that garments from the "working class" usually have been made to wear & tear.

frühes 19. Jahrhundert Tasche/ early 19th century Bag (Pocket) Met Museum NY

Dank Mme du Jard hatte mich zu jenem Zeitpunkt gerade das English Paper Piecing Quilten gepackt, also wagte ich mich mit dieser Technik gleich mal an eine Tasche, obwohl zeitgenössische Stücke tatsächlich eher aus quadratischen Stoffstücken bestanden...
Mme du Jard most recently introduced me to the highly addictive English Paper piecing quilting, thus I decided to try this technique at least on one of the pockets, although most extant pockets were usually made of square fabric scraps...
Die Taschen bestehen aus bunten Baumwollreststücken bzw ungefärbter Baumwolle (Rückseite). Sie messen etwa 20cm x 40cm. Das Schrägband ist ebenfalls aus Resten gefertigt. Vernäht wurde alles per Hand mit Leinenfaden. Die beiden Taschen sind mit einem groben Leinenband verbunden.
The pockets are made from colourful cotton fabric scraps and unbleached cotton (backside). The measurements are approx. 20cm x 40cm. The edges are bound with scraps, cut on the bias. The entire piece is handsewn with linen thread. Both pockets are connected with linen waistband.
Die Rückseite
Back view
Zur Zeit arbeite ich noch an weiteren Details für ein komplettes Ensemble, wie z.B. einer Leinenschürze und einer schlichten Spencerjacke aus grobem Leinen...und natürlich warte ich auf besseres Wetter...
I currently work on further additions like a linen apron and a plain linen spencer jacket to complete the "working" dress look...and I do wait for the weather to improve...

 Ein kleiner, aber nicht unbedeutender  Nachtrag: Wie es der Zufall so will, beschäftigt sich Lauren auf American Duchess derzeit mit bestickten Taschen und sie hat diesbezüglich eine hervorragende Quelle aufgetan...hier entlang, bitte: Patchworktaschen!
 A short, but interesting supplement: As it happened Lauren over at American Duchess currently discusses about embroidered pockets and she provided us with an excellent link, please follow here: 
patchwork pockets!

Donnerstag, 24. Mai 2012

Die Ballade vom trotzigen Leinenkleid

Was als schnelles Nähstück für zwischendurch angedacht war, entpuppte sich als langwierige Angelegenheit und mahnende Lektion. Ich weiß nicht, ob es einem Übermaß an Sonnenschein, Sauerstoff und Vogelgezwitscher (denn natürlich steht außer Frage, dass bei diesem Wetter im Freien genäht wird), zuzuschreiben ist, aber das schlichte Leinenkleid um 1800 stellte mich von Beginn an vor Herausforderungen...
...möglicherweise lag es auch daran, dass ich keine genauen Vorstellungen hatte, wohin die Reise gehen sollte. Fest stand nur, es sollte ein bequemes Kleid sein, das für die Gartenarbeit taugt und Züge des frühen 19.Jahrhunderts trägt.
What I inteded to be a quick'n'easy project, proofed to be a tedious work and a good lesson for me. I wonder, wether it's due to the overabundance of sun, oxygen and bird song (of course having the most beautiful weather outside, I do sew in the garden), but the linen dress was a challenge right from the beginning...
...probably one reason might have been, that I didn't had any precise ideas how it should look like. I only knew it should become a comfortable dress for gardening and it should have the features of an early 19th century dress.

Also ran an die Schere und den Stoff, um ein paar Probestücke zu schneidern.
I fetched my scissors and some fabric to do a few mock-ups.
Das obere Stück schied schnell aus, aber der zweite Versuch mit den geteilten Nähten, die noch eine kleine Erinnerung an das 18.Jahrhundert gewährten, gefiel mir. Ja, zu einem Kleid für die tägliche Arbeit in Haus und Hof passt ein Schnitt, der den Anschein verbreitet, aus einem früheren, abgelegten Kleid zusammengeschnitten worden zu sein.
The upper piece soon lost my attention, but the second mock-up with the extra seams on the back piece, was very much to my liking, as it was a bit of a reminder of the 18th century fashion. Yes, indeed, the pattern was quite suitable for a working dress, as it gives the impression that a former dress/fashion was turned into a new dress.
Und so sieht es dann schließlich auf dem Papier aus. Im Bild sind die Teile für den Rücken einschließlich der Träger.
And that's what it looks like as a paper pattern. These are actually the pieces for the bodice's back including the shoulder strap.

Nachdem das Oberteil zusammengenäht war, ging es zuversichtlich an die Ärmel. Ich wollte unbedingt zweiteilige Ärmel einsetzen und auf jeden Fall lange Ärmel (auch wenn man auf Bildern dieser Zeit beim "arbeitenden Volk" eher halblange Ärmel sieht). 
Und da befand ich mich wieder mitten drin in der Ballade vom trotzigen Leinenkleid. Ich habe die Versuche irgendwann nicht mehr gezählt (aber in steter Erinnerung wird mir der Versuch bleiben, als ich einen Ärmel versehentlich falsch herum eingenäht habe). Es bedurfte wohl einem halben Dutzend kläglicher Bemühungen, zweier Schnitte und vielen aufgetrennten Säumen, ehe mich das Ergebnis endlich...endlich...zufriedenstellte.
After I've had assembled the bodice, I confidently started with the sleeves. I wanted two pieced sleeves and long sleeves (although many period paintings and caricatures show working class peoples' sleeves, which only reach down to the elbow).
And there I found myself amidst in the Ballad of the defiant linen dress. I lost count on the many attempts (but I will always remember that I even sew in one sleeve backwards). It took surely half a dozen of pitiful efforts, two patterns, many ripped off seams, before the result finally...finally was successful.

Das Oberteil aus blauem Leinenstoff (der eigentlich ein wenig dunkler ist, als im Bild), gefüttert mit Baumwollstoffresten. Komplett handgenäht (einschließlich aller Fehlversuche) mit grobem Leinenfaden. Das Tunnelband ist aus ockerfarbener Wolle gewebt.
The bodice made from dark blue linen (it's actaully a darker blue than in the photo), lined with cotton scraps from the stash, completely hand-sewn (including all failed attempts) with linen thread. The ribbon for the closure is woven from ochre-coloured wool.

Ein Blick ins Innere
Inside view

Die Ärmelnaht bleibt unversäubert. Die meisten Nähte wurden mit dem Steppstich aufgenäht. Der Rand wurde übergeschlagen und angenäht.
The sleeve seams remain raw. Most of the seams are done with top stitch. The edge was fold over and under and sewn to the inside with overcast stitches.

Und die Rückenansicht mit den eingesetzten Ärmeln.
And the back with the "sleevils".

Als nächstes geht es an den Rock. Ein wenig bang ist mir nach all den Mühen nun doch ein wenig, aber ich geb mich mal als tapferes Schneiderlein frisch ans Werk...hoffentlich bis in Kürze...
Next step will be the skirt. After all the failures I feel a bit anxious, but like the valiant little tailor I won't give in...hope to present the finished dress soon...